Alle Artikel von Elke Rossmann

Hinter dem Nebel, Christoffer Carlsson, Kriminalroman

»Diese Frau habe ich für mich erschaffen. Niemand kommt mit heiler Haut aus der eigenen Geschichte heraus. Ich habe es getan, um hierherzukommen, und es gibt nichts dagegen zu sagen. Absolut nichts. Habe ich gelogen? Habe ich Opfer gebracht? Habe ich betrogen? Natürlich habe ich das! Und hier bin ich. Ich kann tief in mich hineinblicken, aber könnt ihr es? Hier bin ich. Hier ist ein Mensch. Könnt ihr das akzeptieren?« Mit diesem Zitat fast am Ende des neuen Buchs ›Hinter dem Nebel‹ von Krimigroßmeister Christoffer Carlsson wird bereits viel über diese Geschichte erzählt. Es ist ein superber Krimi, ein Thriller, eine Lebensgeschichte und vielleicht irgendwie auch eine Biografie. Auf jeden Fall ist es aber mehr als nur ein spannender Kriminalroman. So ein Buch ist Literatur und diese von der besseren Art. Wenn Sie Christoffer Carlsson kennen, dann lesen Sie auch diesen Roman, denn der Autor wird mit den Jahren mit jedem seiner Bücher immer besser. Falls Sie ihn noch nicht kennen, fangen Sie unbedingt damit an, liebe Leser.

Es ist kein Wunder, dass die Bücher von Carlsson jedes Mal Bestseller werden, denn solch großartigen Geschichten kann sich niemand entziehen.

Weiterlesen

Zum Todestag von Albrecht Weinberg: Damit die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf meinem Arm, Albrecht Weinberg und Nicolas Büchse

Am 7.März 2026 wurde Albrecht Weinberg 101 Jahre alt und verstarb am 12. Mai 2026 in seiner Heimatstadt Leer. Einer der letzten Überlebenden von Auschwitz, ein Zeitzeuge des schlimmsten Völkermords, der je passierte. Die organisierte Vernichtung von sechs Millionen Menschen, die aufs Erbärmlichste geschunden, gefoltert und ermordet wurden.

Man kann dieses Buch als wahrer Mensch nicht lesen, ohne immer mal wieder in Tränen auszubrechen. Es ist einfach unglaublich was Menschen, Menschen antun können und das ohne Sinn und Verstand. Auch rechtfertigt kein gegebener Befehl oder noch so verblendete Ideologie solch ein Tun. Jedoch vergisst Albrecht Weinberg auch nicht die Menschen, die verschüchtert heimlich vielen Juden halfen, mit Lebensmittelrationen und Beistand. Aber auch nicht die Täter, die nach Kriegsende davonkamen, die sich sofort wieder ins gemachte Nest setzten und den Hass auf die Juden, die viele selbst nach einem verlorenen Krieg nie ablegten.

Nicolas Büchse hat als erfahrener Journalist die Geschichte von Albrecht Weinberg und seiner Familie niedergeschrieben. Er macht es gut, mit Pausen zwischen den grausamen Beschreibungen der Zeit von Zwangsarbeit und vor allem in den Konzentrationslagern. Denn sonst könnte man es als Leser nicht verkraften. Kaum kann man die Ereignisse lesen, wie konnte man so etwas überleben?

Daher ist es so wichtig die Zeitzeugen und wenn es nur in Büchern ist, wieder zu Wort kommen zu lassen. Eine demokratische Gesellschaft darf nie vergessen, aus welch bitteren Wurzeln sie entstand. Und vor allem die jungen Menschen, wenn Herr Weinberg in Schulen gesprochen hat, waren immer wieder interessiert, zu erfahren, was damals wirklich geschah. Für mich ein wichtiges Buch, das in Zeiten von aufstrebenden Diktatoren und Kriegstreibern auf aller Welt umso brisanter und bedeutungsvoller wird.

Weiterlesen

Signal, Ursula Poznanski

Also, dieser Thriller hat es in sich, denn er spielt mit dem Leser eine ganze Weile, bis der große Schock kommt, und dann ist plötzlich alles anders als gedacht. Für mich hätte die Wende gerne ein paar Seiten früher kommen können, denn der Anfang hat Längen und am Ende überschlagen sich die Ereignisse. Aber keine Frage, es ist richtig gute Spannungsliteratur.

Viola hat einen scheußlichen Unfall im baufälligen Weinkeller neben dem neu erworbenen Landhaus. Sie verliert ein Bein dabei und kann sich nicht mehr erinnern, was passiert ist. Für die agile junge Frau ist es nicht einfach, sich an diese Behinderung zu gewöhnen. Vor allem, weil ihr Mann plötzlich mehr behütend als notwendig und ihr außerdem eine knallharte Pflegerin zur Seite stellt, die sie keinen Schritt alleine machen lässt. Als er sich dann immer mehr von ihr zurückzieht, kommt sie auf die Idee, ihn mit einem Tracker zu beobachten. Eines dieser Dinger in seinem Schuh geklebt und plötzlich weiß Vio, wo Adam sich aufhält. Und von dem Tag an, erwischt sie ihn ununterbrochen beim Lügen. Aber nicht nur Adam bekommt so ein Ding verpasst, auch eine ihrer Freundinnen, die sich eigenartig verhält, und die gruselige Pflegerin. In dem Moment wird klar: Hier läuft eine Verschwörung, und zwar auf Vios Kosten. Daher trainiert sie mit ihrem einen Bein heimlich und ist plötzlich wesentlich mobiler, als es ihrem Mann, der sie langsam aber sicher als selbstmordgefährdet darstellt, lieb wäre. Nur wer ist dieser Fremde, der um ihr Haus schleicht? Hat Adam jemanden engagiert, sie zu töten?

Man kommt fast an die Stelle, an der man Vio ein Telefon in die Hand drücken will und darauf hofft, dass sie ihre Schwester, einen Arzt oder sogar die Polizei anruft. Und dann passiert es, nämlich das Gegenteil, mit dem man gerechnet hat, und ab da nimmt dieser Thriller einen rasanten gänzlich anderen Verlauf. Von mir eine hundertprozentige Leseempfehlung!

Weiterlesen

Chemische Elemente, Memo Wissen, Kindersachbuch ab 8 Jahren

Obwohl ich recht gut war in Chemie, war das Periodensystem mit seinen damals nur 106 Elementen eine echte Herausforderung. Man muss sich das mal vorstellen: Wir haben damals die Gruppen und Perioden noch auswendig gelernt. Ist dadurch viel hängen geblieben? Nicht wirklich! Auch hatten wir damals noch nicht das Verständnis der quantenmechanischen Auswirkungen auf unser statisches Atommodell und die kinetische Wirkung der Elektronen. Aber dadurch ist das Periodensystem mit den Jahren eigentlich noch komplizierter geworden.

Als ich mir den Memo-Wissensband „Chemische Elemente“ durchlas, bekam ich noch mal eine ganz andere Sicht auf diese spannenden Dinge. Dieses Sachbuch weckt regelrecht das Interesse an den Elementen, ihrer Nutzung, ihrem Vorkommen, ihren Entdeckern und Entdeckerinnen, und endlich kann man sich diese Elemente auf den Fotos ansehen. Denn die meisten wurden im Labor mittlerweile hergestellt. Solch einen schönen Helfer hätte auch ich damals in der Schule gebrauchen können. Dann hätten wir unseren Chemielehrer wahrscheinlich nicht mit dem 1976 vom Spielzeughersteller Mattel auf den Markt gebrachten grünen Slime in den Wahnsinn getrieben. Denn in dem Buch „Chemische Elemente“ hätten wir erfahren, dass der gummiartige Spielschleim nicht nur wie eine zähe Flüssigkeit durch die Finger fließt und sich beim Zusammendrücken wie ein Feststoff verhält, sondern auch, dass er vom Element Bor abstammt. Das erste Element in der zweiten Periode und dreizehnten Gruppe. Borax ist eine Verbindung von Sauerstoff und Natrium und ist ein anderer Name für Slime in der kleinen grünen Plastikmülltonne. Dieses Spielzeug hatte ja gerade wieder eine Renaissance und einige von Ihnen erinnern sich bestimmt daran.

Chemie wird mit diesem bunten Sachbuch, den vielen Bildern, Grafiken und Modellen zu einem spannenden Abenteuer und definitiv etwas, mit dem sich jedes Kind gerne beschäftigt. Auch ich blättere immer mal wieder in dem Bildband und bin erstaunt, mit wie vielen der Elemente ich tagtäglich zu tun habe. Ein absolut kindgerechtes Sachbuch, das interessant, lehrreich, spannend und herausfordernd ist. Machen Sie Chemie für ihr Kind etwas einfacher mit diesem Sachbuch. Denn so kann Lernen zum Abenteuer und Hobby werden und das Preis-Leistungs-Verhältnis von 13,00 Euro ist unschlagbar.

Weiterlesen

Cold Cases, meine spannendsten Fälle als Mordermittler, Helmut Eigner

True Crime hat eine fast morbide Anziehung auf uns Menschen, und zwar für Personen aller Couleur und auch jeden Alters. Und es ist kein Phänomen, das mit CSI, New York, Las Vegas oder Miami in die Freizeitunterhaltung Einzug hielt. Bereits meine Oma saß beim Gläschen Kellergeister schon 1968 vor dem Fernsehen und sah sich Zimmermanns Aktenzeichen XY – ungelöst an. Als ich dann alt genug war, durfte ich auch mitschauen. Was dieses Buch gerade so spannend macht und sich von den vielen anderen Sachbüchern zu dem Thema unterscheidet, ist die Zeitspanne, von der Helmut Eigener redet. Es geht um Fälle, die in den Jahren von 1962 bis 2014 stattfanden und in denen er als Cold Case-Ermittler arbeitete. Nicht jeder Fall konnte gelöst werden, auch wenn er mehr als einmal aufgerollt wurde. Manche scheiterten trotz genügend Indizien an juristischen Fragen und in manchen der Fälle war der Mörder bereits verstorben. Manche Taten konnten aufgeklärt werden und den noch überlebenden Angehörigen konnte durch die Verhaftung des Täters endlich ein Abschluss gewährt werden. Anhand der beschriebenen Fälle und ihres Alters erklärt Helmut Eigner sehr anschaulich, wie sich die Forensik, die juristischen Verfahren und besonders durch den Einzug des Internets und der sozialen Netzwerke, sich die Ermittlungen der Kriminalbeamten und Kriminalbeamtinnen grundlegend verändert haben.

Ein sehr spannender Querschnitt durch alte und neuere Fälle, über die mit Würde und Respekt berichtet wird und die sich nie in reißerischen Floskeln verlieren. Wenn Sie neben Ihren geliebten Krimis mal etwas aus der realen Welt in puncto Verbrechen der letzten sechzig Jahre lesen wollen, dann sind Sie bei Helmut Eigners Buch absolut richtig.

Weiterlesen

Dirty Bistro, Max Strohe, das Debüt-Kochbuch des Spitzengastronoms

Dieses Kochbuch war für mich eine echte Herausforderung, und die bestand darin, es überhaupt erst aufzuschlagen. Hat man den ersten Schritt jedoch gemacht, ist man im Traumland des Genusses. Die Rezepte sind allein nur beim Lesen eine Freude und man möchte alles unbedingt probieren. Man versteht sofort, was der Koch meint, wenn er sagt: Genuss ist, wenn man sich selbst nicht mehr hört. Wenn man plötzlich mal kurz weg ist, sich verliert und verändert wiederkommt. Und beim Lesen und Betrachten der Rezepte schlemmt man schon mal auf platonischer Ebene. In dieser Hinsicht gebe ich diesem Kochbuch zehn von zehn Sternen und drei Sonderfunkel. Aber – und natürlich kommt ein Aber, wenn man meinen ersten Satz liest: Ich frage mich nämlich, warum man ein solch fantastisches Kochbuch schmälert mit so zum Teil abstoßenden Fotos. Warum inszeniert sich Max Strohe auf dem Cover wie ein völlig in der Midlife-Crisis steckender Mitvierziger mit pubertären Anwandlungen? Er empfängt die Leser mit einem Mittelfinger rechts, einer Kippe in der linken Hand und einem T-Shirt mit der Message: No one is thinking about you! Ich finde so etwas als Leser nicht cool noch hip, sondern reichlich abtörnend. Das gilt auch für einige Fotos seines jungen Teams. Ist denn Provokation die Lösung, um auch junge Menschen auf einen sinnlichen Umgang mit Essensgenuss zu bringen? Nein, das glaube ich nicht. Denn so sinnlich die Rezepte in diesem Kochbuch sind, so feinsinnig ist auch die Fotografie der Resultate: ansprechend, einladend und irgendwie verführend. Leider ist das Cover zu vergleichen mit einem Löffel Kartoffelpüree, das auf einen angeschlagenen, dreckigen Teller geklatscht wurde, da hilft es dann auch nicht, wenn Sommertrüffel drin sind.

Aber, wie gesagt, der Inhalt ist nichtsdestotrotz im Gegensatz zum Cover erste Sahne! Ich werde mir wahrscheinlich einen richtig hübschen Buchumschlag nehmen und diese Perle von einem sehr besonderen Kochbuch darin einwickeln. Dann passt es und ist seinen Preis allemal wert!

Weiterlesen

Der Schrein, Nanami Kamona, Bestseller Horrorroman aus Japan

Haben Sie den Horrorfilm ›Der Ring‹ gesehen? Er wurde im Jahr 2002 mit Naomi Watts verfilmt, doch das Original stammt aus Japan und basiert auf einem Roman des Autors Kōji Suzuki. Und damit nicht genug: Er soll aufgrund wahrer Ereignisse zur Legende aus dem vierzehnten Jahrhundert geworden sein. Und genauso ist das in Japan: viel Mystik, Aberglaube und eine gewisse Spiritualität, die nicht mehr unbedingt auf religiöser Frömmigkeit basiert. So handeln die sogenannten Kaidans, Gruselgeschichten auch heute noch von Totengeistern, Dämonen und Kobolden. Und jetzt kommt der eklatante Unterschied japanischer Horrorgeschichten zu denen, die wir im Westen und vor allem aus dem US-amerikanischen Kino kennen. Es benötigt keines Blutbades und Gemetzels, um den Leser das Grauen zu lehren. So spielt auch der Schrein mit dem unausgesprochenen, allgegenwärtigen Grusel, dem sich die Protagonisten nicht entziehen können. Es passieren kleine unerklärliche Dinge, doch erst einmal gibt es keinen Toten. Es schleicht sich etwas ein in dieses Buch, diese Geschichte, sodass der Leser sich bald fühlt wie Minami, die Protagonistin im ›Schrein‹. Der wahre Grusel spielt sich im Kopf ab und das Unheimliche, das Böse schleicht sich in den Alltag, das Leben und die Seele der Charaktere. Dadurch, dass in Japan so viele unausgesprochene Regeln gelten und man nie mit der Tür ins Haus fällt, werden solche Gefühle auch nicht rege ausgetauscht, und so muss jeder der Protagonisten selbst entscheiden, ob er verrückt wird oder wirklich Geister hinter ihm her sind. Nicht jedermanns Sache, ich liebe diese japanischen Gruselgeschichten und auch Thriller und Krimis, gerade wegen der kulturellen Unterschiede.

Daher bin ich der Meinung, solche Geschichten sind die wahren Horrorerzählungen, die mit den unvorstellbaren Wahnvorstellungen der Psyche spielen und dennoch offenlassen, ob es nicht doch real ist. Mir läuft bei solcher Lektüre ein Schauer über den Rücken und ich prüfe, bevor ich ins Bett gehe, noch einmal, ob alle Fenster und Türen verschlossen sind. Lassen Sie sich vom ›Schrein‹ einfach mal das Gruseln beibringen.

Weiterlesen

Die Drüsenfabrik, Eine Reise durch dein Inneres – Von Schleimdusche bis Ohrenschmalzmaschine -, Rachel Poliquin und Clayton Hanmer, Kinderbuch ab 8 Jahren

Alle Kinder und gerade die bis acht Jahre jubilieren, wenn das Wort Schnodder, Popel oder Ohrenschmalz ausgesprochen wird. Nicht umsonst gab es bei Harry Potter die Gummibärchen (Jelly Beans) mit Ohrenschmalz- und Popel-Geschmack. Aber wo kommt das ganze Zeug in unserem Körper her und wofür ist es gut, dass wir Menschen manchmal eine schleimige Angelegenheit sind? Das von Clayton Hanmer so fantastisch illustrierte Kinderbuch nimmt uns mit kindgerechten, einfach zu verstehenden Texten von Rachel Poliquin genau dorthin mit auf eine Besichtigung, in die Drüsenfabrik unseres Körpers. Mit der Fabrikdirektorin und ihrem Assistenten besuchen wir die Mundmaschine mit ihren Speicheldrüsen, verstehen, was ein Glibbersack ist, entgehen in der Rotzdusche gerade noch so einem Nieser und verstehen, was Tränenkugeln sind. Und wenn wir dann in die Schaltzentrale, den Hypothalamus, kommen, verstehen wir so langsam, was für ein komplizierter Mechanismus unser eigener Körper ist. Vor allem aber leuchtet uns jetzt ein, wofür Rotz, Schleim, Glibber, Schweiß, Tränen und Ohrenschmalz eigentlich gut sind. Denn ohne diese manchmal ekeligen Ausscheidungen von Drüsen, wären wir ziemlich aufgeschmissen und wahrscheinlich ständig nur krank.

Ein irres Kinderbuch mit viel Spaß und einem hohen Lernquotienten. Genau richtig für neugierige Kinder, die mit Lachen und Spannung etwas Neues lernen wollen. Sowohl die Autorin als auch der Illustrator haben es auf den Punkt gebracht. Ich wüsste nicht, wie man die Drüsenfabrik unseres Körpers besser erklären sollte.

Weiterlesen

Todesspur, Andreas Gruber, Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez ermitteln Nr. 8

Während die BKA-Führung mit ihrem Präsidenten, der „Eisernen Faust“ Drohmeier, endlich mal Maarten S. Sneijder und seinem skurrilen Team freundlich gesinnt ist, wächst die Gefahr von außen. Bei der Observation einer Zielperson geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Ein Haus brennt nieder, Dr. Paul Conrad, die Schlüsselperson der neuen RAF-Generation, kann fliehen und Sneijders Team liefert sich eine wilde Verfolgung mit den Terroristen. Doch die Umstände werden immer schwieriger und plötzlich verliert sich jede Spur zur R4F, wie sich die vierte Generation der RAF nennt. Sneijder und Nemez bleibt nichts weiter übrig, als sich undercover in Mallorca als Doktor Pacula und Tochter auszugeben. In einer pikfeinen Luxusferienanlage, soll der Misanthrop Sneijder einen Mentalcoach mimen und den Superreichen das Glücklichsein lehren. Wer Sneijder kennt, weiß, dass das keine besonders gute Idee ist. Zeitgleich in Kufstein will Lea Fuchs Geburtstag mit ihrer Cousine Vicky feiern, da ihr Lebenspartner Gernot zu seiner kranken Mutter ins Pflegeheim im Schwarzwald gerufen wurde. Doch Vicky stürzt unglücklich und liegt tot auf der Treppe. Da Lea früher als Polizistin schon einmal wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wurde, vertuscht sie kurzerhand den Unfall. Vickys Leiche wird kurzerhand im neuen Anbau des Wintergartens vergraben und Lea reist mit Vickys Reisepass und ihrem Ticket kurzerhand nach Mallorca, um Vickys Person dort für immer verschwinden zu lassen. Und ab da beginnt eine abstruse, aber durchaus glaubwürdige Verwechslungsgeschichte, in der Lea, als Vicky, genauso wenig Ahnung hat wie Sneijder, Nemez und die Profikillerin der R4F, die als Assistentin von Pacula fungiert. Alle tappen irgendwie im Dunkeln und müssen ohne Netz und doppelten Boden agieren.

Das war mal wieder ein Maarten S. Sneijder, der so richtig gut war. Andreas Gruber hat sich da eine Verwechslungsgeschichte einfallen lassen, die es in sich hat. Und Hut ab, vor seiner Protagonistin Lea Fuchs, die zwar leicht einen an der Klatsche hat (sie spricht andauernd mit ihrem toten Zwilling), aber sonst eine ziemlich schlagkräftige und skrupellose Frau sein kann. Das muss selbst Sneijder am eigenen Leib erfahren. Nun, das war der vorletzte Maarten S. Sneijder, und man kann nur gespannt sein, was uns der Autor im letzten Band bieten wird. Denn es wird bestimmt nicht einfach den coolen Thriller ›Todesspur‹ zu toppen.

Weiterlesen

Messias, Science-Fiction, Andreas Brandhorst

Ein Mann in einem Businessanzug, er ist sympathisch und will anscheinend nur das Beste für die Menschen. Wer ist er? Ein Gott? Ein Alien? Ein Schwindler? Alles fing mit einer Art Polarlichtern über Südamerika an und dann wird eine Lichtquelle auf dem Mond lokalisiert. Kurz danach taucht Simon auf und er kann Wunder vollbringen? Dabei geht es jedoch nicht darum Wasser in Wein zu wandeln, es geht um ein Lazaruswunder. Welche Macht kann Tote wiederbeleben? Er muss ein Messias sein, und es dauert nicht lang, bis die Mehrheit der Menschheit hinter Simon steht, der nichts verlangt als Frieden.

Das beängstigt die Mächtigsten der Mächtigen. Jeder große Religionsführer, inklusive des Papstes, fürchtet zu Recht den Verlust des Status quo. Aber nicht nur die Religionen verlieren ihre Gläubigen, auch Regierungschefs verlieren ihre Bürger, die Reichen ihre Arbeitstiere und die Gangster ihre Opfer, als Simon Terra Nova ausruft. Die neue Welt, in der alle Menschen glücklich leben werden. Da dauert es nicht lange, bis Auftragskiller für Unsummen den einen Auftrag bekommen: Tötet Gott!

Ein spannender Science-Fiction-Roman, erzählt aus verschiedenen Perspektiven. Einmal dem idealistischen Wissenschaftler Jayden, der schon als Kind vom Erstkontakt mit Aliens geträumt hat. Nathan, der wohl gefährlichste Killer der Welt. Rhea, eine junge Astronautin auf ihrem Weg zum Mond. Eric, Simons erster Jünger und von den Toten zurückgeholter Selbstmörder, und Pius, seines Zeichens Papst, der einen Machtverlust nicht akzeptiert und zum Äußersten geht. Na, konnte ich Sie für das Buch interessieren?

Weiterlesen