Schlagwort: Kriminalroman

Donna Leon: Milde Gaben, Commissario Brunettis einunddreißigster Fall

Die Redaktion des Eschborner Stadtmagazins sagt herzlichen Glückwunsch und das zweimal. Zunächst einmal gratulieren wir Donna Leon zum 80. Geburtstag und zum zweiten dem Verlag Diogenes zum 70. Geburtstag. Beide Geburtstage weisen auf ein stolzes Alter hin, voller Schaffenskraft und dem Wunsch der Leserschaft viele spannende und schöne Bücher zur Verfügung zu stellen. Donna Leon hat es Venedig und die Venezianer angetan denen sie intensiv auf die Finger und in die Seele schaut. Sie vermittelt uns Leser, die nicht eine gewisse Zeit in Venedig verbringen können, innere Gefühle der Stadtgemeinschaft. Nachvollziehbar wird auch der Unmut der im Venezianer wenn Horden von Touristen aus riesigen Kreuzfahrtschiffen die Stadt einfallen, Fotos machen und dann verschwinden. Dieser Tourismus schadet der Stadt und der Infrastruktur dieser Stadt. Donna Leon nimmt dies alles auf und vermittelt es mit ihren Büchern. Spannend sind diese Bücher alle Mal. Weiterlesen

Martin Walker: Tête-à-Tête, Der vierzehnte Fall für Bruno, Chef de police

Es ist unglaublich wie es der Autor immer wieder schafft seine Leserschaft mit spannenden neuen Büchern zu überraschen. In seinem neuesten Werk hat er neben den sogenannten Rosenholz Dateien, das ist die Liste der Stasi Spione über die ganze Welt verteilt sind, den Klimawandel, den Nachwuchs seines Hundes Balzac und natürlich die herrliche Landschaft des Perigaux untergebracht. Diese Rosenholz Dateien spielen auf dem Geheimdienstsektor zwischen den Verbündeten eine ungute Rolle weil hier mit verdeckten Karten gespielt. Das macht der Autor deutlich indem er diese Papiere als roten Faden durch seine Handlung laufen lässt. Natürlich lässt er seinen Flic Bruno einige Gerichte kochen, die zur Nachahmung empfohlen sind. Hochspannung entsteht durch die Schilderung der Waldbrände die auch dieses Jahr im August mit grausamer Wirkung Wälder und Landschaften verwüsten. Weiterlesen

Elke Pistor: Tide, Tod und Tüdelkram

Tide, Tod und Tüdelkram ist ein Roman der in literarischer Form einen kalorienreich Anschlag auf unsere Geschmacksnerven unternimmt. Ein Wohlfühlroman obwohl es um ein Verbrechen geht. Eine ältere Konditorin mit unglaublichen Tortenrezepten auf Verbrecherjagt. Leicht wie ein Baiser und mit der Durchschlagskraft einer Death by Chokolate Torte stellt sie Vermutungen an und setzt sich gegen die Polizei durch. Einige Rezepte mit Anleitungen sind im Anhang verzeichnet. Aber Obacht, Lizenz zum Zunehmen eingebaut.

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Axel Simon: Thronfall

Wir haben das ausgehende 19. Jahrhundert, Bismarck verteidigt noch immer den Erhalt der Sozialistengesetze obwohl Sozialdemokraten schon im Reichstag sitzen. Wilhelm II ist Kaiser und neu im Amt. Eine Gruppe von Terroristen plant ein Attentat. Der Privatermittler Landow, eine schräge Gestalt mit dem Hang zur Trunksucht, aber dem untrügliche Gefühl für gefährliche Situationen will dies verhindern. Keiner nimmt ihn ernst obwohl Indizien bevorstehenden Anschlag hinweisen. Spannungsgeladenen, aber auch ironisch geschrieben, hat dieser Roman das besondere Flair des wilhelminischen Kaiserreichs. Wagnersche Hintergrundmusik und bebelsche Forderungen zur Emanzipation der Frau machen diesen Kriminalroman zu einem Lehrstück wie historische Kriminalromane sein sollen. Weiterlesen

Henning Boëtius: Das chinesische Zimmer, Ein Piet-Hieronymus-Krimi

Das chinesische Zimmer von Henning Boetius

Es ist schon erstaunlich dass ein Kriminalbuchautor seine Kriminalromane selbst beschreibt: „sie haben geschrieben keine typischen Krimis produzieren zu wollen eher Kulturgeschichte im lose weggeworfene Krimigewandt“. Genau dies ist dieser Kriminalroman, der voll ist von Kunst und Kulturgeschichte aus dem chinesischen Taoismus. Wäre das nicht schon genug, nein, der Autor verlegt die Handlung des Romans in das tief verschneite Finnland unter dem Hintergrund der Kultur der Samen. Mit Piet Hieronymus hat Henning Boëtius einen Ermittler erschaffen der unkonventionellen und relativ pragmatisch an die Fälle herangeht. Im vorliegenden Buch will er wissen die sein alter Freund Einar gestorben ist weil die Umstände seines Todes sehr merkwürdig sind. Weiterlesen

Christian Buder: Der Dachs

Es ist nicht die erste Geschichte von Christian Buder, mit der er seine Leserinnen und Leser in die rauhe, unwirtliche Bretagne führt. Man spürt, er bewegt sich auf bekanntem Terrain, beobachtet Mensch und Natur wenn er zeitweise in der Bretagne lebt, die sich wie der im Meer liegende Leuchtturm vom Buchcover gegen Wind und Wetter behaupten müssen. Den Bretonen scheint die Leichtigkeit der Südfranzosen, die entspannt mit einem Gläschen was-auch-immer auf das ruhige, einladende Mittelmeer schauen, abzugehen. Sie sind geprägt von der Nordsee – rauh und gewaltig – die selbst  erfahrenen Fischern und Seglern, wie Camille, der Frau des Protagonisten Ronan Prad, das Leben kostet. Der Autor hat mit Ronan Prad, Ex-Elitesoldat und mittlerweile Capitaine der Gendarmerie Maritime, einen kantigen, meistens kompromislosen Protagonisten geschaffen, von dem man noch mehr lesen möchte. Weiterlesen

Volker Klüpfel, Michael Kobr: Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12),

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, gibt‘s wieder einen neuen Kluftinger. Wieder gelingt es den beiden Autoren mehrere Punkte einer Diskussion würdig sind in einem Kriminalroman unterzubringen. Es geht um alternative Wohnformen, Sekten, archäologische Funde, Social Media und zwischenmenschliche Beziehungen. Erstaunlich das hohe Niveau auf denen diese Diskussionspunkte abgearbeitet werden. Mit Ironie und dem Charme des Ostallgäuers kommt der Kommissar und Familienmensch manchmal aus schier unlösbaren Konflikten heraus. Für die älteren der Leserschaft sind viele Punkte mit denen sich der Kommissar mit der heutigen Kommunikationstechnik auseinandersetzen muss nicht unbekannt und dienen vielleicht zur eigenen Reflexion. Die Autoren wären nicht ihrer Heimat verbunden, wenn sie diese nicht ein wenig mit Werbung unterstützen würden. Wieder einmal gelingt es den Autoren Spannung und beste Unterhaltung in einem Krimi unterzubringen. Weiterlesen

Don Winslow: Bobby Z

Dieses Meisterwerk gilt als Vorläufer einer Trilogie von Don Winslow: Tage der Toten, dass Kartell und Jahre des Jägers. Wer diese Bücher noch nicht kennt sollte sie unbedingt lesen. Aber zunächst zu dem vorliegenden Werk. Es ist unglaublich hart, schnell und actionsreich. Nach einem Satz ist man bereits mitten in der Handlung die einen über die 280 Seiten nicht mehr loslässt. Man merkt dass der Autor tief in diese Materie, der West Coast Drogen Szene eingedrungen ist. Die Verhältnisse der kalifornischen mexikanischen Grenze mit ihrem Menschenhandel und Drogenschmuggel werden unglaublich hautnah an die Leserschaft herangetragen. Manchmal muss man tief durchatmen wenn es um Szenen geht die der Autor in lakonischer Sprache beschreibt, die aber durchaus blutige Hintergründe haben. Das Buch und die oben genannte Trilogie ist ein Muss für jeden Krimileser. Weiterlesen

Kerstin Ehmer: der blonde Hund

Der Kriminalroman führt uns in das Berlin der zwanziger Jahre. Es ist deutlich abzusehen wie sich die Nationalsozialisten lieb Kind mit den bürgerlichen Gesellschaftsschichten. Diese meinen das ungehobelte Pack schon in den Griff zu bekommen und fördern die braune Schlägertruppe. Im Roman wird sehr schön geschildert, wie in den zwanziger Jahren der Okkultismus und die Sterndeuterrei Platz greift. Da der Berliner Kommissar die Möglichkeit hat in der jungen Republik herum zu reisen, bekommt er die politischen Strömungen auch in der Provinzen mit. Die völkische Bewegung, die zur Zeit auch in unserer Republik ihre Unterstützer findet, ist der Bodensatz aus dem sich die faschistische Partei in Deutschland ihre Gläubigen Mitglieder zieht. Wird deutlich, welche Parallelen es zur deutschen Gegenwart gibt. Weiterlesen

Volker Pesch: Der letzte Grund

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Kriminalromane ein weites Feld bieten, um Sachverhalte mit Spannung an die Leserschaft zu bringen. In diesem Roman wird anhand eines gesunkenen Traditionsschiffes Geschichte aufgearbeitet und mit der Geschichte des Schiffes auch deren Besitzer. Dabei fällt der Begriff „Kriegsenkel“. Dieser Begriff bezeichnet Personen, die in zweiter Generation noch unter den Folgen des letzten Weltkriegs zu leiden haben. Es ist eigentlich logisch, dass die Traumata der Eltern sich auf die Erziehung der Kinder auswirkt. Deren Regeln Denkmuster und Rituale werden weitergegeben. Das Fachgebiet nennt man Epigenetik. Um dieses Phänomen herum ist dieser Roman aufgebaut. Weiterlesen