Mit „Die letzte Predigt“ beweist Eva Almstädt erneut, dass die Nordsee weit mehr ist als eine eindrucksvolle Kulisse. Das Wattenmeer, der Wind und die weite Landschaft prägen nicht nur die Atmosphäre des Romans, sondern spiegeln auch die Menschen wider, die dort leben. Hinter der oft rauen Schönheit der Küste verbergen sich Tradition, Zusammenhalt, Eifersucht und verschwiegene Geheimnisse. Eva Almstädts Darstellungen der kleinen Dörfer, in diesem Fall Estherwiek und Umgebung, wo jeder jeden kennt und die Erinnerungen dort Jahrzehnte zurückreichen und nie ganz verschwinden. Wer so wie ich auch in so einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt das aus eigenen Erlebnissen: die wachen Augen und Ohren der Nachbarn, aber genießt auch die Vorteile des dörflichen Miteinanders. Es gibt Geborgenheit und Verlässlichkeit. Da passen zwei hintereinander auftretende Leichen nicht hinein.
Alle Artikel von Lutz Reigber
Lina Bengtsdotter „ Waldnacht“, Kriminalroman
Mit „Waldnacht“ startet Lina Bengtsdotter ihre neue Sakka-Pienni-Serie und entführt die Leser in einen düsteren, atmosphärischen, skandinavischen Krimi. Im Mittelpunkt steht die eigensinnige Ermittlerin Sakka Pienni, die in einem Mordfall im wohlhabenden Stockholmer Vorort Djursholm ermittelt und dabei nicht nur auf ein Netz aus Geheimnissen und Lügen stößt. Nichts scheint so, wie es dargestellt wird. Zumal Sakka Pienni als junge Frau selbst als Au-pair 4 Jahre in Djursholm gelebt hat und somit mit den Eigenheiten dieser sogenannten besseren Gesellschaft bestens auskennt. Lina Bengtsdotter gelingt es, eine spannende Mischung aus Ermittlungsarbeit, psychologischer Tiefe und nordischer Stimmung aufzubauen. Beeindruckend, wie es Lina Bengtsdotter gelungen ist, die vielschichtigen Figuren und die Art, wie sie Sakkas innere Konflikte mit der eigentlichen Handlung verknüpft.
Ewald Arenz , „FÜNF, SECHS, SIEBEN, ACHT“, Roman
Ewald Arenz’ Bücher erzählen von Liebe, Freundschaft, Familie, Verlust, nicht Verstandenwerden, Alleingelassensein oder älter werden, ohne anklagend nur situationsbedingte, sehr menschliche Gegebenheiten einfühlsam und deutlich, als hätte Ewald Arenz dieses alles selbst erlebt. Man ist als Leser leicht geneigt, den Autor in der Rolle der Protagonisten zu suchen oder zuzusehen. In seinem neusten Buch von Ewald Arenz „FÜNF, SECHS, SIEBEN, ACHT“ geht es um das Älterwerden, den Verlust des Jobs, die Flucht nach der Suche nach einer verlorenen Liebe und die Frage: Kann man das akzeptieren oder muss man kapitulieren? Ich selbst habe schon in viel geringeren Jahren erkennen müssen, dass die Jugend ihre eigenen Ambitionen hat, sich mit ihren Ansichten, und Argumenten durchzusetzen. Ich war tätig in einem großen Medienkonzern. Und von Zeit zu Zeit gab es Produktionssitzungen, bei denen natürlich immer die eine oder andere Nachwuchskraft dazugekommen ist und Ältere durch Positionswechsel oder Verrentung nicht mehr dabei waren. Ich war so an die 40 und ein junger Produktionsassistent hat uns sogenannten Erfahrenen erklärt, wo es langgeht. Ich war ganz perplex und habe nichts dazu gesagt. Zurück mit etwas Abstand habe ich mich gefragt: „War ich auch mal so?“ Ja! Eventuell sogar noch etwas forscher, ich wollte ja zeigen, dass ich es kann. Ewald Arenz hat in diesem Buch die Situation hervorragend dargestellt.
Lilly Hess „Tote trinken keinen Riesling“, Kriminalroman
In ihrem ersten Band von Lilly Hess „Mord im Gepäck“ gelingt Lilly Hess mit ihrem Kriminalroman „Tote trinken keinen Riesling“ weit mehr als die klassische Suche nach einem Täter oder einer Täterin. Lilly Hess verbindet Spannung mit einer liebevollen Hommage an die Pfalz und schafft es dabei, eine Atmosphäre, die Leser von der ersten Seite sowohl in die Pfalz mitzunehmen als auch in den Bann eines spannenden Krimis zu entführen. Das Buch zeichnet sich auch besonders aus, durch den lebendigen Schreibstil von Lilly Hess, die ihre Figuren nahbar und glaubwürdig wirken lässt und dabei die jeweiligen Eigenheiten, Stärken und Schwächen betont, was dadurch sehr authentisch herüberkommt. Gerade die kleinen Marotten der einzelnen Protagonisten verleihen dem gesamten Buch Charme und Wärme. Lilly Hess lässt ihre Personen, wie im echten Pfälzer Landleben, sympathisch erscheinen, ohne sie zu idealisieren.
Maurizio Oster, Elissavet Patrikiou „Die Große Freiheit“, Simple Gerichte – Geiler Geschmack
Endlich hält ein Sternekoch mal sein Wort und hält sich an seinen Titel und an seine Rezepte. Dieser sehr feinfühlige Koch, Maurizio Oster, mit der etwas burschikosen Art, zeigt mit „Die große Freiheit“ eine sehr menschliche und sympathische Seite seiner Person und Küche. Fern von kulinarischer Eitelkeit, nah am Alltag und voller Respekt für gute Zutaten. Gerade darin liegt die große Stärke dieses Buches. Maurizio Oster kocht nicht, um zu beeindrucken, sondern um Menschen an einen Tisch zu bringen. Seine Gerichte wirken unkompliziert, fast bescheiden, und doch spürt man in jeder Idee die Erfahrung eines Kochs, der weiß, dass echter Geschmack nicht aus Übertreibung entsteht, sondern aus Klarheit, Sorgfalt und dem Vertrauen in das Produkt. Leider ist für mich das Layout nicht einladend. Nur in Schwarz-Weiß mit orangefarbener Schrift. Wer Maurizio Oster nicht kennt, läuft wahrscheinlich im ersten Moment an diesem Buch vorbei. Ich hoffe trotzdem, dass dieses Buch „Die Große Freiheit“ ein voller Erfolg wird, denn Maurizio Oster hat es verdient, bei diesen simplen Gerichten mit dem geilen Geschmack.
Léon und die Frau im blauen Kleid Alexander Oetker, Der erste Fall für de Cavallier und Bentaleb: Der Côte-d’Azur-Krimi
Was für eine Leistung: Alexander Oetker begnügt sich nicht mit seinen schon etablierten Krimis mit Luc Verlain an der französischen Atlantikküste und mit Signora Commissaire in der Toskana, nein, er hat ein neues Ermittlerduo an der Côte d’Azurzusammengestellt, das mit dem Auftakt gleich für Furore sorgt. Alexander Oetker muss in meinen Augen nur am Schreiben sein. Hochachtung vor den Ideen und Recherchen, um ein Thema so zur Vollendung zu bringen. Der neue Kriminalroman „Léon und die Frau im blauen Kleid“ ist weit mehr als ein klassischer Ermittlerkrimi. Alexander Oetker verbindet in diesem Auftaktband eine neue Reihe um Commissaire Léon de Cavallier, der ein ungewöhnlicher Protagonist ist: sehr reich, elegant, arrogant, snobistisch, aber hochintelligent. Fährt Ferrari, trägt Maßanzüge, Lebemann mit Champagner und gutem Essen, der lieber allein ermittelt als auf Teamarbeit steht. Dagegen die Commissaire Nadia Bentaleb, aus der Banlieue von Paris stammend, die sich nach Nizza hat versetzen lassen. Pragmatisch, bodenständig. Diese Gegensätze benutzt Alexander Oetker geschickt, um Reibung zu erzeugen. Gerade dieser Gegensatz macht den Roman atmosphärisch dicht. Die schillernde Welt der Reichen mit Korruption, Drogenhandel und Machtmissbrauch vor dem Hintergrund der Postkartenfassade.
M.W. Craven, Der Kurator, ein packender Thriller aus der Feder des britischen Bestsellerautors
Der Kurator ist jemand, der etwas betreut und der Öffentlichkeit zugänglich macht. Was ist, wenn ein Kurator seine Leichen zur Schau stellt? M.W. Craven gelingt es mit „Der Kurator“, einen spannungsgeladenen Thriller zu schreiben, der seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Die Geschichte dreht sich um Detective Sergeant Washington Poe, der in einer düsteren Mordserie in Cumbria ermittelt. Die Morde sind grausam und verstörend – die Opfer werden auf makabre Weise zur Schau gestellt, und an den Tatorten findet sich jeweils ein Hinweis: eine Nummer ohne offensichtliche Bedeutung. Zusammen mit der brillanten, aber sozial ungeschickten Analystin Tilly Bradshaw versucht Poe, das Geheimnis hinter den Zahlen zu entschlüsseln und den Täter zu fassen.
Fünf Fremde Romy Fölck Thriller, nur einer kennt das tödliche Geheimnis, das sie alle verbindet
Die Insel Neuwerk ist dreizehn Kilometer von Cuxhaven entfernt, liegt im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer und gehört der Stadt Hamburg. Die Stadt Hamburg betreibt dort ein Schullandheim, zu dem die Stadt Schüler im Sommer zum Schulausflug entsendet. Bei Ebbe kann man zu Fuß (angebracht mit Führer), per Pferdekarren und heute mit Unimogs durchqueren. Bei Flut ist die Insel nur mit Schiffen zu erreichen. Bei Sturm ist die Insel abgeschlossen und keiner kann von dort weg. Dann müssen die 25 Einwohner und Touristen autark zurechtkommen. Strom und Wasser werden über einen eigens eingerichteten Generator gewonnen. In „Fünf Freunde“ von Romy Fölck werden die Leser und Leserinnen auf die raue Insel Neuwerk entführt, wo die fünf Hauptfiguren nach Jahrzehnten wieder zueinanderfinden. Ein plötzlicher Sturm schließt die Gruppe von der Außenwelt ab – Wind peitscht über die Salzwiesen, das Meer rauscht bedrohlich an die Deiche, und die alten Gemäuer des Hauses bieten kaum Schutz vor der drückenden Atmosphäre vergangener Erinnerungen. Während die Welt draußen unzugänglich wird, bleibt den Freunden nichts anderes, als sich den Geschehnissen zu stellen, die vor dreißig Jahren ihr Leben geprägt haben.
Martha Stewart „Martha Das Kochbuch“
Das 100. Kochbuch von Martha Stewart – eine Hommage an ein außergewöhnliches Lebenswerk. Die 100 besten Rezepte als Spiegel von Erfahrung, Leidenschaft und zeitloser Eleganz. Martha Stewart hat mit ihrem 100. Kochbuch nicht nur einen weiteren Meilenstein gesetzt, sondern eine Sammlung geschaffen, die ihre immense Erfahrung und ihre Liebe zum Kochen widerspiegelt. Dieses Werk ist das Ergebnis jahrzehntelanger Leidenschaft und Hingabe, und jedes Rezept zeugt von ihrem unermüdlichen Streben nach Perfektion. Mit viel Empathie für ihr Lebenswerk fällt es leicht, zu erkennen, wie sehr Martha Stewart auch im fortgeschrittenen Alter ihre Kreativität und Inspiration bewahrt hat.
Jamie Oliver „BBQ – Einfach genial Grillen“
Der Trend zur Outdoorküche ist ungebrochen. Gerade durch die Klimaerwärmung kann man sich öfter und länger im Freien aufhalten. Und durch den Einsatz von Gas- und Elektrogrills, mit dem zusätzlichen Einsatz von Heizpilzen oder Strahlern, gelingt es auch im Winter, unter der überdachten Terrasse köstliche Sachen auf dem Grill zu produzieren. Heute ist Grillen eine beliebte Freizeitaktivität und ein wichtiger Bestandteil der deutschen Küchenkultur. Da Grillen eine Männerdomäne ist, ist auch ein heimlicher Konkurrenzkampf entstanden: Wer hat welchen Grill und was kann man alles darauf zubereiten? Jamie Olivers „BBQ Buch – Einfach genial Grillen“ gehört selbstverständlich dazu. Der Koch, der durch seine Bücher und Kochsendungen berühmt geworden ist, weil seine Gerichte mit wenig Zutaten auskommen und einfach nachzuvollziehen sind.