Kategorie: Buchbesprechungen

Horvath und die verschwundenen Schüler, Marc Hofmann

Dass Marc Hofmann Lehrer ist, merkt man sofort und man vermutet, er hat einen ausgezeichneten Humor, um mit seinem Beruf umzugehen. So begegnet auch Hofmanns Protagonist, Gregor Horvath, seines Zeichens ebenfalls Gymnasiallehrer, den Widrigkeiten, Hormonüberschüssen und der völligen kurzfristig, pubertätsbedingten Verblödung seiner Schüler der elften Klasse mit stoischer Ruhe. Selbst wenn bei einer Klassenfahrt zu einer abgelegenen Scharzwaldhütte gleich in der ersten Nacht ein Schüler spurlos verschwindet. Als sich jedoch ein dubioses Rockerpärchen bei ihnen einnistet und draußen im Wald dunkle Gestalten herumschleichen, wird es selbst dem coolen Pauker zu viel. Er informiert seine Freundin oder doch besser Ex-Freundin Betty von der Kripo Freiburg, die auch sofort erscheint. Nur in dem Moment ist eine weitere Schülerin verschwunden. Jetzt wird es haarig für Horvath und so einfach kommt er aus der Nummer nicht mehr raus.

Geistreich, schlagfertig und mitten aus dem Schulleben geschrieben, lacht man bei diesem Krimi so manches Mal laut auf. Zusätzlich ist der Lehrer-Krimi, der in den düsteren Höhen des Schwarzwalds spielt, spannend und richtig spritzig!

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Cettina Vicenzino: „Toscana in meiner Küche”

Bei Kochbüchern versuche ich meistens mir erstmal über die Autorenbilder einen ersten Eindruck zu verschaffen. In dem Buch „Toscana in meiner Küche“ gibt es vielleicht ein bis zwei Bilder von Cettina Vicenzino. Dann aber versteckt und auch nicht beschriftet. Cettina Vicenzino hat es gar nicht nötig ihre Bücher mit hoch retuschierten Bildern zu schmücken. Ihre Art Kochbücher zu schreiben, besser gesagt, zu kreieren, spricht für sie! Sie schreibt nicht einfach Rezepte auf, sie beschreibt. Sie selbst sagt, meine Kochbücher sind Lesebücher. Die Rezepte muss man im Zusammenhang, mit den Geschichten und den Menschen, die dahinter sind, verstehen. Gleichzeitig kommt eine Ehrlichkeit dazu. Dafür kann man Cettina nur mögen. Ich nenne sie ab sofort nur noch Cettina, denn diese Seelenverwandtschaft braucht kein SIE! „Toscana in meiner Küche“ sie gibt zu, dass sie keine Toskanerin ist und die Rezepte nicht unbedingt traditionell sind. Weiterlesen

Mein Lieblingstier heißt Winter, Ferdinand Schmalz

Der Titel stand auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis, hat es aber nicht in die weitere Auswahl der Shortlist geschafft. Auch ist er nominiert für den Österreichischen Buchpreis. Ferdinand Schmalz schreibt eigentlich Theaterstücke, mit denen er schon einige Preise gewonnen hat. Mit Mein Lieblingstier heißt Winter hat er aus einem Kurztext einen Roman gemacht. Das Buch ist hochgelobt bei der Laudatio zum Ingeborg Bachmann-Preis. Also muss etwas an dem Roman sein. Vielleicht lesen oder versuchen sie ihn zu lesen, wie ich es versucht habe. Denn über Geschmack lässt sich streiten und meine Ansicht ist nicht das Epizentrum der Literaturkritik.

Der Roman ist auf jeden Fall abgedreht. Eine recht typische österreichische Satire, aber so anders und neu, wie es 1976 die Fernsehserie „Kottan ermittelt“ mit Bravour hinbekommen hat. Eigentlich genieße ich solche Satiren, doch Mein Lieblingstier heißt Winter ist für mich unglaublich schwer zu lesen. Es fühlt sich an, wie ein Theaterstück. Ein Kurztext, welcher aus Versehen ein Roman wurde. Aber bitte urteilen Sie selbst. Mein Lieblingstier heißt Winter ist einer unserer Beiträge zur Buchmesse 2021.

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Matt Rees: China Strike

Ein bizarrer internationaler Zwischenfall initiiert eine Jagd auf gefährliche und schwer zu fassende Cyber-Kriminelle. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Und auch wenn man erahnen kann, wie es endet, so gibt es doch unverhoffte Wendungen, die die Spannung vom Anfang bis zum Ende hochhalten und zu einem actionreichen Hacker-Thriller mit Realitätsbezug machen. Auch wenn Rees flott, in nahezu halsbrecherischer Geschwindigkeit, seine irre Story über Massen-Cyberangriffe in KFZ-Software erzählt, hat er die Handlung klug aufgebaut und zu einem realistischen Ende geführt. Sympathische, aus dem Leben gegriffene Personen begleiten den Protagonisten Verrazzona ebenso wie zum Teil extreme Figuren oder die nervige FBI Agentin Gina Jahn. Weiterlesen

Carsten Sebastian Henn, „Der Gin des Lebens“

Wem Carsten Sebastian Henn ein Begriff ist, weiß sofort, wer dort etwas schreibt und wo die Verbindung herkommt Kriminalroman mit einem Fachthema zusammen zu bringen, in diesem Fall mit Gin. Was macht guter Gin aus? Es sind nicht nur Krimis die er beschreibt. Zu seinem Fachthema gehört die Geschichte, die Herstellung, Zusammensetzung, Rezeptur und Cocktails, alles über Gin. Es ist unglaublich was dieser Mann über das Getränk Gin zu sagen weis. Und für die, denen Carsten Sebastian Henn nichts sagt, hier die Beschreibung des Autors.

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Eloísa Díaz: „1981“

In diesem Kriminalroman werden die Diktaturen in Argentinien sichtbar gemacht. Die Autorin versteht es einen Auftragsmord als Handlungshintergrund mit der politischen Situation Argentiniens zu verknüpfen. Dabei kommt die Spannung nicht zu kurz. Es wird aber deutlich, wie Menschen reagieren wenn ihnen die Lebensgrundlagen entzogen werden. Der Argentinische Staat hat 1967 mit der Diktatur von Jorge Rafael Videla angefangen sich in einen Strudel von Militärputschen zugrunde gerichtet. Dies hat die Familie des ermittelnden Inspektors hautnah zu spüren bekommen. Die Autorin hat es verstanden das Leben in Buenos Aires lebhaft zu vermitteln und über zivilen Ungehorsam intensiv nachzudenken. Weiterlesen

Christian von Ditfurth: Endzeit

Nun ist sie also zu Ende, die Serie mit dem eigenwilligen Kommissar Eugen de Bodt. Der Autor Christian von Ditfurth wäre nicht derselbe, wenn er in seinem Schluss Thriller wieder einige Gebäude zusammen stürzen, Hegelzitate bis zum abwinken zitieren würde und die Weltpolitik nicht ins Spiel brächte. Der Kommissar und die Bundeskanzlerin treten nun ab, wir die Zuschauer verfolgen atemlos was sich bis dahin tut und das ist ne ganze Menge. Von Ditfurth tut es nicht unter einem Weltuntergang um den Vorhang über diese ganze Serie von sieben Thrillern zu ziehen. Er verlangt aber auch einiges an Hirnleistung von seiner Leserschaft um die Machenschaften von Saudi-Arabien, Israel, USA und befreundete Staaten zu durchschauen. Schnallen Sie sich fest und begeben sich auf die Lesereise durch 448 Seiten Hochspannung. Weiterlesen

Hans-Ulrich Jörges: Stille Invasion

Bei dem vorliegenden Werk habe ich zunächst einmal nachgeschaut wer denn der Autor und wie seriös diese Berichterstattung ist. Die geschilderten Ereignisse die sich im September 1980 zugetragen haben sind ein beschämendes Beispiel dafür, wie sich die Mächtigen abstimmen, wenn ihre Kreise gestört werden. Wenn vorliegenden Unterlagen seinerzeit veröffentlicht worden wären, hätte dies eine grundsätzliche Umstrukturierung des politischen Parteiensystems gegeben. Es erscheint mir geradezu ungeheuerlich, dass sich die DDR in Berlin gegen ihre eigenen Genossinnen und Genossen gestellt hat. Dieses Treiben wurde auch noch von der BRD und den vier alliierten Mächten toleriert, obwohl Honecker und Mielke Stasi Truppen nach Westberlin schicken. Weiterlesen

Lilli Gruber: Der Verrat

Mit „Der Verrat“ von Lilli Gruber liegt der letzte Teil der Südtiroler Familientrilogie vor. Vorausgegangen waren „Das Erbe“, in dem die über die Grenzen Italiens hinaus bekannte Autorin und ehemalige Abgeordnete im Europäischen Parlament den Spuren ihrer Familie folgt, während „Der Sturm“, die Kriegsjahre ihrer Familie und Südtirols beleuchtet und die Zerrissenheit zwischen Separatismus und Zusammenhalt aufzeigt. In „Der Verrat“ stehen die 50er und 60er Jahre des letzten Jahrhunderts im Fokus. Man merkt, hier ist eine Zeitzeugin und überzeugte Europäerin am Werk, die von ihrer Verwurzelung in der Heimat angetrieben, aufzeigt, wie in einem europäischen Land die entscheidenden Weichen gestellt werden für eine friedliche gemeinsame Zukunft. Weiterlesen

Elke Nansen: Tödliches Rheiderland, Ostfrieslandkrimi

Ich weiß nicht, ob es ihnen auch so geht. Man hat ungefähr ein Gespür, wann etwas Wichtiges ansteht, wie zum Beispiel der nächste TÜV für das Auto. Oder wie in diesem Fall – Wann kommt das nächste Buch von Elke Nansen raus? Das müsste doch jetzt eigentlich sein. Ich bin fast süchtig nach diesen Ostfrieslandkrimis von Elke Nansen. Man fiebert diesem Termin schon fast entgegen. Und wenn er endlich da ist, will man der Erste im Buchladen sein. So geht es jedenfalls mir, wenn ich auf Elke Nansen‘s mörderisch, tödlichen Folgeband warte. Und dieses Mal heißt „Tödliches Rheiderland“. Das Land zwischen Ems und Dollart. Ein deutsch–niederländischer Landstrich. Wie könnte es anders bei Elke Nansen sein, Ostfriesland auf deutscher Seite und auf holländischer Seite in der Gemarkung Groningen. Weiterlesen