Schlagwort: Frankreich

Geschichte des Sohnes, Marie-Hélène Lalon

Die Geschichte des Sohnes ist keine ungewöhnliche Erzählung aus der Zeit zweier Weltkriege. So oder ähnlich erging es wahrscheinlich vielen Familien. Der früher Tod eines Kleinkindes, gefallene Ehemänner, Brüder, Väter und ungewollte Schwangerschaften, uneheliche Söhne, die nur durch den Familienzusammenhalt zu guten Menschen heranwachsen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist Marie-Hélène Lafons Schreibstil, ihre virtuose Kunst eine banale, fast einfache Geschichte so zu erzählen, dass einem die Tränen kommen, dass man weiterlesen muss. Am Ende der Erzählung, die mit der dritten Generation endet, schlägt man das Buch zu und ist glücklich. Glücklich darüber, an der Geschichte der Familie Léoty und Lachalme als Beobachter teilgenommen zu haben.

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Pierre Lemaitre: Die Farben des Feuers

Pierre Lemaitre würzt die ohnehin an Katastrophen reiche Zwischenkriegszeit, in der er seine figuren- und handlungs-reiche Geschichte ansiedelt. Mit Intrigen, die er um das Erbe der im Mittelpunkt stehenden Bankiers-Familie Péricourt entspinnt und einem Rachefeldzug einer betrogenen Frau, als Antwort für die Neider, die auf das Verderben der Familie hinarbeiten. Er bestätigt erneut, dass er mit Ironie und immer wieder neuen Wendungen einfallsreich Spannung und intelligente Unterhaltung erzeugen kann und die Handlung durch Wechsel zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven flott und plausibel forciert, während im Hintergrund Börsenkrach, Korruption, Steuerbetrug, soziale Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime die Weltpolitik bestimmen. Für den Titel hat Lemaitre eine Verszeile aus dem Gedicht „les lilas et les rose“ (1941) von Louis Aragon gewählt und dem Roman ein Zitat von Jakob Wassermann aus „Der Fall Mauritius“ vorangestellt: „Es gab, genau besehen,  nicht Gute und Böse, Ehrliche und Schwindler, Lämmer und Wölfe, es gab nur Bestrafte und Unbestrafte, das war der ganze Unterschied.“ Lemaitres Charaktere sind lebendig und vielschichtig – namentlich Paul und Madeleine. Nicht alle Protagonisten sind charmant oder liebenswert, manche gar abstoßend. Aber auch bedingt dadurch, entsteht ein äußerst lesenswertes, aussagekräftigtes Sozialepos der 1930er Jahre in Frankreich, bei dem vor allem die Oberschicht nicht gut wegkommt. Weiterlesen

Das versunkene Dorf, Olivier Norek

Ein grandioser Krimi, der fast schon ein Thriller ist. Olivier Norek ist eine Neuentdeckung, bei der man an die Anfänge von Jean-Christophe Grangé denken muss. Man merkt dem Autor seine Jahre bei der Polizei einfach an, denn die Charaktere sind echter als echt!

So ist der Roman um die drei verschwundenen Kinder und dem alten Dorf, das im Stausee verschwand regelrecht mitreißend. Ein Krimi par excellence!

 

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Marie-Pierre Moine, Gui Gedda: Die Küche der Provence

Fast jeder kennt den Begriff Provence.  Auch wenn man noch nicht da war, verbindet man es mit Bildern aus den Medien, die unendlichen lila Lavendelfelder, soweit das Auge reicht. Doch wo liegt es denn wirklich.  Die Provence liegt im Süden Frankreichs und grenzt an Italien. Was beide Länder gegenseitig kulturell befruchtet hat. Im Westen grenzt es an das Rhone-Delta mit seinen Roseweinen, im Süden liegt es an dem Mittelmeer und beschert der provenzalischen Küche ihren Fischreichtum und im Norden wird die Provence von den Haut-Alpes eingeschlossen. Die klassische französische Küche, sowie die daraus entstandene Novelle Cuisine ist uns über Paris bekannt. Doch die Provence hat immer ihre eigene beständige Küche behauptet. Weiterlesen

Martin Walker: Französisches Roulette, Der dreizehnte Fall für Bruno, Chef de police

Was hat der Tod eines Schafzüchters im Périgord dem Ukrainekonflikt gemeinsam. Diese literarische Schere schließt Martin Walker in bekannt raffinierter Weise. Dabei bringt er natürlich wieder Gerichte und Landschaft des Périgord werbewirksam mit ins Spiel. Wie immer lässt Walker seinen Helden „Bruno Chef de Police“ ein paar Gerichte kochen und macht damit der Leserschaft den Mund wässrig. Auch in diesem Roman des schottischen Schriftstellers, hat der Held es mit internationalen Verbrechern zu tun und muss auf sein regionales Netzwerk zurückgreifen das vom Bürgermeister angefangen hin zu Restaurantbesitzern geht. Nebenbei erklärt uns der Autor die Hintergründe des Konflikts der Ukraine mit Russland. Weiterlesen

Film: Play, DVD und Blu-Ray, Constantin Film

Unverfälschter kann ein gemeinsames Leben gar nicht dargestellt werden, als wenn es mit einer Kamera aufgenommen wurde. Mit dreizehn im Jahr 1993 bekommt Max seine erste Kamera. Für die nächsten fünfundzwanzig Jahre wird sie ihm ein ständiger Begleiter. Vor allem, um seine drei besten Freunde, allen voran Emma, aufzunehmen. Von der ersten Party, über den Verlust des Vater bis hin zur ersten Liebe. Doch selbst als Erwachsener, bei der Geburt seiner Tochter Lou, ist die Kamera immer dabei. So auch im größten Moment in seinem Leben, hält er ihn auf Film fest. Er sagt Emma endlich, was er seit seiner Kindheit schon immer sagen wollte.

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Dieter Aurass: Rheinlandbastard

Bislang kam die Zeit um 1920 und das Rheinland in dieser Zeit wenig in Kriminalromanen vor. Deutschland hatte den Krieg verloren und musste hohe Reparationszahlungen an Frankreich leisten dass es im Krieg verwüstet hatte. Da Deutschland zahlungsfähig war besetzte Frankreich das Rheinland. Zu den Besatzungssoldaten gehören auch Afrikaner.Das sorge für Zündstoff. Der Roman spielt Koblenz das durch die Festung Ehrenbreitstein dominiert wird. Hier sitzt der französische General der durch Morde an seinen Soldaten aufgeschreckt wird. Er veranlasst das sein Mordermittler mit einem deutschen Kommissar zusammenarbeitet. Je mehr Morde passierten desto enger wird die Zusammenarbeit zwischen den Mordermittlern. Der Autor zeigt uns, wie die Menschen in dieser Zeit dachten und handelten. Die aufkommenden faschistischen Tendenzen bleiben dabei nicht unberücksichtigt. Gut recherchiert und mit Sicherheit werden wir von den beiden Ermittlern noch lesen. Weiterlesen

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand

Frankfurt 1959, in dieser noch vom Krieg zerstörten Stadt, tummeln sich Kriegsgewinnler Geheimdienste und andere üble Gestalten. Einen Bombenanschlag auf einen Waffenhändler in Frankfurt nimmt der Autor zum Anlass, daraus eine auf Tatsachen beruhende spannende Geschichte zu schreiben. Die rote Hand hat tatsächlich existiert. Es war der Deckname des französischen Geheimdienstes, der in Deutschland Waffenschieber und Waffenhändler bedroht hat, die Waffen an die algerische Widerstandsbewegung geliefert haben.  Eine spannende Geschichte die in einer Atmosphäre spielt, die jeder der in Frankfurt einmal gelebt hat, nachvollziehen kann. Weiterlesen

Martin Walker: Connaisseur; Der zwölfte Fall für Bruno, Chef de police

Wieder gelingt es dem Autoren einen spannungsgeladenen Roman abzuliefern, der auch als Reiseführer und auch als Kochbuch Verwendung finden kann. Es ist die unnachahmliche Art wieder Schotte Walker seine Geschichte erzählt und dabei immer tiefer in die Geschichte Frankreichs, und die Art des Lebens im Périgord eindringt. Wie immer, wenn Bruno recherchiert, tauchen die vertrauten Freunde aus den vorhergehenden Romanen auf und sind an den Lösungen der Fälle beteiligt. Es ist immer wieder eine Freude, in diesen Zeiten, in denen man nicht reisen kann, sich virtuell in anderen Landstrichen und Gesellschaften zu bewegen. Weiterlesen

Film: Gelobt sein Gott, DVD und Bluray

Missbrauch in der Katholischen Kirche. Von allen beleuchtet, in Büchern verfasst und nicht das erste Mal auf eine Filmleinwand gebracht. Warum ist aber dieser Film so besonders? Weil in diesem Film die ehemaligen missbrauchten Kinder nicht als Opfer stigmatisiert werden, sondern mutig kämpfen, um etwas zu bewegen. Weil der Täter nicht leugnet und alles abstreitet, sondern über ihn die schützende Hand der Organisation Kirche  gehalten wird. In diesen Film geht es um die Firma Kirche, die sich vor ihre Pädophilen Geistlichen stellt, ignoriert und aussitzt, obwohl die Taten bekannt und zugegeben waren. Er stellt die strikte, blinde Hierarchie der Kirche in Frage! Auch wenn der Papst versprochen hat alles zu tun, um gegen den Missbrauch anzugehen und den Opfern zu helfen, scheint das bei einigen Bischöfen und Kardinalen noch nicht angekommen zu sein. Weiterlesen