Schlagwort: Historischer Kriminalroman

Anja Marschall: Der Henker von Hamburg

In einer weltoffenen Stadt wie Hamburg ging es doch sehr provinziell zu, wenn es sich um das Geschlechterverhältnis ging. Gesellschaftlichen Klassen waren strikt getrennt und das Verhältnis zwischen Männern und Frauen beruhte darauf, dass die Männer zur Arbeit gingen und die Frauen sich an die 3K, Kinder, Küche, Kirche zu halten hatten. Da verwundert es nicht, wenn selbstständige Frauen aus diesem System ausbrechen oder versuchen dieses zu umgehen. Die Frau des Kommissar Hauke Sötjes kommt über eine gefeierte Sängerin in die höheren Kreise der Hansestadt und auch mit den Geheimnissen dieser Frau in Kontakt. Neben der spannenden Handlung sind besonders gesellschaftlichen Unterschiede bemerkenswert gut beschrieben. Weiterlesen

Uta Seeburg: das wahre Motiv; Historischer Kriminalroman

Es ist nun der zweite Band der Reihe um den von Preußen nach Bayern ausgeliehenen Major Wilhelm Freiherr von Gryszinski. Diesmal beleuchtet der Roman intensiv die Künstlerszene der bayerischen Hauptstadt im Jahre 1895. Es ist ein Kulturschock für den braven Preußen was die Münchner Künstler und die sich dafür halten veranstalten. Die Kunstszene in Schwabing ist selbst den eingeborenen Münchnern suspekt. Nun treibt ein Serienmörder in dieser Kunstszene sein Unwesen. Wäre das nicht schon genug, so will die Ehefrau des braven Ermittlers ein Buch veröffentlichen. Dazu braucht sie die Genehmigung ihres Herrn Gemahl. Wunderschön sind die Szenen in denen die bajuwarische Esskultur geschildert wird. Hier läuft beim Leser unwillkürlich das Wasser im Mund zusammen. Man riecht förmlich wenn die Haushälterin den Bräter eröffnet und der Braten durch die Küche wabert in der in solchen Momenten der brave Herr Major in der Nähe ist. Weiterlesen

Friedemann Grenz, Gabriella Wollenhaupt: Fräulein Wolf und Ehrenmänner

Dieser Roman sticht unter dem historischen Kriminalromanen deswegen heraus, weil er dem Leser der Leserin das Gefühl gibt Geschehen zu stehen und die Entwicklung der jungen Republik und ihrer Menschen mitverfolgen zu können. Die Handlung ist der brutale Mord an einem Uhrmacher und Fotografen durch eine 16-jährige und deren erwachsene Mittäter. Was aber im Laufe der Ermittlungen herauskommt ist, dass der Uhrmacher junge Mädchen in die Prostitution vermittelt. Herauskommt auch das ein junges Mädchen bei einer Siegesfeier der SA zu Tode kommt. Eine mediale Schlacht der sozialdemokratischen Zeitungsdienstes und der Presse der NSDAP klären die Leser über die Sachverhalte aus der jeweiligen Sicht auf. Im Hintergrund zieht der Gauleiter Goebbels seine Fäden und schickt seine braunen Horden auf die anderen Journalisten. Diese Tatsachen werden durch Original Reportagen belegt. Dadurch wird das Klima dieser Zeit besonders deutlich ja fast greifbar. Weiterlesen

Paul Schüler: 1942 Das Labor

Das historische Ereignis das diesem Buch zugrunde liegt ist ein Brand im Leipziger Atom Labor. Daraus entwickelte der Autor ein rasantes actionsreiches Werk. Es entspricht auch den Tatsachen, dass die Wehrmacht sich für die Entwicklung der V 2 Rakete aussprach und keinen Wert auf die Weiterentwicklung der Atombombe legte, weil deren Nutzen unterschätzte. Der Autor unterlegt diesem Roman einige Fakten zur Atomphysik. Gleichwohl lässt er seine Darsteller quer durch das Reich reisen um eine Bombe zu verhindern. Gutgeschrieben und leicht zu lesen. Weiterlesen

Ralph Knobelsdorf: EIN FREMDER HIER ZU LANDE

Im Band 2 der Reihe „Ein Fall für Wilhelm von der Heyden“ geht es um einen erstmalig in Berlin festgestellten Serienmörder. Diese Feststellung konnte nur getroffen werden da neue Methoden zur Ermittlung von Straftätern eingeführt wurden. Das Werk macht uns außerdem mit der Klassengesellschaft dieser Zeit bekannt. Wahlrecht nach Steueraufkommen, kein Frauenwahlrecht und keine Möglichkeit militärische Straftäter durch bürgerliches Recht zu belangen. Wer heiraten wollte benötigte die Zustimmung der Eltern. Ein Kriminalroman, der eindringlich die gesellschaftlichen Gegebenheiten durchleuchtet. Weiterlesen

Wolfram Fleischhauer: Die dritte Frau

Ein historischer Kriminalroman der sich mit einem der rätselhafteren Bilder im Louvre beschäftigt, auf dem zwei Frauen in einer Badewanne zu sehen sind, bei der die eine Dame der anderen an die Brust fast. Beide Frauen sind Mätressen des Königs Heinrich IV die kurz vor der Verehelichung verstorben sind. Der Autor des Buches, der Protagonist des Romans, versucht mithilfe einer Erbin herauszufinden, wo was es mit diesem Bild auf sich hat. Die Fahndung nach belastbaren Unterlagen erweist sich als äußerst spannend und stürzt den Protagonisten in sich immer schneller drehenden Strudel von Ereignissen die dann in ein Finale furioso mündet. Der Roman ist außergewöhnlich gut recherchiert und man blättert sich wie bei einer Zwiebel langsam zum Kern vor. Weiterlesen

SUSANNE GOGA: Schatten in der Friedrichstadt

Wir schreiben das Jahr 1928. Die Autorin entführt uns in die Welt der Zeitungsverlage und der Meinungsmacher. Alfred Hugenberg hat schon früh erkannt dass man mit einer Meinungsführerschaft Bevölkerung lenken kann. Indem er sämtliche Produktionsstufen der Zeitung zur Erstellung in einer Hand versammelte, drei Filmgesellschaft in der Hand hielt und mit der Wirtschaftsstelle für die Provinzpresse ca. 1600 Zeitungen beeinflusste war er der Meinungsmacher. Als Gegenspieler waren es die Ullsteins und die Verlagsgruppe Scherl die ihm Paroli geboten. Das ist der Grundstoff auf dem diese Kriminalgeschichte basiert. Ein investigativer Journalist von Ullstein wird ermordet. Leo Wechsler hat hier seinen achten großen Fall, der unter die Haut geht. Weiterlesen

Ralf Langroth: Ein Präsident verschwindet

1954 war es eine Sensation, die auch international für Aufsehen erregt hat, als der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz der Bundesrepublik Republik Deutschland, Otto John, in die Sowjetzone gereist ist und von dort dubiose Pressekonferenzen gab. Adenauer ,als Kanzler setzt um diesen Fall zu lösen, einen ihm bekannten Ermittler ein, der auch mit einer linksradikalen Journalisten verbandelt ist. Der Roman gibt doch sehr die Atmosphäre und die politischen Verhältnisse des Jungen Deutschland wider. Die Amerikaner, die konservativen Akteure und die Organisation Gehlen mischen hier mit, um ihre Pfründe abzusichern. Die Organisation Gehlen ist die Nachfolgeorganisation der „ Fremde Heere Ost“ des Naziregimes und genießt die Unterstützung der Amerikaner. Die Sowjets üben auf ihrem Territorium ein gnadenloses Regime aus, dass über Leichen geht. Spannende Unterhaltung. Weiterlesen

Niklas Natt och Dag: 1795

Mit diesem Band geht die dreiteilige Reihe um die sehr unterschiedlichen Ermittler, ein einarmiger Soldat, Jean Michael Cardell, und ein traumatisierter Zwillingsbruder, Emil Winge, zu Ende. Die Romane werden ein Schlaglicht auf eine Vergangenheit Schwedens deren Trauma bis heute noch nachwirkt. Es ist die Zeit als Schweden völlig sowohl wirtschaftlich, politisch und sozial heruntergekommen ist. Ein Paria unter den Europäischen Staaten. Soziopädische Gesellschaften haben die Bevölkerung und den Staat unter Kontrolle. Alkoholismus in der zerstörerichsten Form macht von niemanden halt und lässt familiäre Bindungen nicht zu. All dies wird mit geradezu seziererischen Betrachtungsweise geschildert. Der Autor lässt uns aber auch über seine Protagonisten über diese Zustände philosophieren und nachdenklich zurück. Weiterlesen

Michael Jensen: Totenreich

Totenreich, ein Buch das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Es ist spannend wie ein Krimi, es schildert die Zustände am Ende und kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs in Deutschland und es ist eine Betrachtung des psychischen Zustands der handelnden Menschen. Nicht nur der Deutschen sondern auch der Amerikaner und Engländer die darüber scheinbar publiziert haben. Ein ehemaliger Kriminalkommissar durchläuft Lebenssituationen die er nicht gewollt aber die er nicht verhindern konnte um nach dem Krieg als Kriegsverbrecher da zu stehen. Es ist detailgenau in diesem Werk geschildert wer seine Haut wie gerettet hat und welche Interessen die Alliierten Mächte hatten. Durch die Profession des Autoren blickt man tief in die Psyche des Kommissars. Ich möchte ungewöhnlicher Weise von diesem Werk auf einen anderen Spionagethriller, Ritchie Girl von Andreas Pflüger verweisen, der diese Zeit auch beleuchtet hat. Dieses Buch kann als selbstständiger Roman gelesen werden obwohl die Werke Totenland (sie Rezensionen im Stadtmagazin) und Totenwelt sehr zu empfehlen sind. Weiterlesen