Alle Artikel von Angela Perez

Mattias Edvardsson: Dunkelkaltes Schweigen

Matthias Edvardssons Geschichte beginnt mit dem Mord an der Jugendlichen Amanda. 21 Zeilen, mehr gesteht er der Tat nicht zu. Anhand von Rückblicken, Ausblicken und Ereignissen in der Gegenwart legt Edvardsson das Motiv für den Schuss auf das Mädchen nachvollziehbar frei, wobei sich bald herauskristallisiert, dass es sich nicht um ein Eifersuchtsdrama zwischen zwei Liebenden handelt, sondern Motiv und Täter wo anders zu finden sind. Und so, wie es zwei Menschen braucht, ein Kind zu zeugen, aber ein ganzes Dorf, um das Kind groß zu ziehen, braucht es mehr als einen Menschen, um einen anderen zu vernichten. Nichts und niemand scheint zu sein, was er oder sie vorgibt zu sein. Aber alle in der Kleinstadt Trelleborg wissen Bescheid. Der Weiterlesen

Kristina Hortenbach: Grün ist der Tod | Fünf Fragen an die Autorin

Für die Fans der Cozy Krimis ist Kristina Hortenbach und ihre Protagonistin Rosa Reich, eine frühpensionierte Biologie- und Erdkundelehrerin, eine echte Entdeckung! In der Tradition guter britischer Cozy Crimes überzeugt Hortenbach mit ganz viel Lokalkolorit und dichter Atmosphäre. Ihre Charaktere – die Guten – sind liebenswert, authentisch, mit einer gewissen Schrulligkeit und die Bösen? Die sind das Salz in der Suppe. Apropos Suppe. Als Goodie teilt die Autorin am Ende des Buches die Rezepte der in der Geschichte erwähnten Gerichte mit ihrer Leserschaft. Und schon die Rezeptur des Waldmeister Seccos, den es zum wöchentlichen Scrabble-Spiel mit Karl, dem Kollegen von einst gibt, verdeutlicht, aus welchem Holz Rosa Reich geschnitzt ist! Unerschrocken und mit Nachdruck geht sie die Dinge an. Aber wie sonst hätte sie Generationen von Gymnasiastinnen und Gymnasiasten durchs Abi gebracht? Weiterlesen

Anna Jansson: Mädchenfeuer | Ein Kommissar-Bark-Krimi

Der kürzlich verstorbene Autor Paul Auster sagte in etwa: „um ein Buch zu schreiben, muss man alle seine Dämonen durchleben“. Wenn es dann zu einem Ergebnis führt wie bei Anna Janssons „Mädchenfeuer“, dem vierten Fall für Kommissar Bark und sein Team, ist ein großer Wurf gelungen. Als Gotländerin und immer noch dort lebend, wuchert sie mit ihren Pfründen – sie kennt die Insel zu jeder Tages- und Jahreszeit, kennt die Menschen, ihre Eigenarten und wohl auch ihr Abgründe und schafft entspannt, nicht gewollt, eine atmosphärische Dichte mit viel Lokalkolorit, die überzeugt. Sie weiß Spannung aufzubauen und zu halten. Hat es vielfach bewiesen. Und sie kann eine glaubhafte Geschichte erzählen, die nie Weiterlesen

Anna Blix: Runde 40 Wochen | Die menschliche Schwangerschaft und 81 andere Möglichkeiten, ein Baby zu bekommen

Darf ich vorstellen: Anna Blix. Mit so viel Berufen gesegnet, dass mir ganz schwindlig wird und ich mich ernsthaft frage, wie sie das alles mit Ehemann, Kind und dem Wunsch nach einem weiteren Kind unter einen Hut bringen kann. Sie kann! Und vielleicht ist es dank dieser Vielfalt zu dem besonderen, vorliegenden Ergebnis gekommen. „Runde 40 Wochen“ (sprachgebräuchlich für Schwangerschaft) allein auf ein Sachbuch zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht. Zweifelsohne schreibt hier die Biologin in strenger, fachlicher Terminologie, wenn es darum geht, komplexe Wissenschaft darzulegen. Aber – sie beherrscht es zudem meisterlich, diese Sachverhalte für normale Menschen verständlich zu machen. Und das macht die erstaunlichsten Geschichten über Sexualität, Paarung, Schwangerschaft, Geschlecht und Geburt höchst unterhaltsam und Weiterlesen

C.L. Miller: Der falsche Vogel

Rechtzeitig vor Urlaubsantritt landete „Der falsche Vogel“ auf meinem Schreibtisch. Schon allein die Flugzeit verhieß ungestörtes Lesevergnügen. Der pfiffige Titel und das smart gestaltete Cover gefielen mir und der Klappentext machte mich neugierig. Ein Debütroman, ein „cozy crime“, der in der Welt der Antiquitäten spielt: interessant, zumal die Mutter von C.L. Miller 120 (!) Bücher über Antiquitäten und Inneneinrichtung veröffentlichte und als Expertin gilt. Auch wenn das die Tochter nicht automatisch zur Fachfrau macht, merkt man, Miller weiß, wovon sie schreibt und kann mit ihrem Wissen glänzen. Allerdings erscheint der Plot streckenweise etwas zu gewollt, manche Charaktere wirken konstruiert und wenig ausgearbeitet. Ich hätte mir besonders für die Protagonistin Freya Lockwood etwas mehr Charme gewünscht und hier zeigt sich, dass Namen und deren Weiterlesen

Nele Neuhaus: Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi, Band 11)

Chapeau Frau Neuhaus! 560 Seiten Spannung pur. Hervorgerufen durch eine vielschichtige, glaubwürdige, in sich stimmige Geschichte mit interessanten Charakteren. Nele Neuhaus beherrscht die Kunst des bildhaften Erzählens. Denn, ob ich die S-Bahn Unterführung in Niederhöchstadt kenne oder nicht – ich sehe sie vor mir. Neuhaus treibt ihre Geschichte schnörkellos und mit viel Tempo voran und lässt den Lesern wenig Zeit zum Verschnaufen. Wohltuend das Ermittlerteam. Es sind keine überzüchteten Kopfgeburten, die so fertig sind, wie ihr Äußeres vernachlässigt scheint und ständig mit gezogener Waffe herumwedeln. Pia Sander und Bodenstein sind bodenständig, seriös und professionell. Und sie sind sehr sympathisch. Seit nunmehr 14 Jahren arbeiten sie erfolgreich zusammen. Und von Abnutzung Weiterlesen

Tina Ullmann: Mein wunderbarer Topfgarten

Ich bekenne, ich bin ein großer Fan von Topfpflanzen im Garten und war deshalb sehr gespannt auf das Buch. Als erstes sticht die hochwertige, ansprechende Aufmachung ins Auge. Es ist wirklich eine Freude, dieses Buch in die Hand zu nehmen. Schön anzusehen und schön anzufassen. Die Grafik überzeugt durch Übersichtlichkeit. Tina Ullmann hat ihren Ratgeber in „Alles für den Topfgarten“, „Gut im Topf“, „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“, „Winter“ und „Gut zu wissen“ gegliedert. Im Einstieg ins Thema ist Ullmann sehr persönlich, erzählt freimütig von ihren Erfahrungen und – auch von den leidvollen Verlusten. „Mein wunderbarer Topfgarten“ ist sowohl für Einsteiger als Weiterlesen

Lucie Flebbe: Bad Business – Deal mit dem Tod

Bereits mit ihrem ersten Krimi »Der 13. Brief«, zeigte Lucie Flebbe was für ein Potential in ihr steckt und gewann eine Leserschaft, die sich stetig vergrößert. Während die Autorin in ihren vorangegangenen Kriminalgeschichten die Privatdetektivin Lila Ziegler und die Kommissarin Eddie Beelitz in Bochum ermitteln ließ, wird es in ihrem neuesten Krimi politisch und für ihre Protagonistin Mieke Jentsch entwickelt sich die vermeintliche berufliche Chance zur lebensgefährlichen Falle. Schritt für Schritt findet die zur Klinikchefin avancierte Mieke Erklärungen für die Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Privatisierung von mehreren Kliniken stehen und deren Wurzeln Jahrzehnte zurückliegen. Wie passt die Künstlerin Ocean O‘Donn ins Bild? Und hätte sie, Mieke, das Ganze ohne die Hilfe von Samis Vater Mo überlebt? Versiert erzählt Flebbe ihre Geschichte, die von den gut ausgearbeiteten – teils Weiterlesen

Ausstellung im Kunstverein Familie Montez: I muri parla by Peter Seidel

»Venedig bei Nacht in Schwarzweiß ist wie Radiohören. Es öffnen sich Räume für die Phantasie, eine Einladung, sie selbst auszumalen.«

Venedig-Fans werden die neue Ausstellung von Peter Seidel, die im Kunstverein Familie Montez zu sehen ist, schätzen und lieben. Seidel zeigt mit seinen sehenswerten, schönen, ruhigen schwarz-weiß Fotos vom schlafenden, menschenleeren Venedig eine besondere Sicht auf Venedig und macht Lust auf einen Besuch in der Lagunenstadt.

Ausstellungsdauer

01.03.2024 bis 31.03.2024

Öffnungszeiten

Unter der Brücke unter dem linken Gewölbe

Di – So 13:00-20:00

Der Eintritt ist frei und jeder Blick ist sein und ihr Geld wert.

Location

Kunstverein Familie Montez Honsellstraße 7 in 60314 Frankfurt am Main

Lyonel Trouillot: Antoines des Gommiers

„Antoine des Gommiers“ ist der dritte Roman von Lyonel Trouillot, der im Litradukt Verlag erschienen ist und der ebenfalls von Peter Trier übersetzt wurde. Es ist ein erstklassig geschriebener Roman, der in vielerlei Hinsicht beeindruckt. Sprachlich ein Genuss, Dank einer überaus gelungenen Übersetzung. Denn sogar Beschreibungen von Horror und Gewalt bergen eine gewisse Poesie und Schönheit, wie auf Seite 22: „Am Boulevard Jean-Jacques Dessalines nährt nicht einmal mehr die Illegalität ihren Mann. Nachts bleiben nur einige Geschäfte, die noch illegaler als die vom Tag sind… Ansonsten ist der Boulevard Jean-Jacques Dessalines eine lange Gerade, bewohnt von der Angst, einigen Schreien und dem Lärm der Schüsse. Wenn es also anderswo besser ist, dann ist das keineswegs erstaunlich“. Auch wenn die Geschichte Weiterlesen