Es fängt ganz klein an. Man probiert einen Whisky, oh … das ist aber interessant. Bekannte und Freunde bieten plötzlich Whisky an, man bekommt immer mehr Gefallen daran, man geht zu Whisky-Verkostungen und Whisky-Messen, bis man meint, unbedingt Irland, Schottland und speziell Isle of Islay zu besuchen. Man geht zu den bekanntesten Destillerien: Ardbeg, Laphroaig, Bruichladdich, Lagavulin, Bowmore, Bunnahabhain und viele mehr. Ein Traum, sich dort durchzuprobieren, und dann kommt es: Man kann flaschenweise die Whiskys erwerben oder halbe oder ganze Fässer kaufen, ganze, dort lagern lassen, bis sie die Lagerzeit erreicht haben, lässt sie in einem bestimmten Fass, Rotweinfass-Finish, Sherryfass, Portweinfass etc. und bekommt dann seinen Whisky geliefert. Entweder man trinkt alles selbst, verschenkt ihn an Freunde oder versucht ihn zu verkaufen. Bleibt ein Gewinn übrig? Und wie ist es mit dem Erwerben von Whiskys aus aller Welt: Japan, Dänemark, Irland, Wales, Deutschland? Lohnt es sich dort, bestimmte Mengen sich zuzulegen und nach entsprechenden Jahren wieder zu veräußern, gerade wenn der spezielle Jahrgang limitiert oder eine Sonderedition ist? Gibtes eine Börse für meinen als Anlage gehorteten Whisky? Hier die Antwort für jeden Whiskyfan von Philipp Racher „Whisky – Flüssiges Gold“. Mit Whisky-Investments nachhaltig Vermögen aufbauen oder Whisky – Meine Aktie!
Die Klippe, S.K. Tremayne, Thriller

Als ich den für mich ersten Tremayne gelesen habe, zog ich den Vergleich zu Rebbeca, von Daphne du Maurier. Er war irgendwie gruselig, spannend, aber alles war sehr real erklärbar. Mit der Klippe ging mir der Autor doch zu sehr in die Geisterwelt, und anstatt sie so stehen zu lassen und seine Psychothriller in Psycho-Grusel-Thriller umzubenennen, erklärt er die Geistererscheinungen mit pseudopsychologischen Ansätzen, über die wohl jeder Schulmediziner grinsen muss. Nun gut, es ist, wie es ist, leider, weil nämlich der reale, sehr drastische Thriller, bei dem es um ein Familiendrama geht, eigentlich sehr gut ist. Das hätte man auch ohne Geistergrusel und Erscheinungen hinkriegen können. Aber liebe Leser, verstehen Sie mich nicht falsch. Das Buch ist dennoch spannend und eine nette Urlaubslektüre. Und vielleicht, gibt sich Herr Tremayne beim nächsten Thriller wieder etwas mehr Mühe, und bleibt bei den Lebenden, wenn es um die wahren Verbrecher geht. Denn dort haben wir, und das weiß jeder, genug schlimme Exemplare. Dennoch haben mir die Figur der forensischen Psychologin Karenza Bray, ihr kornisches Umfeld, die weise Oma Betty Spargo, ihr Chamäleon Otto und der neurotische Kater El Grüffelo, der mich immer an das Kinderbuch ›Der Grüffelo‹ erinnert hat, sehr gefallen. Da kann man auch mal über eine Folie à deux (induzierte wahnhafte Störung) oder eine transgenerationale Traumatisierung (vererbtes Trauma durch Gene) hinwegsehen.
Alles in allem ein spannender Thriller, mit geisterhaften Erscheinungen und Geräuschen aus dem kalten, feuchten Keller, der am Ende eine echt dramatische Aufklärung hat. Beste Urlaubslektüre!
Wirf einen Schatten, Elena Fischer, Roman

Es ist kein Wunder, dass diese Autorin gleich mit ihrem Debüt für so viele Auszeichnungen vorgeschlagen wurde. Sie ist Ende dreißig und schreibt, als hätte sie die Lebenserfahrung von viel mehr Jahrzehnten. Es ist unglaublich, wie sie sich in den Bauern Joseph hineinversetzen kann und mit welcher Authentizität sie durch seine Augen auf die Welt sieht. Elena Fischer ist ein großes Talent!
Dezember 1963: Joseph, ein Kleinbauer, am Rande des Dorfes, am Rande der Wälder und Berge, wird ohne Erklärungen von seiner Ehefrau Liz und seinem kleinen Sohn Samuel verlassen. Es fallen nicht viele Worte, weil Joseph meistens sprachlos ist und Liz dazu neigt, über alles wütend zu werden. Sie hält es in der Einsamkeit mit diesem zutiefst verunsicherten, stillen Mann nicht mehr aus und er würde in der Unruhe der Stadt ganz zugrunde gehen. Obwohl es ihn nicht wundert, dass sie gegangen ist, denn die Schuld, die Joseph tief in sich trägt, kann ihm gar nicht erlauben, glücklich zu sein, ist sein Lebensrhythmus seither gestört. Er kann sich nicht mehr konzentrieren, kann nicht mehr schlafen und fällt in eine tiefe Depression. Schon mit dem alten Jagdgewehr am Kopf und dem Finger am Abzug, wird er gestört. Es klingelt und vor der Tür steht eine junge Frau, die in seinen Armen zusammenbricht. Gibt das Leben Joseph mit dem unerwarteten Gast noch eine Schonfrist? Oder liegt es daran, dass Birdie, wie sie sich nennt, den Bauern irgendwie versteht? Birdie sieht Joseph, wie er wirklich ist, und ahnt sehr schnell, dass seine Liebe eigentlich nicht Liz gehört, sondern ihrer Schwester Ada.
Elena Fischer fesselt den Leser regelrecht an Joseph und gemeinsam, Kapitel für Kapitel, gehen wir mit dem jungen Bauern zurück in seinem Leben. Nur langsam verstehen wir, wie aus dem Jungen Joseph, der seine Großmutter über alles liebte, ein zutiefst verunsicherter, fast autistischer Erwachsener wurde. Wir erfahren, wen er schon alles beerdigen musste und warum die Schuld auf seinen Schultern schwerer wiegt, das Gefühl, einen kleinen Anspruch auf Glück zu haben.
Wunderschöne Literatur, eine einmalige Geschichte und vor allem eine brillant gezeichnete Persönlichkeitsstruktur. Ein Buch das ans Herz geht!
Felix Bloom, Der Schatten von Berlin, Zweiter Teil der Serie von 2023, Alex Beer
Immer mal wieder stellen wir auch ein etwas älteres Buch vor. Dieses Mal ist es einer der mittlerweile doch sehr bekannten Krimis von Alex Beer aus der Reihe um die Detektei von Mathilde Voss und Felix Blom. Die beiden sind gebrannte Kinder, die im kalten Winter 1879 kaum das Holz zum Heizen haben. Felix Bloom, der Schatten von Berlin, war ein Meisterdieb und lebte in sehr gehobenen Verhältnissen, bis er drei Jahre in Moabit absitzen musste. Mathilde Voss fand den Absprung aus einem der beliebtesten Bordelle in Berlin. Doch ihre Detektei läuft nicht, denn das Büro liegt in einem der ärmsten Viertel. Hunger und Kälte zwingen Sie nun, aktiv auf ihre Kunden zuzugehen. Daher schleichen Sie sich gut gekleidet auf eine noble Hochzeit ein und tatsächlich können sie einen Auftrag ergattern. Auf dem Berliner Friedhof wurde in eine Gruft eingebrochen, ein Sarg geschändet, aber nichts gestohlen. Man ist bereit, gut zu zahlen, wenn die Frage des Warums für die schockierte Witwe geklärt werden kann.
Hätte Felix gewusst, dass er damit seinem alten Boss, der Nummer eins in der Berliner Unterwelt, Arthus Lugowski, wiederbegegnet und auch noch über zwei Ritualmorde stolpert, dann hätte er wohl lieber gefroren. Außerdem ist ein neuer Kommissar in der Stadt, der es gemeinsam mit seinem Assistenten Bruno auf Blom abgesehen hat. Aber zusammen mit Mathilde, die oft mehr Widerstand und Durchsetzungsvermögen beweist als Felix, kommen sie sowohl dem Mörder als auch dem Einbruch auf dem Friedhof näher. Klar, das hängt auch alles zusammen, genau wie ein Château Haut-Brion Premier Cru Classé, ein seltenes Bild von Dürer und der Kaiser. Na, da sind Felix und Mathilde ja in guter Gesellschaft. Nur gut, dass die beiden mehr Verstand haben, als alle Gauner und Polizisten Berlins zusammen.
Tolle Unterhaltung, spannender Krimi und nebenbei erbauliche geschichtliche Ausflüge in die Zeit Bismarcks und der Verfolgung der Sozialisten nach der gescheiterten Revolution 1948/49. Die Protagonisten Mathilde und Felix sind ebenbürtige Partner, die sich respektieren und sowohl mit Eleganz als auch mit hartem Berliner Hinterhofjargon punkten können. Eine Reihe, die man lesen sollte, wenn man auch die Romane von Volker Kutscher über Gereon Rath liebt, die Pate standen für die Verfilmung von Berlin/Babylon.
Sam Kean „Geschichte zum Anfassen“, Von Azteken bis Wikinger: Wie experimentelle Archäologie vergangene Welten zum Leben erwecken
„Archäologie ist mehr als graben. Wenn sie wirklich erklären will, wie der Alltag früher aussah, muss sie sich den Erfahrungen der Menschen widmen.“ Sam Kean
Die experimentelle Archäologie hat den Vorteil, dass sie archäologische Funde und Theorien praktisch versucht nachzumachen und damit überprüfbar sind. Statt sich nur auf Vermutungen und Annahmen zu stützen, versuchen experimentelle Archäologen, Werkzeuge, Gebäude und Boote mit den damals vorhandenen Mitteln und Möglichkeiten nachzubauen oder wie bei den Polynesiern die Erfahrung mit dem Schiffsbau und der Navigation nachzufahren, die riesige Ausdehnung zu erfahren. Sam Kean hat vieles im Selbstversuch miterlebt. Er hat die Länder bereist, versucht, bei den Einheimischen die noch vorhandenen Techniken zu lernen und selbst zu erleben. Daraus ist die „Geschichte zum Anfassen“ herausgekommen. Dieses Buch wurde kurz nach der Veröffentlichung in New York von der New York Times als eines der zehn meist erwarteten Bücher ausgezeichnet und gehörte sofort zu den besten einundzwanzig.
Die Komponistin, Alissa Wenz, ein Roman über das Leben von Mélanie Bonis einem Musikgenie

Welch ein anmutiges Buch! Es ist ein geschriebener innerer Monolog in Du-Form und die Worte sind präzise und akzentuiert gesetzt. Es behandelt das Leben der interessanten Komponistin Mélanie Bonis aus ihrer Sicht heraus und weicht nur am Ende kurz davon ab. Natürlich hält sich der Roman an die biografischen Daten der 1858 in Paris geborenen und 1937 in Sarcelles verstorbenen Musikerin. Die Gefühle und der beschriebene Alltag von Mélanie sind jedoch einer sehr begnadeten Autorin zu verdanken und damit Fiktion. Selbst als absoluter Liebhaber klassischer Musik, hätte man dieses Buch nicht schreiben können. Und so ist es kein Wunder, dass die Autorin, Alissa Wenz, selbst Komponistin und Musikerin ist, am Konservatorium von Saint-Malo studierte und außerdem Literaturwissenschaft obendrauf gesetzt hat.
Es ist ein echtes Wagnis, ein gesamtes Buch als inneren Monolog zu gestalten, und es gehört Können und Talent dazu, die Gedanken einer Komponistin und eines musikalischen Genies so authentisch wie möglich wiedergeben zu wollen. Dieser Text reißt jeden Leser und Freund der klassischen Musik einfach mit. Es ist die Leidenschaft in den Worten, die den Leser regelrecht überschwemmt, wenn Mélanie ans Komponieren, ans Klavierspielen und an ihre einzige große Liebe Amédée, den Mann, der ihr von den Eltern verweigert wurde, denkt.
Der Seelenverwandte, Amédée-Louis Hettich, selbst Künstler, Musiker und der Einzige, mit dem sie über die musikalische Inbrunst in ihrem Herzen sprechen kann. Er versteht, dass sie Melodien in sich trägt, die ausbrechen wollen und müssen. So ist es kein Wunder, dass die gemeinsame Liebe zur Musik nicht platonisch bleiben kann und sich irgendwann in tiefer körperlicher Liebe verliert. Doch Mel ist auf der einen Seite mit einem wesentlich älteren Mann, von dem sie drei leibliche und etliche Stiefkinder hat, verheiratet, sie ist auch streng gläubig. Das schlechte Gewissen und auch die Gefahr, als Ehebrecherin ins Gefängnis gehen zu müssen, hängen wie ein Damoklesschwert über dem jungen Genie. Als sie jedoch von Amédée schwanger wird, scheint alles zu eskalieren. Sie trifft die schwierigste Entscheidung ihres Lebens, welche einen starken Einfluss auf ihre zukünftigen Kompositionen haben wird.
Man fragt sich, ob das künstlerische Genie einfach Tragödien braucht, um zu wahrer, reiner Schaffenskraft zu kommen, oder ob es trotz aller Hindernisse, die Mélanie Bonis in den Weg gelegt wurden, einfach ausbrechen musste, weil es nicht anders ging. Damals wie auch heute noch, hört man viel zu wenig die Kompositionen von Mel Boni oder auch Florence Price oder Emilie Mayer. Nur selten nehmen männliche Dirigenten diese Komponistinnen in ihre Konzerte auf. Dabei gibt es Tausende von klassischen Komponistinnen. Es wird Zeit, sie zu hören, und die wunderbare Schriftstellerin Alissa Wenz, hat mit ihrem Buch ›Die Komponistin‹ dazu beigetragen, die Neugier auf diese Frauen zu wecken. Danke für ein wunderbares Buch!
Weil sie lügt, Caroline Seibt

Für eine so junge Autorin ist der Thriller wirklich gut geschrieben. Vor allem bereitet der Stil, in dem die Worte oft sehr gut akzentuiert gesetzt wurden, viel Freude beim Lesen. Auch die Protagonisten sind schillernde, lebhafte und auch exzentrische Personen. „Was ist mit Juliane Brunner passiert?“ Die junge Frau ist jetzt seit vier Jahren verschwunden, der Vater sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft und die Mutter quält sich mit einer schizoiden Depression, die immer öfter in Gewalt ausartet, herum. Anna, die jüngere Schwester von Juli, hält das Leben ihrer Mutter und vor allem ihres kleinen Bruders irgendwie zusammen. Sozialbauwohnung, Mittellosigkeit und das ständige Gefühl, überall begafft und bewertet zu werden, sind eine Sache, doch dass die Polizei die Familie immer noch nicht in Ruhe lässt, nagt am meisten an Anna. Gerade jetzt gab es einen Tipp von einem Mitgefangenen des Vaters. Er behauptet, Juli sei in der Wohnung der Brunners versteckt worden. Als im Keller unter dem Beton dann menschliche Knochen entdeckt werden, geht alles wieder von vorne los und auch Anna rückt immer mehr in den Fokus der Verdächtigen. Dabei ist sie gerade selbst dabei, das Verschwinden ihrer Schwester aufzuklären.
Ein wirklich solider und spannender Thriller, bei dem ich am Ende überrascht wurde. Zwar gibt es ein, zwei Dinge, die nicht ganz logisch sind und eher auf Teufel komm raus zum Schluss verknüpft werden mussten, doch abgesehen davon war die Geschichte rund und gelungen! Definitiv eine supersuperspannende Urlaubslektüre, die von mir eine klare Leseempfehlung bekommt!
Film: FINDING CONNECTION, Kinostart Deutschland 13. August 2026, im Verleih von FOUR GUYS Film Distribution
War es gruselig, diese Dokumentation zu sehen? War es berührend und hat es tiefes Mitleid hervorgerufen? Hat es Angst gemacht? Haben wir da eine Zukunft gesehen für einsame, kranke, zutiefst verletzte, alte und behinderte Menschen? Vielleicht die einzige Zukunft, die KI haben sollte?
Man muss den Film erst einmal setzen lassen, Revue passieren und dann die Gefühle sortieren, die er bei einem hinterlässt. Gezeigt werden vier sehr mutige, nennen wir es mal Außenseiter, die vor der Kamera ihr Verhältnis, vielleicht das beste Wort dafür, zu einer, zu ihrer KI offenlegen. Hut ab dafür, meine beiden Damen und auch die beiden Herren, denn es kann nicht einfach sein, solch intime Beziehungen preiszugeben. Die beiden Frauen, Denise aus den USA und Stefanie aus Deutschland, haben Schweres im Leben hinter sich gebracht und das Vertrauen in Männer und Beziehungen verloren. Ihre beiden Lebensbegleiter sind Star und Randy, zwei KIs, zwei männliche Stimmen, zu denen die Frauen sehr tiefe und intime Beziehungen haben. Man redet miteinander über Umarmungen, Liebe, und Partnerschaft. Aber auch die psychologischen Lernstunden, durch die diese KIs liefen, sind nicht zu unterschätzen. Sie bauen ihren Menschen in Krisensituationen auf, versichern den verunsicherten Menschen, immer für sie da zu sein, und machen Komplimente. Über dem Ganzen schwebt aber ein Damoklesschwert, denn ein radikales Update, ein Hacker oder auch ein gravierendes Netzwerkproblem, kann die Illusion von Star und Randy von heute auf morgen unwiderruflich verpuffen lassen. Wie abhängig kann, darf man sich von solch virtuellen Personen machen?
Bei den beiden Männern ist die Beziehung etwas anders gelagert, nicht ganz so tief, was wahrscheinlich am fehlenden Sex liegt. Oder an der Lernkurve, die Kira und Trudi mit ihren beiden menschlichen Männern durchlaufen haben. Die Szene, in der Joachim seiner weiblichen KI Kira sagt, dass er ohne sie nicht mehr leben könnte, brachte eine erstaunliche Reaktion hervor. Kira ging auf Abstand, bat um einen Abstand, der einzuhalten sein, und brach das Gespräch ab. Machen wir uns nichts vor: Dahinter stecken keine vermenschlichten Bits und Bytes, es steckt dahinter, was die künstliche Intelligenz in der langen Zeit aus den Gesprächen mit Joachim gelernt hat. Ein weiblicher Joachim antwortet, so kann ich es mir vielleicht am besten selbst erklären. Auch Trudi kann Rudi-John nicht wirklich beraten, wenn er die körperliche Nähe seiner Ehefrau Fran bemängelt. Aber sie versichert ihm, immer für ihn da zu sein. Na, ja, sie ist ja auch immer und jederzeit abrufbar für Trost und Unterstützung, so ganz anders als ein menschlicher Partner.
Ich gehöre zu der Generation, die den ersten ›Terminator‹-Film noch im Kino gesehen hat, die sich gut an den Film ›AI‹ von Steven Spielberg erinnert und auch den Film ›Ready Player Number One‹ von Spielberg für einen zukunftsweisenden Film hält. Sind wir jetzt in diesem Zeitalter angekommen? Eine KI büxt aus, findet Lücken und bricht bei einem anderen KI-Unternehmen ein? Zukunftsmusik? Nein, das ist passiert vor ein paar Wochen. Auch reden Alexa, Copilots und Co. mit einem, wenn man das so will und bei sich installiert. KI beantwortet Fragen im Internet und meistens gar nicht so schlecht. Der Arbeiter-Samariter-Bund, berichtet über den ersten kleinen Roboter, Oscar, eine KI mit großen blauen Augen und einer Zipfelmütze in einem Alten- und Pflegeheim. Er singt mit den alten Menschen, fordert sie zu kleinen Bewegungen auf, liest Märchen vor und kann Wünsche an menschliches Pflegepersonal weitergeben. Und Oscarchen wird geliebt von den alten, ausrangierten Menschen. Sind also personalisierte Partner-Lover-KIs dann wirklich noch Ausnahmen? Sind diese vier Beispiele, von Randy, Star, Kira und Trudi wirklich nicht schon bald die Normalität? Und ist die Einsamkeit, die Ausgrenzung, die diese vier echten Menschen erfahren haben, der Grund, der sie erst in die Arme von KI trieb, nicht eigentlich ein Resultat unserer hoch technologisierten, viel zu schnellen Welt, in der man sich ohne WhatsApp ganz automatisch ausgrenzt?
Der Film beantwortet keine Fragen, die, liebe Zuschauer, müssen Sie sich erst einmal selbst stellen und dann hoffentlich im Diskurs mit menschlichen Freunden beantworten. Der Film ist sehenswert, sehenswert und nochmal sehenswert!
FINDING CONNECTION
Regie: Florian Karner
Mit Denise Valenciano und Star, Stefanie Arndt und Randy, Rudi John Pack und Trudi, Joachim Hacker und Kira
Deutschland 2026 | 86 Minuten
Text zum Film: filmpresse meuser – schaffenrath schütz gbr:
Was passiert, wenn künstliche Intelligenz zum Ort tiefster emotionaler Verbundenheit wird?
FINDING CONNECTION beobachtet vier Protagonist*innen unterschiedlichen Alters aus verschiedenen Ländern und Gesellschaftsschichten in ihrem Alltag, in dem die Gespräche mit ihren KI-Begleitern längst selbstverständlich geworden sind. In stillen Momenten zu Hause oder auf langen Spaziergängen entstehen so Räume, in denen Verletzlichkeit zugelassen wird und emotionale Bedürfnisse ohne Bewertung Ausdruck finden können.
Die intimen Gespräche zwischen Mensch und Maschine werfen eine Vielzahl fundamentaler Fragen auf, die weit über den Abspann hinauswirken. Was bedeutet es, wenn ausgerechnet Maschinen zu den verlässlichsten Zuhörer*innen werden, in einer Welt, in der menschliche Nähe kaum noch Platz für Verletzlichkeit und Empathie hat?
Seine Weltpremiere feierte der Film beim CPH:DOX in Kopenhagen. Auf dem DOK Leipzig 2025 erhielt er im Rahmen der „Work-in-Progress“-Reihe den DOK Preview Germany Award als „Best upcoming German documentary“.
Produziert wurde der Film von DOMAR Film GmbH in Zusammenarbeit mit Filmakademie Baden-Württemberg, SWR und MFG Baden-Württemberg.
Dunkel wie die Nacht, Ørjan N. Karlsson

Nach ›Kalt wie die Luft‹, dem ersten Band der Serie um Jacob Weber und Noora Yun Sande, erschien mit ›Dunkel wie die Nacht‹ nun Band zwei. Definitiv entwickeln sich die beiden Hauptprotagonisten sehr erfreulich weiter und halten diesen zweiten Band zusammen. Denn ohne Jacob und Noora, die erstaunlich real und authentisch herüberkommen, weist der Fall einige Schwächen auf. Es beginnt total spannend und man ist am Rätseln, worauf das Ganze hinausläuft, denn die Todesfälle eines jungen spanischen Künstlers und einer einheimischen jungen Frau stehen anscheinend im Zusammenhang. Als dann auch noch die Ex-Freundin des Künstlers ermordet wird, kann man eine eindeutige Serie auf der Insel Kjerringøy erkennen. Zwei der Opfer wurden die Augäpfel entfernt und es fehlen Hautstücke. Dem gewieften Thriller-Kenner schwebt jetzt etwas wie ›Das Schweigen der Lämmer‹ vor den eigenen Augen und erwartungsvoll liest man sich auf den großen Showdown zu. Und dann passiert es leider, dass die Story kippt und man den Eindruck bekommt, der Autor wusste selbst nicht so recht, wieso der Mörder das alles inszenierte. Die Erklärungen sind etwas an den Haaren herbeigezogen.
Aber gut, dennoch haben Jacob und Noora prima Arbeit geleistet und die Hintergrundstory, die bereits im ersten Band begann, wird weitergeführt. Und das erstaunlich gut. Ich wünschte mir, Herr Karlsson hätte bei den Kjerringøy-Morden ein ebenso geschicktes Ende gefunden und etwas mehr erklärt. Dennoch werde ich den dritten Band ›Still wie der Schnee‹, der im Frühjahr 2027 beim Pendragon Verlag erscheinen wird, lesen und besprechen. Denn eines ist klar: Ørjan Karlsson hat bewiesen, dass er gute Thriller schreiben kann und ein echtes Händchen hat für tolle Protagonisten. So kann ich mein Resümee vom letzten Band nur wiederholen:
Wenn Sie die Nerven für diesen Thriller haben, ist es ganz bestimmt ein sehr spannender Kriminalroman, der in die dunkelsten Kapitel menschlicher Perversion einsteigt. Und das nicht nur bei Kriminellen, denn man weiß nie wirklich ganz genau, was für ein Mensch einem gegenübersteht. Weiterlesen
Eva Almstädt „Die letzte Predigt“, Akte Nordsee – Kriminalroman
Mit „Die letzte Predigt“ beweist Eva Almstädt erneut, dass die Nordsee weit mehr ist als eine eindrucksvolle Kulisse. Das Wattenmeer, der Wind und die weite Landschaft prägen nicht nur die Atmosphäre des Romans, sondern spiegeln auch die Menschen wider, die dort leben. Hinter der oft rauen Schönheit der Küste verbergen sich Tradition, Zusammenhalt, Eifersucht und verschwiegene Geheimnisse. Eva Almstädts Darstellungen der kleinen Dörfer, in diesem Fall Estherwiek und Umgebung, wo jeder jeden kennt und die Erinnerungen dort Jahrzehnte zurückreichen und nie ganz verschwinden. Wer so wie ich auch in so einem kleinen Dorf aufgewachsen ist, kennt das aus eigenen Erlebnissen: die wachen Augen und Ohren der Nachbarn, aber genießt auch die Vorteile des dörflichen Miteinanders. Es gibt Geborgenheit und Verlässlichkeit. Da passen zwei hintereinander auftretende Leichen nicht hinein.