Alle Artikel von Elke Rossmann

Haie in Zeiten von Erlösern, Kawai Strong Washburn

Hawaii, ein Land der Seelentiere, der Geisterwanderern und der mächtigen, meditativen Bedeutung von Hula. Hawaii, ein armes Land, in dem man verhungern kann. Ein Land in dem die Haole, die Weißen, sich ihre Koffer von den Einheimischen in die Glaspaläste der Touristenhotels schleppen lassen. Als die Zuckerrohrindustrie zusammenbricht, muss auch Malia mit ihrem Mann und den drei Kindern näher an die Urlaubsstädte ihrer Inselgruppe, um Arbeit zu finden. Auf einer Tour mit dem Ausflugsboot fällt ihr siebenjähriger Sohn Nainoa über Bord in den Pazifik. Doch anstatt zu ertrinken oder von den großen Haien angegriffen zu werden, die ihn sofort umkreisen, passiert etwas, was einem Wunder gleicht. Einer der Haie nimmt das Kind vorsichtig in sein Maul und bringt es zum Boot zurück. Eine Legende ist geboren, die weite Kreise zieht, vor allem weil Nainoa wenig später einen Jungen heilt, dessen Hand von einem Feuerwerkskörper zerrissen wurde. Eine dramatische Familiengeschichte voller Hoffnung, eine Liebeserklärung an Hawaii und seine Götter, eine flotte Erzählung über die Suche nach Wurzeln in der Heimat und in der Liebe zwischen Kindern, Eltern und Geschwistern.

Eines der großartigen Debüts, die ich lesen durfte. Mit einem Schreibstil, der selbst in den traurigsten Minuten der Geschichte die Leichtigkeit und Zartheit von hawaiianischen Blumenketten oder den ausladenden Hüftschwung beim Hula annimmt.  Weiterlesen

Märchenland für alle, Boldizsár M. Nagy, Lilla Bölecz, Diversitätsprojekt Ungarn

Will man Diversität, Gleichberechtigung und Toleranz in einer Gesellschaft fördern, muss man mit dem Verständnis bei den Kindern beginnen. Zu klassischen Rollenbildern, wie Mama, Papa, Kind oder zarte in rosa gekleidete Prinzessinnen im Schloss, mutige Prinzen, die gegen Drachen kämpfen und auch bei der immer noch so gut verkauften Barbiepuppe, brauchen Kinder Alternativen. Schaut man sich einmal die klassischen Märchenbücher an, dann fehlen diese Alternativen. Die seit Jahrhunderten festgefahrenen Rollenbilder von Dornröschen, der bösen Hexe im Knusperhäuschen und der königlichen Heteroehe, in der sie glücklich bis ans Ende ihrer Tage lebten, sind meistens die ersten Begegnungen mit Geschichten in der Kindheit.

Mit diesem in Ungarn neu gestalteten Märchenbuch, in dem ein Prinz den Prinzen seines Herzens heiratet und einer Königstochter die Abenteurerin wird, anstatt zu ehelichen, zeigt, wie es auch anders geht. Weiterhin schöne, liebevolle Märchen mit hübschen Illustrationen, eben nur etwas anders!

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Talberg 2022, Max Korn Trilogie

Endlich ist der dritte Band der Talberg Trilogie erschienen. Wie ich schon bei der Besprechung von Band zwei anmerkte, ist die Serie eigentlich keine richtige Trilogie. Es sind drei Bücher die Verbrechen in dem gleichen Dorf mit denselben Familien erzählen, nur jeweils immer über vierzig Jahre voneinander getrennt. Es handelt sich um unerwartete, dunkle Geheimnisse, die eigentlich nur wenige gleiche Nenner haben. Einer davon ist Talberg selbst, ein Dorf voller Bosheit, Wut und mörderischer Energie. So vergräbt der Wald unter dem Berg Veichthiasl seine Leichen gut. Es sei denn ein Orkan, wie in 2022 geht über Talberg nieder und der Erdrutsch spült das Skelett eines Kindes wieder ans Licht.

Talberg 1935, 1977 und auch 2022 sind mitreißende Kriminalromane, die zum Teil Familiengeschichten zum Teil düstere, ländliche Sozialstudien beinhalten. Eines sind sie auf jeden Fall, sehr spannend und lesenswert.

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Fuchsmädchen, Maria Grund

Fuchsmaedchen von Maria Grund

Wieder ein schwedisches Thrillerdebüt. Und warum auch nicht, denn der hohe Norden hat nun einmal die besten Krimis und Thriller. Maria Grund beginnt ihre Serie mit den Kommissarinnen Eir und Sanna, zwei nicht ganz einfache Frauen mit mächtig viel Lebensballast auf den Schultern, und dem Selbstmord eines sechzehnjährigen Mädchens. Für Sanna, die sich auf ihre Intuition verlässt, ist etwas falsch an dem Suizid, und als man bei der Leiche eine Fuchsmaske findet, bestätigt sich ihr Verdacht. Denn kurze Zeit später wird die grausam verstümmelte Leiche einer sehr reichen Frau gefunden. Ausgerechnet in ihrem Haus gibt es ein Gemälde, das ein rothaariges Kind mit Fuchsmaske zeigt. Doch sie ist umgeben von anderen Kindern mit Masken. Wer sind diese Kinder, wo ist der Ehemann der Toten hin verschwunden und wann malte die Künstlerin das Bild, wenn sie doch schon seit Jahren tot ist.

Ein gutes Debüt, das kurze anfängliche Längen hat, doch im zweiten Drittel richtig aufdreht. Komplizierte aber glaubwürdige Ermittlerinnen, eine kalte abgelegene Insel, Teenager, die im Kindesalter Schreckliches durchmachen mussten und ein Schweigen, das kaum zu brechen ist. Beide Daumen hoch für den Start der Reihe und ein ungeduldiges Warten auf den zweiten Teil, Rotwild, der im Januar 2023 erscheinen wird.

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Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.

Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.

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Ein Versprechen aus dunkler Zeit, Ian Rankin

Ich muss zugeben, Band 23 des mittlerweile pensionierten schottischen Ermittlers DI John Rebus war meine erste Begegnung mit ihm und auch Autor Ian Rankin. Und obwohl in Rente gegangene Detectives immer etwas leicht Depressives haben, ist es ein sehr solider, unglaublich gut geschriebener Krimi. Man merkt Ian Rankin einfach an, dass er über Jahre hinweg als Autor weiß, was er tut. Ein Bestseller geschrieben von einem internationalen Bestsellerautor. Und obwohl Rebus anscheinend dafür bekannt ist, sich an einem Fall wie eine Bulldogge festzubeißen, geht es hier um mehr.

Es ist ausgerechnet seine Tochter, um deren Hals sich die Schlinge des Mordverdachts immer enger zuzieht. In dem Fall ist Rebus jedes Mittel recht, denn er hat an seinem Kind einiges gutzumachen!

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Wer ohne Sünde ist, Asa Larsson -Rebecka Martinsson letzter Fall –

Die Rebecka Martinsson Thriller sind nicht nur extrem spannend, sie sind auch immer dunkel, weil sie die schwärzesten Abgründe der menschlichen Existenzen ausleuchtet. Und so endet die Serie, um die Staatsanwältin Martinsson in der nördlichsten Stadt Schwedens auch. Alle im Team der Kripo und Staatsanwaltschaft sind angekratzt. Einer musste in Pension gehen, wo er nicht hingehört. Der Pathologe ist todkrank, Rebecka völlig durcheinander, wegen Krister und weil ihr Erzfeind von Post ihr Interim-Chef wird. Da findet man zwei Leichen auf einer abgelegenen Insel. Henry der alte Säufer scheint eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Doch in seiner Kühltruhe liegt ein Mann, der seit 1962 vermisst wird und der hat eine Kugel im Kopf. Obwohl der Mord verjährt ist, kümmert sich Rebecka darum. Denn er ist der Vater eines Olympiagold-Boxers, eines schwedischen Helden, und Henry gehörte mal zu der Familie, die Rebeckas Mutter großzog. Aber selbst Rebecka kann nicht ahnen, dass sich die Ereignisse bald überschlagen und noch viel mehr Leichen auftauchen.

Eine großartige Serie, die mit einem sehr dunklen Buch endet. Hier kann man nur Stück für Stück lesen, um nicht in von der düsteren Atmosphäre Kirunas erdrückt werden. Aber weglegen ist keine Alternative. Ein toller unheimlicher und spannender Thriller

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Als das Böse kam, Ivar Leon Menger

Eine kleine Insel im Nordland. Ein Bunker unter im Keller und Notfallübungen, falls die Fremdlinge kommen. So existiert die Familie seit Juno, mittlerweile sechszehn, denken kann. Mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder Boy lebt sie in ständiger Angst. Selbst der alte Onkel Olé, der ihnen jeden Montag die Post bringt, darf die Kinder nie zu Gesicht bekommen. Denn damals, als Juno klein war, hat Vater gegen gewaltige Menschen ausgesagt und steht seitdem auf der Todesliste. Doch dann entdeckt Onkel Olé Juno am Wasser. Kurz darauf rudert Vater auf die andere Seite des Sees und kommt schwer verletzt zurück. Hat Juno ihr Geheimnis gefährdet, kommen die Fremdlinge jetzt?

Das Roman Debüt des versierten Autors von Hörspielen ist ein spannender Thriller, der mit vielen Wendungen glänzt und keine Gefangenen macht.

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Iryna muss in ein fremdes Land, Pixibuch, Ingo Siegner – Buch-Projekt des Kinderheims Kleine Strolche zur Integration von Kindern auf der Flucht

Letztes Jahr vor Weihnachten hatten wir schon von dem gemeinsamen Buchprojekt von Ingo Siegner, dem Kinderheim Kleine Strolche und dem cbj Verlag berichtet. Damals ging es um ein kleines Pixibuch, das Kindern den Einstieg in ein Heim erleichtern soll, mit dem Titel: Matti wird ein kleiner Strolch.

Jetzt erschien ein neues Pixibuch wieder als gemeinsames Projekt, dass Kinder auf der Flucht aus der Ukraine Mut machen soll. Es sind vor allem die wunderschönen Zeichnungen und sehr kindgerechten Texte, die Flüchtlingskindern ein wenig helfen sollen zu verstehen, was gerade mit ihnen in dem fremden Land passiert. Das Büchlein erschien sowohl mit deutschem als auch ukrainischem Text. Aber es geht nicht nur um das Bärenmädchen Iryna, das vor dem Krieg flüchten muss.  Auch Ulf, das Eisbärkind musste den Nordpol verlassen, weil das Eis schmilzt. Das Elefantenmädchen Elli, weil Wilderer die Elefanten erschießen und auch Archie der kleine Koala, weil es in seiner Heimat immerzu brennt. Doch gemeinsam können die kleinen Tiere ein neues Zuhause im heimischen Wald finden. Eine geradezu anrührende Geschichte, voller Hoffnung. Ein großartiges Projekt, das auch dank eines Unternehmers, der den Druck und Versand von 50.000 Exemplaren finanzierte, zustande kam.

Wenn Sie liebe Leser unseres Stadtmagazins ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten möchten, können Sie als Privatperson das Büchlein für 12,00 Euro unter folgenden Link bestellen:

https://kinderheim-kleine-strolche.de/kinderbuch-ukraine

Organisationen wie Schulen und Kindergärten können unter dem gleichen Link kostenlos bestellen, solange der Vorrat reicht.

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Ancora, Colin Hadler, Jugendbuch ab 13 Jahre

Ein Mystery-Thriller für Jugendliche mit einem sehr interessanten Grundthema, dass man eigentlich noch viel besser hätte ausbauen können. Doch Colin Hadler ist noch ein sehr junger Autor, der gerade erst richtig mit dem Schreiben angefangen hat. Auch wenn Ancora noch nicht das Kaliber von den Tributen von Panem oder Twilight hat, so ist es doch ein spannendes Jugendbuch mit ausgesprochen sympathischen Figuren. Eine klare Leseempfehlung.

Wir werden bestimmt in der Zukunft noch viel von Colin Hadler lesen!

 

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