Für ein Thema, in dem es um einen gewalttätigen Vater geht, der an einer drogeninduzierten, chronifizierten schizoaffektiven Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp, erkrankt ist, fällt es regelrecht auf, wie leise der Film ist. Wie weich und zart, die Annäherung der Tochter an den Vater vonstattengeht und wie sehr die Kamera dabei eine Rolle spielt. Denn sie ist sowohl Garant einer Realität, die aufgenommen wird, als auch der notwendige Abstand, der vor allem am Anfang, der wieder aufgenommenen Beziehung, zwischen Jelena und ihrem Vater Detlef steht.
Als Jelenas Mutter Detlef heiratet, ist er bereits psychisch krank, sie weiß das jedoch nicht. Für sie ist es die große Liebe. Als sie ihn das erste Mal in einer psychiatrischen Klinik besuchen muss, ist sie bereits hochschwanger. Eine sehr schwierige Zeit für die junge Mutter und sie beschreibt es so:
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
»Er ist der Mann, in den ich mich verliebt habe, aber auch ein Monster. Er ist der gefährlichste Mensch auf der Welt, wenn er psychotisch ist …« Denn Detlef tritt, immer wieder in Phasen, wenn er auf Alkohol ist, Drogen genommen hat und in eine psychotische Episode gleitet, die Tür seiner Ex-Ehefrau ein und bedroht die Familie. Jelena ist beim ersten Mal ein Baby, dann erlebt sie es als Kind und das letzte Mal ist sie sechzehn Jahre alt.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
Zehn Jahre ist Detlef auf Amphetamin, bevor er derart gewalttätig wird, dass er jemanden verletzt und in den Maßregelvollzug kommt. Das damalige Gefühl seiner Tochter wird als Erleichterung beschrieben: Er ist eingesperrt, er kann uns nichts tun!
Schon immer malte der psychisch kranke Mann, besonders in den Kliniken. Später dann zu Hause und immer schienen seine Bilder einem Horrorkabinett entsprungen, wie er es selbst ausdrückt. Tiefe, schwarze Todesfantasien und fast apokalyptische Bilder der Verwirrung, wie sie oft von psychisch Kranken gemalt werden, prägten Jelenas Kindheit und Jugend genauso wie die Gewaltexzesse ihres Vaters.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
Als man ihn dann für fünf Jahre wegsperrte, fühlte die junge Frau endlich eine Art Ruhe, denn sie wusste, wo er war und dass er nicht auftauchen kann. Jedoch ist es auch die Zeit, in der sie wieder Kontakt mit ihm aufnimmt. Sie sprechen am Telefon und schicken sich eine Art Comicbuch hin und her, in das beide zeichnen und ihre Erlebnisse mit sich selbst und gemeinsam festhalten. Bei dem persönlichen Wiedersehen ist es jedoch die Kamera, die beide irgendwie schützt. Die Kamera scheint eine Art Vermittler zwischen den beiden zu sein, ohne die es für mich fragwürdig gewesen wäre, ob ein so vorsichtiges Wiederfinden einer Vater-Beziehung für Jelena überhaupt möglich gewesen wäre.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
Trotz aller Annäherung, ist diese Zeit von Unsicherheit geprägt, denn Jelena wusste nie, wann er aus dem Maßregelvollzug herauskommt. Das wurde Jahr für Jahr neu geprüft und bewertet. Als es dann soweit ist, klingt die Stimme der Filmemacherin unsicher mit einer gewissen Angst im Unterton. Die nächsten fünf Jahre wird Detlef auf Bewährung entlassen und im betreuten Wohnen untergebracht. Dort teilt er sich eine Wohnung mit einem Mitbewohner, der ihm durch die Forensik zugewiesen wurde. Für Jelena ist es ein gewisser Eiertanz, denn die Gefahr, wieder in die Psychose, in die Depression abzudriften, wird bei ihrem Vater nie mehr vergehen. Aber er muss jetzt eigenständig die Warnzeichen erfassen. So weist er sich das erste Mal selbst in eine Klinik ein, als die Depression zu groß wird. Als er zurückkommt, geht es ihm besser und auch die Beziehung zwischen Tochter und Vater scheint stärker zu werden. Doch dann kommt plötzlich ein weiterer Schlag für die beiden: Krebs wird bei Detlef festgestellt.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
Das Kinodebüt der Filmemacherin Jelena Ilić ist ein von Gefühlen geprägter Dokumentarfilm. Und die Bandbreite reicht von Wut, Angst und Misstrauen bis zu Wärme, Zärtlichkeit und Liebe. Doch man findet diese Gefühle meistens nur zwischen den Zeilen angedeutet, eher aber beim Spiel der Protagonisten mit der Kamera. Auch die animierten Zeichnungen der beiden sprechen in ihrer ganz eigenen emotionalen Tonlage. Es ist ein sehr persönlicher und intimer Film, der beim Zuschauer ein weiches Gefühl hinterlässt.
Szenenbilder: ® Copyright EKWEG-©-Made-in-Germany-Filmproduktion-_-mindjazz-pictures-Filmstill
Die Quintessenz, die für mich den Film auf den Punkt bringt, wird am besten durch diesen kurzen Dialog aus dem Film zusammengefasst:
Zitat aus dem Film:
Detlef, der Vater, fragt: »Wie kommst du klar mit so einem Vater?«
Jelena, die Tochter, antwortet: »Mal mehr, mal weniger gut.«
Es musste ja passieren und mit Recht, das Backbuch zu den Romanen von Maria Nikolai „Die Schokoladenvilla“. Schon beim ersten Durchblättern von „Die Schokoladenvilla-Backstube“ hatte ich das Gefühl, nicht einfach nur ein Backbuch in den Händen zu halten, sondern in die Welt von Maria Nikolai zurückzukehren. Das Buch verbindet über 50 süße und herzhafte Rezepte mit Bildern, Anekdoten, Interviews, ausgewählten Textpassagen und der erstmals veröffentlichten Geschichte „Böhmische Sinfonie“. Für mich entsteht dadurch ein liebevoll gestaltetes Lese- und Backvergnügen, das weit über eine gewöhnliche Rezeptsammlung hinausgeht.

Sie weiß nicht, wer sie ist, er schon. Ein Survival-Thriller zwischen tödlicher Natur und wissenschaftlichem Ehrgeiz. Mit „Die Gejagte“ legt René Anour einen spannungsgeladenen Thriller vor, der seine Hauptfigur Jess ohne Erinnerung, verletzt und in Handschellen mitten im Dschungel erwachen lässt. In unmittelbarer Nähe befinden sich ein schwer verletzter Mann und die Spuren eines Flugzeugabsturzes. Bevor Jess ihre Lage begreifen kann, wird aus der Hoffnung auf Rettung eine gnadenlose Verfolgungsjagd. Von diesem Moment an verbindet der Roman das Rätsel um ihre Vergangenheit mit einem kompromisslosen Kampf ums Überleben.
Die Gegner: „Camping ist nichts für mich!“ Im Zelt oder Wohnmobil ohne eigene Toilette: Nein! Die Gegenargumente der Camper: Man fühlt sich frei! Man kann jeden Tag mit seinem Wohnmobil in eine andere Stadt oder in ein anderes Land wechseln. Man findet überall schnell neuen Kontakt! Haben sie gewusst, dass ein großer Teil der Camper jedes Jahr zu dem einen Campingplatz fährt und schon in Erwartung ist, die Nachbarn vom letzten Jahr wiederzusehen, und das meisten bereits über 20 Jahre lang. Doch was passiert, wenn plötzlich der Campingplatz an ein Resort verkauft werden soll, das Luxus-Chalets bauen will? Hier verschwören sich die alteingesessenen Dauercamper zusammen. Und dann passiert es noch, dass der Immobilienmakler, der für den Umbau zuständig ist, tot in den Dünen entdeckt wurde. Das ist natürlich die besondere Herausforderung für die deutschen Camper und Hobbydetektive, zum Leidwesen von Inspecteur Piet van Houvencamp und seiner Assistentin Annemieke.
Eine politische Satire zwischen Rebellion, Gegenwartsdiagnose und Jugendlektüre. Als ich das Buch „Die Känguru-Rebellion“ vom Ullstein Verlag erhalten habe, habe ich mich gefragt, ob die Einordnung des Buches als „Jugendliteratur“ schon als Satire gemeint sein oder mich nur zum Schmunzeln bringen. Auch wenn dieses Buch auf einen Personenkreis mit politischer Bildung abzielt (es reicht Tagesschau oder Heute Wissen) würde ich mich sehr freuen, wenn viele Jugendliche sich dieser Literatur annehmen. Eigentlich sollte dieses Buch im Unterricht behandelt werden. Denn mit dieser frechen, lockeren, satirischen Aufmachung über Probleme in unserer jetzigen politischen Situation, kann man das Jugendlichen bestimmt gut vermitteln. Ein Anfang, um unsere junge Generation kritisch mit den Äußerungen, Versprechen, Rücknahmen, Handel und Nichthandeln umgehen zu lassen. Was gibt es da Besseres als Satire, die uns zum Lachen bringt, und uns gleichzeitig erkennen lässt, dass die Realität gar nicht zum Lachen ist?
Autorenfoto: Copytright ® Sven Hagolani
Otfried Preußler ist mit seinen Kinderbüchern, wie »Die kleine Hexe« oder »Räuber Hotzenplotz«, aber auch Jugendbüchern wie »Krabat« ganz vielen Lesern ein Begriff. Und auch die Geschichten über den kleinen Wassermann sind entzückende Kindergeschichten, die sich bereits 3 Millionen Mal verkauft haben. Zum Jubiläum, denn die Veröffentlichung des ersten kleinen Wassermann-Buchs ist siebzig Jahre her, hat Otfried Preußlers Tochter Regine Stigloher nach den Ideen ihres Vaters neue Geschichten geschrieben. Zusammen mit dem Illustrator Daniel Napp entstand wieder eine entzückende Geschichte über den Mühlenweiher für Kinder ab 4 Jahren.