Schlagwort: Historischer Kriminalroman

Michael Jensen: Totenland

Ein historischer Kriminalroman der Spitzenklasse. Er vereint mehrere sehr interessante Aspekte in sich. Zum Einen schildert er die letzten Kriegstage und die Opfer die er unter der Zivilbevölkerung angerichtet hat. Zum Zweiten deckt er die psychischen Befindlichkeiten der Opfer und der Täter auf. Der Polizist als Opfer der beiden Kriege in die er gezwungen wurde und die Täter in den Reihen der SS und politisch handelnden. Mitläufertum ist angesagt, nur nicht auffallen und versuchen seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. All das schafft der Autor in bemerkenswerter Weise ohne dabei den Spannungsbogen der Kriminalhandlung zu vergessen. Weiterlesen

Boris Meyn: Sturmzeichen, Historischer Kriminalroman

Meyen hat die Zeit vor 90 Jahren wahrhaft anschaulich aufleben lassen. 1929 war die Zeit als der Nationalsozialismus massiv in Erscheinung getreten ist. Als kleine Partei hat die NSDAP vom Kampf der Sozialdemokraten gegen Kommunisten profitiert. Von Profiten haben einige Banker und Kriminelle geträumt und windige Geschäfte angeleiert. Da haben sich die Polizeikräfte und eine Journalistin heftig eingemischt. Der Autor versteht es die Atmosphäre aufzunehmen und daraus einen starken Roman zu machen. Lokalkolorit gepaart mit fundierten historischen Kenntnissen machen diesen Roman sehr lesenswert.

 

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Alex Beer: Der dunkle Bote, ein Fall für August Emmerich historischer Kriminalroman,

Wien in dunklen Zeiten. Herbst 1920. Das Bürgertum verheizt seine Möbel, die Kinder erfrieren auf den Gassen. Das rechte Gesox ködert mit Hassparolen und dann gibt’s da noch Tote die einfach ermordet werden. Alex Beer hat wieder einmal bewiesen dass sie diese Zeit authentisch auf Papier bannen kann. Wer dann noch von den guten alten Zeiten sprechen kann dem ist nicht zu helfen. Nationalstolz, dass transportiert Beer geschickt zwischen den Zeilen, ist der Anfang. Das Ende ist Elend und Hunger.

 

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Vlastimil Vondruska: Das Bestiarium von Mähren

Diesen spannenden historischen Kriminalroman zeichnet sich besonders dadurch aus in dem er die gesellschaftlichen Verhältnisse deutlich macht. Die Inquisition gilt quasi als unantastbar. Bischöfe generieren sich als weltliche und geistliche Oberherren. Lehensherren können Ihre Leibeigenen auch erschlagen wenn sie einen Grund dafür finden. Dies macht der Autor sehr deutlich. Er zeigt auch die Landschaft von Böhmen und Mähren mit dichten Wäldern und das harte Leben der Bauern. Weiterlesen

Niklas Natt och Dag: 1793

Schwadenkrimis orientieren sich meist an den kriminellen Handlungen. Bei diesem wahrhaft historischen Krimi, ist die Handlung Auswuchs einer Gesellschaft, die am Rande des Zusammenbruchs steht. Korruption und Misswirtschaft im Zusammenspiel mit einer Volksdroge die eine Gesellschaft zu debilen Masse verkommen lässt: Alkohol. Das Verbrechen das es aufzuklären gilt ist grausam, genau so grausam wie die Obrigkeit mit Bürgern und Bauern umgeht. Absolutismus ohne funktionierende Rechtsordnung macht den Weg frei für absolute Unterdrückung. Das Buch ist herausragend recherchiert. Weiterlesen

Frank Goldammer: Vergessene Seelen. Ein Fall für Max Heller

Deutschland hat scheinbar vergessen! Vieles was der Dresdner Autor uns in seinen realistischen Beschreibungen drastisch vor Augen führt, ist erst 70 Jahre her. Not, Zerstörung und damit Elend, Verwahrlosung sind das Ergebnis rassistischer und engstirniger Politik. Deswegen ist das vorliegende Buch ein Mahner! Es mahnt die handelnden Personen zur Weitsicht und zur Toleranz gegenüber Andersdenkenden. Spannend und ausdrucksstark ist das dritte Buch mit Max Heller als Oberkommissar in einer besetzten Stadt. Weiterlesen

Viktor Glass: Schüssler und die verschwundenen Mädchen

Ein Kriminalroman der auch ein Sozialreport sein könnte. Glass schildert die Lebens-u. Arbeitsbedingungen der Dienstmädchen, Mägde und der Arbeiter. Das das kein Zuckerschlecken war, sieht man daran, dass die Menschen nicht alt wurden. Krankheiten durch Unterernährung und Auszehrung waren Standard. Die sozialen Errungenschaften durch Gewerkschaften gab es noch nicht. Herrschaften machten sich diese Umstände zu nutze, und gingen gnadenlos mit der Dienerschaft um. Menschenhandel, ähnlich wie heute, nur nicht so international, gab es auch schon. Ein exellenter Einblick in das Jahr 1890 und dazu noch spannend.

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Beate Sauer: Echo der Toten. Ein Fall für Friederike Matthée

Es ist schwer vorstellbar was unsere Mütter und Väter erlebt haben müssen in der Zeit nach dem Krieg. Ein weiser Mann hat mal gesagt: „Der Krieg hat einen langen Atem“. Dieser Atem war 1947 wohl ausgesprochen eisig. Es gab fast nichts und ein erwachsener Mensch musste mit 800 Kalorien am Tag auskommen. Das alles fast die Autorin in einen spannenden sprachlichen Rahmen. Sie spart nicht die Frage nach der Schuld und die Schrecken der Besatzungen durch die Alleierten aus. Eine weibliche Polizistin ist in dieser Zeit sehr ungewöhnlich und der Beginn einer Kriminalreihe mit Friederike Matthée, einer Heimatvertriebenen, die es nach Köln verschlagen hat. Weiterlesen

Kerstin Ehmer: Der weiße Affe

Berlin in der Weimarer Republik war ein Schmelztiegel in all seinen Facetten. Schillernde Bars und sexuelle Freiheit charakterisieren die Großstadt genauso wie Antisemitismus und die schwelenden Vorboten des Nationalsozialismus. Die Autorin versteht es, die brodelnde Atmosphäre dieser widersprüchlichen Zeit spürbar zu machen. Großbürgertum, Verelendung der Bevölkerung besonders der Kinder. Dabei bedient sie sich einer Sprache, deren Schönheit das Flair der Goldenen Zwanziger lebendig einfängt und gleichzeitig modern daherkommt.

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JEAN-FRANÇOIS PAROT: Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weißmäntel

Commissaire Le Floch und das Geheimnis der Weissmaentel von Jean-Francois Parot

Die erfolgreichste und anspruchsvollste Serie historischer Krimis aus Frankreich erscheint endlich in Deutschland. Dieser Kriminalroman gewährt Einblick in die Alltagskultur des 18. Jahrhunderts, wie sie Parot in seiner Romanserie immer wieder darstellt: Hintergründe zum Straßenleben, zur Hygiene, zur Sexualmoral der Zeit, zur Kochkunst und zur Entwicklung der Gastronomie. Jean-François Parot schreibt über das Paris des 18. Jahrhunderts, als habe er diese Zeit selbst miterlebt. Man geht mit ihm durch die Gassen, speist mit ihm die damaligen Gerichte, hört gelehrten Unterhaltungen ebenso fasziniert zu wie dem Kauderwelsch der halb kriminellen Unterwelt. Man begegnet Romanfiguren, die glaubwürdig und interessant sind, sei es der oberste Polizeichef, die verruchte Bordellbesitzerin oder der Kammerdiener. Diese realistische Darstellung des Alltags der kleinen und großen Leute erklärt – zusammen mit der sympathischen Hauptfigur und den vielen historischen Figuren – wohl auch den Erfolg der Serie. Spannung gibt es zu hauf. Wer wissen will wie es in der Bastille ausgesehen hat oder wie der Henker von Paris sein Handwerk versteht, der ist hier goldrichtig.

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