Alle Artikel von Elke Rossmann

Friedhof der Kuscheltiere, DVD, Blu-ray

Stephen King steht für Horror, Horror vor dreißig Jahren. So ist die Neuverfilmung vom Friedhof der Kuscheltiere seiner Zeit angepasst. Für Kinoliebhaber der jüngeren Generation, die weder den 1983 frisch erschienenen Roman, noch die erste Verfilmung gesehen haben, ist der Film ganz prima. Spannend mit dem Hände-vor-die-Augen-Effekt, weil man die schlimmsten Szenen nur durch die Fingerritzen schauen kann. Ein typischer Abendfüller, den man mit der besten Freundin oder mit mehreren ansieht. Definitiv sehenswert. Weiterlesen

Ein richtig falsches Leben, Jakob Bodan

Ein bisschen durchgeknallt ist die Geschichte schon, doch gerade deshalb kann man das Buch einfach nicht zur Seite legen.

Die dritte Generation, die für das Attentat auf Alfred Herrhausen und andere verantwortlich war, wollte damals das Ende der DDR rächen. Die Mörder gingen in den Untergrund und sind es zwanzig Jahre später immer noch. Sie leben ein Leben der Anonymität, des Schweigens und der Frustration. Frederic, der in Südfrankreich mit MC eine Scheinehe und eine kleine Marmeladenmanufaktur führt, ist am Ende. Er will endlich raus, denn er hasst MC, seine ehemalige Kampfgenossin, genauso, wie sie ihn verachtet. Doch so einfach kann man als ehemaliges RAF-Mitglied nicht in die Gesellschaft zurück. Ergibt man sich, wird man zu Verräter, taucht man auf eigene Faust unter, so hat man plötzlich nicht nur die Exekutive auf den Fersen, auch die eigene Leute. Es ist aussichtlos, doch als Frederic Constanze kennenlernt, scheint es lohnenswert, noch einmal ein richtiges Leben zu beginnen. Ein Traum könnte wahr werden, wäre da nicht ein Problem. Constanzes Vater wurde damals von der RAF hingerichtet, sie selbst ist ein Opfer von Frederics früherer Gesinnung.

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Blutacker, Lorenz Stassen

Es ist vielleicht ein Jahr her, das wir den ersten Band der Reihe, Angstmörder vorstellten. Und damit Nicolas Meller und seine Freundin Nina Vonhoegen. Dem notorisch erfolglosen Strafverteidiger, der mehr schlecht als recht um die Runden kommt, aber immer auf der Seite der Guten agiert, egal mit welchen Mitteln.

Nun, das ist vorbei, seit er einen psychopathischen Mörder stoppte. Mittlerweile eine Berühmtheit hat Nicolas seine Kanzlei vergrößert, ist im Süden von Köln mit Nina in eine schicke Wohnung gezogen und fährt einen Aston Martin Vantage S. Auch wenn Nicolas Probleme hat er selbst zu bleiben, öffnen sich die Türen in die Welt der Superreichen und des Adels. Dass es jedoch unter deren Dächer manchmal mehr stinkt als bei den gewöhnlichen Kriminellen, muss Nicolas auf die harte Weise lernen!

Wieder eine Superunterhaltung und ich gebe Nina recht: Der neue Schickimicki-Meller gefällt mir genauso wenig wie ihr. Gut das er sich eines Besseren belehren lässt.

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Der Turm der toten Seelen, Christoffer Carlsson

Band eins der vierteiligen Thrillerserie um den melancholischen jungen Polizisten Leo Junker in Stockholm. Wir hatten bereits im Januar den vierten und letzten Band besprochen und waren begeistert. Daher jetzt Band eins und es werden auch Band drei und vier folgen.

Hier beginnt also die Geschichte des Polizisten, der aus dem sozialen Brennpunkt Salem in Stockholm stammte. Die Erzählung ist eine Mischung aus einem aktuellen Mordfall, in den der suspendierte Leo Junker gerät und den Rückblicken in seine Jugend in der Hochhaussiedlung. Es ist ein knallharter Thriller, die Geschichte einer tragischen Freundschaft, einer furchtbar endenden ersten Liebe und von Rache, die mehr Kummer sät als Erleichterung schafft. Großartiges schwedisches Thriller-Kopfkino mit einer Nuance von Roman Noir.

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Willkommen in Marven, DVD Blue-ray, Universal Pictures

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Die berührende Geschichte eines Mannes, der fast zu Tode geprügelt wurde und nur ganz langsam und auf unglaubliche Weise zurück ins Leben findet. Die Animationstechnik in dem Film ist etwas gewohnheitsbedürftig, da ein Großteil der Geschichte von einer Art Barbiepuppen dargestellt wird. Dennoch verfehlt es die Wirkung nicht, weil man nach kurzer Zeit, genauso mit den Puppen fühlt, wie mit Mark Hogancamp, der sich nur durch seine Miniaturwelt dem schlimmen Trauma seines Lebens stellen kann. Ein Film der die Gefühle bewegt!

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Die Lüge, Mattias Edvardsson

Die Luege von Mattias Edvardsson

Wie viele Familien heutzutage sind die Eltern von Stella in einer hilflosen Situation. Zwar ist sie jetzt bereits neunzehn, doch schon im zarten Alter von vierzehn Jahren war es ein Albtraum sie zu erziehen. Stella ist und war gewalttätig durch Impulskontrollverlust, trinkt, nahm Drogen und fand früh zu den Jungs. Das, obwohl ihr Vater Pfarrer ist und sich eigentlich immer nur liebevoll um sie kümmerte. Die Mutter ist erfolgreiche Rechtsanwältin und ihrer Tochter genauso zugewandt. Doch Stella fühlt sich im Gefängnis, kontrolliert und missverstanden.

Doch dann wird ein sehr reicher, dreiunddreißigjähriger Mann auf einem Spielplatz erstochen. Er verblutet und alle Indizien zeigen auf Stella. Sie landet in der Untersuchungshaft. Ab dem Zeitpunkt wird dann das Familienleben von drei Perspektiven erzählt und wird mit jeder Seite spannender. Nehmen Sie mich wörtlich, erst mit dem allerletzten Satz, erfährt man, wer der Mörder ist.

Ein Thriller, eine Sozialstudie unserer Zeit und ein fast ganz normales Familienleben.

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Wo man im Meer nicht mehr stehen kann, Fabio Genovesi

Einer der entzückendsten Familiengeschichten, die ich je gelesen habe. Man muss den sechsjährigen Fabio einfach lieb gewinnen, genau wie seine zehn schrulligen Großväter, bei denen der Fluch der Manchinis bereits zugeschlagen hat. Denn jedes männliche Mitglied der Familie, das bis zum vierzigsten Geburtstag nicht heiratet, wird irgendwie verrückt. Doch der kleine Fabio profitiert von der Verrücktheit seiner Opas und lernt dadurch Dinge, die ein normaler Junge sonst nie lernen würde.

Die Geschichte ist wunderbar elegant und gleichzeitig mit einer kindlichen, liebevollen Naivität geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man lacht mit Fabio, vergießt ein paar Tränen und nimmt ein gehöriges Stück Lebensweisheit mit.

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Davor und Danach, Nick Singer, Jugendbuch

Ein bewegendes Buch, nicht nur für Jugendliche. Auch Erwachsene müssen darüber nachdenken, es verarbeiten und vor allem trauern. Es ist eine so eindrucksvolle Geschichte einer langen Flucht aus dem Sudan nach Schottland, die eigentlich heute schon wahr sein könnte. Jedoch spielt Davor und Danach in einer leider viel zu nahen Zukunft, in der es keine Arktis und Antarktis mehr gibt, in der die Sonne den Tod bringt und die halbe Menschheit zur Flucht zwingt. Doch schon wie heutezutage sind es die Verschonten, die mit Kälte und Wasser gesegneten, die diese geschundenen Flüchtlinge als Eindringlinge und wertlosen Abfall ansehen. Und Angst davor zu kurz zu kommen, macht jeden zum Mörder. Doch ist Mhairi kein vierzehnjähriges dunkelhäutiges Mädchen aus dem Sudan, die in das erlösende Europa will. Sie selbst ist in Schottland geboren und muss sich zu Fuß auf die zehntausend Kilometer lange Reise nach Hause machen. Um dann was zu finden? Das was die Bootsflüchtlinge in unserem Jahrhundert ebenfalls finden? Indem man sie lieber ertrinken lässt, als an die heilbringenden Küsten zu lassen. Menschen, denen ihr sozialer Status wichtiger ist, als das Leben eines Flüchtlingkindes?

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DVD Miniserie Escape at Dannemora – Flucht von Dannemora

Basierend auf einer wahren Begebenheit

Ein Gefängnisausbruch? Kann man damit Zuschauer noch auf die Couch locken? Haben wir mit Clint Eastwoods Ausbruch von Alcatraz nicht schon den ultimativen Fluchtfilm gesehen? Nein, denn jetzt kommt die wahre Geschichte über die Flucht von zwei Schwerverbrechern aus einem Gefängnis im Bundesstaat New York. Was die Miniserie so interessant macht, ist die so perfekt eingefangene Stimmung. Denn nicht nur bei den Bildern aus dem Gefängnis überkommt den Zuschauer das Gruseln, auch bei dem Leben der normalen Bürger in dieser Kleinstadt überläuft einen ein Schauer. Dort will man nicht tot über dem Zaun hängen und das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum die Gefängnisangestellte Tilly sich entscheidet, zwei Mördern bei der Flucht zu helfen!

Großes Kino mit einer unwiderstehlichen Patricia Arquette als Aufseherin der Gefängnis-Schneiderei Tilly Mitchell und den beiden Insassen gespielt von Benicio del Toro und Paul Dano

 

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Schnelles Lesen, langsames Lesen – Warum wir das Bücherlesen nicht verlernen dürfen, Maryanne Wolf

Die digitale Entwicklung lässt sich nicht mehr zurückdrehen. So lesen unsere Kinder auf Handys, iPads und dem Laptop. Doch wie gut ist die Qualität des Lesens mit diesen Medien? Eines weiß die Wissenschaft bereits: 1. Wie gut wir lesen, ist nicht nur ein Indikator für die Qualität unseres Denkens, sondern gutes Lesen hilft, auch völlig neue Entwicklungen bei der Gehirnevolution unserer Spezies den Weg zu bereiten. 2. Das einseitige digitale Lesen ist nicht so tief und konzentriert, wie das Lesen eines Buches. Und das unsere Kinder durch die Reizüberflutung kein Wissensreservoir mehr im Gehirn verankern. Was wohlmöglich künftig zur Folge hat, dass die Fähigkeit beim Lesen Analogien zu bilden und Rückschlüsse zu ziehen, verkümmert. Das kritische Denken und auch die Empathie sind in Gefahr, wenn den nächsten Generationen nicht mehr vorgelesen wird und sie keine Bücher mehr in der Hand haben.

Maryanne Wolf warnt vor der Entwicklung und versucht einen ausgeglichenen Weg zwischen intensiven Lesen von Büchern und Querlesen der digitalen Medien zu finden.

Für ein wissenschaftliches Buch sind die Untersuchung von Maryanne Wolf und ihre Schlussfolgerungen unglaublich spannend!

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