Alle Artikel von Angela Perez

Annette Holländer: Der Garten im Klimawandel. Besser Gärtnern mit Permakultur

Nachdem sich die Autorin bereits den Themen »Mein Biogemüse Garten«, »Selbstversorger Garten«, »Sprossen, Microgreens & Co«, »wildbienenfreundlich gärtnern« und »Planen, Säen, Ernten« gewidmet hat, behandelt ihr neuestes Werk den Klimawandel im Garten. Dabei geht sie strukturiert vor, unterteilt in drei Hauptthemen: Klima und Ernährung, Ein Nutzgarten nach dem Vorbild der Natur, Urban Gardening – Essbare Städte, Andernach wirbt seit Jahren damit, setzt auf die Aussage und Kraft der Fotos und scheut sich nicht, selbst in die Kamera zu lächeln, und sich bei der Arbeit im Beet ablichten zu lassen. Annette Holländer, die uns vom Umschlag anlächelt, schreibt gut verständlich. Dem einen oder anderen Leser mag es nicht ausführlich genug sein, aber das Buch erhebt nicht den Anspruch als Standardwerk in die Geschichte einzugehen. Dennoch und vielleicht gerade als Einstieg in das Thema eignet sich das Buch hervorragend. Der Leser erhält wertvolle Tipps wie die Bezugsquellen für samenfestes Saatgut und Anregungen für Balkon- und Terrassenpflanzen sowie diverse Exkurse, z.B. zum »Wunder von Mals«, den »Weltäckern« in Berlin und Landshut und lässt Bernhard Gruber, Präsident Österreichisches Waldgarten Institut, über essbare Waldgärten als Klimachance berichten. Fazit:  ich kann mich nicht mehr hinter der Ausrede: unser Garten ist zu klein, verstecken. Weiterlesen

Urte Zimmermann: Mein Blumengarten

Urte Zimmermanns Werk entspricht nicht nur der Tendenz, bei Gartenbüchern mit aquarellierten Illustrationen zu arbeiten, was bei einer Grafikerin und Malerin auch gar nicht so abwegig ist, sondern könnte mit dem ersten journalartigen Gartenbuch gleich einen neuen Trend setzen. Mir gefällt das. Warum ist nicht schon früher jemand auf diese Idee gekommen? Bei allem Neuem setzt die Autorin dennoch auf Bewährtes: Struktur und Index. Die Grundlagen zum Gärtnern im Ziergarten sowie die Anleitungen zur Anlage eines Ziergartens sind für Anfänger und Fortgeschrittene gleichsam interessant und lehrreich. Man merkt, Zimmermann kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen und hat sich selbst durch einige Gartenratgeber gearbeitet: „Mein Blumengarten“ ist praxisorientiert, gut verständlich, dabei kurz und knapp geschrieben. Die verwendeten Symbole machen das Ganze übersichtlich und vereinfachen das Leben bei der Zusammenstellung eines Beetes. Es macht Freude das Buch in die Hand zu nehmen. Die Illustrierung ist ein Stimmungsbooster. Das Neue und was aus dem Buch ein Journal macht sind die To-Do-Listen, die Platz für die Notierung der anstehenden Arbeiten, Ideen aber auch für Pflanzpläne bietet. „Mein Blumengarten“ ist ein pro-aktives Gartenbuch und ein praktischer Begleiter auf dem Weg zu einem blühenden Paradies. Viel Erfolg und Freude bei der Umsetzung! Weiterlesen

Tupoka Ogette: Und Jetzt Du

 

Mit Neugier und Interesse und bemüht vorurteilsfrei bin ich, nachdem ich das Interview mit der Autorin im Stern gelesen hatte, an das neue, und für mich erste Buch von Tupoka Ogette herangegangen. Dass bei dem Thema Rassismus eine emotionale Ebene mitschwingt, ist verständlich und eine Sache, ein emotionales Dauer-Trommelfeuer zu zünden ist eher ermüdend und eine ganz andere Sache. Und nur weil ich vielleicht in den Augen der Autorin rassistisch bin, heißt es nicht, dass ich auch unkritisch bin. Mit dem Duzen des Lesers vermittelt die Autorin das Gefühl einer flachen Hierarchie, wiegt den Leser in Sicherheit: wenn Du tust, was ich Dir sage, wird alles gut! Ist das so? Überwinden wir Rassismus durch ideologische Vorgaben oder verordnete Denkmuster, die das Denken narkotisieren? Oder sind es nicht vielmehr Denkanstöße, die Prozesse in Gang setzen? Wenn man sich einem so wichtigen Thema wie Rassismus nähert, dann sollte man versuchen die Leserschaft einzubeziehen und sich auf eine Verständnisebene begeben, die Menschen erreichen kann und vielleicht eher bei einem respektvollem „Sie“ bleiben. Weiterlesen

Clara Morgenthau: Soul Painting

Soul Painting – was ist das, habe ich mich gefragt. Denn: malt man nicht immer mit der Seele? Neugierig wie ich bin, wollte ich dem Thema auf den Grund gehen. Was mir gleich zu Beginn gefällt: Clara Morgenthau widmet »dieses Buch allen Menschen, die durch Soul-Painting ihrer unerschöpflichen Kreativität und inneren Freude begegnen«. Die Autorin scheut sich nicht, ihre Visionen und Gefühle mit ihren Leserinnen und Lesern zu teilen und sehr bald wird klar, hier geht es nicht nur ums Malen. Sehr ist die Autorin von ihren Aufenthalten in Indien geprägt und Meditation und Yoga sind fester Bestandteil ihres Tagesplans. Wer sich der Reiseleitung Clara Morgenthaus anvertraut, wird über intuitives Malen sowie die Kraft von Glaubenssätzen nach der Sedona-Methode erfahren, lernen, dass man den Schlüssel zur eigenen Kreativität selbst in der Hand hat.  Herausfinden, Wünsche in Ziele umzuwandeln und welche Materialien benötigt werden, um loszumalen. Die Anleitungen sind leicht verständlich geschrieben und werden wirksam durch Fotos ergänzt. Damit Geist und Seele gut genährt werden, verrät uns die Autorin 3 ihrer Lieblingsgerichte. Die Anwendung dieses Buches ist eine Therapie. Ein Stück Lebenshilfe, Wünsche in Ziele umzuwandeln. Clara Morgenthau hat es wunderschön auf den Punkt gebracht: »Kreativität ist Mut – Mut, etwas Neues auszuprobieren und unseren inneren Kritiker für einen Augenblick zu vergessen«.

 

Foto: Detlev Müller

Clara Morgenthau ist seit ihrer frühsten Kindheit bereits kreativ. Sie wuchs in Frankfurt Main auf. Nach ihrem Diplom lebte sie in Hamburg, zog mit ihrem VW Bus durch Süd-Europa, war in Italien bei einem Wanderzirkus und lebte über einige Jahre hinweg immer wieder monatelang in einem indischen Ashram im Bundesstaat Gujarat, wo sie meditierte. Malen und Musik haben sie ihr ganzes Leben lang schon begleitet. Ihr Ideenreichtum und ihr Zugang zu einer schier unerschöpflichen Kreativität sind unverzichtbar, wenn sie Menschen auf ihre einfühlsame und erfrischende ART & Weise von Herz zu Herz etwas vermittelt. Die Methode, die sie anderen Menschen Nahe bringt, aus dem inneren Wesenskern heraus zu agieren, ohne den Verstand oder den Intellekt zu nutzen, aus dem Herzen, der Seele zu Malen, nennt sie „Soul-Painting“. Clara glaubt daran, dass alles miteinander verbunden ist. Dieser ganzheitliche Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Wirken. So fließt in ihre Arbeit auch immer eine natürliche Spiritualität ein, die sie täglich durch Meditation und Yoga lebt. Alles, was sie auf ihrem kreativen, künstlerischen und spirituellen Weg erfährt und selbst lernt, gibt sie voller Freude weiter, ohne etwas zurückzubehalten. Ihre größte Freude ist es, wenn sie durch das Medium von Kreativität andere Menschen inspiriert, ihrem wahren Wesenskern zu begegnen und ein glückliches Leben zu leben.

EMF   –  Gebunden – 128 Seiten –  €20,00 – ISBN ‎ 978-3-7459-0906-7

Stefan Rebenich: Der Kultivierte Gärtner

Ein Gartenbuch der besonderen Art. Und das in jeder Hinsicht. Die verspielt, elegante Aufmachung könnte nicht gegensätzlicher sein zu der klaren Strukturierung des Inhalts. Hier schreibt der Akademiker. Als Professor wahrscheinlich Kummer mit den Studierenden gewohnt, gibt Stefan Rebenich eine „hinführende“ Einleitung. Seinen philosophischen Exkursionen hinke ich manchmal etwas hinterher und muss mich anderweitig schlaumachen. Das schreckt mich nicht ab, im Gegenteil, es spornt mich an und sehr schnell wird mir klar, was für einen Schatz ich in Händen halte. Es ist ein Buch, das mich künftig begleiten wird, griffbereit, um immer wieder etwas nachzulesen oder auch um ein wenig zu blättern. Schon der Aufmachung wegen. Es ist ein haptisches Vergnügen über die glatten Seiten zu streichen und das Auge erfreut sich an den zartgrünen Illustrationen. Dankenswerterweise hat der Autor gänzlich auf Fotos verzichtet.  Und nebenbei erfahre ich viel Wissens- und Überdenken Wertes. Wie etwa der Satz: Der Garten ist der Spiegel unserer Seele. Oder, dass der Garten nicht kurzfristigen Moden unterworfen sein sollte. Und, dass ich von keinem so viel für meinen Garten lernen kann, wie von Vincent van Gogh: „Ich suche jetzt das Wesentliche zu übersteigern und das Alltägliche absichtlich vage zu belassen.“ Weiterlesen

Matteo Strukul: Die Macht der sieben Familien

Matteo Strukul hat wieder zugeschlagen. Nach der erfolgreichen, vierteiligen Reihe über die berühmte Medici-Dynastie führt der Autor seine Leser:innen erneut in die Renaissance und konfrontiert sie gleich mit sieben Familiendynastien, denen im Kampf um Macht, Reichtum und Gebietserweiterung jedes Mittel recht ist. Sie sind Meister der Verschwörung, Intrigen liegen ihnen im Blut und sie gehen keiner blutigen Auseinandersetzung aus dem Weg. Wer zu einer dieser Familien gehört, braucht keine Feinde mehr. Überleben ist alles! Verhasster Ehefrauen entledigt man sich wie Heinrich VIII.: Rübe runter. Das ist wie Game of Thrones auf Italienisch, nicht weniger zimperlich, aber vordergründig kultivierter. Und der Papst spielt auch immer mit. Wer sich für das Buch entscheidet, begibt sich auf eine rasante, spannende Reise in die Vergangenheit Italiens, auf der er auf eine atmosphärische Dichte und lebendige und überzeugende Charaktere trifft. Weiterlesen

Denise Schweida (Hg.): God Save The Queen

Bedarf es in dieser gefährlichen Zeit, in der Europäer auf der Flucht vor Kriegswaffen sind, wirklich noch eines weiteren Buches über die Queen? Vielleicht gerade deswegen! Hat sie nicht in ihrer 70jährigen Regentschaft gezeigt, dass sie eine ausgezeichnete Diplomatin ist, die die Friedensprozesse u.a. in Afrika begleitete. Ein Staatsoberhaupt, das sich für die Transformation des British Empire zum Commonwealth einsetzte und die Gemeinschaft darauf einschwor, mit der Wahl ihres Thronfolgers zu ihrem Nachfolger als Head of Commonwealth, dessen Fortbestand zu sichern. Eine Person, die laut Stellenbeschreibung unparteiisch und unpolitisch zu sein hat und – nicht, weil sie eine Frau ist – keine Meinung zu haben hat. Dennoch möchte man glauben, dass diese kleine große Frau in ihrem kleinen Finger mehr diplomatisches Gespür hat als alle, die im Augenblick in diplomatischen Missionen unterwegs sind. Denise Schweida hat sehr persönliche Würdigungen zum 70. Jahrestag der Thronbesteigung ihrer Majestät zusammen getragen. Teils auf persönlichen Begegnungen beruhend, teilen sie alle eine Gemeinsamkeit: die Bewunderung für eine außergewöhnliche Frau. Weiterlesen

Christine Brand: Wahre Verbrechen

Dass die Autorin als ehemalige Redakteurin der Neuen Zürcher Zeitung schreiben kann, nehmen wir als gegeben. Dass sie eine große Leserschaft hat, zeigt der rote Aufkleber auf dem Titelbild des Buches SPIEGEL Bestseller-Autorin. Warum sie aber 6 alte Kriminalfälle, über die sie und Kollegen bereits in den Printmedien und im Netz im deutschsprachigen Raum Land auf und Land ab berichteten und für Schock und Entsetzen sorgten, für ein Buch aufbereitet, erklärt sich für mich nur so: Man muss von dem Genre fasziniert sein. Christine Brand sagt unter anderem zu dem vorliegenden Buch: „Es ging mir um die Geschichte hinter den Menschen“. Auf die Frage, wie geht es den Überlebenden, Hinterbliebenen, den Menschen vor dieser Geschichte mit diesem Buch, werden wir wohl keine Antwort erhalten. Wer sich also für die menschlichen Abgründe interessiert und nicht sonderlich zart besaitet ist und im Hinterstübchen behält: Nicht jeder Onkel ist ein Kinderschänder und nicht jeder nette Nachbar entledigt sich seiner Ehefrau kostengünstig im Säurebad, für den sind die 16 € für Wahre Verbrechen gut angelegt. Weiterlesen

Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre würzt die ohnehin an Katastrophen reiche Zwischenkriegszeit, in der er seine figuren- und handlungs-reiche Geschichte ansiedelt. Mit Intrigen, die er um das Erbe der im Mittelpunkt stehenden Bankiers-Familie Péricourt entspinnt und einem Rachefeldzug einer betrogenen Frau, als Antwort für die Neider, die auf das Verderben der Familie hinarbeiten. Er bestätigt erneut, dass er mit Ironie und immer wieder neuen Wendungen einfallsreich Spannung und intelligente Unterhaltung erzeugen kann und die Handlung durch Wechsel zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven flott und plausibel forciert, während im Hintergrund Börsenkrach, Korruption, Steuerbetrug, soziale Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime die Weltpolitik bestimmen. Für den Titel hat Lemaitre eine Verszeile aus dem Gedicht „les lilas et les rose“ (1941) von Louis Aragon gewählt und dem Roman ein Zitat von Jakob Wassermann aus „Der Fall Mauritius“ vorangestellt: „Es gab, genau besehen,  nicht Gute und Böse, Ehrliche und Schwindler, Lämmer und Wölfe, es gab nur Bestrafte und Unbestrafte, das war der ganze Unterschied.“ Lemaitres Charaktere sind lebendig und vielschichtig – namentlich Paul und Madeleine. Nicht alle Protagonisten sind charmant oder liebenswert, manche gar abstoßend. Aber auch bedingt dadurch, entsteht ein äußerst lesenswertes, aussagekräftigtes Sozialepos der 1930er Jahre in Frankreich, bei dem vor allem die Oberschicht nicht gut wegkommt. Weiterlesen

Zarah Philips: Munteres Morden

Wenn man schon mordet, kann man es auch fröhlichen Herzen tun. Dann kommt es auch nicht auf die eine oder andere Leiche an. Wenn der Schauplatz für den Auftragsmord allerdings Hamburg ist, werden die Karten neu gemischt. Denn: Elli Gint und ihre Oma Frieda Gint halten den Kiez sauber. Und wie schon im ersten Band dieser Krimikomödien-Reihe, gelingt der Autorin eine spannende und bis zuletzt undurchsichtige Handlung. Wie dicht Hamburg an England liegt, zeigt sich, wenn der durchaus schwarze Humor aufblitzt. Also: wer auf Authentizität zugunsten schräger Gestalten am Rand der Glaubwürdigkeit verzichten kann, sagt ja zu diesem Roman. Wer darauf verzichten kann, dass das Blut beim Öffnen des Buches entgegen geflossen kommt, sagt ja zu Munteres Morden. Wer nichts gegen ein bisschen Amore im Krimi einzuwenden hat, sagt ja zu diesem Krimi. Für wen jedoch nur ein ≪ ernsthafter Krimi≫ ein richtiger Krimi ist, lässt besser die Finger davon. Allen anderen steht bestes Lese-Vergnügen ins Haus. Weiterlesen