Volker Klüpfel, Michael Kobr: Affenhitze (Kluftinger-Krimis 12),

Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, gibt‘s wieder einen neuen Kluftinger. Wieder gelingt es den beiden Autoren mehrere Punkte einer Diskussion würdig sind in einem Kriminalroman unterzubringen. Es geht um alternative Wohnformen, Sekten, archäologische Funde, Social Media und zwischenmenschliche Beziehungen. Erstaunlich das hohe Niveau auf denen diese Diskussionspunkte abgearbeitet werden. Mit Ironie und dem Charme des Ostallgäuers kommt der Kommissar und Familienmensch manchmal aus schier unlösbaren Konflikten heraus. Für die älteren der Leserschaft sind viele Punkte mit denen sich der Kommissar mit der heutigen Kommunikationstechnik auseinandersetzen muss nicht unbekannt und dienen vielleicht zur eigenen Reflexion. Die Autoren wären nicht ihrer Heimat verbunden, wenn sie diese nicht ein wenig mit Werbung unterstützen würden. Wieder einmal gelingt es den Autoren Spannung und beste Unterhaltung in einem Krimi unterzubringen. Weiterlesen

Upper World, ein Hauch von Zukunft, Femi Fadugba

Wenn man als farbiger Teenager im elendsten Teil Londons ohne Vater aufwächst, ist es schwer, die Füße auf dem Boden zu bekommen. Vor allem wenn man an eine Schule geht, die mehr oder weniger von zwei Streetgangs beherrscht wird. Clevere Schüler ducken sich weg und halten Abstand. Esso ist zwar nicht dumm, doch hat den Hang dämliche Dinge zu tun. So gerät er mitten in einen Bandenkrieg, bei dem es bald um mehr als nur Schlägereien geht. Als er auf dem Schulweg einem kleinen Jungen das Leben rettet, indem er sich vor ein Auto schmeißt, passiert etwas Merkwürdiges. Während einer Ohnmacht sieht er plötzlich Szenen aus seiner Zukunft und die sind alles andere als angenehm. Wenn das kein Traum war, dann werden bald eine Menge Freunde sterben, inklusive er selbst.

Richtig gute Jugendliteratur, die sich auf sehr verständliche Weise mit Einsteins Relativitätstheorie und Zeitreisen beschäftigt. Und am Ende hat das Buch eine Überraschung parat. Quod erat demonstrandum.

Weiterlesen

Genussregion Südtirol, Mirko Mair (Hrsg.)

Elf befreundete Köche interpretieren ihr Heimatküche Armin Comploj, Armin Gruber, Andrea Irsara, Mirko Mair, Arnold Nussbaumer, Markus Peintner, Matthias Schenk, Daniel Werth, Othmar Raich, Daniel Wolfsgruber und Stephan Zippl.

Südtirol, auch heute noch eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Angelockt von der urbanen Landschaft, den Menschen und der bodenständigen Küche. Und was das Schönste ist, trotz des Jahrzehnte währenden Tourismusstromes hat sich die Gastronomie ihre Bodenständigkeit erhalten, mit herzlicher Gastlichkeit, regionalen Gerichten und kulinarischen Highlights. Highlight, passt dieser Anglizismus eigentlich nach Südtirol? Ja! Elf Freunde sollt ihr sein! Ein Begriff aus dem Fußball. Ob das hier so gewollt ist oder war es Zufall, dass der Gastronom vom Restaurant Sichelburg, in Pfalzen und Herausgeber dieses Buches „Genussregion Südtirol“ Mirko Mair, genau zehn befreundete Kollegen – nein kulinarische Freunde und Spitzenköche, dazu gewinnen konnte dieses Buch zu einem Südtiroler Highlight zu machen.

Weiterlesen

Der Mann, der auf einen Hügel stieg und von einem Weinberg herunterkam, Casten Henn

Wer sich einmal auf Bücher von Carsten Henn eingelassen hat, ist begeistert von seinem ehrlichen humorvollen Schreibstil. Auch wenn dabei leichte Kriminalromane sind, bringt er sehr viel Wissenswertes, also Lesenswertes rüber. Wie beim „Gin des Lebens“ oder „Rum und Ehre“. Allein das Lesen der Titel bringt einem zum Schmunzeln. Ebenfalls von ihm, kein Krimi, „111 Weine, die man getrunken haben muss“. Genial! Hierzu empfehle ich meine Rezension im www.Eschborner-stadtmagazin.de. Nehmen sie sich die Zeit. Und jetzt sein neustes Werk. Das Buch vom Scheitern im eigenen Weinberg von einem der bestens deutschen Weinnasen/Kenners, mit abgeschlossenen Weinbaustudium und zu damaliger Zeit Chefredakteur des Vinum. Ein herrlich ehrliches Buch, offen, tiefgründig zum Teil sogar philosophisch. Die Geschichte einer Selbstfindung.

Weiterlesen

Geschichte des Sohnes, Marie-Hélène Lalon

Die Geschichte des Sohnes ist keine ungewöhnliche Erzählung aus der Zeit zweier Weltkriege. So oder ähnlich erging es wahrscheinlich vielen Familien. Der früher Tod eines Kleinkindes, gefallene Ehemänner, Brüder, Väter und ungewollte Schwangerschaften, uneheliche Söhne, die nur durch den Familienzusammenhalt zu guten Menschen heranwachsen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist Marie-Hélène Lafons Schreibstil, ihre virtuose Kunst eine banale, fast einfache Geschichte so zu erzählen, dass einem die Tränen kommen, dass man weiterlesen muss. Am Ende der Erzählung, die mit der dritten Generation endet, schlägt man das Buch zu und ist glücklich. Glücklich darüber, an der Geschichte der Familie Léoty und Lachalme als Beobachter teilgenommen zu haben.

Weiterlesen

Die Buchhändlerin, Ines Thorn

Gendermäßig würde ich als eine männliche Person bezeichnet. Lese ich jetzt ein Frauenbuch? Was ist überhaupt ein Frauenbuch? Bücher in denen die Geschichte sich um Frauen und mit Frauen dreht?  Sind Biografien über Frauen Frauenbücher? Dürfen Männer Frauenbücher lesen? Oder ist es gerade gut, wenn jetzt emanzipierte Männer Bücher von emanzipierten Frauen lesen?

Ich habe jedenfalls mit Freude den neusten Roman von Ines Thorn „Die Buchhändlerin“ gelesen. Eine Geschichte über den Werdegang und den Wünschen einer jungen Frau vom Ende des Nationalsozialismus bis in die fünfziger Jahre. Und am Ende war ich enttäuscht, nicht über das Buch, das ist großartig, nein, dass es zu Ende war. SCHADE!

Weiterlesen

Die dunkle Stille des Waldes, Nalini Singh

Aufgewachsen im modernen Neuseeland, aber in einer Art reicher Enklave von Indern, Asiaten und Multimillionären, war Aaravs Kindheit nicht einfach. Vor allem aber begleiten die bitteren Streits zwischen seinem eiskalten Vater und seiner zu schönen, aufreizenden Mutter den Jungen während seiner Kindheit. Bis zu dem Abend, als er den Schrei hörte, ihren Jaguar wegfahren sieht und seine Mutter nie wiederkommt. Da eine Viertelmillion in Vaters Safe fehlen unterstellt dieser, dass die Schlampe, wie er seine Frau nennt, sich abgesetzt hat. Zehn Jahre später ist aus dem Jungen ein Mann und dazu erfolgreicher Schriftsteller geworden. Ein böser Autounfall zwingt ihn wieder in sein Elternhaus in die Cul-de-Sac zu ziehen, umgeben von Jugenderinnerungen und den Menschen, die seine Mutter Nina alle kannten. Dann steht die Polizei vor der Tür. Man fand Ninas Jaguar im Busch, keine fünf Kilometer vom Haus entfernt und ihre Leiche auf dem Beifahrersitz.

Aarav glaubt fest an einen Mord und will den Mörder finden. Denn es war keine Gelegenheitstat und es scheint, nicht nur sein Vater hatte genug Motive Nina zu töten. Doch Aaravs Kopfverletzung trübt seine Wahrnehmung immer mehr. Kann es wirklich sein, dass er selbst seine Mutter tötete? Weiterlesen

Alte Sorten, Ewald Arenz

„Sie hatte den Weinberg damals gar nicht so gesehen. Er war nur Landschaft gewesen. Ohne Bedeutung. Es war nicht derselbe Weinberg, in dem sie jetzt stand. Dieser Weinberg war wirklich. Sie war wirklich geworden in dieser Zeit. Vielleicht waren es all die Berührungen mit der Erde gewesen. Wann hatte sie jemals die Hände in der Erde gehabt? Wann Bienen auf der Haut? Wann hatte sie in einem Baum gestanden? Ja. Vielleicht war es das.“

Aus Ewald Arenz „Alte Sorten“. Der Umschlag schmückt einen Ast aus einem Birnbaum mit zwei Birnen, die nach einer alten Sorte aussieht. Wenn ich nicht das Wort Roman gelesen hätte, dann hätte ich das Buch für ein Sachbuch über alte Obstsorten erwartet. Man wird doch immer wieder positiv überrascht, wenn man ein Buch in die Hand bekommt, den Autor einem unbekannt ist, man fängt an zu lesen und ist von den ersten Seiten an gefangen, von der Geschichte, der Sprache und Darstellungen. Man hört nicht mehr auf weiterzulesen.

Weiterlesen

Nigel Kennedy: Mein rebellisches Leben

Ich habe Nigel Kennedy zweimal auf der Bühne erlebt. Davon ist mir das Konzert in der Alten Oper Frankfurt besonders in Erinnerung und so war ich sehr gespannt auf seine Memoiren. Aber es sind seine Erinnerungen. Ungefiltert, sprachlich kraftvoll bis derb, in seinen Worten erzählt und allgemein verständlich. Kein Lektor, der Kennedys Sprache glattbügelte. Vielen Dank dafür. Denn der Autor hat seine Fans in allen Gesellschafts- und Bildungsschichten. Es war ihm von Beginn an seiner Karriere ein Anliegen, die klassische Musik zu allen Menschen zu bringen, verzichtete bewusst und als Erster auf den Frack. Zwar Rebell in vielen Bereichen, kommen seine Erinnerungen sehr strukturiert daher. Einem übersichtlich gegliederten Inhaltsverzeichnis folgt eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung an seine Leser: »…Leser sollten sich meines politisch nicht ganz korrekten Schreibstils und meiner offenen Worte über die BBC, Plattenfirmen, die bayrische Polizei und andere selbsternannte Hüter der Macht bewusst sein«. Sein Stil ist die Basis für wahrlich originelle und unterhaltsame Memoiren, spielerisch, unkonventionell und sorgfältig ausgeführt wie seine Musik. Und welcher Künstler sonst widmet seinen Begegnungen mit der Polizei ein ganzes Kapitel mit dem Thema »Top 10…« oder spielt »Küchen-Golf« mit Gary Lineker? Überhaupt, Fußball und Boxen bezeichnet er als seine wichtigsten Interessen außerhalb der Musik. Über Aston Villa sagt er: »ein wahrer Segen für mich, von normalen, ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, die eine „ordentliche Arbeit“ haben, umgeben zu sein«. »Ich habe mein Leben lang Barrieren zwischen Menschen einzureichen versucht und denke, das vorliegende Buch ist dafür Beweis genug« schreibt Kennedy in seiner Warnung. Es ist das Statement über eine Mission, ausgeführt mit Gelassenheit. Weiterlesen

Du bist der Sturm, du bist das Licht, Val Emmich, Jugendbuch

Das Jugendbuchdebüt von Val Emmich ist eine sehr schöne Geschichte, über zwei Teenager, die eine Nacht in einem Museum verbringen, weil ein Schneesturm sie überrascht. Aber eigentlich ist es nicht das Wetter, das beide dort hin flüchten lässt. Tegan hat von Geburt eine missgebildete linke Hand und fühlt sich wie ein Loser auf ihrer Schule. Mac Durant ist das Abziehbild eines erfolgreichen Sportchampions, der von allen geliebt wird. Doch, dass diese Bilder auf die beiden ganz und gar nicht zutreffen, zeigt sich ihnen in dieser Nacht. Endlich können sie einmal ehrlich sein, mit sich selbst und miteinander, auch wenn es schmerzhaft und unglaublich schön ist.

Val Emmich hat eine typische Jugendgeschichte aufgegriffen und sie ein wenig wie den Breakfast Club inszeniert. Es ist eine zarte Erzählung, die das verwirrende Gefühl der Pubertät sehr gut wiedergibt. Das Buch macht aber auch Mut, damit junge Menschen einfach besser mit ihren imaginären und wirklichen Defiziten umgeben. Eine Daumenhoch-Empfehlung für junge Leseratten. Weiterlesen