Kategorie: Buchbesprechungen

Was genau war früher besser? Michel Serres

Man kann dieses kleine wunderbare Buch keinen optimistischen Wutanfall nennen. Ich würde es eher als liebevolle Mahnung an die neue Generation sehen. Und als Entlarvung, der historischen Verklärungen stetig Gestriger. Mit vielen einfach einleuchtenden Beispielen zeigte Serres, wie gut es uns heutzutage geht und wie bescheiden das früher Bessere eigentlich war. Dabei bediente er sich einer schönen aber verständlichen Sprache. Was für einen Grandseigneur der französischen Philosophie nicht selbstverständlich war.

Ein Buch, das einem ein gutes, warmes Gefühl gibt, in gefühlt unruhigen Zeiten. Ein nicht zu bestreitend aufklärendes Büchlein für lesende Menschen jedes Lebensalter, vom Handy wischenden Jugendlichen bis zum frustrierten Rentner. Eigentlich sollte jeder es lesen, denn danach kann man eine bisschen freier atmen und sagen: Es ist viel besser heute, vor allem weil wir Frieden haben.

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Kerstin Ehmer: Die schwarze Fee

Eine Milieustudie die als Kriminalroman oder umgekehrt daherkommt. Mit ausführlicher Recherche im Berlin der 20er Jahre werden wir direkt in die tristen Wohnverhältnisse des Weddings versetzt. Da wo es Gemeinschaftstoiletten auf der Halbetage gab und es ewig nach Kohl und nassen Klamotten riecht. Kinder gibt es zu Hauf und die SPD hat noch die Genossen fest im Griff. Anarchisten aus Russland und Nazis machen ihr zu schaffen. Ein guter Genosse verschwindet und seine Freundin eine angehende Ärztin macht sich auf die Suche. Was in diesem Krimi betroffen macht sind die Schilderungen der viele Fälle von Syphilis. Ein Krimi stark im Ausdruck und in der Schilderung des Milieus. Weiterlesen

Alex Pohl: Eisige Tage

Worum geht es? Das neue Leipziger Ermittlerduo Hanna Seiler und Milov Novic gera-ten in ihrem ersten Fall in ein kriminelles Dickicht, in dem sie auch persönlich verwi-ckelt werden.
Leipzig, kurz vor Weihnachten und die Stadt erstarrt in Eiseskälte. In einem Auto am Elster-Saale-Kanal wird die Leiche eines Anwalts entdeckt. Teurer Wagen, teure Uhr aber abgetragener Anzug. Bald wird entdeckt, dass der Anwalt mal für die russische Mafia tätig war. Was erst nach einem Routinefall aussieht, entpuppt sich rasch nach einem undurchsichtigen Fall, der skandalträchtigen Hintergrund enthält. Denn im Besitz des Anwalts befindet sich Fotos von minderjährigen Mädchens, die schon seit Mo-naten vermisst werden, inklusive ein Mädchen, dass erst seit einer Woche vermisst ge-meldet ist. Während die Stadt in Kälte und Schnee versinkt, müssen die Ermittler eine düstere Welt betreten, in der schon die Jüngsten gefährliche Spiele treiben.
Von Weihnachtsstimmung keine Spur. Hanna Seiler und Milov Novic müssen sich einer noch schockierender Wahrheit stellen, die keiner je geahnt hätte. Weiterlesen

Die Stille des Todes, Eva García Sáenz

Das erste Buch der neuen Serie die in Victoria im Baskenland spielt, ist ein wahrer Volltreffer. Nicht nur in Spanien setzten sich die beiden Folgebände auf Platz eins der Bestsellerlisten, auch hier wird die Autorin mit ihren einfühlsamen und doch so brutal realistischen Thriller große Erfolge feiern.

Nicht nur die Protagonisten, wie Kraken mit seinem zwergwüchsigen Bruder und liebevollen Großvater wächst einem ans Herz, auch die Beschreibungen der Stadt Victoria und vor allem der ausgeklügelte Fall, vereinahmen jeden Thrillerfan. Super Spannung aus dem Baskenland!!! Wir warten mit Sehnsucht auf Band zwei und drei.

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Todesmal, Andreas Gruber

Jeder Band aus der Serie um die BKA Profiler Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez ist ein Erlebnis. Mit viel Freude haben bisher alle vier Bände besprochen und auch der neuste, Todesmal, hat es in sich. Andreas Gruber lässt es beim BKA so richtig krachen, als eine Nonne dort auftaucht, und behauptet jeden Tag einen Menschen zu ermorden, falls Sneijder nicht die Hintergründe aufdeckt oder eine große Pressekonferenz gibt. An Publikation der brutalen Morde ist das BKA natürlich nicht interessiert, so wird es für die beiden Serienhelden ein Wettlauf um die Zeit.

Spannend bis zum letzten Satzzeichen, wenn auch deftig. Man muss schon einiges wegstecken können und auch Blut sehen können, um den Thriller richtig zu genießen. Eine der ersten Adressen in Deutschland und Österreich, wenn es um prickelnde Krimis geht.

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Antonio Manzini: Ein kalter Tag im Mai, Rocco Schiavone ermittelt

Es hat schon seine Gründe warum die Romane mit dem schrägen, nicht ganz astreinen Vicequestore Schiavone so erfolgreich sind. Diese liegen in der menschlichen, ach so menschlichen Natur des Protagonisten. Dem italienischen Flair der Umgebung in der die Romane spielen und den Themen die in italienischen Romanen nicht fehlen dürfen: Mafia, Essen und die Liebe. Wer die erste Staffel: Der Kommissar und die Alpen im ZDF gesehen hat, wartet gespannt wann die Fortsetzung kommt. Bislang nur im Bezahlfernsehen.

 

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Helon Habila: Öl auf Wasser

Menschen die Umweltzerstörung hautnah miterleben sind die Menschen die Helon Habila beschreibt. Der sogenannte Fortschritt zerstört Lebensgrundlagen und ganze Gesellschaften. Die Machenschaften von Ölgesellschaften, die mit kriminellen Handlungen einhergehen sind in Nigeria besonders deutlich zu sehen. Das Öl, das ohne große Rücksichtnahme gefördert wird verseucht riesige Gebiete und zerstört Ökologie und Ökonomie. Banden die einen Teil vom Kuchen abhaben wollen setzen der Bevölkerung zusätzlich zu. Der vorliegende Roman gibt dazu tiefe Einblicke. Weiterlesen

Garry Disher: Kaltes Licht

Wenn man wieder in den Polizeidienst in Australien zurück will, scheint man das zu können. Sergeant Alan Auhl hat aber aufgrund seines Alters mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. Aber nach und nach erweist sich seine Erfahrung als Segensreich. Auch außerhalb des Dienstes ist er für manche Kolleginnen hilfreich. Ein Jahre altes Skelett, ein ungeklärter Mordfall und vergessene Geheimnisse treiben den alten Fuchs Auhl an die Grenzen. Dass er dabei manchmal auch außerhalb der Legalität wandelt scheint entschuldbar. Weiterlesen

Ein Leben und eine Nacht, Anne Griffin

Ein großartiges Stück Erzählkunst. Die kleine leise Geschichte eines irischen Lebens mit allen Höhen und Tiefen. Maurice Hannigan am Ende seines Lebens angekommen, blickt zurück auf die Liebe, die Schicksale, Dramen und glücklichen Stunden seines so scheinbar ganz normalen Lebens. Doch sein Leben war nicht normal, es war einzigartig, tragisch und glücklich zugleich.

Die Geschichte eines irischen Bauernjungen, die so wunderschön ist, dass man Tränen des Glücks vergießt, mit Maurice liebt, leidet und manchmal auch lacht. Vom erzählerischen ist die Geschichte so bewegend, dass sie für mich zu den Top Ten aller Familiengeschichten gehört, die ich je gelesen habe.

Ein ganz unglaublicher Roman. Lassen Sie das Buch, liebe Leser, nicht an sich vorbeiziehen!

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Dennis Lehane: Alles was heilig ist.

Wieder ein Krimi der mit Bostoner Lokalkolorit sehr spannend daherkommt. Das Ermittlerduo fällt von einem Extrem ins Andere. Das schnelle Geld lockt. Wenn ein schwerkranker und sehr reicher Mann um Hilfe bittet und mit 50.000$ winkt werden die zwei doch weich. Sie werden aber bald erkennen müssen, dass der Job lebensgefährlich für sie daher kommt.

 

 

 

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