
Für eine so junge Autorin ist der Thriller wirklich gut geschrieben. Vor allem bereitet der Stil, in dem die Worte oft sehr gut akzentuiert gesetzt wurden, viel Freude beim Lesen. Auch die Protagonisten sind schillernde, lebhafte und auch exzentrische Personen. „Was ist mit Juliane Brunner passiert?“ Die junge Frau ist jetzt seit vier Jahren verschwunden, der Vater sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft und die Mutter quält sich mit einer schizoiden Depression, die immer öfter in Gewalt ausartet, herum. Anna, die jüngere Schwester von Juli, hält das Leben ihrer Mutter und vor allem ihres kleinen Bruders irgendwie zusammen. Sozialbauwohnung, Mittellosigkeit und das ständige Gefühl, überall begafft und bewertet zu werden, sind eine Sache, doch dass die Polizei die Familie immer noch nicht in Ruhe lässt, nagt am meisten an Anna. Gerade jetzt gab es einen Tipp von einem Mitgefangenen des Vaters. Er behauptet, Juli sei in der Wohnung der Brunners versteckt worden. Als im Keller unter dem Beton dann menschliche Knochen entdeckt werden, geht alles wieder von vorne los und auch Anna rückt immer mehr in den Fokus der Verdächtigen. Dabei ist sie gerade selbst dabei, das Verschwinden ihrer Schwester aufzuklären.
Ein wirklich solider und spannender Thriller, bei dem ich am Ende überrascht wurde. Zwar gibt es ein, zwei Dinge, die nicht ganz logisch sind und eher auf Teufel komm raus zum Schluss verknüpft werden mussten, doch abgesehen davon war die Geschichte rund und gelungen! Definitiv eine supersuperspannende Urlaubslektüre, die von mir eine klare Leseempfehlung bekommt!

Mit „Die letzte Predigt“ beweist Eva Almstädt erneut, dass die Nordsee weit mehr ist als eine eindrucksvolle Kulisse. Das Wattenmeer, der Wind und die weite Landschaft prägen nicht nur die Atmosphäre des Romans, sondern spiegeln auch die Menschen wider, die dort leben. Hinter der oft rauen Schönheit der Küste verbergen sich Tradition, Zusammenhalt, Eifersucht und verschwiegene Geheimnisse. Eva Almstädts Darstellungen der kleinen Dörfer, in diesem Fall Estherwiek und Umgebung, wo jeder jeden kennt und die Erinnerungen dort Jahrzehnte zurückreichen und nie ganz verschwinden. Wer so wie ich auch in so einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt das aus eigenen Erlebnissen: die wachen Augen und Ohren der Nachbarn, aber genießt auch die Vorteile des dörflichen Miteinanders. Es gibt Geborgenheit und Verlässlichkeit. Da passen zwei hintereinander auftretende Leichen nicht hinein.
Mit „Waldnacht“ startet Lina Bengtsdotter ihre neue Sakka-Pienni-Serie und entführt die Leser in einen düsteren, atmosphärischen, skandinavischen Krimi. Im Mittelpunkt steht die eigensinnige Ermittlerin Sakka Pienni, die in einem Mordfall im wohlhabenden Stockholmer Vorort Djursholm ermittelt und dabei nicht nur auf ein Netz aus Geheimnissen und Lügen stößt. Nichts scheint so, wie es dargestellt wird. Zumal Sakka Pienni als junge Frau selbst als Au-pair 4 Jahre in Djursholm gelebt hat und somit mit den Eigenheiten dieser sogenannten besseren Gesellschaft bestens auskennt. Lina Bengtsdotter gelingt es, eine spannende Mischung aus Ermittlungsarbeit, psychologischer Tiefe und nordischer Stimmung aufzubauen. Beeindruckend, wie es Lina Bengtsdotter gelungen ist, die vielschichtigen Figuren und die Art, wie sie Sakkas innere Konflikte mit der eigentlichen Handlung verknüpft.
Ewald Arenz’ Bücher erzählen von Liebe, Freundschaft, Familie, Verlust, nicht Verstandenwerden, Alleingelassensein oder älter werden, ohne anklagend nur situationsbedingte, sehr menschliche Gegebenheiten einfühlsam und deutlich, als hätte Ewald Arenz dieses alles selbst erlebt. Man ist als Leser leicht geneigt, den Autor in der Rolle der Protagonisten zu suchen oder zuzusehen. In seinem neusten Buch von Ewald Arenz „FÜNF, SECHS, SIEBEN, ACHT“ geht es um das Älterwerden, den Verlust des Jobs, die Flucht nach der Suche nach einer verlorenen Liebe und die Frage: Kann man das akzeptieren oder muss man kapitulieren? Ich selbst habe schon in viel geringeren Jahren erkennen müssen, dass die Jugend ihre eigenen Ambitionen hat, sich mit ihren Ansichten, und Argumenten durchzusetzen. Ich war tätig in einem großen Medienkonzern. Und von Zeit zu Zeit gab es Produktionssitzungen, bei denen natürlich immer die eine oder andere Nachwuchskraft dazugekommen ist und Ältere durch Positionswechsel oder Verrentung nicht mehr dabei waren. Ich war so an die 40 und ein junger Produktionsassistent hat uns sogenannten Erfahrenen erklärt, wo es langgeht. Ich war ganz perplex und habe nichts dazu gesagt. Zurück mit etwas Abstand habe ich mich gefragt: „War ich auch mal so?“ Ja! Eventuell sogar noch etwas forscher, ich wollte ja zeigen, dass ich es kann. Ewald Arenz hat in diesem Buch die Situation hervorragend dargestellt.
In ihrem ersten Band von Lilly Hess „Mord im Gepäck“ gelingt Lilly Hess mit ihrem Kriminalroman „Tote trinken keinen Riesling“ weit mehr als die klassische Suche nach einem Täter oder einer Täterin. Lilly Hess verbindet Spannung mit einer liebevollen Hommage an die Pfalz und schafft es dabei, eine Atmosphäre, die Leser von der ersten Seite sowohl in die Pfalz mitzunehmen als auch in den Bann eines spannenden Krimis zu entführen. Das Buch zeichnet sich auch besonders aus, durch den lebendigen Schreibstil von Lilly Hess, die ihre Figuren nahbar und glaubwürdig wirken lässt und dabei die jeweiligen Eigenheiten, Stärken und Schwächen betont, was dadurch sehr authentisch herüberkommt. Gerade die kleinen Marotten der einzelnen Protagonisten verleihen dem gesamten Buch Charme und Wärme. Lilly Hess lässt ihre Personen, wie im echten Pfälzer Landleben, sympathisch erscheinen, ohne sie zu idealisieren.
Ach nee, schon wieder ein Vegetarier-Kochbuch? Nein, ganz im Gegenteil, die vegetarische Küche wird immer wichtiger und viele der jungen Leute machen es uns bereit richtig vor. Auch bei meiner Generation hat sich mit dem Fleischkonsum einiges verändert. Einmal die Woche geht auch, ist gut für den Körper und schonend für Tiere und Umwelt. Die notorischen Dinosaurier am Fleischgrill kommen auch noch dahinter. Bei Frau Hiekmann geht es darum, das Beste aus Gemüse herauszuholen und vor allem keine Langeweile aufkommen zu lassen. Mit Pairing-Tabellen, die Saisongemüse mit Früchten, Kräutern, Gewürzen und jeweils einem raffinierten Trick zusammenbringen, hat man schon mal ein wunderbares Grundgerüst. Nun wird in Zubereitungsarten unterteilt: aus der Pfanne, dem Ofen, dem Topf, aus der Schüssel, auf die Hand und am Ende was Süßes. Was will man mehr? Die Rezepte sehen und hören sich lecker an und am wichtigsten für viele Küchenmeister: Es sollte nicht zu kompliziert werden. Sowohl Zutaten, als auch die Basics bekommt man in allen Läden und muss gar nicht erst in spezielle Asia- oder Biomärkte. Die ideale Sache für dieses Kochbuch ist wohl ein wöchentlicher Gemüsekasten direkt vom Bauern. Denn egal, was Saison hat, ein Rezept lässt sich in diesem Kochbuch finden. Und bei fast jedem der Gerichte wird Ersatzgemüse vorgeschlagen, wenn mal gerade keine Jahreszeit für Spitzkohl und Co. ist.