Kategorie: Buchbesprechungen

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand

Frankfurt 1959, in dieser noch vom Krieg zerstörten Stadt, tummeln sich Kriegsgewinnler Geheimdienste und andere üble Gestalten. Einen Bombenanschlag auf einen Waffenhändler in Frankfurt nimmt der Autor zum Anlass, daraus eine auf Tatsachen beruhende spannende Geschichte zu schreiben. Die rote Hand hat tatsächlich existiert. Es war der Deckname des französischen Geheimdienstes, der in Deutschland Waffenschieber und Waffenhändler bedroht hat, die Waffen an die algerische Widerstandsbewegung geliefert haben.  Eine spannende Geschichte die in einer Atmosphäre spielt, die jeder der in Frankfurt einmal gelebt hat, nachvollziehen kann. Weiterlesen

Esi Edugyan: Washington Black

Ein Buch das geradezu für die gegenwärtige Rassismus Diskussion gemacht ist. Sklaverei, Ausbeutung, Kolonialismus, Menschenverachtung, all dies spielt in diesem Roman eine dominierende Rolle. Ein schwarzer Junge berichtet von seinen Erlebnissen auf einer Zuckerrohrplantage und wird von einem Besitzer für Experimente gebraucht. Mit ihm geht er auch auf Reisen. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen und macht erstaunliche Erfahrungen. Ein Abenteuerroman, der spannende und tiefe Einblicke in koloniale Denk- und Handlungsweisen ermöglicht. Weiterlesen

Mary L. Trump: Zu Viel und Nie Genug, Wie meine Familie den gefährlichsten Mann der Welt erschuf

Es ist schon erstaunlich und es gehört sicherlich sehr viel Mut dazu. Zusätzlich muss man sich als engstes Familienmitglied, als Tochter von Freddy Trump, dem Bruder von Donald Trump über die eventuellen Folgen und der Familienächtung im Klaren sein, dieses Buch zu veröffentlichen. Mary L. Trump, die Nichte des derzeitigen Präsidenten der USA Donald Trump hat am Derner Institute of Advanced Psychological Studies in New York promoviert und lehrte in den Fachbereichen Trauma-Therapie, Psychologie und Entwicklungstherapie. Aus dieser fachlichen Ausbildung heraus und weil sie einen großen Teil ihre Kindheit im Hause ihrer Großeltern verbracht hat, sozusagen im Beisein von Donald Trump aufgewachsen ist, hat sie die persönliche Entwicklung von Donald Trump aufgezeichnet und mit psychologischem Hintergrund belegt. Weiterlesen

Kevin Major: CARIBOU

Caribou ist der Name eines Fährschiffes das von Neufundland 1942 aufbrach und kurz vor seinem Ziel durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde. Dabei kamen 137 Menschen ums Leben. Der Autor schildert uns eindringlich die Innenwelten der Menschen, die mit diesem kriegsbedingten Zusammentreffen zu tun haben. Der deutsche U-Boot Kommandant auf der einen Seite und die Besatzung und Passagiere der wäre auf der anderen Seite sind stellvertretend für alle Menschen die in dieser Zeit im Krieg oder vom Krieg betroffen sind. Der Autor vermeidet es ein Freund – Feindbild zu zeichnen sondern macht deutlich, dass wenn es zu einem Krieg kommt es nur Verlierer geben kann. Der zweite Weltkrieg hat über 50 Millionen Tote gekostet. Einen ausführlichen Anhang dieses Buches macht deutlich, dass der Autor umfangreiche Recherchearbeit geleistet hat. Weiterlesen

Garry Disher: Hope Hill Drive

Wenn Garry Disher seinen Protagonisten Constable Hirschhausen um die Weihnachtszeit im australischen Ausblick auf Streife schickt, spürt man die unbarmherzige Sonne Australiens beim Lesen auf der Haut. Wir lernen die Menschen dieser gottverlassenen Gegend intensiv kennen und fragen uns unwillkürlich wie kann man dort leben und überleben. Der Constable stolpert unwillkürlich immer intensiver in immer intensivere Vergehen und Verbrechen. Die Lebensweise und Mentalität der Bewohner spiegelt sich in den desolaten Zuständen dieser Gegend. Unwillkürlich fragt man sich welche Chancen haben  eigentlich Menschen, die in diesem Umfeld aufwachsen müssen. Disher gelingt es wieder eine Geschichte hoch spannend und absolut realitätsnah zu erzählen. Weiterlesen

Roter Sarg, Sam Eastland Serie Pekkala Teil II

Pekkala, genannt das Smaragdauge, war unter Zar Nicolaus II. der gefürchtete Chefermittler der Romanovs. Gefürchtet nicht wegen seiner Brutalität oder seiner Macht, er war berüchtigt bei den Kriminellen wegen seiner außergewöhnlichen Ermittlungsmethoden. Nach der Oktoberrevolution teilte auch er einige Jahre das Schicksal, vieler Getreuen der Romanovs, im Gulag. Doch Pekkala überlebt, und als die UdSSR ihn kurz vor dem Zweiten Weltkrieg dringend braucht, wird er der persönliche Ermittler des Genossen Stalin. Der Generalsekretär der Partei mutmaßt, dass geheime Pläne über einen neuen Panzer, dem T-34, nach Deutschland verkauft werden sollen. Als Pekkala mit seinem Mitarbeiter Major Kirow auf dem geheimen Entwicklungsgelände des T-34 ankommt, liegt der Chefentwickler Obers Nagorski zerquetscht unter dem Panzer. Eine rasante Ermittlung beginnt.

Großartige Kriminalliteratur, die süchtig macht!

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Dead Lions, Mick Herron

Was Sophie Hénaff mit ihrem Kommando Abstellgleis bei der Pariser Polizei ist, ist Mick Herron mit seinen Slow Horses beim englischen Geheimdienst MI5.

Wer beim MI5 richtig Mist gebaut, einem hohen Tier auf die Füße getreten oder sich ein echtes Laster angeschafft hat, der wird zur Truppe der Slow Horses ins Slough House verbannt. Einmal dort angekommen muss schon fast ein Wunder geschehen, um wieder im Regent’s Park in den aktiven Dienst des britischen Geheimdienstes zurückzukehren.

So fürchterlich die Büros in Slough House sind, so unsinnig sind auch die Aufgaben der Agenten auf der Ersatzbank. Man setzt darauf, dass die fast zu Tode gelangweilten Mitarbeiter irgendwann von selbst kündigen, weil sie die Beschäftigungstherapie einfach nicht mehr ertragen. So spart man Abfindungen! Angeführt wird der Klub der Loser von Jackson Lamb, einem in die Jahre gekommen, übergewichtigen, verfressenen Kettenraucher, der anstatt seinen Mitarbeitern Rede und Antwort zu stehen, lieber einen lautstarken Furz zum Besten gibt.

Bitterster englischer Humor gepaart mit scharfsinnigen, bissigen Dialogen treibt den Leser durch eine nervenaufreibende Spionagegeschichte. Weiterlesen

Homer Pym und der Junge aus dem Film, Teil 1, Anne Plichota & Cendrine Wolf, Kinder-Jugendbuchserie

Ein neues Kinderbuchabenteuer von den beiden erfolgreichen französischen Autorinnen, die Oksa Pollock ins Leben gerufen haben. Mit Homer Pym haben die beiden jetzt eine ganz neue Jugendserie gestartet, die zum Teil in einer wundersamen, mystischen Parallelwelt spielt. Darin geht es um Freundschaft, Verlust, Mut und Einsamkeit. Dinge, die Jugendliche in der Pubertät sehr beschäftigen.

So ist Homer Pym nicht nur ein bezauberndes Abenteuerbuch für Kinder und Teenager, es berührt auch die emotionale Gedankenwelt der Heranwachsenden. Tauchen Sie selbst in die Welt von Ithaka ein, indem Sie Ihren Kindern daraus vorlesen. Oder wissen Sie ihre Jüngsten gut aufgehoben, wenn sich die Leseratten mit dem Buch zurückziehen, um die Abenteuer alleine mit Homer, Sascha und Lylou zu bestehen.

Ein sehr schöner erster Teil einer Geschichte, der man hier und da die französische Quelle anmerkt. Was jedoch absolut nicht verkehrt ist. Das macht auch den Flair dieses Buches aus.

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Manchmal kann man nur noch lachen, Peter Brown Hoffmeister, Jugendbuch

Try until you fail, cry until you laugh.

Versuche es, bis du scheiterst, weine, bis du lachst.

Dieses Jugendbuch ist bewegend und vor allem, sehr wertvoll in seiner Botschaft an die lesenden jungen Menschen. Selbst der größte Rebell unter unseren pubertierenden Jugendlichen wird bei dem Buch ins Grübeln kommen. Und lesen werden die Teenager den Roman bestimmt, denn er ist einfach nur cool!

Peter Brown Hoffmeister hat mit seinem Debüt einen Jugendroman geschrieben, den man mit Don Winslows Thriller vergleichen kann. Alles, vom Stil, vom Aufbau und auch von der Leichtigkeit, mit der Hoffmeister seine eigentlich furchtbar tragische Geschichte erzählt, erinnerte mich an den genialen Don Winslow.

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Gerhard Henschel: SOKO Heidefieber, ein überregional Krimi

Ein fulminantes Werk, das jegliche Grenzen sprengt und alle genreüblichen Bestandteile enthält. Ein Kriminalroman, der wie ein ungebremster, mit Sprengstoff beladene Literatur D-Zug durch die bundesrepublikanische Landschaft rast. Dabei achtet der Autor auf sprachliche und regionale Genauigkeit auch wenn er seine Helden von Griechenland über die Türkei nach Albanien schickt. Gerhard Henschel der Autor hat keine Ängste vor großen Namen, so verarbeitet er die crème de la crème der Boulevardblätter, und auch das bekannteste deutsche Hotel das „Adlon“ mit verbaler Akrobatik. Die Morde an den Regionalkrimiautoren sind von seltener und überdrehter Schaurigkeit, sodass echte Gänsehaut nur von Lachsalven des Lesers vertrieben werden. Der Showdown am Ende des Romans ist von solch brachialer Gewalt, dass das Zwerchfell vor Erschütterung gut beherrscht werden sollte. Henschel erweist sich als echter Sprachakrobat. Weiterlesen