Schlagwort: Historischer Kriminalroman

Wolfram Fleischhauer: Die dritte Frau

Ein historischer Kriminalroman der sich mit einem der rätselhafteren Bilder im Louvre beschäftigt, auf dem zwei Frauen in einer Badewanne zu sehen sind, bei der die eine Dame der anderen an die Brust fast. Beide Frauen sind Mätressen des Königs Heinrich IV die kurz vor der Verehelichung verstorben sind. Der Autor des Buches, der Protagonist des Romans, versucht mithilfe einer Erbin herauszufinden, wo was es mit diesem Bild auf sich hat. Die Fahndung nach belastbaren Unterlagen erweist sich als äußerst spannend und stürzt den Protagonisten in sich immer schneller drehenden Strudel von Ereignissen die dann in ein Finale furioso mündet. Der Roman ist außergewöhnlich gut recherchiert und man blättert sich wie bei einer Zwiebel langsam zum Kern vor. Weiterlesen

SUSANNE GOGA: Schatten in der Friedrichstadt

Wir schreiben das Jahr 1928. Die Autorin entführt uns in die Welt der Zeitungsverlage und der Meinungsmacher. Alfred Hugenberg hat schon früh erkannt dass man mit einer Meinungsführerschaft Bevölkerung lenken kann. Indem er sämtliche Produktionsstufen der Zeitung zur Erstellung in einer Hand versammelte, drei Filmgesellschaft in der Hand hielt und mit der Wirtschaftsstelle für die Provinzpresse ca. 1600 Zeitungen beeinflusste war er der Meinungsmacher. Als Gegenspieler waren es die Ullsteins und die Verlagsgruppe Scherl die ihm Paroli geboten. Das ist der Grundstoff auf dem diese Kriminalgeschichte basiert. Ein investigativer Journalist von Ullstein wird ermordet. Leo Wechsler hat hier seinen achten großen Fall, der unter die Haut geht. Weiterlesen

Ralf Langroth: Ein Präsident verschwindet

1954 war es eine Sensation, die auch international für Aufsehen erregt hat, als der damalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz der Bundesrepublik Republik Deutschland, Otto John, in die Sowjetzone gereist ist und von dort dubiose Pressekonferenzen gab. Adenauer ,als Kanzler setzt um diesen Fall zu lösen, einen ihm bekannten Ermittler ein, der auch mit einer linksradikalen Journalisten verbandelt ist. Der Roman gibt doch sehr die Atmosphäre und die politischen Verhältnisse des Jungen Deutschland wider. Die Amerikaner, die konservativen Akteure und die Organisation Gehlen mischen hier mit, um ihre Pfründe abzusichern. Die Organisation Gehlen ist die Nachfolgeorganisation der „ Fremde Heere Ost“ des Naziregimes und genießt die Unterstützung der Amerikaner. Die Sowjets üben auf ihrem Territorium ein gnadenloses Regime aus, dass über Leichen geht. Spannende Unterhaltung. Weiterlesen

Niklas Natt och Dag: 1795

Mit diesem Band geht die dreiteilige Reihe um die sehr unterschiedlichen Ermittler, ein einarmiger Soldat, Jean Michael Cardell, und ein traumatisierter Zwillingsbruder, Emil Winge, zu Ende. Die Romane werden ein Schlaglicht auf eine Vergangenheit Schwedens deren Trauma bis heute noch nachwirkt. Es ist die Zeit als Schweden völlig sowohl wirtschaftlich, politisch und sozial heruntergekommen ist. Ein Paria unter den Europäischen Staaten. Soziopädische Gesellschaften haben die Bevölkerung und den Staat unter Kontrolle. Alkoholismus in der zerstörerichsten Form macht von niemanden halt und lässt familiäre Bindungen nicht zu. All dies wird mit geradezu seziererischen Betrachtungsweise geschildert. Der Autor lässt uns aber auch über seine Protagonisten über diese Zustände philosophieren und nachdenklich zurück. Weiterlesen

Michael Jensen: Totenreich

Totenreich, ein Buch das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Es ist spannend wie ein Krimi, es schildert die Zustände am Ende und kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs in Deutschland und es ist eine Betrachtung des psychischen Zustands der handelnden Menschen. Nicht nur der Deutschen sondern auch der Amerikaner und Engländer die darüber scheinbar publiziert haben. Ein ehemaliger Kriminalkommissar durchläuft Lebenssituationen die er nicht gewollt aber die er nicht verhindern konnte um nach dem Krieg als Kriegsverbrecher da zu stehen. Es ist detailgenau in diesem Werk geschildert wer seine Haut wie gerettet hat und welche Interessen die Alliierten Mächte hatten. Durch die Profession des Autoren blickt man tief in die Psyche des Kommissars. Ich möchte ungewöhnlicher Weise von diesem Werk auf einen anderen Spionagethriller, Ritchie Girl von Andreas Pflüger verweisen, der diese Zeit auch beleuchtet hat. Dieses Buch kann als selbstständiger Roman gelesen werden obwohl die Werke Totenland (sie Rezensionen im Stadtmagazin) und Totenwelt sehr zu empfehlen sind. Weiterlesen

Michael Jensen: Blutgold, Syndicat Berlin

Der Autor Michael Jensen ist uns durch seine historischen Kriminalromane Totenland und Totenwelt besonders aufgefallen, weil er nicht nur kriminelle Handlungen während und nach dem Zweiten Weltkrieg schildert, sondern auch die Innenansichten der jeweiligen handelnden Personen. (Siehe auch frühere Rezensionen). Mit der neuen Krimiserie Syndicat Berlin führt er seine Leserschaft durch seine ausgezeichnet recherchierten Romane in das Berlin von 1918. Der Kaiser hat abgedankt, das Volk hungert und die Kriegsgewinnler versuchen aus der Niederlage finanzielle Erfolge zu erzielen. Die Protagonisten in dieser explosiven Zeit sind die Familie Sass, Kleinkriminellen die nach höherem Streben, rechtsnationale industrielle und Kapitalisten sowie unter Waffen stehende Freischärler. Bezeichnend ist auch in diesem Roman der Blick des Autoren hinter die Kulissen, die sich doch erheblich von der in der Schule vermittelten Tatsachen unterscheiden. Weiterlesen

Alex Beer: Der letzte Tod, Ein Fall für August Emmerich

Wir schauen durch diesen Raman direkt in das Wien von 1922. Eine wirtschaftlich zerstörte Stadt die am Anfang einer galoppierenden Inflation steht und deren Einwohner in Löchern wohnen die man nicht Wohnungen nennen kann. Die Polizei ist schlecht ausgerüstet und in bürokratischen Denkmustern gefesselt. Der Protagonist, August Emmerich kann sich dem nur entziehen weil er brillante Ergebnisse erzieht. Sein persönlicher muffeliger Umgangston macht ihn unbeliebt. Deshalb hat er auch Feinde die ihm tödlich nahe kommen. Die Mordinspektion „Leib und Leben“ arbeitet wieder auf Hochtouren und wir, die Leser fiebern mit.

 

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Ralph Knobelsdorf: DES KUMMERS NACHT; Zusätzlich ein Werkstattgespräch mit Autor

Dieser historische Kriminalroman ist eine absolute Leseperle. Es ist ein Roman der eine unglaubliche Vielfalt von historischen Details beinhaltet und diese in spannender Form an seine Leserschaft weitergibt. Der Autor hat hier eine unglaubliche Recherchearbeit geleistet, in der die kulturelle, soziologische, wirtschaftliche und politische Situation Preußens im Jahre 1950 darstellt. Wir, die Leser erfahren was sich im Königshaus tut, welche wirtschaftlichen Nöte die Gutsbesitzer und die kleinen Leute drücken und welche technologischen Gegebenheiten dieser Zeit vorhanden sind. Atmosphärisch dicht vermittelt uns der Roman die Standesdünkel der adligen Gesellschaft und welche Auswirkungen die deutsche Revolution von 1948 für die Zukunft Preußens und der deutschen Nation bereithält. Besonders beachtenswert ist das Zusammentreffen der handelnden Personen mit Otto von Bismarck dem späteren Reichskanzler des Deutschen Reiches, der uns die europäische Stellung Preußens und der angrenzenden Nationen vermittelt. Erleben Sie mit Wilhelm von der Heyden, dem Protagonisten, die Entwicklung der preußischen Kriminalpolizei im Berlin des 19. Jahrhunderts! Weiterlesen

Alex Beer: Der letzte Tod, Ein Fall für August Emmerich

Wir schauen durch diesen Roman direkt in das Wien von 1922. Eine wirtschaftlich zerstörte Stadt die am Anfang einer galoppierenden Inflation steht und deren Einwohner in Löchern wohnen die man nicht Wohnungen nennen kann. Die Polizei ist schlecht ausgerüstet und in bürokratischen Denkmustern gefesselt. Der Protagonist, August Emmerich kann sich dem nur entziehen weil er brillante Ergebnisse erzieht. Deshalb hat er auch Feinde die ihm tödlich nahe kommen. Da sich die Täter nicht auf Wien beschränken muss Emmerich auch ins Ausland reisen. Die Mordinspektion „Leib und Leben“ arbeitet wieder auf Hochtouren und wir, die Leser, fiebern mit.

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Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers, Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Es gibt es tatsächlich, das Buch des Totengräbers. Es hieß Almanach für Totengräber und hat bahnbrechende Erkenntnisse über die Stadien der Verwesung bei Toten aufgeschrieben. Es wurden auch Teile aus dem Handbuch der medizinischen Polizei von 1848 aufgenommen. Diese Erkenntnisse gelten heute noch in der Forensik. Der Autor hat diese Versatzstücke manchen Kapiteln voraus gestellt und zum Anlass genommen, einen fiktiven Kriminalfall zu entwickeln. Es gelingt ihm die morbide Umgebung, nämlich dem Wiener Hauptfriedhof und seinen über zwei Millionengräbern hautnah zu schildern. Auch die judenfeindliche Atmosphäre in der Vielvölkerstadt wird recht deutlich geschildert. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse entsteht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und damit einhergehend die Vorstellung der reichen Menschen die absolute Macht über den anderen Teil, den größeren Teil, zu besitzen. In der Figur des Ermittlers der eine Affinität zu neueren Techniken, wie der Fotografie, hat, ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen. Weiterlesen