Schlagwort: Familiengeschichte

Die Annonce, Marie-Hélène Lafon

Das Buch Die Annonce gehört definitiv zur anspruchsvollen Literatur. Auch wenn die Geschichte so alt ist wie die Gesellschaft. Sie erzählt von der Not, der Qual, den Ängsten, Vorurteilen und auch Schuld einer Gruppe von Menschen, die versucht haben, ihr Leben so gut wie möglich zu meistern. Doch für zwei von ihnen ist der Zeitpunkt gekommen endlich etwas zu verändern, einem Zwang, einer Vergangenheit und vorbestimmten Zukunft zu entfliehen. Deshalb gibt der sechsundvierzigjährige Auvergne Bauer Paul eine Annonce auf:

„Landwirt, sanft, sechsundvierzig, sucht junge Frau, die das Land liebt.“

Und so kommt die aus erster Ehe völlig geschundene Annette mit ihrem elfjährigen stillen Kind Éric nach Fridières ans Ende der Welt. In Pauls Haus, das jedoch noch von seinen beiden alten Onkeln und seiner verhärmten zur Boshaftigkeit neigenden Schwester Nicole bewohnt wird.

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Film Pferde Stehlen, DVD

Ein ruhiger, fast stiller, doch wunderschöner Film. Für die hervorragende künstlerische Leistung erhielt der Film den Silbernen Bären. Und von dieser hervorragenden künstlerischen Leistung lebt der Film. Wunderschöne Naturaufnahmen, sanfte Gefühle und gelungenes Schweigen. Und wenn jemand mit dem Gesicht sprechen kann, ohne einen Ton über die Lippen zu bringen, dann ist es Stellan Skarsgård.

 

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Wie einmal ein Bagger auf mich fiel, René Marik

René Marik, da denkt man an die Handpuppen Maulwurfn und Froschn. Wie man sich gekringelt hat vor Lachen, bei seiner Show, am besten mit Barbara Schöneberger. Dann schreibt der Komiker ein Buch mit dem Titel, Wie einmal ein Bagger auf mich fiel – Eine Provinzjugend, und schon sind die Erwartungen gesteckt. Das muss eine lustige Autobiografie des Puppenspielers René Marik sein.

Weit gefehlt, denn dieses Buch ist ein ernstes, zum Teil dramatisches kleines Werk, bei dem ein Lachen des Öfteren vor Entsetzen im Hals stecken bleibt. Doch das ist auch der Charme dieses Buches. Denn es erzählt eine eher tragische Jugend mit einer Leichtigkeit und Authentizität, dass dem Leser die Bilder vor Augen stehen. Zwischen einem Schmunzeln muss man immer sehr tief Luft holen und am Ende auch mal traurig den Kopf schütteln. Sehr lesenswert, nur zu empfehlen.

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Ein Leben und eine Nacht, Anne Griffin

Ein großartiges Stück Erzählkunst. Die kleine leise Geschichte eines irischen Lebens mit allen Höhen und Tiefen. Maurice Hannigan am Ende seines Lebens angekommen, blickt zurück auf die Liebe, die Schicksale, Dramen und glücklichen Stunden seines so scheinbar ganz normalen Lebens. Doch sein Leben war nicht normal, es war einzigartig, tragisch und glücklich zugleich.

Die Geschichte eines irischen Bauernjungen, die so wunderschön ist, dass man Tränen des Glücks vergießt, mit Maurice liebt, leidet und manchmal auch lacht. Vom erzählerischen ist die Geschichte so bewegend, dass sie für mich zu den Top Ten aller Familiengeschichten gehört, die ich je gelesen habe.

Ein ganz unglaublicher Roman. Lassen Sie das Buch, liebe Leser, nicht an sich vorbeiziehen!

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Wo man im Meer nicht mehr stehen kann, Fabio Genovesi

Einer der entzückendsten Familiengeschichten, die ich je gelesen habe. Man muss den sechsjährigen Fabio einfach lieb gewinnen, genau wie seine zehn schrulligen Großväter, bei denen der Fluch der Manchinis bereits zugeschlagen hat. Denn jedes männliche Mitglied der Familie, das bis zum vierzigsten Geburtstag nicht heiratet, wird irgendwie verrückt. Doch der kleine Fabio profitiert von der Verrücktheit seiner Opas und lernt dadurch Dinge, die ein normaler Junge sonst nie lernen würde.

Die Geschichte ist wunderbar elegant und gleichzeitig mit einer kindlichen, liebevollen Naivität geschrieben, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann. Man lacht mit Fabio, vergießt ein paar Tränen und nimmt ein gehöriges Stück Lebensweisheit mit.

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Erika Swyler: Das Geheimnis der Schwimmerin; Interview mit Erika Swyler

66002648Swyler_Geheimnis_FIN.inddSimon Watson ist ein junger, erfolgloser Bibliothekar, ein Träumer und Romantiker. Er lebt in einem alten Haus an der Küste Long Islands und das Meer fordert seinen Tribut, denn mit jedem Tag, der vergeht, bricht ein Stück Küste ab und zerstört dieses Haus. So ist sein Haus, wie ein Synonym seiner Lebensgeschichte. Denn als er ein altes Buch zugeschickt bekommt, in dem es anscheinend um seine Familie geht, bröckelt auch seine Existenz langsam und wird in die Fluten gespült. Das Geheimnis seiner Mutter, die sich im Meer das Leben nahm, als er noch ein kleiner Junge war und das Schicksal seiner jüngeren Schwester offenbaren sich, mit jeder Welle, die auch ihn fortspült. Dieses wunderschöne geschriebene Buch erinnert an Danielle Wallace Roman Big Fish, der mit Evan McGregor 2003 verfilmt wurde. Bestimmt ließ sich die Autorin davon inspirieren, denn einer ihrer Hauptprotagonisten heißt Amos, wie der Zirkusdirektor in dem Film.

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