Schlagwort: Roman

Sabine Weigand: Die Englische Fürstin, Zwischen Glanz und Rebellion

Vorab möchte ich ein paar persönliche Worte schreiben. Diese Rezension habe ich als Mann verfasst. Warum sollten nicht auch Männer über ein sogenanntes Frauenbuch eine Rezension schreiben. Erstens hat mich das Buch geschichtlich interessiert. Zweitens sind meine Großeltern väterlicherseits selbsterlebte Zeitzeugen. Mein Großvater war Leibjäger beim Bruder von Kaiser Wilhelm und mit diesen zur Eisbärenjagd in Spitzenbergen, zur Kaiserkrönung in Japan, auf der Rückfahrt zur Stippvisite beim Boxeraufstand in China. Meine Großmutter kam aus höherem Hause, hatte aber keinen Adelstitel mehr, da ihre Mutter einen Bürgerlichen geheiratet hatte. Sie wurde aber noch in einer Schule für höhere Töchter ausgebildet. Sie konnte wirklich auf Anhieb noch umfallen. Ich kann mich noch an die Bilder von dem Bruder des Kaisers und meinem Großvater erinnern. Leider waren wir Kinder damals zu jung, um zu begreifen, dass man das erlebte meiner Großeltern aufschreiben sollte.

Dieses Buch wird zwar als Roman angeführt, doch es ist weit mehr als das. Ein wahres Zeitgeschehen. Sabine Weigand hat hier von einer realen Person geschrieben. Sie hat die Biographien, Zeitungsberichte, Tagebucheintragungen, Briefe und Aussagen von Zeitzeugen mit aufgeführt. Dazu sogar Originalbilder verwendet. Beim Lesen vermischt sich alles so gekonnt, dass man immer weiterlesen will. Man möchte wissen, wie das wirkliche Leben  von Daisy am Hofe des Kaisers und den Wirren des Ersten Weltkrieges und danach weiter geht. Tatsachen, keine Fiktion. Weiterlesen

Romain Puertolas: Der Kleine Kaiser ist zurück

Ob Timur Vermes Erfolgssatire „Er ist wieder da!“  in der Gestalt des Diktators Adolf Hitler den Anstoß gegeben hat, ist nicht belegt. Auf jeden Fall ist die Idee, den Kleinen Kaiser wieder auftreten zu lassen, eine weitere gelungene Satire. “ Der kleine Kaiser ist zurück!“ angeblich starb Napoleon Bonaparte am 5. Mai 1821 mit 51 Jahren an Magenkrebs. Und angeblich ist er seziert worden und danach eingeäschert. Doch wie die Geschichte es will, wurde ein anderer armer Teufel für Napoleon verbrannt. 200 Jahre später fischt ein norwegischer Fischer zwei große Eisklumpen aus dem Meer und lässt diese behutsam auftauen. Heraus kommt Napoleon mit seinem Lieblingspferd Le Vizier. Weiterlesen

Synke Köhler: Die Entmieteten

Gastrezension: Rolf Meier-Lenz, Berlin

Der Roman handelt von einem vom Abriss bedrohten Mietshaus im Osten Berlins. Die Immobilieneigner treffen auf eine eigenwillige und wehrhafte Haus- und Schicksalsgemeinschaft. In ihrem klugen, spannenden sowie hochaktuellen Debütroman schlägt Synke Köhler eine thematische Brücke von der Vorwendezeit ins moderne, durchgentrifizierte Berlin.

 

 

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Kewin Kwan: Crazy Rich Asians, ein internationaler Megaseller

Genau zur richtigen Zeit zum Sommer, Sonne, Urlaub und Strand erscheint jetzt endlich auch in Deutschland, der schon 2013 in Amerika, erschienene Roman und internationale Megaseller „Crazy Rich Asians“. Worum geht es:
Rachel ist überglücklich. Anlässlich einer Einladung zu einer Hochzeit seines bes-ten Freundes, möchte Nick, ihr Freund, sie mit nach Singapur nehmen und auch seiner Familie vorstellen. Sie fährt mit in den Glauben, dass ihr Freund genauso ein armer Unidozent ist wie sie. Weit gefehlt. Schon nach kurzer Zeit nach ihrer An-kunft in Singapur wird Rachel klar, dass Nick aus der obersten Schicht der Super-reichen stammt.
Einem geschlossenen Kreis mit unermesslichen Reichtümern. Plötzlich sieht sie sich konfrontiert mit den schrillen Verwandten, Nebenbuhlerinnen, Privatjets mit ayurvedischen Yogastudios. Welchen Wert hat die Liebe in dieser maßlosen Welt. Weiterlesen

Leonardo Padura: Die Durchlässigkeit der Zeit

Eine echte Perle der Kriminalliteratur. Einzigartig wie der Autor es versteht mit den Begriffen der Zeit zu spielen. Da ist der Protagonist, Mario Conde, der mit seinem 60 Geburtstag hadert und die Zeit gerne zurückdrehen möchte. Die Suche des Detektivs nach der Schwarzen Madonna unterbricht der Autor mit einem Zeitsprung ins Zeitalter der Kreuzritter und deren Niedergang. Auch beobachtet Padura sehr genau und kritisch die letzten Jahrzehnte der Insel Cuba und ihrer Bewohner. Er beschreibt Slumviertel die es früher nie gab. Ein außergewöhnlicher Kriminalroman und Pflichtlektüre für jeden Kubareisenden.. Weiterlesen

Rocko Schamoni: Große Freiheit

Der Autor Rocko Schamoni erzählt romanhaft die Lebensgeschichte einer Kiezgröße aus St. Pauli. Da er diese Szene intensiv kennt und auch mit Wolli Köhler, dem Protagonisten des Buches, bekannt ist, schenkt er uns einen tiefen Blick in den Kiez der 60er Jahre. Es geht aber nicht nur um Prostitution sondern auch um die Künstlerszene der damaligen Zeit. Starclub und die Musiker die dort aufgetreten sind wie die Beatles, Little Richard und viele andere sind den Älteren ein fester Begriff. St. Liederlich der Inbegriff der antibürgerlichen Gesellschaft. Weiterlesen

Brigitte Glaser: Rheinblick

Eine Zeitreise in die 70er Jahre unserer Republik. Wer wie ich in dieser Zeit am politischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben konnte, dem werden die Bilder wieder, angeregt durch das vorliegende Buch, durch den Kopf geistern. Willy wählen, was dann auch bei 91% Wahlbeteiligung, 45,8% der WählerInnen taten. Aufbruchsstimmung herrschte, der Mief der Nachkriegszeit, diese unsäglich Nazierziehung die immer noch in den Köpfen fest verankert war, galt es zu reformieren. Musik war ein solches Mittel gegen die „Alten“ zu rebellieren. Das Buch vereint diese ganzen Strömungen und bildet mit der Erkrankung von Willy Brandt (Stimmbandprobleme) eine spannende Politszenerie im November 1972. Gewüzt wird das Ganze zur einen Mordfall an einem jungen Mädchen, das auch einen Hinweis auf die damalige Heimerziehung gibt. Weiterlesen

Meg Wolitzer: „Das weibliche Prinzip“

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte; Kunsthistorikerin.

In ihrem neuen Roman breitet Meg Wolitzer einen Überblick über die Geschichte des (amerikanischen) Feminismus anhand von differenziert gestalteten Charakteren aus. Das gut lesbare Buch bietet einen Überblick über den Feminismus, seinen Kampf für die Rechte der Frauen, seine Ideale, wobei es bei aller Ernsthaftigkeit auch manchmal originell auftritt (wie die Erwähnung von Faith Franks Buch von 1984 „Das weibliche Prinzip“), phasenweise aber auch langatmig wirkt. Zum Schluss soll Greers Wunschadresse an Faith zitiert werden:
„Du hast im College für eine Offenbarung gesorgt. Danach habe ich jahrelang beobachtet, wie du alles, was du aufzubieten hattest – deine Kraft, deine Ansichten, deine Großzügigkeit, deinen Einfluss und natürlich deine Wut über Ungerechtigkeiten, alles zusammen – , anderen Frauen geschenkt hast, was oft passiert ist: die lange und großartige Geschichte von Frauen, die alles an andere weiter geben. Vielleicht ist das ein Reflex, manchmal auch eine Pflicht; aber wir tun es stets in dem Gefühl, dass es notwendig sei.“ Weiterlesen

Petra Morsbach: Gottesdiener

Gottesdiener von Petra Morsbach

Wer die Bücher von Fr. Morsbach kennt, weiß, dass sie sich mit Akribie dem Thema des Buches widmet. Im vorliegenden Werk ist es die katholische Kirche und deren Personal. Sie nimmt stellvertretend für die Priesterschaft den Niederbayrischen Bauernbuben Isidor Rattenhuber. Dessen Lebenslauf, ist typisch für Priester. Schlaue Buben aus armen Familien machen Karriere bei der kath. Kirche. Vom Priesterseminar über die Primiz (erste eigene Messe) bis hin zur philosophischen Auseinandersetzung über den Glauben können wir die Sorgen des Pfarrers und seiner Gemeinde verfolgen. Wer glaubt das gehe ihn nichts an der irrt. Alle Priester, Bischöfe u. Kardinäle werden aus dem allgemeinen Steuertopf, nicht dem der Kirchensteuer, bezahlt. Dazu bekommt die deutsche kath. Kirche noch 200 Millionen als Entschädigung, jährlich. Man spricht über den Besitz des Bischöflichen Stuhls von Limburg der bei über 1 Milliarde liegen soll. Weiterlesen

Andreas Eschbach: N S A – Nationales Sicherheits – Amt

Der Roman spielt zur Zeit des Nationalsozialismus und ist von Eschenbach genial erdacht. So hatte man damals schon unsere heutige Medientechnik mit allen Raffinessen der Überwachung. Der neue Roman von Andreas Eschenbach führt uns auf ungewöhnliche Weise auf ein mehr als aktuelles Thema. Die Idee von Andreas Eschenbach der NS und somit Adolf Hitler unsere heutige Technik in die Hand zu geben, zeigt einem deutlich, was hätte ein totalitärer Staat damit gemacht und wie gefährlich es ist, wenn so eine Technik in die falschen Hände gerät.

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