True Crime hat eine fast morbide Anziehung auf uns Menschen, und zwar für Personen aller Couleur und auch jeden Alters. Und es ist kein Phänomen, das mit CSI, New York, Las Vegas oder Miami in die Freizeitunterhaltung Einzug hielt. Bereits meine Oma saß beim Gläschen Kellergeister schon 1968 vor dem Fernsehen und sah sich Zimmermanns Aktenzeichen XY – ungelöst an. Als ich dann alt genug war, durfte ich auch mitschauen. Was dieses Buch gerade so spannend macht und sich von den vielen anderen Sachbüchern zu dem Thema unterscheidet, ist die Zeitspanne, von der Helmut Eigener redet. Es geht um Fälle, die in den Jahren von 1962 bis 2014 stattfanden und in denen er als Cold Case-Ermittler arbeitete. Nicht jeder Fall konnte gelöst werden, auch wenn er mehr als einmal aufgerollt wurde. Manche scheiterten trotz genügend Indizien an juristischen Fragen und in manchen der Fälle war der Mörder bereits verstorben. Manche Taten konnten aufgeklärt werden und den noch überlebenden Angehörigen konnte durch die Verhaftung des Täters endlich ein Abschluss gewährt werden. Anhand der beschriebenen Fälle und ihres Alters erklärt Helmut Eigner sehr anschaulich, wie sich die Forensik, die juristischen Verfahren und besonders durch den Einzug des Internets und der sozialen Netzwerke, sich die Ermittlungen der Kriminalbeamten und Kriminalbeamtinnen grundlegend verändert haben.
Ein sehr spannender Querschnitt durch alte und neuere Fälle, über die mit Würde und Respekt berichtet wird und die sich nie in reißerischen Floskeln verlieren. Wenn Sie neben Ihren geliebten Krimis mal etwas aus der realen Welt in puncto Verbrechen der letzten sechzig Jahre lesen wollen, dann sind Sie bei Helmut Eigners Buch absolut richtig.
Ach, ich bin ja in meine Kindheit versetzt. Wer kennt sie nicht, die Buchstabensuppe? Eine kräftige Brühe, bei meiner Mutter immer mit Gemüsewürfeln und darin die Buchstabennudeln. Wir Kinder saßen immer vor unserer Suppe und jeder hat versucht, zuerst seinen Namen zu finden und dann andere Wörter zu bilden. Alle schön auf den Tellerrand gelegt und ganz zum Schluss genüsslich verspeist. Daraus ein Lese-Lernspiel zu machen, ist Lissa Lehmenkühler bestens gelungen, und Pe Grigo hat mit einer kindgerechten, lustigen Illustration wunderbar dazu beigetragen.
Dieses Kochbuch war für mich eine echte Herausforderung, und die bestand darin, es überhaupt erst aufzuschlagen. Hat man den ersten Schritt jedoch gemacht, ist man im Traumland des Genusses. Die Rezepte sind allein nur beim Lesen eine Freude und man möchte alles unbedingt probieren. Man versteht sofort, was der Koch meint, wenn er sagt: Genuss ist, wenn man sich selbst nicht mehr hört. Wenn man plötzlich mal kurz weg ist, sich verliert und verändert wiederkommt. Und beim Lesen und Betrachten der Rezepte schlemmt man schon mal auf platonischer Ebene. In dieser Hinsicht gebe ich diesem Kochbuch zehn von zehn Sternen und drei Sonderfunkel. Aber – und natürlich kommt ein Aber, wenn man meinen ersten Satz liest: Ich frage mich nämlich, warum man ein solch fantastisches Kochbuch schmälert mit so zum Teil abstoßenden Fotos. Warum inszeniert sich Max Strohe auf dem Cover wie ein völlig in der Midlife-Crisis steckender Mitvierziger mit pubertären Anwandlungen? Er empfängt die Leser mit einem Mittelfinger rechts, einer Kippe in der linken Hand und einem T-Shirt mit der Message: No one is thinking about you! Ich finde so etwas als Leser nicht cool noch hip, sondern reichlich abtörnend. Das gilt auch für einige Fotos seines jungen Teams. Ist denn Provokation die Lösung, um auch junge Menschen auf einen sinnlichen Umgang mit Essensgenuss zu bringen? Nein, das glaube ich nicht. Denn so sinnlich die Rezepte in diesem Kochbuch sind, so feinsinnig ist auch die Fotografie der Resultate: ansprechend, einladend und irgendwie verführend. Leider ist das Cover zu vergleichen mit einem Löffel Kartoffelpüree, das auf einen angeschlagenen, dreckigen Teller geklatscht wurde, da hilft es dann auch nicht, wenn Sommertrüffel drin sind.
Nach „Tödlicher Duft“, „Tödliches Gebet“ und nun „Tödliches Déjà-Vu“ ermittelt der sympathische Commissaire Louis Campanrad weiter in der Provence. Nirgendwo passt sein neues Thema besser hin als in die Provence mit der atemberaubenden Landschaft, dünn besiedelt, das goldene Licht über den lilafarbenen Lavendelfeldern mit den summenden Bienen und den vielen Insekten. Heute weiß man, dass wir ohne Bienen nicht überleben können. In einigen Landstrichen in China sind durch den aggressiven Einsatz von Pestiziden die Bienen schon ausgerottet. Dort werden Menschen mit Pinseln eingesetzt, mühsam die Blüten per Hand zu bestäuben. Unsere Chemiekonzerne, die Pestizide entwickeln, müssen daher sehr aufwendige Tests durchführen, bevor sie ihre Produkte überhaupt zum Einsatz bringen dürfen. Die Landwirte mit ihren riesigen Monokulturen, von für uns schönen Lavendelfeldern, benötigen diese aber. Sollte ein Befall durch Bakterien oder Zikaden auftreten, sind die Felder verloren. Von René Anour ein sehr gut ausgewähltes Thema und mehr als anschaulich in eine sehr spannende Geschichte gesetzt.
Haben Sie den Horrorfilm ›Der Ring‹ gesehen? Er wurde im Jahr 2002 mit Naomi Watts verfilmt, doch das Original stammt aus Japan und basiert auf einem Roman des Autors Kōji Suzuki. Und damit nicht genug: Er soll aufgrund wahrer Ereignisse zur Legende aus dem vierzehnten Jahrhundert geworden sein. Und genauso ist das in Japan: viel Mystik, Aberglaube und eine gewisse Spiritualität, die nicht mehr unbedingt auf religiöser Frömmigkeit basiert. So handeln die sogenannten Kaidans, Gruselgeschichten auch heute noch von Totengeistern, Dämonen und Kobolden. Und jetzt kommt der eklatante Unterschied japanischer Horrorgeschichten zu denen, die wir im Westen und vor allem aus dem US-amerikanischen Kino kennen. Es benötigt keines Blutbades und Gemetzels, um den Leser das Grauen zu lehren. So spielt auch der Schrein mit dem unausgesprochenen, allgegenwärtigen Grusel, dem sich die Protagonisten nicht entziehen können. Es passieren kleine unerklärliche Dinge, doch erst einmal gibt es keinen Toten. Es schleicht sich etwas ein in dieses Buch, diese Geschichte, sodass der Leser sich bald fühlt wie Minami, die Protagonistin im ›Schrein‹. Der wahre Grusel spielt sich im Kopf ab und das Unheimliche, das Böse schleicht sich in den Alltag, das Leben und die Seele der Charaktere. Dadurch, dass in Japan so viele unausgesprochene Regeln gelten und man nie mit der Tür ins Haus fällt, werden solche Gefühle auch nicht rege ausgetauscht, und so muss jeder der Protagonisten selbst entscheiden, ob er verrückt wird oder wirklich Geister hinter ihm her sind. Nicht jedermanns Sache, ich liebe diese japanischen Gruselgeschichten und auch Thriller und Krimis, gerade wegen der kulturellen Unterschiede.
Es ist bereits der 10. Fall mit dem sympathischen Commissaire Luc Verlain und seiner Chefin und Frau Anouk. Diesmal erwartet Luc Verlain eine besondere Überraschung: Es gibt einen Toten in Europas größtem FKK-Resort Euronat. Dieses Resort darf man eigentlich nur ohne Kleidung betreten. Muss auch die Polizei die Hüllen fallen lassen oder darf sie in Uniform oder Zivil ermitteln? Fällt man dann nicht zu sehr auf? Wie immer wird der Kriminalroman von Alexander Oetker begleitet von wunderbaren landschaftlichen Beschreibungen, inklusive der Speisen des Aquitaine und Savoir vivre, bei der Sommerhitze mit einem gekühlten Glas Wein aus dem Graves. Wie nicht anders zu erwarten, ist auch dieser Krimi gut recherchiert, spannend geschrieben mit unerwarteter Wendung. Wer noch kein Fan von Alexander Oetker ist, fängt mit diesem Buch „Strand-Gut“ an, und sie werden bestimmt die Vorgängerbücher und die Nachfolgenden verschlingen.
Alle Kinder und gerade die bis acht Jahre jubilieren, wenn das Wort Schnodder, Popel oder Ohrenschmalz ausgesprochen wird. Nicht umsonst gab es bei Harry Potter die Gummibärchen (Jelly Beans) mit Ohrenschmalz- und Popel-Geschmack. Aber wo kommt das ganze Zeug in unserem Körper her und wofür ist es gut, dass wir Menschen manchmal eine schleimige Angelegenheit sind? Das von Clayton Hanmer so fantastisch illustrierte Kinderbuch nimmt uns mit kindgerechten, einfach zu verstehenden Texten von Rachel Poliquin genau dorthin mit auf eine Besichtigung, in die Drüsenfabrik unseres Körpers. Mit der Fabrikdirektorin und ihrem Assistenten besuchen wir die Mundmaschine mit ihren Speicheldrüsen, verstehen, was ein Glibbersack ist, entgehen in der Rotzdusche gerade noch so einem Nieser und verstehen, was Tränenkugeln sind. Und wenn wir dann in die Schaltzentrale, den Hypothalamus, kommen, verstehen wir so langsam, was für ein komplizierter Mechanismus unser eigener Körper ist. Vor allem aber leuchtet uns jetzt ein, wofür Rotz, Schleim, Glibber, Schweiß, Tränen und Ohrenschmalz eigentlich gut sind. Denn ohne diese manchmal ekeligen Ausscheidungen von Drüsen, wären wir ziemlich aufgeschmissen und wahrscheinlich ständig nur krank.
„Einfach Wein“ von Aldo Sohm und seiner Co-Autorin Christine Muhlke ist ein außergewöhnliches Buch, das sowohl Einsteiger als auch erfahrene Weinliebhaber anspricht. Der vielfach ausgezeichnete Sommelier vermittelt auf sympathische und leicht verständliche Weise alles Wissenswerte rund um das Thema Wein und wie man das mit dem Essen kombiniert. Laut Aldo Sohm ist er der Überzeugung (und das will er mit diesem Buch uns näherbringen), dass der richtige Wein ein Essen erst richtig perfekt macht, da es zur besseren Stimmung führt. Dieses Buch ist ein Leitfaden von der Kunst und Wissenschaft der Kombination von Wein und Speisen oder Speisen und Wein! Was passt zusammen und was geht gar nicht? Aldo Sohm führt uns in kleinen, übersichtlichen Schritten dahin.
Während die BKA-Führung mit ihrem Präsidenten, der „Eisernen Faust“ Drohmeier, endlich mal Maarten S. Sneijder und seinem skurrilen Team freundlich gesinnt ist, wächst die Gefahr von außen. Bei der Observation einer Zielperson geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Ein Haus brennt nieder, Dr. Paul Conrad, die Schlüsselperson der neuen RAF-Generation, kann fliehen und Sneijders Team liefert sich eine wilde Verfolgung mit den Terroristen. Doch die Umstände werden immer schwieriger und plötzlich verliert sich jede Spur zur R4F, wie sich die vierte Generation der RAF nennt. Sneijder und Nemez bleibt nichts weiter übrig, als sich undercover in Mallorca als Doktor Pacula und Tochter auszugeben. In einer pikfeinen Luxusferienanlage, soll der Misanthrop Sneijder einen Mentalcoach mimen und den Superreichen das Glücklichsein lehren. Wer Sneijder kennt, weiß, dass das keine besonders gute Idee ist. Zeitgleich in Kufstein will Lea Fuchs Geburtstag mit ihrer Cousine Vicky feiern, da ihr Lebenspartner Gernot zu seiner kranken Mutter ins Pflegeheim im Schwarzwald gerufen wurde. Doch Vicky stürzt unglücklich und liegt tot auf der Treppe. Da Lea früher als Polizistin schon einmal wegen fahrlässiger Tötung angeklagt wurde, vertuscht sie kurzerhand den Unfall. Vickys Leiche wird kurzerhand im neuen Anbau des Wintergartens vergraben und Lea reist mit Vickys Reisepass und ihrem Ticket kurzerhand nach Mallorca, um Vickys Person dort für immer verschwinden zu lassen. Und ab da beginnt eine abstruse, aber durchaus glaubwürdige Verwechslungsgeschichte, in der Lea, als Vicky, genauso wenig Ahnung hat wie Sneijder, Nemez und die Profikillerin der R4F, die als Assistentin von Pacula fungiert. Alle tappen irgendwie im Dunkeln und müssen ohne Netz und doppelten Boden agieren.