Susanne Popp: Der Weg der Teehändlerin

Um es vorwegzunehmen: man muss den ersten Teil dieser Familiensaga um die Tee-Dynastie Ronnefeldt nicht gelesen haben, um den letzt erschienenen zweiten Teil zu verstehen. Aber es wäre schade. Zum einen,  weil  der dritte Band für das Frühjahr 2023 angekündigt ist. Zum anderen, weil es sich bei Susanne Popps Geschichte um eine mitreißende, flott geschriebene Geschichte im Frankfurt des 19. Jahrhundert handelt. Und was die Geschichte noch spannender macht ist, dass das Teehaus Ronnefeldt heute noch existiert. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, Dichtung und Wahrheit zu einer stimmigen Geschichte zu verweben. Dank der ausführlichen Recherche und den daraus resultierenden Schilderungen gelingt es der Autorin, die Leserschaft mit in die Jahre 1853 und 1854 zu nehmen. Eine spannende Zeit, in der sich die Protagonisten zurechtfinden müssen: gesellschaftliche Veränderungen, eine Politik, die alles andere als liberal ist und das Volk unterdrückt, wirtschaftliche Entwicklungen und technische Neuerungen. Das Eisenbahnnetz bringt Mobilität und die Telegraphie die Möglichkeit der schnellen Verständigung. Die Autorin erspart Frederike aber auch nicht die Sorge um und die Auseinandersetzung mit ihren Kindern. Und die haben ihre eigenen Pläne, die nicht deckungsgleich mit den Plänen der Mutter sind. Während Mine vom Theater träumt, möchte Wilhelm nur malen und Elise, statt verheiratet zu werden, Kinder unterrichten. Somit bleibt es an Carl, dem Ältesten, künftig die Geschicke des Familienunternehmens zu lenken. Atmosphärisch dicht, versteht es die Autorin den Spannungsbogen bis zum Ende zu halten. War im ersten Band Friederike Ronnefeldt die Protagonistin, dreht sich der zweite Teil um ihre Kinder, mittlerweile zu jungen Erwachsenen gereift. Ihre Charaktere hat die Autorin fein differenziert ausgearbeitet. Mit allen Stärken und Schwächen. Eine unterhaltsame Familiengeschichte nicht nur für Frankfurter und Tee-Liebhaber.

Copyright Tamara Ferrari

Susanne Popp hat Publizistik studiert und danach ihre Kreativität zunächst in der Werbung ausgelebt, bevor sie sich als Autorin für Privatbiographien selbständig machte. Im November 2020 erschien bei Rowohlt ihr erster Roman, „Madame Clicquot und das Glück der Champagne“. Im August 2021 folgt nun im Fischer-Verlag „Die Teehändlerin“, der Auftakt zu einer großen Familiensaga rund um die Frankfurter Kaufmannsfamilie Ronnefeldt. Ihrer Leidenschaft für außergewöhnliche Frauenbiografien geht die Autorin auch im Podcast «Frauenleben» nach: Alle vierzehn Tage erscheint ein neues inspirierendes Porträt zum Anhören. Überall, wo es Podcasts gibt, oder bei www.frauenleben-podcast.de. Mehr über die Autorin erfahren Sie unter: www.susannepopp.de

Frankfurt 1853: Die Teehändlerin Friederike Ronnefeldt möchte ihre zunehmend erwachsenen Kinder gut versorgt wissen. Schließlich hängt auch das Familienunternehmen von den Zukunftsplänen der neuen Generation ab. Doch die Geschwister entwickeln – zum Leid Friederikes – ihre eigenen Ideen. Mine lockt das Schauspiel, Elise möchte Lehrerin werden, anstatt zu heiraten und Wilhelm möchte Malerei studieren. Immerhin eines scheint sicher: Der Älteste, Carl, wird die Geschäfte übernehmen – nach dem Abschluss seiner Lehrjahre in Hamburg. Doch ist er der verantwortungsvollen Rolle gewachsen, die einst sein Vater innehatte?

Fischer Verlag  –  Taschenbuch – 512 Seiten – 10,99 € – ISBN 978-3-596-70604-4

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