Schlagwort: Roman

Wolf Harlander: 42 Grad

Seit Januar hat es weder geschneit noch geregnet. Der Februar 2020 gilt als der wärmste Monat seit der Aufzeichnung von 1881. Die Temperaturen im März und April gelten eher als Sommertemperaturen als Frühjahr. Auf den Feldern ist die Saat vertrocknet. Erst Ende April hat es mal eine Woche Regen gegeben. Aber keine großen Mengen. Danach die große Trockenheit. Von Regen noch keine Spur. Die Medien berichten von Voraussagen, dass das Jahr 2020 noch heißer als 2018 und 2019 werden kann. Das dritte Jahr dann hintereinander, dass die Flüsse austrocknen lässt und der Grundwasserspiegel sinkt. Durch die Frühjahrstrockenheit haben die Landwirte kein Futter für ihre Tiere mehr. Zukaufen kann man nichts. Es wird jetzt schon vom bevorstehenden Wassermangel gewarnt und zum sparsamen Umgang gebeten. Genau jetzt, zur großen Trockenheit, am 30.06. 2020 hat Wolf Harlander sein Buch heraus gebracht Weiterlesen

John Grisham: Die Wächter

Der Altmeister des amerikanischen Gerichtsromans hat wieder einen Roman abgeliefert, der sich aus meiner Sicht an einigen Fällen der amerikanischen Justiz anlehnt. Grisham bereitet vor unseren Augen ein System aus, das in seiner ganzen Schrecklichkeit für uns Mitteleuropäer nahezu unbegreiflich ist. Wenn bekannte Knastspitzel durch ihre Aussage Menschen in lebenslange Haft bringen können, wenn Gefängnisse zwar unter staatlicher Aufsicht, aber privater Führung Menschen unwürdig unterbringen, so hat das mit Menschenrechten nichts mehr zu tun. Das Land der Freien ist ein Land, das den Reichen ohne Wenn und Aber gehört. Dies macht Grisham sehr deutlich und deswegen ist dieses Buch sehr lesenswert. Weiterlesen

Leif Karpe: Der Mann, der in die Bilder fiel

Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte

Leif Karpe führt uns in einem kriminalistischen Spannungsbogen in die Bildwelt der Impressionisten. Sein Protagonist Peter Falcon (Columbo alias Peter Falk lässt grüßen) wird vom Auktionshaus Chroseby in heikler Mission nach Paris geschickt: er soll einer Kunsthistorikerin Geld übermitteln, die aufgrund ihrer Recherchen über eine Fälscherwerkstatt im Gefolge van Goghs die Herbstauktion gefährden könnte. Ohne sein Zutun stürzt der „Bilderflüsterer“ in Szenarien wie dem Atelier des berühmten Fotografen Nadar, erfährt die zwiespältige, skandalöse Reaktion auf Manets „Frühstück im Grünen“ mit einer Nackten im Kreis bekleideter Männer. Weiterlesen

Akiz: Der Hund

Obwohl der Hund zu den ersten von den Menschen domestizierten Tieren gehörte und somit als erster Begleiter der Menschen galt, war er im Christentum nicht besonders gut angesehen. Es wurde in verächtlicher Weise von ihm gesprochen und wurde als niedrige, verachtenswerte Kreatur bezeichnet. Mit beigetragen hat sicherlich das Verhalten der Hunde trotz Ablehnungen, Schmähungen und Misshandlungen dem Menschen unterwürfig zu folgen. Ein junger Mensch unter unwirtlichen Bedingungen aufgewachsen, schafft es zu fliehen und landet in einer großen Stadt. Dort ergibt sich durch Zufall die Möglichkeit in einem Dönerladen als Hilfskraft alle Drecksarbeiten zu machen. Mo, der einzige Angestellte, nimmt sich der Person an und übernimmt sozusagen seine Patenschaft. Durch seine immer gebückte Haltung und immer bereit alle Arbeiten auszuführen gibt ihm der Besitzer des Ladens den Namen Hund. Was noch keiner weiß, der Hund besitzt den absoluten Geschmack und kann diesen auch produzieren. Gegenüber vom Dönerladen ist das beste Sternerestaurant der Stadt. Täglich schauen Mo und der Hund hinüber. Als es im Dönerladen zum Eklat kommt, fliehen die beiden und setzen alles daran, als Köche in dem Sternerestaurant zu arbeiten und damit beginnt die Katastrophe….. Weiterlesen

Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde

Africo, im Aspromonte ist eine der ärmsten Gegenden Italiens. Hier wird man entweder Mafioso oder wandert aus. Wie das Leben dort aussieht schildert uns einer der von dort kommt. Die Situation der Menschen hat sich über die Jahrhunderte nicht wesentlich verbessert. Warum das so ist wird hier deutlich erklärt. Die Gegend ist ein großer Obst und Gemüsegarten. Er gehört aber nur wenigen. Die Anderen dürfen aber für wenig Geld in diesem Garten schuften. Alle bedienen sich bei den Armen: die Grundbesitzer, die Lastwagenfahrer und die Mafiosi. Die Jugend hat die Möglichkeit zu lernen wird aber von der Konsumgesellschaft auf den leichten Weg geführt. Der Autor zeichnet ein überzeugendes Bild Kalabriens. Weiterlesen

Regina Porter: Die Reisenden

Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was Erzählen. In ihrem Debütroman nimmt uns Regina Porter  mit auf eine Reise über 6 Jahrzehnte der US–Geschichte und zweier Familien, die eine schwarz, die andere weiß. Ein Debütroman stilistisch einwandfrei, wortgewaltig und fordernd. 6 Jahrzehnte US– Geschichte beginnend in den Fünfzigern von der Bürgerrechtsbewegung, dem Mord an Martin Luther King bis hin zu Obama beschreibt Regina Porter das Leben zweier Familien vom Rassismus, Vietnamkrieg und deren Traumata, Homosexualität, Ungleichheit und befreienden Aufenthalt im Ausland. Weiterlesen

Robert Harris: Der zweite Schlaf

Diese Roman ist   wahrlich nicht in irgendeine Schublade zu stecken. Mittelalterroman? Eigentlich nicht, denn was machen Fundstücke die wie Plastik aussehen in einem Mittelalterroman. Nach und nach enthüllt Harris was hinter dem Tod des Pfarrers eines kleinen Weilers in England steckt. Wieder spielt Harris mit dem Begriff Kirche, Herrschaft und Realität. Der Autor wirft auch einen Blick auf die heutigen Zustände und wirft die Frage auf: wie weit haben wir unsere Bodenhaftung verloren oder haben wir noch alles im Griff. Weiterlesen

Dror Mishani: D R E I

Der Sensationsbestseller aus Israel. Auf dem Klappentext stand mit Recht „ Spoiler-Gefahr“! Eigentlich darf man über diesen Roman nichts verraten. Wie soll man als Rezensent etwas schreiben, wenn man doch nichts sagen darf. Eine wirklich prekäre Lage. Vorab kann ich eins sagen: Literarisch wertvoll! Und obwohl der Roman ein Krimi sein soll, mag ich ihn nicht als solches bezeichnen. Der Roman beginnt sehr ruhig und ohne große Entwicklung oder Spannung. Doch kann man sich der Einfühlsamkeit, der Gedankenwelt, der Empfindungen und Überlegungen des Dror Mishani nicht entziehen. Man ist gefangen in dem Leben der Figuren. Man legt das Buch bis zum Schluss nicht mehr aus der Hand. Weiterlesen

Sabine Weigand: Die Englische Fürstin, Zwischen Glanz und Rebellion

Vorab möchte ich ein paar persönliche Worte schreiben. Diese Rezension habe ich als Mann verfasst. Warum sollten nicht auch Männer über ein sogenanntes Frauenbuch eine Rezension schreiben. Erstens hat mich das Buch geschichtlich interessiert. Zweitens sind meine Großeltern väterlicherseits selbsterlebte Zeitzeugen. Mein Großvater war Leibjäger beim Bruder von Kaiser Wilhelm und mit diesen zur Eisbärenjagd in Spitzenbergen, zur Kaiserkrönung in Japan, auf der Rückfahrt zur Stippvisite beim Boxeraufstand in China. Meine Großmutter kam aus höherem Hause, hatte aber keinen Adelstitel mehr, da ihre Mutter einen Bürgerlichen geheiratet hatte. Sie wurde aber noch in einer Schule für höhere Töchter ausgebildet. Sie konnte wirklich auf Anhieb noch umfallen. Ich kann mich noch an die Bilder von dem Bruder des Kaisers und meinem Großvater erinnern. Leider waren wir Kinder damals zu jung, um zu begreifen, dass man das erlebte meiner Großeltern aufschreiben sollte.

Dieses Buch wird zwar als Roman angeführt, doch es ist weit mehr als das. Ein wahres Zeitgeschehen. Sabine Weigand hat hier von einer realen Person geschrieben. Sie hat die Biographien, Zeitungsberichte, Tagebucheintragungen, Briefe und Aussagen von Zeitzeugen mit aufgeführt. Dazu sogar Originalbilder verwendet. Beim Lesen vermischt sich alles so gekonnt, dass man immer weiterlesen will. Man möchte wissen, wie das wirkliche Leben  von Daisy am Hofe des Kaisers und den Wirren des Ersten Weltkrieges und danach weiter geht. Tatsachen, keine Fiktion. Weiterlesen

Romain Puertolas: Der Kleine Kaiser ist zurück

Ob Timur Vermes Erfolgssatire „Er ist wieder da!“  in der Gestalt des Diktators Adolf Hitler den Anstoß gegeben hat, ist nicht belegt. Auf jeden Fall ist die Idee, den Kleinen Kaiser wieder auftreten zu lassen, eine weitere gelungene Satire. “ Der kleine Kaiser ist zurück!“ angeblich starb Napoleon Bonaparte am 5. Mai 1821 mit 51 Jahren an Magenkrebs. Und angeblich ist er seziert worden und danach eingeäschert. Doch wie die Geschichte es will, wurde ein anderer armer Teufel für Napoleon verbrannt. 200 Jahre später fischt ein norwegischer Fischer zwei große Eisklumpen aus dem Meer und lässt diese behutsam auftauen. Heraus kommt Napoleon mit seinem Lieblingspferd Le Vizier. Weiterlesen