Jan Weiler: Der Markisenmann

Eine berührende Geschichte die der Autor Jan Weiler uns da erzählt. Von Gefühlen einer 16 Jährigen, die wilden Protest schiebt bis es zur Eskalation kommt. Der Autor bringt uns aber auch den Ruhrpott näher und zu den darin lebenden Menschen mit ihren Eigenheiten und Vorlieben. Erzählt wird auch über Freundschaft und deren zerbrechen. Die DDR Vergangenheit und der Druck des Systems auf Menschen halten viele nicht aus und fliehen. Das wird nach und nach deutlich je tiefer man in die Handlung des Romans eindringt. Hier der verschrobene und scheinbar antriebslose Markisenverkäufer und an seiner Seite seine Tochter die vor leben strotzt. Weiterlesen

Talberg 2022, Max Korn Trilogie

Endlich ist der dritte Band der Talberg Trilogie erschienen. Wie ich schon bei der Besprechung von Band zwei anmerkte, ist die Serie eigentlich keine richtige Trilogie. Es sind drei Bücher die Verbrechen in dem gleichen Dorf mit denselben Familien erzählen, nur jeweils immer über vierzig Jahre voneinander getrennt. Es handelt sich um unerwartete, dunkle Geheimnisse, die eigentlich nur wenige gleiche Nenner haben. Einer davon ist Talberg selbst, ein Dorf voller Bosheit, Wut und mörderischer Energie. So vergräbt der Wald unter dem Berg Veichthiasl seine Leichen gut. Es sei denn ein Orkan, wie in 2022 geht über Talberg nieder und der Erdrutsch spült das Skelett eines Kindes wieder ans Licht.

Talberg 1935, 1977 und auch 2022 sind mitreißende Kriminalromane, die zum Teil Familiengeschichten zum Teil düstere, ländliche Sozialstudien beinhalten. Eines sind sie auf jeden Fall, sehr spannend und lesenswert.

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Curry, die 120 besten Rezepte von Indien bis Afrika, Vivek Singh

The Guardian: Die besten Currys aller Zeiten: Curry als Gewürz und später als süßlich, scharfes Gericht mit Lamm oder Geflügel und Früchten verfeinert haben die britischen Koloniallisten von Indien mit nach England und somit nach Europa gebracht. Doch wer mal den indisch-asiatischen Raum bis hin in die Südsee bereist hat, wird sie kennen, die Buden oder Garküchen an den Straßen oder besser gesagt, an den noch nicht mal befestigten Wegen. Zum Teil sehen sie auch nicht vertrauenserweckend aus, aber genau da, ja richtig genau da, sollte man hingehen und das „Curry of he day“ genießen. Die Zutaten sind meistens nicht zu erfahren, ein Curry of the day, ist eine Mischung von dem was man hat. Sie werden überrascht sein, wie köstlich es schmeckt und dass es keine Verdauungsprobleme gibt. Denn alles was richtig durchgegart ist, verträgt unser Organismus. Ich bin nie enttäuscht worden und würde sie auch jederzeit dort mit hinnehmen. Allein das Verbreitungsgebiet mit den vielen ethnischen Unterschieden zeigt die Vielfältigkeit von Currys.

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Axel Simon: Thronfall

Wir haben das ausgehende 19. Jahrhundert, Bismarck verteidigt noch immer den Erhalt der Sozialistengesetze obwohl Sozialdemokraten schon im Reichstag sitzen. Wilhelm II ist Kaiser und neu im Amt. Eine Gruppe von Terroristen plant ein Attentat. Der Privatermittler Landow, eine schräge Gestalt mit dem Hang zur Trunksucht, aber dem untrügliche Gefühl für gefährliche Situationen will dies verhindern. Keiner nimmt ihn ernst obwohl Indizien bevorstehenden Anschlag hinweisen. Spannungsgeladenen, aber auch ironisch geschrieben, hat dieser Roman das besondere Flair des wilhelminischen Kaiserreichs. Wagnersche Hintergrundmusik und bebelsche Forderungen zur Emanzipation der Frau machen diesen Kriminalroman zu einem Lehrstück wie historische Kriminalromane sein sollen. Weiterlesen

Fuchsmädchen, Maria Grund

Fuchsmaedchen von Maria Grund

Wieder ein schwedisches Thrillerdebüt. Und warum auch nicht, denn der hohe Norden hat nun einmal die besten Krimis und Thriller. Maria Grund beginnt ihre Serie mit den Kommissarinnen Eir und Sanna, zwei nicht ganz einfache Frauen mit mächtig viel Lebensballast auf den Schultern, und dem Selbstmord eines sechzehnjährigen Mädchens. Für Sanna, die sich auf ihre Intuition verlässt, ist etwas falsch an dem Suizid, und als man bei der Leiche eine Fuchsmaske findet, bestätigt sich ihr Verdacht. Denn kurze Zeit später wird die grausam verstümmelte Leiche einer sehr reichen Frau gefunden. Ausgerechnet in ihrem Haus gibt es ein Gemälde, das ein rothaariges Kind mit Fuchsmaske zeigt. Doch sie ist umgeben von anderen Kindern mit Masken. Wer sind diese Kinder, wo ist der Ehemann der Toten hin verschwunden und wann malte die Künstlerin das Bild, wenn sie doch schon seit Jahren tot ist.

Ein gutes Debüt, das kurze anfängliche Längen hat, doch im zweiten Drittel richtig aufdreht. Komplizierte aber glaubwürdige Ermittlerinnen, eine kalte abgelegene Insel, Teenager, die im Kindesalter Schreckliches durchmachen mussten und ein Schweigen, das kaum zu brechen ist. Beide Daumen hoch für den Start der Reihe und ein ungeduldiges Warten auf den zweiten Teil, Rotwild, der im Januar 2023 erscheinen wird.

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Andrea Weidlich: Wie Du Menschen loswirst, die Dir nicht guttun, ohne sie umzubringen

Stünde im Titel nicht „ohne sie umzubringen“ hätte man die Lösung schnell zur Hand. Wir kennen solche Szenarien aus Krimis: ein schön, aber abseits gelegenes Hotel – eigentlich geschlossen.  Pandemie-bedingt, was auf die Aktualität verweist, in dem eine Gruppe von Menschen zusammen kommt und sich vor eine Aufgabe gestellt sieht. In Andrea Weidlichs neuestem Buch gilt es sich von toxischen Menschen zu befreien. Initiatorin dieses Experimentes ist Charly, eine Freundin von Andrea Weidlich, die nicht nur die Autorin der Geschichte ist, sondern sich selbst auch eine tragende Rolle darin geschrieben hat. Nämlich die der Autorin Andrea Weidlich. Charlys Einladung sind nicht alle gefolgt, aber Adrian, Marie, Isa, Daniel, Andrea und ihr bester Freund Lukas. Begleitet wird das Experiment von Paul, Charlys Therapeuten. Weiterlesen

Einfach griechisch Kochen, Katerina Dimitriadis, Käts Lieblingsrezepte aus ihrer Heimat

Haben sie gewusst, dass der deutsche touristische Aufschwung auf Mallorca erst eingetreten ist, nachdem sich ein spanischer Gastronom nach Deutschland begeben hatte, dort die deutsche Kultur und Gastronomie sich angesehen hatte und daraufhin in seinem spanischen Lokal Schnitzel und deutsches Bier anbot. Von da ab war der Zustrom der deutschen Urlauber nicht mehr zu stoppen. Die Erkenntnis daraus ist, auch wenn wir in die Fremde reisen, wollen die Menschen trotzdem ihre Heimatküche genießen. Umgekehrt und daher auch dieses Buch ging es Katerina Dimitriadis. Ihre Eltern sind als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Die Mutter hat die griechische Küche ihrer Heimat weiter gekocht. Katerina Dimitriadis nennt sich selbst Kät. Dann machen wir das jetzt auch. Also, Kät aufgewachsen in Deutschland, wollte als junges Mädchen, genauso wie ihre deutschen Freundinnen, lieber Schnitzel als griechische Küche.

Erst die Besuche in der Heimat ihrer Eltern, bei den Großeltern haben sie zu ihrer eigentlichen Herkunft gebracht. Und daher ihre Liebe und Heimatverbundenheit zur griechischen Küche.

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Wolfram Fleischhauer: Die dritte Frau

Ein historischer Kriminalroman der sich mit einem der rätselhafteren Bilder im Louvre beschäftigt, auf dem zwei Frauen in einer Badewanne zu sehen sind, bei der die eine Dame der anderen an die Brust fast. Beide Frauen sind Mätressen des Königs Heinrich IV die kurz vor der Verehelichung verstorben sind. Der Autor des Buches, der Protagonist des Romans, versucht mithilfe einer Erbin herauszufinden, wo was es mit diesem Bild auf sich hat. Die Fahndung nach belastbaren Unterlagen erweist sich als äußerst spannend und stürzt den Protagonisten in sich immer schneller drehenden Strudel von Ereignissen die dann in ein Finale furioso mündet. Der Roman ist außergewöhnlich gut recherchiert und man blättert sich wie bei einer Zwiebel langsam zum Kern vor. Weiterlesen

Terra di Sicilia, Mario Giordano

Im Jahr 1880 wird in dem kleinen ärmlichen Dorf Taormina auf Sizilien Barnaba Carbonaro geboren, den man später einfach Nino nennt. Trotz bitterer Armut, Analphabetismus, dem langen Arm der Mafia und einer überaus schwierigen Mutter, gibt es zwei Dinge, die Nino ständig tut: Rechen und darüber nachdenken, wie er reich werden kann. Und so erfahren wir auf wunderbaren 544 Seiten nicht nur, wie Nino aufwächst und sein Leben lang nie Lesen und Schreiben lernt. Wir erleben seinen Aufstieg zum Lebemann und geachteten Zitrushändler in München. Erfahren das er insgesamt vierundzwanzig Kinder zeugt, einen Mann tötet, ein Vermögen verdient und alles wieder verliert. Am Ende seines Lebens kehrt er zurück nach München zur Familie, die nicht ahnt, dass ihr Nonno, der Patriarch, völlig mittellos ist.

Wunderschön geschrieben, lässt das Buch trotz aller harten Schicksalsschläge und zum Teil brutalen Erfahrungen, die über Ninos Leben erzählt werden, den Leser mit einem Lächeln und zufriedenen Seufzen zurück. Eine Mischung aus Familiensaga, Märchen, Dokumentation, kleines Lexikon der Zitrusfrüchte und Feuerwerk.

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Susanne Popp: Der Weg der Teehändlerin

Um es vorwegzunehmen: man muss den ersten Teil dieser Familiensaga um die Tee-Dynastie Ronnefeldt nicht gelesen haben, um den letzt erschienenen zweiten Teil zu verstehen. Aber es wäre schade. Zum einen,  weil  der dritte Band für das Frühjahr 2023 angekündigt ist. Zum anderen, weil es sich bei Susanne Popps Geschichte um eine mitreißende, flott geschriebene Geschichte im Frankfurt des 19. Jahrhundert handelt. Und was die Geschichte noch spannender macht ist, dass das Teehaus Ronnefeldt heute noch existiert. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, Dichtung und Wahrheit zu einer stimmigen Geschichte zu verweben. Dank der ausführlichen Recherche und den daraus resultierenden Schilderungen gelingt es der Autorin, Weiterlesen