Schlagwort: Italien

Donna Leon: Flüchtiges Begehren: Commissario Brunettis dreißigster Fall

Zunächst kurz: Es ist wieder ein echter Brunetti Roman. Er zeichnet sich dadurch aus, dass er die Verhältnisse im Lande und den Seelenzustand seiner Bewohner offenlegt. Wer mit wem verbandelt ist, wer erkennt wenn jemand etwas vorgibt zu sein und es nicht ist. Abhängigkeiten die nur in und durch bestimmte Kreisen geschaffen werden können. Das alles versteht Donna Leon aufzunehmen und gut lesbar in Romane zu packen die spannend, feinfühlig und uns die Serenissima näher bringen. Einstimmen mit der Autorin will die Redaktion in den Chor derer die fordern: Kreuzfahrer raus aus der Lagune! Man muss nur die Bilde sehen und versteht dann was es bedeutet wenn ein Hochhaus am Pier anlegt. Weiterlesen

Fabio Paretta: Tödliches Capri, Ein neuer Fall für Commissario De Santis

Wenn bei Capri die Sonne im Meer versinkt…..Wer kennt nicht dieses Lied aus den 50ziger? Dieses Lied hat dazu beigetragen, dass tausende Italienreisende davon träumen Capri zu sehen und zu erleben. Doch sicherlich nicht sehen und sterben! So wie es Fabio Paretta auf seinem Klappentext formuliert.

 

 

 

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Gianrico Carofiglio: Zeit der Schuld, Ein Fall für Avvocato Guerrieri 6

Wenn ein ausgefuchster Strafverteidiger ein Buch über seine Tätigkeit schreibt, dann kann er was erzählen. Manchmal kommt es etwas trocken rüber wenn über die Regularien der Justiz berichtet wird, und die italienischen Regularien sind manchmal für uns Mitteleuropäer nur schwer verständlich, ist das Buch trotzdem spannend. Da Bari keine besonders große Stadt ist kennt man sich und die Eigenheiten der anderen. Das besondere Merkmal dieses Buches ist die Reflexion des Autoren zu seiner Vergangenheit und der Vergangenheit seiner Generation. Die Lebensgewohnheiten der Italiener und im Besonderen der Süditaliener haben sich stark gewandelt. Pünktlichkeit und Ordnungsliebe waren nicht die herausragenden Merkmale der Süditaliener. Der Autor führt uns dies ausführlich vor Augen. Ausführlich geht er auch auf die Probleme des älter Werdens und des Umgangs mit dem Alterungsprozess ein. Diesmal hat der Held Avvocato Guido Guerrieri es mit der Revision einer Mordanklage zu tun. Weiterlesen

Andrea Camillieri: Kilometer 123

Der Tod von Andrea Camillieri hat für Krimifreunde einen großen Verlust bedeutet. Keiner konnte Kriminalromane schreiben wie er, der vorzugsweise über Sizilien, geschrieben hat. Das vorliegende Buch Kilometer 123 ist ein Beispiel hoher Autorenschaft. Ein Buch das gänzlich aus Dialogen besteht und doch zielgenau Atmosphäre und Handlung wiedergibt. Dialoge sind so gesetzt dass sie schnörkellos ein Verbrechen aufdecken das zunächst aussieht als wäre es kein solches. Wie immer unterlässt es Camillieri nicht auch ironische Passagen einfließen zu lassen. Wir werden den Meister vermissen. Weiterlesen

Christian Klinger: Die Liebenden von der Piazza Oberdan

Eine Stadt, Triest, gibt den Ton an. Die Protagonisten beleben das Bild über Generationen hinweg. Die Geschichte spielt der Stadt und den Menschen teilweise übel mit. Jahrhunderte lang war Trist Österreichisch. Dann hat der Kaiser einen Krieg angezettelt und die Stadt und den Zugang zum Meer verspielt. Triest wurde italienisch. Nach dem Italienischen Seitenwechsel war dann Triest von Deutschland besetzt. All das hat die Familie teilweise zerrissen und neu geformt. Die Zerrissenheit wird sehr deutlich und nachvollziehbar geschildert. Enge Nationalismen sind Sprengsätze für Familienverbände. Dies macht er Autor sehr deutlich.

 

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Angelo Scerbanenco: Das Mädchen aus Mailand, Duca Lamberti ermittelt

Wie in dem Nachwort dieses Buches zu lesen ist, ist dieser Roman der Türöffner des italienischen Kriminalromans. Er ist sehr spannend weil er auf mehreren Ebenen aufklärerisch wirkt. Da damals als der Roman in den 70er Jahren erschien, Berichte über Prostitution selten waren, führt er eine intellektuelle und eine realistische Diskussion darüber in seiner Handlung. Er spiegelt auch die Gesellschaft Italiens in dieser Zeit treffsicher wider. Der Roman ist für alle Freunde Italiens ein muss, weil er die damaligen sozialen Verhältnisse offen darlegt.

 

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Film: Perfetti Sconosciuti, DVD, Blu-Ray

Es stellt sich die Frage, ob dieser so typisch italienische Film in Deutschland angekommen wäre. Ich denke, ganz bestimmt. Es wäre nicht notwendig gewesen, die Geschichte mit deutschen Schauspielern neu zu verfilmen. Denn wo Perfetti Sconosciuti absolut nicht zur Komödie verkommt, sondern eher die tragischen Momente sogenannter Freundschaften ans Licht bringt, wurde aus der Neuverfilmung Das perfekte Geheimnis nur ein Klamauk. Da konnten auch nicht Top-Schauspielern wie Elyas M’Barek, Wotan Wilke Möhring und Karoline Herfurth den deutsche Filmversion herausreißen.

Meine Empfehlung daher: Sehen Sie sich lieber das Original Perfetti Sconosciuti an! Es wurde natürlich auf Deutsch übersetzt und hinterlässt beim Zuschauer einen wichtigeren Eindruck, als nur mal kurz gelacht zu haben.

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Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen

Da hat der Verlag seinem Verleger zum 90en Geburtstag ein wundervolles Buch auf den Gabentisch gelegt. Fulminant und bildreich schildert die Autorin eine Familie in den Marken in Italien. Das 18. Jahrhundert geht zu Ende und die Not der kleinen Leute wird immer größer. In der Familie ist das Bewusstsein durch den Großvater, einem Anarchisten, geprägt der seine Umgebung zum Widerstand gegen die Verhältnisse anregt. Die Frauen der Familie sind die tragischen Elemente des Romans. Die Mutter gebiert nur tote Kinder, die Tochter geht ins Kloster. Der Roman zieht die Leserschaft sofort in den Bann weil die Befindlichkeiten der Protagonisten klar und eindringlich herausgearbeitet werden. Weiterlesen

Donna Leon: Geheime Quellen, Commissario Brunettis neunundzwanzigster Fall

Die Autorin ist mit Ihren Büchern weltweit vertreten. Außer in Italien. Dabei hält sie den Italienern einen Spiegel vor und zeigt die gesamtgesellschaftlichen Schwächen der Nation. Umweltschutz, Wasser sparen, Datenschutz sind nicht die herausragenden Eigenschaften der Italiener. Das Gerichtswesen liegt im Argen. In diesem Krimi stöhnt der Commissario über die Hitze und die vielen Menschen. In nächsten Krimi, so liest man, werden ihn die Menschen fehlen. Der Krimi ist wie aus dem italienischen Leben, vor Corona, locker, empathisch und gehaltvoll. Weiterlesen

Gioacchino Criaco: Die Söhne der Winde

Africo, im Aspromonte ist eine der ärmsten Gegenden Italiens. Hier wird man entweder Mafioso oder wandert aus. Wie das Leben dort aussieht schildert uns einer der von dort kommt. Die Situation der Menschen hat sich über die Jahrhunderte nicht wesentlich verbessert. Warum das so ist wird hier deutlich erklärt. Die Gegend ist ein großer Obst und Gemüsegarten. Er gehört aber nur wenigen. Die Anderen dürfen aber für wenig Geld in diesem Garten schuften. Alle bedienen sich bei den Armen: die Grundbesitzer, die Lastwagenfahrer und die Mafiosi. Die Jugend hat die Möglichkeit zu lernen wird aber von der Konsumgesellschaft auf den leichten Weg geführt. Der Autor zeichnet ein überzeugendes Bild Kalabriens. Weiterlesen