
Als ich den für mich ersten Tremayne gelesen habe, zog ich den Vergleich zu Rebbeca, von Daphne du Maurier. Er war irgendwie gruselig, spannend, aber alles war sehr real erklärbar. Mit der Klippe ging mir der Autor doch zu sehr in die Geisterwelt, und anstatt sie so stehen zu lassen und seine Psychothriller in Psycho-Grusel-Thriller umzubenennen, erklärt er die Geistererscheinungen mit pseudopsychologischen Ansätzen, über die wohl jeder Schulmediziner grinsen muss. Nun gut, es ist, wie es ist, leider, weil nämlich der reale, sehr drastische Thriller, bei dem es um ein Familiendrama geht, eigentlich sehr gut ist. Das hätte man auch ohne Geistergrusel und Erscheinungen hinkriegen können. Aber liebe Leser, verstehen Sie mich nicht falsch. Das Buch ist dennoch spannend und eine nette Urlaubslektüre. Und vielleicht, gibt sich Herr Tremayne beim nächsten Thriller wieder etwas mehr Mühe, und bleibt bei den Lebenden, wenn es um die wahren Verbrecher geht. Denn dort haben wir, und das weiß jeder, genug schlimme Exemplare. Dennoch haben mir die Figur der forensischen Psychologin Karenza Bray, ihr kornisches Umfeld, die weise Oma Betty Spargo, ihr Chamäleon Otto und der neurotische Kater El Grüffelo, der mich immer an das Kinderbuch ›Der Grüffelo‹ erinnert hat, sehr gefallen. Da kann man auch mal über eine Folie à deux (induzierte wahnhafte Störung) oder eine transgenerationale Traumatisierung (vererbtes Trauma durch Gene) hinwegsehen.
Alles in allem ein spannender Thriller, mit geisterhaften Erscheinungen und Geräuschen aus dem kalten, feuchten Keller, der am Ende eine echt dramatische Aufklärung hat. Beste Urlaubslektüre!
Ein Thriller, in dessen Mittelpunkt eine Floristin steht. Irgendwie drängt sich mir der Gedanke an Patrick Süßkinds „Das Parfüm“ auf. Unvergessen seine Beschreibungen der einzelnen Düfte. Würde Pattison ebenfalls überzeugen können? Mich hat sie das auf der ganzen Linie. Und zwar nicht nur mit ihren wunderbaren Beschreibungen der außergewöhnlichen Blumenarrangements, der Düfte, die die Blumen verströmen, sondern auch mit dem spannenden Plot, der mich von der ersten Seite an gefangen genommen hat und mich das Buch erst nach der letzten Seite aus der Hand legen ließ.
Eines haben Erbschaften gemeinsam: ihnen geht der Tod des Erblassers voraus. In JP Delaneys neuestem, fesselnden, verstörenden und schockierenden Psycho-Thriller „Die Erbin“ traf es den auf Mallorca lebenden Spät-Hippie-Künstler-Vater von Jess und Finn Henson. Gemächlich startet die Story, nimmt dann aber Fahrt auf und hält Dank unvorhersehbarer Drehungen und Wendungen bis zum – von mir – nicht vermuteten Ende die Spannung. Und jedes Mal, wenn man denkt, gleich gibt es eine Auflösung, entzieht sich die Wahrheit dem Erkanntwerden. Finn, als Ich-Erzähler, reist von London nach Mallorca, um die vermeintlich heruntergekommene Finca Siquia, auf der er seine Kindheit verbracht hat,
Bernhard Hofer beweist mit dem ersten Band seiner 4er Reihe Tannenfall, dass nicht nur Stephen King Meister des verwirrenden Kopfkinos ist. Auch er beherrscht es, es dem Leser bei der Unterscheidung zwischen realer Welt, Fiktion und Wahnvorstellungen nicht leicht zu machen. Denn der Autor pendelt mit Leichtigkeit zwischen den Zeiten und Orten, das man Acht geben muss, nicht auf der Strecke zu bleiben. Die Berliner Staatsanwältin Marlene Castor möchte in der Abgeschiedenheit der österreichischen Bergwelt einen beruflichen Rückschlag aufarbeiten. Ihre Tochter Lya, die sie begleitet, verschwindet bei einem gemeinsamen Ausflug in einem Stollen. Verzweifelt beginnt sie die Suche nach ihrem Kind. Sie stößt auf Ablehnung und Intrigen, weiss nicht, wem sie noch trauen kann. Fragen, die im Raum stehen, werden hoffentlich im Verlauf der gesamten Sagea beantwortet. Trotz des Tempos in der Geschichte, gelingt es Hofer andererseits durch seine Sprache Ruhe auszustrahlen. Überhaupt seine Sprache, sie ist bildlhaft und wortgewaltig. Und wenn die Verwirrung, die diese spannende Geschichte auszulösen vermag, gewollt ist, ist es gelungen! 




Wir kennen die toughe Ermittlerin Conway und ihren Partner Moran bereits aus Tana Frenchs Thriller Geheimer Ort. Wissen, dass Conway nicht nur verbal zutreten kann, besonders wenn es um ihre Kollegen im Morddezernat geht. Eine Bande von Machos, die den einzigen weiblichen Detective lieber heute als morgen wieder loswerden möchten. Als Conway und Moran jedoch nach einer Nachtschicht einen Mord, der wie ein Beziehungsdrama anmutet, übernehmen müssen, wird aus dem Morddezernat in Dublin plötzlich ein psychotischer Hexenkessel. Tana French verwirrt nicht nur ihre Protagonisten mit dem Fall, sondern auch die Leser und zeigt, dass ein eigentlich einfacher Mordfall von einer fantastischen Autorin, zu einem monströsen Bollwerk aus Verleumdung, Verwirrung und psychischen Spielchen gemacht werden kann. Ein großartiges Buch, mit dem sich Tana French endgültig in die Hall of Fame der Thriller-Autoren geschrieben hat.