Schlagwort: China

Dai Sijie: Der kleine Trommler, Drei chinesische Geschichten

Chinesische Literatur ist immer etwas Besonderes. Die Denkweise der Autoren und die Möglichkeit frei zu schreiben sind stark eingeschränkt. Das vorliegende Büchlein macht hier eine Ausnahme; geradezu direkt spricht der Autor Korruption und gesellschaftliche Verhältnisse an. Da wird ein junger Mensch verkauft, gesundheitliche Produktionsbedingungen geschildert und Eltern Kind Verhältnisse problematisiert. Das Ganze verpackt der Schriftsteller in brillante Ausdruckskraft. Das Büchlein ist schon länger auf dem Markt täuscht aber nicht darüber hinweg, das die Verhältnisse in China sich nicht geändert haben. Weiterlesen

THOMAS REICHART: DAS FEUER DES DRACHEN mit Bericht der Buchvorstellung

Thomas Reichert, geboren 1971, lebte mit seiner 4 köpfigen Familie von 2014 bis 2019  in Peking. Er war dort verantwortlicher Chefredakteur des ZDF Studio Ostasien und machte die Berichterstattung über China, Taiwan, Nord- und Südkorea, Japan und die Philippinen. Aus seinen Eindrücken, Interviews, Reisen in die entlegensten Stellen und persönlich Erlebten beschreibt er in seinem Buch „ Das Feuer des Drachen“ die rasant, schnelle Entwicklung eines Chinas, das bei seiner Ankunft 2014 sich noch als Rückständig bezeichnet hat und keine 3 Jahre später selbstbewusst auf der Überholspur ist und nach dem Globus greift. Thomas Reichart ist kein Unbekannter. Er ist mehrfach als Autor zahlreicher Dokumentationen ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem preisgekrönten Zweiteiler „ Die neue Seidenstraße – Chinas Griff nach Westen“. Wer den Zweiteiler mit verfolgt hat, weiß ungefähr wie brisant das Thema China ist. In diesem Buch vertieft und begründet Reichart seine Aussagen. Weiterlesen

Eliot Pattison: Die vier Toten von Tibet, Ein Tibet-Krimi

Tibet steht für uns Mitteleuropäer als Synonym für eine Spirituelle Nation. Da Tibet aber von China annektiert und das spirituelle Oberhaupt der Dalai Lama vertrieben wurde, sind die alten Religionen bedroht. Durch technische Großprojekte, z.B. Staudämme und „Himmelszug“ werden die Lebensräume und die jahrhundertealten Gebetsstätten nach und nach zerstört. Der Autor führt uns deutlich vor Augen, was es heißt, wenn Minderheiten brutal unterdrückt und auf ihre Kultur keine Rücksicht genommen wird. Der Ermittler, ein Tibeter, der durch ein Umerziehungslager gegangen ist, sich aber seiner kulturellen Vergangenheit bewusst ist, versucht die Fesseln aus Korruption und Misswirtschaft zu überwinden. Dieser Kriminalroman ist im besten Sinne ein Roman der die kulturellen Hintergründe und Lebensumstände Tibets äußerst spannend beschreibt. Weiterlesen

Qiufan Chen: Die Siliziuminsel

Dieses Buch ist ein Science-Fiction Roman, der in naher Zukunft spielt. Der Autor ruft bei der Leserschaft Bilder hervor, die ihr aus den Medien kennt. Wir wissen alle, dass unser Elektronikschrott in Afrika zerlegt und sortiert wird. Es gibt aber auch in China in der Stadt Guiyu eines der weltweit größten Recycling Zentren der Welt. Hier arbeiten Menschen ohne Schutz für sich selbst und der Umwelt. Es müssen grauenhafte Zustände herrschen. Die Umweltzerstörung muss dramatisch sein. Dies alles problematisiert der Autor mit den Menschenrechten, die hier mit Füßen getreten werden. Es ist dem Autor zu danken, dass er mit seinem Roman auf diese Zustände aufmerksam gemacht hat. Der Roman ist spannend und hoch intelligent. Weiterlesen

Tina Wagner Lange, Maurice K. Grünig, Judith Gmür-Stalder: Gong Fu Cha, Tee als Handwerkskunst und das bewusste Genießen

Die Beziehung zum Tee drückt Wünsche und Träume aus. Welchen Tee wir lieben, bestimmt die Zugehörigkeit zu einer spezifischen sozialen Gruppe. Dahinter stehen persönliche Bedürfnisse, politische Strategien und die soziale Realität einer Gesellschaft. (Auszug aus dem Buch Gong Fu Cha Seite 219). Was der Barrista für den Kaffee, ist der Zeremonienmeister für den Tee. Gong Fu Cha – die Chinesische Teezeremonie war die Inspiration für dieses Buch. Cha – bedeutet Tee.

 

 

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Cixin Liu: Die 3 Sonnen

Ein Si – Fiction Roman der Sonderklasse, nicht weil er viele Preise gewonnen hat, sondern weil er an die klassischen Romane von Stanislav Lem, Asimov erinnert. Der Autor erschafft Welten und Gesellschaftssysteme die soziologisch in die Tiefe gehen und außergewöhnlich sind. Ungewöhnlich auch, einen historischen Vorgang wie die Chinesische Kulturrevolution, als roten Faden durch die Geschichte ziehen zu lassen. dabei nimmt der Autor kein Blatt vor den Mund. Da der Roman in Teilen sehr wissenschaftlich aufgebaut ist, muss man schon technischen Verstand haben um Fiktion und Realität zu unterscheiden. Interessant ist auch, das Xixin Liu den Weltraumaufzug wie ihn Frank Schätzing in seinem Roman „Limit“ vorgestellt hat, erwähnt. Weiterlesen

Eliot Pattison: Die Frau mit den grünen Augen

Meinen ersten Tibet-Krimi mit dem Ermittler Shan Tao Yun las ich im Jahre 2002. Damals war ich von einer vierwöchigen Reise aus Tibet zurückgekommen. Bezaubert von dem Land, ließ ich mich auch von Pattisons Krimis bezaubern. Denn seine Tibet-Krimis fangen sowohl den Zauber dieses mystischen Landes ein, als auch den knapp siebzigjährigen Existenzkampf des tibetischen Volkes, welches in einer Zeit höchster Not um Glauben und kulturelle Integrität ringt.
Mit seinem neusten Roman aus der Reihe, Die Frau mit den grünen Augen, hat der Autor wieder einmal einen hochspannenden Kriminalroman geschrieben. Die Geschichte lebt durch die so treffenden Beschreibungen der Menschen in Tibet und des in seiner chinesischen Haut verlorenen Ex-Polizisten Shan. Ein sehr unterhaltsamer Krimi, der einen von Tibet träumen lässt und den bitteren Hauch der Wut über seine brutale Chinesischen Annexion zurücklässt. Weiterlesen

Cixin Liu: Weltenzerstörer, Novelle

Weltenzerstoerer von Cixin Liu

Ein Chinesischer SiFi Roman, besser eine Novell. Der Autor bringt hier eine Menge Themen in seiner Geschichte unter. Es erinnert etwas an Stanislav Lem, der in seinen Geschichten ganze Gesellschaften, ihre Eigenheiten untergebracht hat. Dabei hat er, genau so wie Liu gesellschaftliche Problematiken zur Diskussion gestellt. In einigen Passagen der Novelle kann man vermuten, dass auch Probleme der Chinesischen Gesellschaft angesprochen werden. Das aber ist dann schon etwas nur für Chinesen und diejenigen die sich hierin auskennen.  Für eine/n Neueinsteigerin in chinesische SiFi ist diese Novelle bestens geeignet. Weiterlesen

Xiaolong Qiu: Schakale in Shanghai, Oberinspektor Chens achter Fall

Die Redaktion hat lange gewartet, endlich ist der neue Fall von Oberinspektor Chen erhältlich. Immer wenn dieser ermittelt geht es den regierenden korrupten Kadern der Chinesischen Führung ans Eingemachte. Die Werke des Exilchinesen Qiu Xiaolong sind deshalb so interessant, weil sie neben der Spannung einen gesellschaftlichen Hintergrund abbilden den man weder im Fernsehen sehen oder in den Zeitungen lesen kann. Korruption und Bereicherung der führenden Kader, die auch vor Mord nicht zurückschreckt. Immobilien Spekulation die öffentliches Gelände gierig vermarktet. Prostitution und Vetternwirtschaft. All das bringt der Autor stimmig und authentisch dem Lesepublikum nahe. Unbedingt lesenswert. Weiterlesen

Amitav Ghosh: Die Flut des Feuers

Die Flut des Feuers von Amitav Ghosh

Das Werk ist ein aufwändiges Werk das romanhaft die Geschichte Nordindiens und der Opiumkriege Englands mit dem Kaiserreich Chinas erzählt. Es wird eine ereignisreiche Zeit von 1834 bis 1841 beschrieben in der Familien aufgrund von Ereignissen einer Schifffahrt auseinander gerissen werden und durch Zufälle in der Weltpolitik und der Kriege, die England mit Hilfe der Indischen Sepoys wieder in Verbindung kommen. Dabei ist der nicht unkritische Blick auf die imperialistischen Machenschaften Englands und der Ostindien Kompanie, die diese Eroberungsfeldzüge finanziert hat, sehr bemerkenswert. Ein Werk das durch interkulturelle Betrachtungen besticht.

 

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