Schlagwort: Feminismus

Gloria Naylor: Linden Hills

 

Nach ihrem fulminanten Debütroman Die Frauen von Brewster Place ließ Gloria Naylor fünf Jahre später den fiktiven Roman» Linden Hills« folgen. Was es ihr und ob es ihr etwas bedeutet hätte, dass die beiden Bücher neuaufgelegt in deutscher Sprache erschienen sind, werden wir nicht erfahren und müssen uns mit Mutmaßungen begnügen. Wahrscheinlich wäre sie stolz und zufrieden. Zieht man in Betracht wie sie sich zeitlebens mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandergesetzt hat und Literatur und Kreatives Schreiben an diversen amerikanischen Universitäten unterrichtet hat, würde sie sich vielleicht fragen, ob aus dem derzeitigen Hype um schwarze Literatur ein dauerhaftes Interesse an dieser bleibt. Thema ihres zweiten Romans ist der amerikanische Traum. Naylor schreibt darüber leidenschaftlich, scharf und schnörkellos und gewährt dem Leser einen anspruchsvollen Einblick in die moderne Klassenhierarchie, eingebettet in die schwarze Kultur. Weiterlesen

Gloria Naylor: Die Frauen von Brewster Place

 

Mit ihrem Debütroman »Die Frauen von Brewster Place« legte Gloria Naylor vor 40 Jahren den Grundstein für ihre äußerst steile Karriere und inspirierte Oprah Winfrey eine erfolgreiche Miniserie basierend auf dem Buch zu produzieren, in dessen Zentrum sieben schwarze Frauen stehen. Jede Geschichte in Die Frauen von Brewster Place für sich genommen ist fesselnd und obwohl jede Geschichte nur tangential mit jeder anderen Geschichte verbunden ist, bietet die Autorin eine Gesamteinheit, die den Roman trägt. Und zwar nicht in herkömmlicher linearer Struktur, sondern unter Verwendung von mehreren Miniplots, die das Leben der einzelnen Protagonistinnen beleuchten und der Autorin ermöglichen, sich auf die Charaktere zu fokussieren. Und es gelingt Naylor ihre Figuren überzeugend zu entwickeln. Jede Frau wird mit ihrer eigenen einzigartigen Persönlichkeit präsentiert, die fein ausgearbeitet ist, so dass sie sowohl einprägsam als auch kraftvoll daherkommt. Weiterlesen

Uwe M. Schneedes: „Paula Modersohn-Becker. Die Malerin, die in die Moderne aufbrach“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte

In seiner umfassenden Monografie über Paula Modersohn-Becker legt der Kunsthistoriker Uwe Schneede sein Gewicht auf ihre Stellung als Überwinderin des Impressionismus und Vorhut der expressionistischen Avantgarde. Zusammenfassend beschreibt Schneede Paula Modersohn-Becker als „Einzelgängerin und zugleich als Teil des Pariser Aufbruchs in die Moderne, die beharrlich ihren Weg ging, sich nicht um ein mögliches Publikum scherte.“ Sie suchte „formale inhaltliche Möglichkeiten für eine eigengesetzliche, stets figurative Malerei, erprobte stilistisch die malerischen Mittel ihrer Zeit und bildete eine eigene Ikonographie heraus“ und brach damit eigensinnig in die Moderne auf. Die gut lesbare Monographie verquickt geschickt Paula Modersohn-Beckers Leben und Werk mit ihrer Zeit und den künstlerischen Strömungen. Äußerst lesenswert und eine gute Ergänzung zur Ausstellung über Paula Modersohn-Becker in der Frankfurter Schirn, deren Katalog hier leider nicht mit berücksichtigt werden konnte. Weiterlesen

Busengewunder, Lisa Frühbeis und ein Interview mit der Autorin

Fast schelmisch oder besser gesagt verschmitzt sind Lisa Frühbeis’ illustrierte Geschichten über den täglichen Kampf der Frau in unserer Gesellschaft. Dabei sind ihre Beobachtungen des feministischen Alltags messerscharf wiedergegeben und liebevoll gezeichnet. Es ist eine echte Freude sich durch diesen Comic zu blättern und zu schmökern. Dabei kommen einem viele Lacher, einige Ahas und als Frau auch mal ein bisschen Wut. Großartig, wer Franziska Beckers feministische Comics kennt und liebt, wird sich die Sahnestückchen von Lisa Frühbeis nicht entgehen lassen.

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Meg Wolitzer: „Das weibliche Prinzip“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte; Kunsthistorikerin.

In ihrem neuen Roman breitet Meg Wolitzer einen Überblick über die Geschichte des (amerikanischen) Feminismus anhand von differenziert gestalteten Charakteren aus. Das gut lesbare Buch bietet einen Überblick über den Feminismus, seinen Kampf für die Rechte der Frauen, seine Ideale, wobei es bei aller Ernsthaftigkeit auch manchmal originell auftritt (wie die Erwähnung von Faith Franks Buch von 1984 „Das weibliche Prinzip“), phasenweise aber auch langatmig wirkt. Zum Schluss soll Greers Wunschadresse an Faith zitiert werden:
„Du hast im College für eine Offenbarung gesorgt. Danach habe ich jahrelang beobachtet, wie du alles, was du aufzubieten hattest – deine Kraft, deine Ansichten, deine Großzügigkeit, deinen Einfluss und natürlich deine Wut über Ungerechtigkeiten, alles zusammen – , anderen Frauen geschenkt hast, was oft passiert ist: die lange und großartige Geschichte von Frauen, die alles an andere weiter geben. Vielleicht ist das ein Reflex, manchmal auch eine Pflicht; aber wir tun es stets in dem Gefühl, dass es notwendig sei.“ Weiterlesen

Wir waren doch mal Feministinnen, Vom Riot Grrrl zum Covergirl. Der Ausverkauf einer politischen Bewegung, Andi Zeisler

Feminismus scheint über das Fernsehen, Film und den sozialen Netzwerken in aller Munde zu sein. VIPs schreiben sich das Wort Feminismus genauso auf ihr Image, wie es auf Unterhosen und T-Shirts gedruckt wird. Doch warum, wofür. Ob jemand wirklich den Feminismus öffentlich lobt oder nur für sich vereinnahmt, lässt sich nur sehr schwer unterscheiden. Wenn eine ernste politische Bewegung für das Geldverdienen vereinnahmt wird, tut es dann der Sache an sich noch gut?

Darum geht es der Autorin, Andi Zeisler in ihrem ganz hervorragenden Buch. Hier wurde vieles ausgesprochen, was schon viel länger hätte gesagt werden müssen. Für alle Feministen, ob Frau oder Mann wird dieses Buch ein weiterer Augenöffner sein. Für alle Leser, die sich noch nie wirklich mit dem Thema Feminismus auseinandergesetzt haben, ist dieses Buch ein guter Grund damit zu beginnen. Brillant, interessant und eine bemerkenswerte Recherche, gratuliere Frau Zeisler!

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Undine de Rivière: Mein Huren-Manifest, Inside Sex-Business

Mein Huren-Manifest von Undine de Riviere

Eine Streitschrift zum Thema Prostitution von einer Frau die sich im Sexarbeiter_Innen Geschäft auskennt. Im Besonderen liegt sie im Streit mit Feministinnen, die meinen, dass Sexarbeit eine Versklavung der Frauen bedeutet. Durch die eigenen Erfahrungen und durch den Kontakt mit Kolleginnen kommt sie zu sehr differenzierten Aussagen über Sexarbeit. Die unterschiedlichsten Auslebungen der Sexualität werden beleuchtet. Die Autorin vermeidet aber die Wertungen über diese Formen. Ein Buch das hilft Prostitution ohne Scheuklappen zu sehen und differenziert zu betrachten. Weiterlesen