Schlagwort: Kriminalroman

Volker Pesch: Der letzte Grund

Es ist immer wieder erstaunlich, dass Kriminalromane ein weites Feld bieten, um Sachverhalte mit Spannung an die Leserschaft zu bringen. In diesem Roman wird anhand eines gesunkenen Traditionsschiffes Geschichte aufgearbeitet und mit der Geschichte des Schiffes auch deren Besitzer. Dabei fällt der Begriff „Kriegsenkel“. Dieser Begriff bezeichnet Personen, die in zweiter Generation noch unter den Folgen des letzten Weltkriegs zu leiden haben. Es ist eigentlich logisch, dass die Traumata der Eltern sich auf die Erziehung der Kinder auswirkt. Deren Regeln Denkmuster und Rituale werden weitergegeben. Das Fachgebiet nennt man Epigenetik. Um dieses Phänomen herum ist dieser Roman aufgebaut. Weiterlesen

Kathrin Lange und Susanne Thiele: Probe 12

Ein vielschichtiger Thriller, der mich durch ein spannungsgeladenes Handlungsgerüst führte und am Ende war ich froh, dass es nur ein Thriller war. Spätestens seit der Coronavirus samt Mutationen die Weltbevölkerung im Würgegriff hat, können wir uns vorstellen, dass es da draußen Viren gibt, gegen die kein Kraut gewachsen ist. Und eine Geschichte muss nicht im Jahre 2050 angesiedelt werden, damit wir sie nicht von vorneherein als Humbug abtun. Wir sind voll im Thema. Man merkt den Autorinnen Katrin Lange und Susanne Thiele ihre Metiers an. Die eine Jugendbuchautorin, die andere Mikrobiologin. Einerseits sorgt diese Kombination für einen gut verständlichen wissenschaftlichen Hintergrund, andererseits spricht das Buch aufgrund des leichten Schreibstils und einer positiven Grundstimmung sicher auch junge Leserinnen und Leser an. Und so setzen die Autorinnen einen wissenschaftlichen Schwerpunkt. Weiterlesen

Christof Gasser: Wenn die Schatten sterben

Die Protagonistin Becky kommt vom Regen in die Traufe. Nervlich angeschlagen zieht sie nach dem tödlichen Segelunfall ihres Mannes mit ihrem 10jährigen Sohn vom heimischen Kiel ins schweizerische Solothurn auf das alte Familienschloss. Spielen ihre Nerven ihr in der ersten Nacht einen Streich oder ist außer ihr und ihrem Sohn noch jemand in dem großen Haus? Auf jeden Fall finden am nächsten Morgen die Arbeiter, die mit Renovierungsarbeiten im Keller begonnen haben, eine eingemauerte Leiche. Als die Untersuchungen ergeben, dass die Frau vor ca. 60 Jahren erschossen wurde, ist dieser Fall nach Schweizer Recht kein Fall mehr für die Ermittlungsbehörden. Weiterlesen

Frank Goldammer: Im Schatten der Wende, Kriminaldauerdienst Ost-West; Interview mit dem Autoren

Mit seiner neuen Serie von Kriminalromanen setzt der Dresdner Schriftsteller die Schilderung der Verhältnisse in Ostdeutschland, kurz vor und nach der Wende, fort. Es ist schon bemerkenswert, wie dicht der Autor die Gefühlslage eines jungen Polizisten schildert, der bei einer Montagsdemonstration in Leipzig eingesetzt wird und sich einer riesigen Menschenmenge gegenüber sieht. Auch die geschilderten Zustände die sich ergeben, nachdem die DDR zwar noch existiert aber sich die Befehlsstrukturen gänzlich geändert haben werden sehr realistisch widergegeben. Das Misstrauen der Bevölkerung und die Unsicherheit in das eigene Handlungsvermögen bestimmen die Handlung dieses Kriminalromans. Er macht aber auch deutlich, was sich in den letzten 30 Jahren geändert hat und welche Intentionen hinter dem Wunsch nach Reisefreiheit und Freiheit in der Lebensführung zum Umsturz geführt haben. Weiterlesen

Henri Faber: Ausweglos

Wer Harlan Coben und Sebastian Fitzek mag, kommt mit diesem Debütroman von Henri Faber voll auf seine Kosten! Für seinen im Thriller-Genre angesetzten Roman hat sich der Autor eigens ein Pseudonym zugelegt. Unter seinem bürgerlichen Namen Rudolf Ruschel bleibt er „dem Schwarzhumorigen natürlich treu, aber parallel dazu schreibe ich auch „klassische“ Spannungsliteratur“.  Die Umschlaggestaltung ist schlicht, stylish und verrät nicht allzu viel über den Inhalt. Und der hat es in sich. Es ist spannend, man mag das Buch nicht aus der Hand legen, bevor man weiß, wie es ausgeht. Faber wechselt zwischen den Charakteren Noah, Elias, Linda und auch dem Täter hin und her, dadurch entsteht eine enorme Dynamik. Das wird auch durch die kurzen, durchnummerierten Kapitel verstärkt. Weiterlesen

TOM HILLENBRAND: Goldenes Gift, Ein kulinarischer Krimi

Imkerei ist ein beliebtes Hobby geworden. 280.000 t Honig werden jährlich produziert. Das davon nicht alles von Bienen stammt, ist vor allen Dingen der Lebensmittelchemie und Lebensmittelfälschern zu verdanken. Dieses Thema hat sich der Autor in seinen kulinarischen Krimis gewidmet. Er untersucht dabei die jeweiligen Lebensmittel akribisch. Im vorliegenden Werk kümmert er sich die Welt des Honigs und der Bienen. Er lässt uns quasi in die Zukunft der Imkerei schauen und macht uns mit der Herstellung von Honig vertraut. Er zeigt aber auch auf wie mit raffinierten Methoden sog. Honig ohne Bienen gewonnen wird. Immer dann wenn viel Geld zu verdienen ist wird getäuscht, betrogen und wie bei einem Krimi üblich, gemordet. Wieder einmal ist es dem Autor gelungen eine spannende und atmosphärisch dichte Geschichte zu erzählen und uns dabei durch das kleine Luxemburg zu führen. Weiterlesen

G.D. Abson: Tod in weißen Nächten

Wenn ein Debüt-Autor von seiner Geschichte so überzeugt ist, dass er sie von vorneherein als Mehrteiler anlegt und sein Verlag bereit ist, diesen Weg mitzugehen, wird man neugierig. Um es gleich zu sagen: ich wurde nicht enttäuscht! Aber was kann die Protagonistin Natalja Iwanowa, was andere Ermittler nicht können? Als Frau in einem korrupten System, die ihre Kindheit in Deutschland verbrachte und davon geprägt ist, schaut sie vielleicht genauer hin und hört im Zweifelsfall auch auf ihr Bauchgefühl. Natalja ist keine abgewrackte, desillusionierte und korrupte Kommissarin, die Dienst nach Vorschrift schiebt, sondern – wenn sie es als erforderlich erachtet – gegen die Vorschriften handelt und für die Wahrheit kämpft. Die Protagonistin ist ein Familienmensch, die bewusst auf eigene Kinder verzichtet, sich aber um Anton, den Sohn ihres Mannes Mikhail kümmert und dafür sorgt, dass rechtzeitig die Schmiergelder bezahlt werden, damit es mit der Karriere von Anton voran geht. G.D. Abson führt den Leser in das reale St. Petersburg des 21. Jahrhunderts. Es gelingt ihm, mit seinem Schreibstil eine atmosphärische Dichte aufzubauen, gepaart mit Gespür für das richtige Tempo. Er hält den Spannungsbogen, unterstützt von unerwarteten Wendungen gekonnt bis zum Ende und löst ihn sauber auf. Ich gratuliere G.D. Abson zu seinem gelungenen Debüt und bin gespannt auf den nächsten Fall für Natalja Iwanowa und hoffe, dass er nicht zu lange auf sich warten lässt. Weiterlesen

Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle

Mit dem zehnten Band der Reihe um Kommissar Dupin haben der Protagonist und seine Mitarbeiter mitten in der Augusthitze den zehnten Fall auf dem Tisch. Ein Mord an einem reichen Schafzüchter, ausgerechnet auf der Insel Belle-Ìle, die nur mit dem Boot zu erreichen ist.  Allein das eine Herausforderung für den Kommissar. Wie alle anderen Verbrechen zuvor, kommt auch dieses ungelegen: die Vorbereitungen für George Dupins zehnjähriges Dienstjubiläum in der Bretagne sind in vollem Gange. Außerdem soll er sich in einem Test als Bretone erweisen.  Da lässt sich auch der Autor nicht lumpen und lässt es krachen! Bannalec verwöhnt uns einerseits mit stimmungsvollen gleichsam farbenprächtigen Beschreibungen der bretonischen Landschaft, andererseits serviert er kulinarische Highlights, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, verbunden mit kulturellen, teils keltischen Bräuchen. Gekonnt baut Bannalec den Spannungsbogen auf und hält ihn – dank vieler Verdächtigen und auch dank des Tempos  – bis zum Schluss. Die bekannten Figuren, mittlerweile zu  gern gesehenen Freunden geworden, entwickelte der Autor konsequent weiter und lässt seinen Protagonisten zur Hochform auflaufen. Möge es nicht der letzte Fall für Dupin sein! Weiterlesen

Ingo Bott: Pirlo,

In der deutschen Krimilandschaft, sind Gerichtskrimis oder Anwaltskrimis eine seltene Kategorie. Im amerikanischen finden wir die Bücher von Grisham die million Seller sind. Der Autor ist selbst Strafverteidiger und wenn man die unten stehende Biografie liest, ist man geneigt Dr. Pirlo mit dem Autor zu vergleichen. Das Buch ist spannend und gibt gute Einblicke in die Handlungsweisen von Strafverteidigern mit denen der normale Bürger meist nichts zu tun hat. Strafverteidiger sind meist gezwungen Wege zu gehen, die nicht immer rechtskonform sind. Der Protagonist dieser Auftaktserie mit Anton Pirlo und seiner Partnerin Sophie Mahler geht diese Wege und zeigt, dass nicht immer alles so ist wie es scheint. Besonders in der Schickimicki Gesellschaft Düsseldorfs findet man, wie in den meisten deutschen Großstädten auch, Selbstdarsteller die mehr scheinen als sind. Wir sind gespannt was das Anwaltsduo in den nächsten Büchern zaubert. Weiterlesen

Anja Jonuleit: Das letzte Bild

Nur eine Familiengeschichte mit dunklen Geheimnissen kann so spannend und fesselnd sein, wie Anja Jonuleits neuestes Buch „Das letzte Bild“. Dabei gelingt es ihr ausgezeichnet sowohl Realität, einen 50 Jahre zurückliegenden, ungeklärten Mord, wie auch Fiktion, nämlich, ein auf den Mord zugeschnittenes Familiendrama zu einer plausiblen Geschichte zusammenzuführen. Die Autorin übertreibt nicht und stattet ihre Figuren aus drei Generationen mit Neugier, Glaubwürdigkeit und dem Mut, sich auf die Suche nach der Wahrheit zu begeben, aus. Und Eva, die Protagonistin dieses Romans, ist nicht die erste, die sich auf die Suche nach Antworten, begeben hat. Wie sich im Verlauf der Geschichte immer mehr herauskristallisiert, handelt es sich bei der Toten um Evas Tante Margarete. Deren Suche nach ihrer Familie, von der sie während des Zweiten Weltkrieges getrennt wurde, bezahlt Margarete mit dem Leben. Ihr Leben verliert Eva zwar nicht, aber nicht alles, was sie über ihre Familie herausfindet, kann ihr gefallen. Weiterlesen