Ein historischer Kriminalroman der sich mit einem der rätselhafteren Bilder im Louvre beschäftigt, auf dem zwei Frauen in einer Badewanne zu sehen sind, bei der die eine Dame der anderen an die Brust fast. Beide Frauen sind Mätressen des Königs Heinrich IV die kurz vor der Verehelichung verstorben sind. Der Autor des Buches, der Protagonist des Romans, versucht mithilfe einer Erbin herauszufinden, wo was es mit diesem Bild auf sich hat. Die Fahndung nach belastbaren Unterlagen erweist sich als äußerst spannend und stürzt den Protagonisten in sich immer schneller drehenden Strudel von Ereignissen die dann in ein Finale furioso mündet. Der Roman ist außergewöhnlich gut recherchiert und man blättert sich wie bei einer Zwiebel langsam zum Kern vor. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.
Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.
Susanne Popp: Der Weg der Teehändlerin

Um es vorwegzunehmen: man muss den ersten Teil dieser Familiensaga um die Tee-Dynastie Ronnefeldt nicht gelesen haben, um den letzt erschienenen zweiten Teil zu verstehen. Aber es wäre schade. Zum einen, weil der dritte Band für das Frühjahr 2023 angekündigt ist. Zum anderen, weil es sich bei Susanne Popps Geschichte um eine mitreißende, flott geschriebene Geschichte im Frankfurt des 19. Jahrhundert handelt. Und was die Geschichte noch spannender macht ist, dass das Teehaus Ronnefeldt heute noch existiert. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, Dichtung und Wahrheit zu einer stimmigen Geschichte zu verweben. Dank der ausführlichen Recherche und den daraus resultierenden Schilderungen gelingt es der Autorin, Weiterlesen
Tacos, Burritos und Co., Thomasina Miers
Mexikanische Küche für Zuhause: Bekannt ist die mexikanische Küche für Tacos, Burritos, Salsa und Guacomole. Dann steht das auch noch als Buchtitel. Doch wer dieses Lebenswerk von Thomasina Miers liest, so muss man dieses Buch bezeichnen, es ist von Thomasina Miers eine Liebeserklärung an die mexikanische Küche, ist überrascht, wie vielfältig die mexikanische Küche ist und nicht nur aus Tacos und Burritos besteht.
Henning Boëtius: Das chinesische Zimmer, Ein Piet-Hieronymus-Krimi

Das chinesische Zimmer von Henning Boetius
Es ist schon erstaunlich dass ein Kriminalbuchautor seine Kriminalromane selbst beschreibt: „sie haben geschrieben keine typischen Krimis produzieren zu wollen eher Kulturgeschichte im lose weggeworfene Krimigewandt“. Genau dies ist dieser Kriminalroman, der voll ist von Kunst und Kulturgeschichte aus dem chinesischen Taoismus. Wäre das nicht schon genug, nein, der Autor verlegt die Handlung des Romans in das tief verschneite Finnland unter dem Hintergrund der Kultur der Samen. Mit Piet Hieronymus hat Henning Boëtius einen Ermittler erschaffen der unkonventionellen und relativ pragmatisch an die Fälle herangeht. Im vorliegenden Buch will er wissen die sein alter Freund Einar gestorben ist weil die Umstände seines Todes sehr merkwürdig sind. Weiterlesen
Ein Versprechen aus dunkler Zeit, Ian Rankin

Ich muss zugeben, Band 23 des mittlerweile pensionierten schottischen Ermittlers DI John Rebus war meine erste Begegnung mit ihm und auch Autor Ian Rankin. Und obwohl in Rente gegangene Detectives immer etwas leicht Depressives haben, ist es ein sehr solider, unglaublich gut geschriebener Krimi. Man merkt Ian Rankin einfach an, dass er über Jahre hinweg als Autor weiß, was er tut. Ein Bestseller geschrieben von einem internationalen Bestsellerautor. Und obwohl Rebus anscheinend dafür bekannt ist, sich an einem Fall wie eine Bulldogge festzubeißen, geht es hier um mehr.
Es ist ausgerechnet seine Tochter, um deren Hals sich die Schlinge des Mordverdachts immer enger zuzieht. In dem Fall ist Rebus jedes Mittel recht, denn er hat an seinem Kind einiges gutzumachen!
Catherine Rayner: Arlo kann nicht schlafen
Für einen Rezensenten von Jugend und Kinderbüchern sind mehrere Dinge ausschlaggebend: wie fühlt sich das Buch an, wie ist das Umschlagbild gestaltet, ist der Text verständlich und in welche Zielrichtung geht der Inhalt des Buches. Das cover Bild ist mit einigen Goldfäden durchwirkt und wirkt deshalb intensiver auf den Betrachter. Der Text ist verständlich, das Test Kind, drei Jahre alt hat es schon bei einmaligem Lesen verstanden und am nächsten Morgen quasi fehlerlos wiederholt. Kinder haben oft Probleme mit dem Einschlafen und deshalb ist der Versuch mit dem Gesang und dem suggestiven Text schlafen zu erwirken vielfältig von Erfolg gekrönt. Das Kinderbuch hat alle die es in die Hand nahmen überzeugt. Weiterlesen
Christian Buder: Der Dachs
Es ist nicht die erste Geschichte von Christian Buder, mit der er seine Leserinnen und Leser in die rauhe, unwirtliche Bretagne führt. Man spürt, er bewegt sich auf bekanntem Terrain, beobachtet Mensch und Natur wenn er zeitweise in der Bretagne lebt, die sich wie der im Meer liegende Leuchtturm vom Buchcover gegen Wind und Wetter behaupten müssen. Den Bretonen scheint die Leichtigkeit der Südfranzosen, die entspannt mit einem Gläschen was-auch-immer auf das ruhige, einladende Mittelmeer schauen, abzugehen. Sie sind geprägt von der Nordsee – rauh und gewaltig – die selbst erfahrenen Fischern und Seglern, wie Camille, der Frau des Protagonisten Ronan Prad, das Leben kostet. Der Autor hat mit Ronan Prad, Ex-Elitesoldat und mittlerweile Capitaine der Gendarmerie Maritime, einen kantigen, meistens kompromislosen Protagonisten geschaffen, von dem man noch mehr lesen möchte. Weiterlesen
Anja Marschall: Feuer in der Hafenstadt
Ein Kriminalroman der die gesellschaftliche und politische Vergangenheit an der Nordseeküste widerspiegelt. Die gesellschaftlichen Unterschiede sind enorm aber anders als auf dem Festland. An der Nordsee bestimmen die Kapitäne und die Unternehmer wo es lang geht. In diesem Krimi geht es die Erweiterung der genossenschaftlichen Hochsee Fischerei. Da die Beschaffung von Kuttern sehr kostspielig und langwierig ist müssen viele Menschen bereit sein Geldmittel zu investieren. Dies scheint aber von dunklen Mächten nicht gewollt zu sein und mit den verschiedensten unlauteren Mitteln torpediert zu werden. Im Hintergrund werden auch menschliche Schicksale dieser Zeit authentisch geschildert. Weiterlesen
Wer ohne Sünde ist, Asa Larsson -Rebecka Martinsson letzter Fall –

Die Rebecka Martinsson Thriller sind nicht nur extrem spannend, sie sind auch immer dunkel, weil sie die schwärzesten Abgründe der menschlichen Existenzen ausleuchtet. Und so endet die Serie, um die Staatsanwältin Martinsson in der nördlichsten Stadt Schwedens auch. Alle im Team der Kripo und Staatsanwaltschaft sind angekratzt. Einer musste in Pension gehen, wo er nicht hingehört. Der Pathologe ist todkrank, Rebecka völlig durcheinander, wegen Krister und weil ihr Erzfeind von Post ihr Interim-Chef wird. Da findet man zwei Leichen auf einer abgelegenen Insel. Henry der alte Säufer scheint eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Doch in seiner Kühltruhe liegt ein Mann, der seit 1962 vermisst wird und der hat eine Kugel im Kopf. Obwohl der Mord verjährt ist, kümmert sich Rebecka darum. Denn er ist der Vater eines Olympiagold-Boxers, eines schwedischen Helden, und Henry gehörte mal zu der Familie, die Rebeckas Mutter großzog. Aber selbst Rebecka kann nicht ahnen, dass sich die Ereignisse bald überschlagen und noch viel mehr Leichen auftauchen.
Eine großartige Serie, die mit einem sehr dunklen Buch endet. Hier kann man nur Stück für Stück lesen, um nicht in von der düsteren Atmosphäre Kirunas erdrückt werden. Aber weglegen ist keine Alternative. Ein toller unheimlicher und spannender Thriller