Kategorie: Buchbesprechungen

Kerl aus Koks, Michael Brandner

Da ich kein Fernsehgucker bin, kannte ich Michael Brandner den Autoren und Schauspieler nicht. Mir, als Kind des tiefsten Ruhrpotts, gefielen der Titel und vor allem das geniale Cover des Buchs. Die Dame, die die Umschlagsgestaltung machte, hat mit dem Titelbild wohl das berührendste Cover kreiert, das ich je gesehen habe. Ein echtes Foto aus dem Archiv des Ruhr Museums. So begann ich die Lebensgeschichte von Paul zu lesen, die wohl aus zum Teil autobiographischen Zügen des Autors entstand, ohne recht zu wissen, was mich erwarten würde.

Mein Fazit der Erzählung von Paul Brenners Leben: Es ist ein wirklich schönes Buch, das ans Herz geht, manchmal erschreckt und dann auch wieder die Lachmuskeln aktiviert. Dabei ist es ganz egal, wie viel davon nun wahr ist. Es ist einfach eine schöne Geschichte, gut geschrieben und sehr lesenswert.

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111 Orte in der Krummhörn, die man gesehen haben muss, Hannah und Bernd Flessner

Nun, die Krummhörn ist nicht besonders groß, und daher nur eingefleischten Ostfrieslandfans wirklich bekannt. Die Ostfrieslandkrimis von Autorin Elke Nansen spielen in der Krummhörn und so sind einige der 111 Orte in der Krummhörn bereits in ihren Romanen erwähnt und beschrieben worden. Aber längst nicht alle, wie dieses Büchlein uns wissen lässt.

Da die Krummhörn immer eine Reise wert ist, sollten Sie den kleinen Reisführer über die 111 Orte mit in die Krummhörn nehmen. Denn es gibt so viele kleine Schätze zu entdecken, denen wird der berühmte Pilsumer Leuchtturm, der immer mit der Gegend verbunden wird, nicht gerecht. Also beim nächsten Urlaub in Emden, Greetsiel und Umgebung, haben Sie die richtige Reiselektüre mit dabei. Weiterlesen

Tillie Olsen: Ich steh hier und bügle

Es heißt, das Werk von Tillie Olsen enthält biographische Züge. Tatsächlich steckt von ihr und ihrer eigenen Lebensgeschichte zuviel in diesen Erzählungen, als dass man Werk und Vita der Autorin getrennt sehen könnte. Olsen wäre dieses Jahr 110 Jahre alt geworden. Sie war 1957, als ihr erstes Buch »Ich steh hier und bügle« erschien 45 Jahre alt. Und ich habe diese Autorin erst jetzt entdeckt!  Aber wie sagt man: lieber spät als nie. 65 Jahre später sind die Geschichten so aktuell, wie bei ihrer Erstveröffentlichung. Die Belastungen für berufstätige, alleinerziehende und unterdrückte Frauen – wie für die Mutter, Protagonistin in Olsens Geschichte sind nicht einfach zu bewältigen. Olsen schafft etwas sehr Bemerkenswertes: sie reduziert zwei Leben auf eine 11 seitige Kurzgeschichte. Sie arbeitet die Charaktere von Mutter und Tochter Emily fein heraus und offenbart deren Sorgen und Weiterlesen

Randy Leffingwell, Michael Furmann & Bob Ingram: Porsche Masterpieces

In diesem ebenso edlen wie hochwertigen Bildband präsentiert der Heel Verlag eine  Sammlung exquisit fotografierter und einmalig schöner Autos aus einer der wichtigsten Porsche-Sammlungen der Welt. Außergewöhnliche Porsche-Modelle, die in einmaliger Weise die Geschichte des Zuffenhausener Sportwagenherstellers nachzeichnen. Von den Anfängen bis zum Speedster, von den Porsche-Modellen mit Turbo-Triebwerk und den modernen Super- und Hyperautos. Ein phantastischer Querschnitt der mittlerweile mehr als 70 Jahre langen Porsche-Sportwagengeschichte mit z. Teil unveröffentlichtem Bildmaterial. Weiterlesen

Rüdiger von Fritsch, Zeitenwende, Putins Krieg und die Folgen

Der von Olaf Scholz formulierte Begriff „Zeitenwende“ trifft leider vollkommen zu. Folgerichtig hat Rüdiger von Fritsch, Autor dieses Buches und ehemaliger deutscher Botschafter in Moskau, diesen Begriff Zeitenwende aufgenommen. Hier in seinem Buch beschreibt er kompetent, im ersten Teil wie die Entwicklung zu diesem Krieg gewesen ist und im zweiten Teil die Folgen. In was für einer Welt werden wir morgen aufwachen? Wie wird Europa am Ende des Krieges dastehen. Was hat der rücksichtslose Krieg mit seiner unvorstellbaren brutalen Gewalt an dem Land der Ukraine und seinen Menschen verursacht. Das Ende der diplomatischen Verhandlungen und Friedens – Die Zeitenwende -.

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Ixta Belfrage, Mezcla, Kreatives Kochen mit Fusion und Twist

Man bekommt Bücher in die Hand und kann, wenn man die Sprache nicht spricht, mit dem Titel wenig anfangen. Doch ein Zusatz auf dem Umschlag von Yotam Ottolenghi „Eine Ausnahme-Köchin mit unerschöpflichen Ideen“ verführte mich zum Dranbleiben. Was bedeutet oder heißt „Mezcla“, das war das Erste, was ich herausfinden musste. Gut, dass es in der Einleitung gleich erklärt wurde. Mezcla ist das spanische Wort für Mix, Mischung, Gemisch und Fusion. Es wird sowohl für Essen und Kochen als auch für Musik und Kunst verwand. Und kochen ist doch auch eine Kunst! Als zweites welche Frage: wer ist eigentlich die Autorin mit dem sehr interessanten Namen „Ixta Belfrage“? Wer sich in der Köche- und Kochbuchszene auskennt, dem ist dieser auffällige Name sicherlich schon untergekommen. Denn Ixta Belfrage ist mit CO-Autorin von Yotam Ottolenghi`s Kochbüchern. Ottolenghi gilt zurzeit als der inspirierende Koch und ist für viele Feinschmeckerköche das kreative Vorbild.

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Gina Mayer: Ballet School

Was für mich Hanni und Nanni und Goldköpfchen waren, könnte für junge und jung gebliebene Leserinnen Ballet School, die neue Trilogie von Gina Mayer sein. Und Fans von »Find me in Paris« werden es lieben. Der erste Eindruck begeistert mich: zarte Pastelltöne in rosa-grün, metallisch glänzend, eine stilisierte Tänzerin in einem Blütenkleid und die Schrifttypen stehen einerseits für Tradition und andererseits für das hier und heute. Ein wirklich schön aufgemachtes Buch, dass die Erwartung schürt und – nicht enttäuscht. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, was sage ich, ich habe es verschlungen und freue mich auf die nächsten Bände. Das Ballett nimmt einen großen Raum ein, aber es geht um sehr viel mehr. Es ist eine Geschichte über Verlust, Trauer, aber vor allem über Freundschaft und die Kraft der Freundschaft. Es ist die Geschichte von besten Freundinnen im besten, positiven Sinne. April, Weiterlesen

Ottolenghi Test Kitchen, Extra Good Things, Wie ein gutes Essen großartig wird

Nach dem großen Erfolg von Ottolenghis Test Kitchen, Shelf love – „Wie räume ich Speiskammer und Kühlschrank auf“, nun das neuste Buch vom OTK  – Ottolenghis Test Kitchen, „Extra Good Things“. Gemeint ist, wie gutes Essen Großartig wird. Verständlicher erklärt: bereite oder koche ich Aromen-Mischungen, Gewürzmischungen, Topings, Pasten und Saucen zu und du wählst zu deinen Gerichten etwas davon aus und erhältst neue Geschmacksentwicklungen. Um diese Rezension zu vervollständigen, denn nicht jeder hat die Rezension von OTK „Shelf love“ hier im Eschborner Stadtmagazin gelesen, wiederhole ich nochmal den Einstieg dazu:

Wenn man Rezensionen verfasst, benötigt man immer einen guten Einstieg. Bei diesem Buch von Ottolenghi und seinem Team, dem OTK Ottolenghi Test Kitchen habe ich gleich drei verschiedene Aufmacher.

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Donna Leon: Milde Gaben, Commissario Brunettis einunddreißigster Fall

Die Redaktion des Eschborner Stadtmagazins sagt herzlichen Glückwunsch und das zweimal. Zunächst einmal gratulieren wir Donna Leon zum 80. Geburtstag und zum zweiten dem Verlag Diogenes zum 70. Geburtstag. Beide Geburtstage weisen auf ein stolzes Alter hin, voller Schaffenskraft und dem Wunsch der Leserschaft viele spannende und schöne Bücher zur Verfügung zu stellen. Donna Leon hat es Venedig und die Venezianer angetan denen sie intensiv auf die Finger und in die Seele schaut. Sie vermittelt uns Leser, die nicht eine gewisse Zeit in Venedig verbringen können, innere Gefühle der Stadtgemeinschaft. Nachvollziehbar wird auch der Unmut der im Venezianer wenn Horden von Touristen aus riesigen Kreuzfahrtschiffen die Stadt einfallen, Fotos machen und dann verschwinden. Dieser Tourismus schadet der Stadt und der Infrastruktur dieser Stadt. Donna Leon nimmt dies alles auf und vermittelt es mit ihren Büchern. Spannend sind diese Bücher alle Mal. Weiterlesen

Violeta, Isabel Allende

Violeta wird 1920 in Südamerika, als lang ersehnte Tochter der Patrizierfamilie del Valle geboren. Es ist das Jahr, in dem die spanische Grippe weltweit wütet. Hundert Jahre später, wieder ist die Menschheit in den Klauen einer Seuche gefangen, erzählt die alte Frau in Briefform dem geliebten Enkel Camilo ihre Lebensgeschichte. Violettas langes Leben mutet oft an, wie ein Blatt vom Winde verweht, ohne dass sie Einfluss nehmen konnte oder wollte. So werden die Zeitereignisse erzählt und dabei nicht unbedingt kommentiert. Eher nach dem Motto: So spielte das Leben mir einfach mit. Dennoch ist es eine Erzählung, die mir sehr gefallen hat und die wohl in solch einer Form auch meine Großmutter, die zwei Weltkriege erleben musste, hätte beschreiben können. Erwartet hatte ich ein so schönes Buch nicht, als ich zuvor die kritischen Rezensionen vom Deutschlandfunk, der den Roman als „verplauderte Huldigung einer Jahrhundertfrau“ und als ein Werk, welches „zu viel und zu wenig von allem bietet“, beschrieb. Auch die Süddeutsche und die FAZ stellten sich eher auf die kritische Seite. Was mich, wie gesagt sehr erstaunte.

Diese Erzählung ist es absolut Wert, gelesen zu werden. Daher halte ich es eher mit dem Daily Telegraph und unterstreiche den Satz: Ein wunderschön erzähltes Epos, fesselnd vom ersten bis zum letzten Satz.

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