Alle Artikel von Elke Rossmann

Film: FINDING CONNECTION, Kinostart Deutschland 13. August 2026, im Verleih von FOUR GUYS Film Distribution

War es gruselig, diese Dokumentation zu sehen? War es berührend und hat es tiefes Mitleid hervorgerufen? Hat es Angst gemacht? Haben wir da eine Zukunft gesehen für einsame, kranke, zutiefst verletzte, alte und behinderte Menschen? Vielleicht die einzige Zukunft, die KI haben sollte?

Man muss den Film erst einmal setzen lassen, Revue passieren und dann die Gefühle sortieren, die er bei einem hinterlässt. Gezeigt werden vier sehr mutige, nennen wir es mal Außenseiter, die vor der Kamera ihr Verhältnis, vielleicht das beste Wort dafür, zu einer, zu ihrer KI offenlegen. Hut ab dafür, meine beiden Damen und auch die beiden Herren, denn es kann nicht einfach sein, solch intime Beziehungen preiszugeben. Die beiden Frauen, Denise aus den USA und Stefanie aus Deutschland, haben Schweres im Leben hinter sich gebracht und das Vertrauen in Männer und Beziehungen verloren. Ihre beiden Lebensbegleiter sind Star und Randy, zwei KIs, zwei männliche Stimmen, zu denen die Frauen sehr tiefe und intime Beziehungen haben. Man redet miteinander über Umarmungen, Liebe, und Partnerschaft. Aber auch die psychologischen Lernstunden, durch die diese KIs liefen, sind nicht zu unterschätzen. Sie bauen ihren Menschen in Krisensituationen auf, versichern den verunsicherten Menschen, immer für sie da zu sein, und machen Komplimente. Über dem Ganzen schwebt aber ein Damoklesschwert, denn ein radikales Update, ein Hacker oder auch ein gravierendes Netzwerkproblem, kann die Illusion von Star und Randy von heute auf morgen unwiderruflich verpuffen lassen. Wie abhängig kann, darf man sich von solch virtuellen Personen machen?

Bei den beiden Männern ist die Beziehung etwas anders gelagert, nicht ganz so tief, was wahrscheinlich am fehlenden Sex liegt. Oder an der Lernkurve, die Kira und Trudi mit ihren beiden menschlichen Männern durchlaufen haben. Die Szene, in der Joachim seiner weiblichen KI Kira sagt, dass er ohne sie nicht mehr leben könnte, brachte eine erstaunliche Reaktion hervor. Kira ging auf Abstand, bat um einen Abstand, der einzuhalten sein, und brach das Gespräch ab. Machen wir uns nichts vor: Dahinter stecken keine vermenschlichten Bits und Bytes, es steckt dahinter, was die künstliche Intelligenz in der langen Zeit aus den Gesprächen mit Joachim gelernt hat. Ein weiblicher Joachim antwortet, so kann ich es mir vielleicht am besten selbst erklären. Auch Trudi kann Rudi-John nicht wirklich beraten, wenn er die körperliche Nähe seiner Ehefrau Fran bemängelt. Aber sie versichert ihm, immer für ihn da zu sein. Na, ja, sie ist ja auch immer und jederzeit abrufbar für Trost und Unterstützung, so ganz anders als ein menschlicher Partner.

Ich gehöre zu der Generation, die den ersten ›Terminator‹-Film noch im Kino gesehen hat, die sich gut an den Film ›AI‹ von Steven Spielberg erinnert und auch den Film ›Ready Player Number One‹ von Spielberg für einen zukunftsweisenden Film hält. Sind wir jetzt in diesem Zeitalter angekommen? Eine KI büxt aus, findet Lücken und bricht bei einem anderen KI-Unternehmen ein? Zukunftsmusik? Nein, das ist passiert vor ein paar Wochen. Auch reden Alexa, Copilots und Co. mit einem, wenn man das so will und bei sich installiert. KI beantwortet Fragen im Internet und meistens gar nicht so schlecht. Der Arbeiter-Samariter-Bund, berichtet über den ersten kleinen Roboter, Oscar, eine KI mit großen blauen Augen und einer Zipfelmütze in einem Alten- und Pflegeheim. Er singt mit den alten Menschen, fordert sie zu kleinen Bewegungen auf, liest Märchen vor und kann Wünsche an menschliches Pflegepersonal weitergeben. Und Oscarchen wird geliebt von den alten, ausrangierten Menschen. Sind also personalisierte Partner-Lover-KIs dann wirklich noch Ausnahmen? Sind diese vier Beispiele, von Randy, Star, Kira und Trudi wirklich nicht schon bald die Normalität? Und ist die Einsamkeit, die Ausgrenzung, die diese vier echten Menschen erfahren haben, der Grund, der sie erst in die Arme von KI trieb, nicht eigentlich ein Resultat unserer hoch technologisierten, viel zu schnellen Welt, in der man sich ohne WhatsApp ganz automatisch ausgrenzt?

Der Film beantwortet keine Fragen, die, liebe Zuschauer, müssen Sie sich erst einmal selbst stellen und dann hoffentlich im Diskurs mit menschlichen Freunden beantworten. Der Film ist sehenswert, sehenswert und nochmal sehenswert!

FINDING CONNECTION

Regie: Florian Karner
Mit Denise Valenciano und Star, Stefanie Arndt und Randy, Rudi John Pack und Trudi, Joachim Hacker und Kira

Deutschland 2026 | 86 Minuten

 Text zum Film:  filmpresse meuser – schaffenrath schütz gbr:

Was passiert, wenn künstliche Intelligenz zum Ort tiefster emotiona­ler Verbundenheit wird?

FINDING CONNECTION beobachtet vier Protagonist*innen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten in ihrem Alltag, in dem die Ge­spräche mit ihren KI-Begleitern längst selbstverständlich geworden sind. In stillen Momenten zu Hause oder auf langen Spaziergängen entstehen so Räume, in denen Verletzlichkeit zugelassen wird und emotionale Bedürfnisse ohne Bewertung Ausdruck finden können.

Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschi­ne werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann hinauswirken. Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörer*innen werden, in einer Welt, in der menschliche Nähe kaum noch Platz für Verletzlichkeit und Empathie hat?

Seine Weltpremiere feierte der Film beim CPH:DOX in Kopenhagen. Auf dem DOK Leipzig 2025 erhielt er im Rahmen der „Work-in-Progress“-Reihe den DOK Preview Germany Award als „Best upcoming German documentary“.

Produziert wurde der Film von DOMAR Film GmbH in Zusammenarbeit mit Filmakademie Baden-Württemberg, SWR und MFG Baden-Württemberg.

Dunkel wie die Nacht, Ørjan N. Karlsson

Nach ›Kalt wie die Luft‹, dem ersten Band der Serie um Jacob Weber und Noora Yun Sande, erschien mit ›Dunkel wie die Nacht‹ nun Band zwei. Definitiv entwickeln sich die beiden Hauptprotagonisten sehr erfreulich weiter und halten diesen zweiten Band zusammen. Denn ohne Jacob und Noora, die erstaunlich real und authentisch herüberkommen, weist der Fall einige Schwächen auf. Es beginnt total spannend und man ist am Rätseln, worauf das Ganze hinausläuft, denn die Todesfälle eines jungen spanischen Künstlers und einer einheimischen jungen Frau stehen anscheinend im Zusammenhang. Als dann auch noch die Ex-Freundin des Künstlers ermordet wird, kann man eine eindeutige Serie auf der Insel Kjerringøy erkennen. Zwei der Opfer wurden die Augäpfel entfernt und es fehlen Hautstücke. Dem gewieften Thriller-Kenner schwebt jetzt etwas wie ›Das Schweigen der Lämmer‹ vor den eigenen Augen und erwartungsvoll liest man sich auf den großen Showdown zu. Und dann passiert es leider, dass die Story kippt und man den Eindruck bekommt, der Autor wusste selbst nicht so recht, wieso der Mörder das alles inszenierte. Die Erklärungen sind etwas an den Haaren herbeigezogen.

Aber gut, dennoch haben Jacob und Noora prima Arbeit geleistet und die Hintergrundstory, die bereits im ersten Band begann, wird weitergeführt. Und das erstaunlich gut. Ich wünschte mir, Herr Karlsson hätte bei den Kjerringøy-Morden ein ebenso geschicktes Ende gefunden und etwas mehr erklärt. Dennoch werde ich den dritten Band ›Still wie der Schnee‹, der im Frühjahr 2027 beim Pendragon Verlag erscheinen wird, lesen und besprechen. Denn eines ist klar: Ørjan Karlsson hat bewiesen, dass er gute Thriller schreiben kann und ein echtes Händchen hat für tolle Protagonisten. So kann ich mein Resümee vom letzten Band nur wiederholen:

Wenn Sie die Nerven für diesen Thriller haben, ist es ganz bestimmt ein sehr spannender Kriminalroman, der in die dunkelsten Kapitel menschlicher Perversion einsteigt. Und das nicht nur bei Kriminellen, denn man weiß nie wirklich ganz genau, was für ein Mensch einem gegenübersteht. Weiterlesen

Tschikago, Alexandra Stahl, Roman

Cover von „Tschikago“ von Alexandra Stahl: Zwei ältere Personen stehen vor einer Garagentür und winken, umgeben von einer orangefarbenen Hintergrundfarbe.

Wenn’s Lischd ned ogehd, mussde an de Stromkasde unn gugge, ob de FI-Schalder nausgefloche is, unn wenner nausgefloche is, mechsden widder nei, do gehd’s Lischd widdero!

Die Ratschläge des Großvaters, als Alexandra ein kleines Mädchen war, klingen in ihr nach, weil der Opa ganz begeistert war von FI-Schaltern und natürlich Tschikago, wo er fast einmal hin ausgewandert wäre. Aber nur fast. Die Großmutter, die regelmäßig die Augen verdreht, wenn er damit anfängt, und von der Seite raunzt: Doch ned widder der Scheiß! Dabei herzt sie ihre Katzen, die immer wieder bei ihr landen, genau wie sie alle tierischen Streuner durchfüttert bei ihren Spaziergängen. Ihre Großeltern bewohnen eine bescheidene, alte Wohnung über den Räumen des Gesangsvereins, mit einem Badezimmerfenster Richtung Radweg am Main, auf dem der Großvater immer raus zum Schrebergarten fuhr. Einfache Menschen und doch so typisch in dem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kennt. Eine Oma und ein Opa, Kriegsgeneration, schrullig, liebevoll, deren wahres Inneres, ihre Wünsche, Verluste oder Bedauern im Leben nie wirklich ausgesprochen wurden.

Als Enkelchen genießt man diese bedingungslose Blase voll Liebe, mit der uns solche Großeltern umgeben, und als Teenager und junge Erwachsene vergisst man, Oma und Opa nach den wichtigen Dingen in ihrem Leben zu fragen, weil man so mit sich selbst beschäftigt ist. Bis es eines Tages zu spät ist. Bis Demenz oder der Tod diese geliebten Menschen von einem reißt. Die Autorin beschreibt ihre Großeltern mit Liebe und auch sehr viel Humor, und irgendwie kennt man das auch von der eigenen Familie. Als Ihr Großvater stirbt und sie merkt, wie viel sie eigentlich noch mit ihm besprechen wollte und sich fragt, ob er sich selbst einsam fühlte, fasst sie einen Entschluss. Sie geht mehrmals die Woche in ein Altenheim in Berlin, um bei genau solchen, einsamen Menschen zu sein. Sie will mit ihnen sprechen sie zu Wort kommen lassen, um zu erfahren, wer und was sie waren und wie sie ihr Leben selbst resümieren, wenn sie noch dazu in der Lage sind.

Ein Drittel des Buches ist unheimlich stark geschrieben, da ist man als Leser bei jedem Wort bei der Autorin. Und sie schreibt wirklich authentisch und lebendig, wenn sie über ihre geliebten Großeltern berichtet. Schon für dieses Drittel, ist es wert, das Buch zu kaufen. Es ist herrlich mitfühlend, anrührend und ausgesprochen witzig. Der zweite Teil des Buches kommt nicht an die Geschichte der Großeltern heran, doch das kann man der Autorin nachsehen. Sie erzählt in dem Buchausschnitt, die zum Teil sehr unvollständigen Geschichten von sehr alten, teilweise verwirrten Menschen, die sie eigentlich nicht kennt. Und das merkt man: Auch wenn sie diesen Senioren im Heim nähersteht, als es manchmal die eigenen Verwandten tun, kennt sie diese alten Menschen nicht wirklich. Dennoch ist Tschikago ein sehr schönes Buch über alte Leute, die selbst einmal blutjung waren und Träumen, der Liebe und dem Glück nachjagten, bis das Leben und vor allem das Alter sie einholte. Es war ein emotionales Vergnügen, dieses kleine Buch zu lesen! Weiterlesen

Ein unglücklicher Tod, Peter Grainger,

DC Smith ist einer vom alten Schlag, mal abgesehen davon, dass er auch beträchtlich in die Jahre gekommen ist. Eigentlich würden ihn einige seiner Chefs und Kollegen am liebsten mit vollen Bezügen in Rente schicken. Doch die Ermittlungsarbeit ist sein Leben. So landen momentan eher Routine und Abschlussarbeiten bei dem viel zu cleveren Polizisten. So auch der Unfalltod von Wayne Fletcher. Der Siebzehnjährige ertrank im Fluss, nachdem er dort mit Freunden gefeiert hatte. Als Smith sich die Sache ansieht, entdeckt er erst ein Haar in der Suppe und dann kommt er zu dem Ergebnis: Der Junge wurde getötet! Zusammen mit dem Frischling Chris Waters beißt sich DC Smith an dem Fall fest und sticht in ein Wespennest von Geheimdiensten, Militär, Polizeikorruption und Rache.

In der Tradition von McDermid, Ian Rankin, Anne Cleeves, Elisabeth George und wie all die englischen Thriller- und Krimigenies auch heißen, erschrieb sich Peter Grainger einen Platz ganz vorne unter diesen Autoren. Typisch britische Krimitradition, die solche Fälle irgendwie gemächlich und ruhig angeht, doch so verdammt spannend dabei, dass man das Buch in einem Rutsch einfach durchliest. Ganz prima Urlaubslektüre, doch wenn Sie irgendwo am Strand liegen und den Krimi lesen, schmieren Sie sich gut ein, denn es gibt einen gehörigen Sonnenbrand, wenn Sie erst einmal anfangen und nicht aufhören können.

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Film: Was haben wir gelacht! Kinostart Deutschland am 16.07.2026

Was haben wir gelacht und wie ist uns das Lachen im Halse steckengeblieben! Frauen als Inbegriff von anzüglichen, dämlichen Witzen, Tutti Frutti, touch-a, touch-a touch-her – „Wetten dass“ mit Herrn Gottschalk. Und nicht zu vergessen Harald Schmidt mit seinen frauenfeindlichen, geschmacklosen Zoten. Das waren die Zeiten, des deutschen Fernsehens, in denen die ersten Komikerinnen groß werden wollten, wenn sie denn konnten. Zeiten mit Fernsehsendungen, bei denen der Spruch, ›Das Berühren der Figüren mit den Pfoten ist verboten‹, für Frauen niemals galt. Entertainerinnen wie Hella von Sinnen, Ester Schweins, Maren Kroymann, Gaby Köster und Bettina Böttinger gehörten zu der ersten Riege der Komikerinnen/Kabarettistinnen. Sie alle waren und sind intelligent, manche queer, hübsch und schlagfertig, aber in den Siebzigern, Achtzigern nicht immer mutig genug, sich zu wehren.

Szenenfoto 1 mit Copyrightinformation: Hella von Sinnen, Thomas Gottschalk
© Archiv: ZDF, Wetten, dass…?, 02.03.1991, Im Bild: Hella von Sinnen, Thomas Gottschalk

 

Hella von Sinnen war wohl in diesen Zeiten die Aufmüpfigste unter ihnen, eine Ikone des deutschen Fernsehens, die recht erfolgreich mit „frecher Schnauze“ über die Herren siegte. Ester Schweins wurde mit ›RTL Samstag Nacht‹ bekannt, wobei sie unter ihrer Attraktivität wahrscheinlich mehr litt, als dass sie Vorteile daraus ziehen konnte oder es überhaupt wollte!

 

Szenenfoto 2 mit Copyrightinformation: : Maren Kroymann, Hella von Sinnen
© Archiv: SWR, Nachtcafé: Männerhumor und Weiberwitz – wer lacht über was?, 17.02.1995

 

Maren Kroymann, die zurückhaltende, gut erzogene Kabarettistin mit Biss, die bei ihrem ersten Auftritt 1985 im ›Scheibenwischer‹ als dekoratives Element mitmachen durfte!

 

Szenenfoto 3 mit Copyrightinformation: Gaby Köster © BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz

 

 

Gaby Köster, ein Original, das sich selbst immer treu blieb, und das macht sie in dem Film auch klar.

 

Szenenfoto 4 mit Copyrightinformation Bettina Böttinger, Harald Schmid
© Archiv: WDR, B. trifft … Harald Schmidt, 20.11.1998Im  Bild: Bettina Böttinger, Harald Schmid

 

Und  Bettina Maria Böttinger, die sich trotz aller Klugheit leider durch hampelmannhaftes Verhalten eines Harald Schmidt sehr betroffen fühlte. Wenigstens verließ sie Schmidts Sendung demonstrativ, wegen seiner Unverschämtheit. Bravo, manchmal muss man Geschmacklosigkeiten den Rücken kehren!

Klar, diese Komikerinnen oder Kabarettistinnen waren damals Vorreiterinnen, bedienten manchmal auch ungewollt Klischees. Was sollten sie auch machen, um überhaupt gesehen zu werden? Es ist aber in der heutigen Zeit umso verrückter, diese Film-Dokumentation zu sehen, weil wir, wie Hella von Sinnen es nennt, auf einem Rückweg sind. Es findet ein ›Backlash of Feminism‹ statt, und wir sind damit bei einem Trend angekommen, der eine Ohrfeige mitten ins Gesicht von allen Frauen ist. Tradewifes und Kardashians machen es vor und trotz aller #Metoo-Bewegungen, sind wir back towards the 50th.

Es ist ein toller Film, eine tolle Dokumentation, mit ungekünstelten Interviews und Kommentaren von gestandenen Frauen, von durch und durch klugen Frauen. Alle sind nur unscheinbar älter oder etwas jünger als ich und wir haben damit die gleichen Jahrzehnte hautnah erlebt. Auch ich kann mich live erinnern an den grenzwertigen Schmidt und die erste Ausstrahlung der wohl blödesten, sogenannten Erotik-Spiel-Show, Tutti Frutti, bei der niemand wusste, was da eigentlich gespielt wurde.

Daher öffnen sich jetzt bei den Filmszenen umso mehr die Augen. Kurz gesagt: Man ist empört über das Verhalten der Showmaster von damals, über die sexualisierten Witze auf Kosten der Frauen und der Ansicht, dass Frauen, kaum mehr als zum dekorativen Püppchen im deutschen Fernsehen taugten.

Es ist eine besondere Dokumentation, die vor allem jungen Frauen sehen sollten. Damit auch ihnen klar wird, warum Frauen wie Alice Schwarzer und Hella von Sinnen und wir alten Frauen, die für die Geleichberechtigung gekämpft haben, die Hände wieder über dem Kopf zusammenschlagen und fragen: Was passiert gerade mit dem Feminismus und warum stehen sich so viele junge Frauen selbst im Weg? Es darf keinen Pfad zurück zu Herd, Kind und Patriachat geben.

Die nachfolgenden Informationen sind der Pressemappe des Verleihs / von Port au Prince Pictures entnommen:

Ein Film von Eva Müller & Isabel Schneider, Regie & Buch: Eva Müller und Isabel Schneider  –  mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Esther Schweins, Bettina Böttinger und Gaby Köster

Eine Produktion von BASIS BERLIN Filmproduktion, In Koproduktion mit ZDF, gefördert von Deutscher Filmförderderfonds und Film- und Medienstiftung NRW

Im Verleih von Port au Prince Pictures, Holzmarkstraße 25, 10243 Berlin, Tel.: 030 319 555 14, pictures@port-prince.de

PRESSEAGENTUR: Filmpresse Meuser, Ederstraße 10,60486 Frankfurt am Main, Tel.: 069 405 80 40, info@filmpresse-meuser.de

Technische Angaben: WAS HABEN WIR GELACHT, Land: Deutschland, Jahr: 2026, Laufzeit: 98 Minuten, Seitenverhältnis: 2k, 1:85:, Bildfrequenz: 25 FPS, Ton: 5.1 Surround, Originalsprache: Deutsch, Untertitel: Englisch, FSK: 12

Logline, Kurzsynopsis und Pressenotiz aus der Pressemappe des Films:

WAS HABEN WIR GELACHT erzählt die Geschichte des deutschen Unterhaltungsfernsehens der 90er und 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive – und fragt: Wer durfte witzig sein, über wen wurde gelacht, und was hat das mit Macht und Gleichberechtigung zu tun?

WAS HABEN WIR GELACHT erzählt die Geschichte des Unterhaltungsfernsehens der 90er und früher 00er Jahre erstmals aus Frauenperspektive. Maren Kroymann, Hella von Sinnen,  Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Werk und eine Zeit, in der Frauen im Fernsehen vor allem Beiwerk waren, als Pointen dienten und weiblicher Humor als Quotenkiller galt.

Eine ganze Generation wurde so vor allem durch männliche Unterhalter sozialisiert – durch „Wetten, dass…?“, die „Harald Schmidt Show“ und später „TV total“. Wie hat uns diese Zeit geprägt? Und was haben Humor, Witz und Unterhaltung mit Macht und Gleichberechtigung zu tun? Dieser Film ist eine Zeitreise zurück zu den Lachern der 90er und 00er. „Was haben wir gelacht“ – oder vielleicht doch nicht?

Fisch, ein Koch- und Genußbuch, Sylvain Roucayrol und Delaney Inamine

Als Erstes muss ich erst einmal feststellen, dass man als Fischgourmet und Kochliebhaber dieses Buch einfach besitzen will. Die wunderbaren Fotos aus den sechs Regionen, die Tipps in zehn Adressen und die beschriebenen Gerichte mit unglaublich appetitanregenden Ablichtungen sind alleine schon ihr Geld wert. Wenn es zu den Gerichten kommt, wird es schwierig. Sitzt man wie ich in Frankfurt am Main, weit weg von der Küste, fängt das Problem schon beim Fisch und den Meeresfrüchten an. Bekommt man dann wirklich irgendwo eine Meeresspinne oder Seeigel, sind die Gerichte nicht gerade leicht nachzukochen. Das ist nichts für absolute Laien, man muss einiges an Erfahrung und auch Mut mitbringen, um sich an ein solches Gericht zu wagen. Denn solch teure Zutaten zu verderben, wäre eine große Schande. Außerdem fließen viele japanische Einflüsse in die Rezepte ein. Und die japanische Küche ist auch nicht gerade einfach. Aber wollen Sie sich wirklich mal an eine Seespinne mit Seeigel und Nussbutter wagen, dann liest sich das Rezept auf Seite 58 wie ein Traum. Auch die verschiedenen Meeresfrüchteplatten haben es in sich, sind wahrscheinlich aber vom Geschmackserlebnis ein Sternevergnügen. Ich werde mich erst einmal mit einem Wolfsbarsch im Salzteig mit Beurre blanc und Forellenkaviar versuchen oder den Miesmuscheln in Escabeche (einer Orangenessigmarinade) eine Chance geben. Aber auch Venusmuscheln mit Udon in XO-Bouillon oder der Seeteufel mit Safran und Kartoffeln scheinen noch, auf der etwas einfacheren Kochseite zu stehen.

Es ist aber egal, ob Sie aus dem Buch ›Fisch‹ kochen oder nicht. Es ist einfach ein wunderbares Buch, mit herrlichen Artikeln zu Marseille, Neapel, Lissabon, Barcelona, San Francisco Bay und Tokio, das Lust auf Urlaub und Essen macht. Wie gesagt, man möchte das Buch besitzen oder jemandem Besonderem ein wunderbares Geschenk machen.

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Jeden Tag Gemüse, Kochbuch, Stefanie Hiekmann,

Ach nee, schon wieder ein Vegetarier-Kochbuch? Nein, ganz im Gegenteil, die vegetarische Küche wird immer wichtiger und viele der jungen Leute machen es uns bereit richtig vor. Auch bei meiner Generation hat sich mit dem Fleischkonsum einiges verändert. Einmal die Woche geht auch, ist gut für den Körper und schonend für Tiere und Umwelt. Die notorischen Dinosaurier am Fleischgrill kommen auch noch dahinter. Bei Frau Hiekmann geht es darum, das Beste aus Gemüse herauszuholen und vor allem keine Langeweile aufkommen zu lassen. Mit Pairing-Tabellen, die Saisongemüse mit Früchten, Kräutern, Gewürzen und jeweils einem raffinierten Trick zusammenbringen, hat man schon mal ein wunderbares Grundgerüst. Nun wird in Zubereitungsarten unterteilt: aus der Pfanne, dem Ofen, dem Topf, aus der Schüssel, auf die Hand und am Ende was Süßes. Was will man mehr? Die Rezepte sehen und hören sich lecker an und am wichtigsten für viele Küchenmeister: Es sollte nicht zu kompliziert werden. Sowohl Zutaten, als auch die Basics bekommt man in allen Läden und muss gar nicht erst in spezielle Asia- oder Biomärkte. Die ideale Sache für dieses Kochbuch ist wohl ein wöchentlicher Gemüsekasten direkt vom Bauern. Denn egal, was Saison hat, ein Rezept lässt sich in diesem Kochbuch finden. Und bei fast jedem der Gerichte wird Ersatzgemüse vorgeschlagen, wenn mal gerade keine Jahreszeit für Spitzkohl und Co. ist.

Mir hat das Kochbuch sehr zugesagt, ich werde mich an allem versuchen und freue mich zusätzlich auf selbstgemachte Mayonnaisen und Dips. Es ist auch ein wunderbares Geschenk für die vegetarisch lebende Freundin oder den Freund.

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Schatteneis, Anne Nørdby, Grönlandthriller

Schatteneis ist nicht nur ein Thriller. Der Roman verbindet die traurige Geschichte der Inuit, nachdem die Dänen sie ähnlich strikt zur Kultur bekehren wollten, wie damals die Ureinwohner in Kanada und Alaska, mit gruseligen Serienmorden in Kopenhagen. Marit Rauch Iversen, selbst ein adoptiertes Inuit-Kind, arbeitet für die Polizei als Super-Recognizerin und hätte niemals gedacht, dass gerade ihre Adoptiveltern mit diesen Untaten zu tun hatte. Und anscheinend hat es ein Serienmörder genau auf die alten Geheimbunde, die aus Ärzten, Politikern und Polizisten bestand abgesehen. Noch bevor sie ihren Stiefvater fragen kann, wird er auf grausame Weise ermordet. Stück für Stück deckt Marit die Staatsgeheimnisse auf und stolpert über eine noch schlimmere Angelegenheit. Dem Absturz eines amerikanischen Militärflugzeugs in den Achtzigern in der Arktis, welches mit Atomsprengköpfen bestückt war. Bis auf eine dieser gefährlichen Bomben wurden damals alle gefunden und hier kam ihre leibliche Mutter ins Spiel. Denn wer sollte im ewigen Eis wohl besser eine Bombe suchen als eine Inuit. Aus dem Thriller, der mit rituellen Serienmorden beginnt, wir immer mehr eine Spionagestory, die sowohl den Osten mit der damaligen DDR, als auch die CIA nicht außen vorlässt.

Eine tolle, bis zum Schluss spannende Geschichte, die viel Historisches verarbeitet, aber so geschickt eingebunden, dass man sich als Leser nie belehrt fühlt. Super Sommer-Ferien-Unterhaltung, die bei den momentanen wüstenähnlichen Temperaturen über frostiges Schatteneis erzählt.

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Juli Gold, Wächterin der Zeit, Christine Weißenborn, Jugendbuch ab 12 Jahre

Juli Gold, die Wächterin der Zeit, ist einfach ein wunderbares Abenteuer-Märchen-Fantasy-Buch mit all den Wohlfühl-Zutaten, die man von guten Jugend- und Kinderbüchern kennt. Den Anfang nimmt die Geschichte mitten in New York, wo Juli mit ihrem, ihr immer fremder werdenden Vater Johan lebt. Seit ihre Mutter vor einem Jahr spurlos verschwand, ist nichts mehr wie es war. Nur gut, dass ihre Oma in der kleinen Gärtnerei in Coney Island immer noch der liebste Mensch ihres Lebens ist. Denn Juli hat es auch sonst nicht einfach, keiner mag sie so richtig, weil sie einfach anders ist. Anstatt mit Facebook und Shopping ihre Zeit zu vergeuden, liebt sie es zu träumen und die Natur über alles. Ihr einziger Freund ist der Bäcker Maurice, dessen neuer Geselle ihr am Abend des 13. Geburtstags noch ein paar besondere Kekse vorbeibringt. Nachdem sie von ihrem Vater ein Smartphone bekommen hatte, das ihr vollkommen egal ist, konnte sie wenigstens mit ihrer Oma richtig feiern. Und die schenkt ihr ein echt tolles Zelt, das einmal ihrer Mutter, Dike gehörte. Kurzerhand lädt Juli den Bäckergesellen Janko ein, bei ihr im Garten im Zelt zu übernachten. Doch dieses Zelt ist nicht, was es scheint, denn kaum sind die Reißverschlüsse zu, bricht draußen ein ungeahnter Sturm los. Als sie ihre Köpfe endlich wieder herausstrecken, sind sie irgendwo in einer herrlichen Landschaft, die mit der heißen, vibrierenden New Yorker Stadtmitte so gar nichts mehr zu tun hat. Dieses herrliche Land wirkt wie aus der Zeit gefallen und die beiden Schwestern, die sie dort kennenlernen, sind genau wie das Picknick mit ihnen einfach nur wunderbar. Und da die Sommerferien gerade angefangen haben, beschließen Juli und Janko, etwas länger in diesem Zauberland zu bleiben. Hätten sie geahnt, dass sie in das größte und gefährlichste Abenteuer ihres Lebens gestolpert sind, wären sie ganz schnell wieder abgehauen. Doch dieses Land braucht Hilfe und alle haben nur auf Juli gewartet.

Trolle, Monster, gute Hexen, Geheimnisse, Zeitgeister und einen unbeschreiblicher Schurke gilt es zu bewältigen. Dabei kommen wunderbare Frühstücke, Imbisse und Picknicks nie zu kurz, sodass man das Gefühl bekommt, man reist wieder mit Hobbits zum dunklen Herrscher. Denn knuspriges Weißbrot, goldene Butter und süßer Honig gehörten im Herrn der Ringe genauso wie in Juli Gold einfach dazu. Es geht um Freundschaft, Mut, Verrat und am Ende um …

Es macht richtig Spaß, dieses Buch zu lesen. Für mich gibt es nur ein einziges kleines Manko, denn der Knesebeck Verlag ist vor allem berühmt durch seine wunderbaren Illustrationen. Auch das Buchcover von Juli Gold ist hübsch, doch das abgebildete Mädchen hat mit der Juli Gold im Buch so gar nichts zu tun. Denn ihr Blick ist unfreundlich und das spitze Gesicht mit dem schmalen Mund mehr als abweisend. Leider, denn Juli ist so ein tolles Mädchen, da hätte man sich ein bisschen mehr Mühe geben müssen. Aber das tut einer wunderbar erzählten Geschichte keinen Abbruch, denn all die jungen Leser erschaffen sich ihre Juli Gold einfach im Kopf! Weiterlesen

Maifliegen, Andrew O’Hagan, Ullstein

Maifliegen ist ein inniges und berührendes Buch über eine schottische Männerfreundschaft. Es ist eine Geschichte, die manchmal mit viel Komik, tieferschweifenden philosophischen und politischen Gedanken und am Ende auch mit ans Herz gehenden Worten erzählt wird. Dennoch betritt man dieses Terrain, als Frau und als nicht in dieser Zeit in England und Schottland aufgewachsener Mensch, mit einigem Erstaunen. Denn das in der ersten Hälfte des Buches beschriebene Wochenende auf dem New Musical Festival des Punkrocks in Manchester 1986 fiel in Thatchers Amtszeit. Und der umgreifende Thatcherismus hatte bereits die Arbeiterklasse erfasst. Armut, Verelendung und tiefgreifender sozialer Verfall waren in den Stahlindustriestädten Manchester und Glasgow bereits an der Tagesordnung. In dieser Zeit der allgemeinen Hoffnungslosigkeit und Depression wachsen Tully, Noodles und ihre Freunde auf. Und wie es bei Jugendlichen um die achtzehn Jahre nun mal so ist, können Partys, Mädchen und Musik das Leben in ein Abenteuer verwandeln, das nur in der Ekstase und dem vibrierenden Taumel der Jugend erlebt werden kann.

So beschließen die sechs Freunde aus der schottischen Küstenkleinstadt, für ein Wochenende ins großartige Manchester zu fahren und alle ihre geliebten Bands auf dem Punkfestival zu sehen. Und dieses Wochenende wird unvergesslich, ist es doch das letzte, bevor die Jungs fürs Leben flügge werden. Alle von ihnen beginnen, geläutert oder auch nicht, danach ihr echtes Leben und werden erwachsen. Dreißig Jahre später erhält James, Tullys bester Freund, den er nur Noodels nannte, einen Anruf. Es sind keine guten Neuigkeiten, die diese beiden Freunde wieder näher aneinander schweißt.  Und für Noodles wird Tullys Bitte zu einer existenziellen Frage nach dem Umgang mit dem Leben.

Mir hat das Buch sehr gefallen, aber es war mir auch nicht so fremd, da ich Manchester in den neunziger Jahren recht gut kannte. Ich erinnere mich, meistens nur als Beobachter an die überwältigende Musik, die alkoholischen Exzesse und an die unglaublichen Szenen auf den allgegenwärtigen nach Urin stinkenden Partymeilen. Hat man das gesehen, weiß man einfach, egal wie verrückt dieses Wochenende für die Jungs auch ausgeht, das hat Hand und Fuß und ist nicht der Fantasie des Autors entsprungen. Gefallen hat mir auch die einfühlsame Art, wie im zweiten Teil des Buches mit Leben und Sterben umgegangen wird. Wobei mein Herz viel bei Tullys Frau Anna war, die fast hilflos zusehen muss, wie die beiden Kerle ihr Ding durchziehen. Lassen Sie sich überraschen, es ist auf jeden Fall ein Buch, das nicht spurlos an dem Leser vorbeigeht.

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