Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.

Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.

Autorenfoto: Copyright ® Viktor Strasse

Mario Giordano, geboren 1963 in München, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Seine Romane sind in über 15 Sprachen übersetzt worden, mit seinen »Tante Poldi«-Krimis stand er in Deutschland und den USA regelmäßig auf den Bestsellerlisten. Zudem verfasste er u.a. die Romanvorlage und das Drehbuch zu »Das Experiment« sowie Bilder- und Jugendbücher. »Terra di Sicilia« basiert auf der Geschichte seiner Familie. Mario Giordano lebt in Berlin.

Es ist besonders die Leichtigkeit, mit der Ninos Geschichte erzählt wird, die sie so attraktiv macht. Denn alle Schicksalsschläge und davon hat Nino im Laufe der Jahre ausgesprochen viele, werden beschrieben, als gehören sie dazu, wie die Lava zum Ätna und die Mafia zu Sizilien. Sie sind da, man kann nichts daran ändern und am besten meidet man beides. Aber auch in München ist es für den jungen Mann erst einmal schwierig, denn er hat seinen Güterzug, vierzigtausend Mark verloren und sitzt im Knast. Und falls ihn diese Deutschen je wieder rauslassen, dann wird er niemals wieder nach Hause zurückkehren können, zu groß ist die Schande. Doch selbst in den schlimmsten Lagen denkt sich Nino, dass es nie dunkler werden kann als Mitternacht.

»Zwischen Hoffnung und Erwartung haben die Götter einst eine feine Linie gezogen, kaum zu erkennen, um feixend zuzusehen, wie ihre Spielzeuge sie arglos übertreten und unglücklich werden. Auf diesem schmalen Grat namens Zuversicht balancieren die Pancrazias oder Barnabas der Familie Carbonaro. Schwindelfrei, manchmal verwirrt, manchmal verbissen, aber tapfer Schritt für Schritt.«

Diese Erzählung ist etwas, dass man sich gönnt, um aus dem Alltag auszusteigen, sich erfüllen und begeistern zu lassen. Um zu weinen, zu lachen und mit Nino manchmal glücklich zu sein, wenn im Leben für kurze Zeit die Sonne scheint.

Terra di Sicilia, Mario Giordano, Goldmann Verlag, Hardcover mit Schutzumschlag, 544 Seiten, ISBN: 978-3-442-31560-4, Euro 22,00.

Erschienen am  14. März 2022

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