Alle Artikel von Angela Perez

Megan Hunter: Die Harpyie

Der Titel von Megan Hunters Roman „Die Harpyie“ führt uns in die Welt der Mythologie. Soviel war mir klar, doch sicherheitshalber habe ich gegoogelt: „Eine Harpyie ([deutsch ‚reißender Sturm‘) ist ein geflügeltes Mischwesen der griechischen Mythologie in Vogelgestalt mit Frauenkopf.“ Das kann nichts Gutes verheißen. Zumal Hunter ein künstlerisches Ende für ihre Geschichte wählt und es der Interpretation der Lesenden überlässt, zu deren eigenen Schluss zu kommen. Ein Anruf, ein Satz – ihr Mann betrügt sie mit meiner Frau – verändert das Leben zweier Ehepaare, das beschauliche Familienleben in einem englischen Mittelschicht-Vorort, reißt sorgfältig aufgebaute Schutzmauern ein und lässt die Bestie, vielmehr die Harpyie, in Lucy von der Leine. Mit drei Bestrafungen, die sich Lucy aussuchen darf und dafür aus der Mythologie schöpft, soll das Weiterlesen

Marion Griffith-Karger: Tod am Aegi

Ich bin sozusagen Späteinsteiger, denn obwohl Marion Griffiths-Karger den ersten Niedersachsen-Krimi „Tod am Maschteich“ bereits 2010 veröffentlichte, bin ich erst jetzt auf die Autorin aufmerksam geworden. Dieses Jahr erschien der von den Fans herbeigesehnte siebte Band dieser Reihe – der siebte Fall für Erste Hauptkommissarin Charlotte Wiegand. Liegt es an der „sieben“, der verflixten sieben, dass die Protagonistin Wiegand unter erschwerten Bedingungen ermitteln muss? Ihr Lebensgefährte Bergheim und bester Mann in ihrem Team hat kurz entschlossen ein Sabbatical genommen, um das von seinem Onkel ererbte Haus in Amelinghausen bei Lüneburg wieder in Schuss zu bringen. Und schon befinden wir uns mitten im zweiten Erzählstrang. Aber der Reihe nach. Gerade noch freute sich Weiterlesen

Claire Douglas: Girls Night

Atmosphärisch dicht, mit Spannung, interessanten Charakteren und Lokalkolorit geht Autorin Claire Douglas der zentralen Frage dieses Thrillers auf den Grund: wie können drei junge Mädchen sich in Luft auflösen? Um eine Antwort auf diese Frage zu erhalten, muss die Mauer des Schweigens eines ganzen Dorfes Stück für Stück durchbrochen werden, was nicht ungefährlich ist, wie Jenna, eine Journalistin, feststellen muss. Denn es wird offensichtlich, wie quälend der vor 20 Jahren eingetretene Verlust immer noch für die Bewohner ist, und dass sie etwas zu verbergen haben. Für meinen Geschmack manchmal etwas zu blauäugig, gerät Jenna immer wieder in brenzlige Situationen, während sie versucht, Licht ins Dunkel zu Weiterlesen

Cecilia Rabess: Alles gut

Kann Liebe alles überwinden? Sind es die Gegensätze, die sich anziehen? Kann man trotz kontroverser politischer Ansichten zusammen glücklich werden? Und – ist wirklich „alles gut“? Cecilia Rabess begleitet in ihrem faszinierenden, komplizierten Debütroman ihre Protagonisten Jess, schwarz und Demokratin und Josh, weiß und Republikaner durch die Zeit der Wahl von Trump zum Präsidenten. Beide kennen sich von der Uni und treffen bei Goldman Sachs wieder. Schlagfertig und wortgewandt diskutieren und streiten sie über kritische Betrachtungen weißer Privilegien, Klassenbewusstsein und darüber, ob es besser im Leben ist glücklich zu sein oder recht zu haben. Trotzdem bleibt vieles ungesagt, wird für später aufgehoben und unter den Teppich Weiterlesen

Magdalena Ahrer: Limettensommer

Magdalena Ahrer legt mit „Limettensommer“ ein beachtenswertes, gelungenes Romandebüt vor. Für fast noch einen Teenager ist sie früh gereift, mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe gesegnet und kann ihre Eindrücke geschickt in Worte fassen. Sie formuliert präzise, schwafelt nicht rum, sondern kommt auf den Punkt. Ihre Charaktere – die jungen, wie die alten – sind glaubwürdig und lebendig, allen voran Ophelia, die 15-jährige Protagonistin und Ich-Erzählerin. Ophelia ist ein Scheidungskind und aufgrund der angespannten finanziellen Situation ihrer Mutter dazu verdammt, die Schulferien zu Hause zu verbringen. Dass es die Ferien ihres Lebens werden und sie einen riesengroßen Schritt in Richtung Erwachsenwerden macht, kann sie nicht einmal ahnen. Dank der Autorin und ihrer Fantasie werden es spannende, interessante, ganz besondere Tage, in denen Ophelia viel über das Leben, die Liebe, die Beziehung zu anderen und letztlich über sich selbst lernt. Weiterlesen

Nicolas Barreau: Die Freundin der Braut

Hinter jedem intelligenten Mann steht eine noch clevere Frau. Im Fall von Nicolas Barreau ist es Daniela Thiele. Mit deutscher Gründlichkeit hat sie ihrem Pseudonym nicht nur eine Vita, sondern auch ein Gesicht verpasst. Charmant, jungenhaft lächelt der vermeintliche Barreau in die Kamera. Als „Das Lächeln der Frauen“ erscheint, soll er Anfang 30 sein und nur zu gern hält die Leserschaft ihn für einen unverbesserlichen, französischen Romantiker. Nur Elmar Krekeler, Kritiker bei „Die Welt“ äußert bereits in seiner Rezension zu „Das Lächeln der Frauen“ den Verdacht, dass es sich bei Barreau um ein Pseudonym von Daniela Thiele (*1956) handelt. Allerdings fehlten ihm die letzten Beweise. Weiterlesen

Carolyn McHugh: Taylor Swift Superstar

Man kann um ihre Musik herumkommen, die Swifties – wie sich ihre Fans nennen – belächeln, über ihre Rekordalben und Grammys mit einem Schulterzucken hinweggehen, sich fragen, warum über eine 34jährige eine Biografie geschrieben wird (und das ist nicht die erste oder einzige Biografie). Aber: die Frau, die laut seriösen US-amerikanischen Journalisten mit einem Wort die Wahlen in Amerika entscheiden kann, sollte man schon einmal genauer unter die Lupe nehmen. Wie Carolyn McHugh. In ihrer inoffiziellen Auseinandersetzung mit der Künstlerin fokussiert sie sich auf die künstlerische Entwicklung und die bisherige Karriere von Taylor Swift, die immerhin schon gute 20 Jahre währt. Während McHugh jeden Song und jedes Album Weiterlesen

Sophie Bonnet: Provenzalische Flut

Die Fans von Kommissar Durand werden sich freuen, dass der 10. Band von Sophie Bonnets Reihe um den französischen Kommissar endlich erschienen ist und die Leserinnen und Leser, die ihn jetzt erst entdecken, werden sich vielleicht wundern, warum sie Durand noch nicht auf dem Schirm hatten. Mich hat Bonnet schon mit dem Prolog für ihre Story eingenommen. Spannend vom Anfang bis zum Ende, viel Lokalkolorit, was den Gedanken „man-müsste-mal-wieder-nach-Frankreich-reisen“ aufkommen lässt. Ich freue mich mit Pierre und Charlotte, die sich getraut haben und drücke die Daumen, dass sie ihre Flitterwochen genießen können. Wann kommt ein Mord schon gelegen? Für das Opfer wohl nie. Und so richtig passt der Fall auch Weiterlesen

Yaniv Iczkovits: Fannys Rache

Yaniv Iczkovits Roman ist wie das pralle Leben und ihn auf ein Genre zu reduzieren, würde diesem Werk nicht gerecht werden. Sicher, es ist ein Historienroman, immerhin spielt er im 19. Jahrhundert. Iczkovits ist sogar präzise: die Geschichte beginnt am 8.2.1894, es ist ein Freitag, und ist in 12 Teile gegliedert mit Angabe des genauen Datums. Die Geschichte ist also im zaristischen Russland Nikolai I. angesiedelt. Die jüdische Bevölkerung leidet unter Diskriminierung und Ausgrenzung und die gesamte Bevölkerung unter Ausbeutung, Denunzierung und den Schergen des Zaren – den Agenten der Ochrana, der Geheimpolizei. Da hätten wir dann den Agententhriller. Sie halten die Menschen in Schach, vermuten hinter jedem Baum einen Spitzel oder Attentäter Weiterlesen

Carla Berling: Glück für Wiedereinsteiger

Um „Glück für Wiedereinsteiger“ zu haben, muss man erst einmal aussteigen. Und genau das tun Thea – die auch die Rolle der Ich-Erzählerin innehat – und Ronny, Ehepaar seit 40 Jahren, zwar nicht glücklich, aber zufrieden. Plötzlich, in den Vorbereitungen für ihre Mottoparty zum Jahreswechsel stellen sie fest, dass sie Träume haben, die sie nur verwirklichen können, wenn sie getrennte Wege gehen: Thea zieht es in die Ruhe und Weite Neuseelands, während Ronny sich in das pralle Leben in Paris stürzen will. Nun, erstens kommt es anders, zweitens als die beiden denken. Bei aller Planung ruht kein Segen auf ihren Vorhaben. Oder doch? Wie sagte die Oma immer: Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende. Weiterlesen