Schlagwort: Historischer Kriminalroman

Ralph Knobelsdorf: DES KUMMERS NACHT; Zusätzlich ein Werkstattgespräch mit Autor

Dieser historische Kriminalroman ist eine absolute Leseperle. Es ist ein Roman der eine unglaubliche Vielfalt von historischen Details beinhaltet und diese in spannender Form an seine Leserschaft weitergibt. Der Autor hat hier eine unglaubliche Recherchearbeit geleistet, in der die kulturelle, soziologische, wirtschaftliche und politische Situation Preußens im Jahre 1950 darstellt. Wir, die Leser erfahren was sich im Königshaus tut, welche wirtschaftlichen Nöte die Gutsbesitzer und die kleinen Leute drücken und welche technologischen Gegebenheiten dieser Zeit vorhanden sind. Atmosphärisch dicht vermittelt uns der Roman die Standesdünkel der adligen Gesellschaft und welche Auswirkungen die deutsche Revolution von 1948 für die Zukunft Preußens und der deutschen Nation bereithält. Besonders beachtenswert ist das Zusammentreffen der handelnden Personen mit Otto von Bismarck dem späteren Reichskanzler des Deutschen Reiches, der uns die europäische Stellung Preußens und der angrenzenden Nationen vermittelt. Erleben Sie mit Wilhelm von der Heyden, dem Protagonisten, die Entwicklung der preußischen Kriminalpolizei im Berlin des 19. Jahrhunderts! Weiterlesen

Alex Beer: Der letzte Tod, Ein Fall für August Emmerich

Wir schauen durch diesen Roman direkt in das Wien von 1922. Eine wirtschaftlich zerstörte Stadt die am Anfang einer galoppierenden Inflation steht und deren Einwohner in Löchern wohnen die man nicht Wohnungen nennen kann. Die Polizei ist schlecht ausgerüstet und in bürokratischen Denkmustern gefesselt. Der Protagonist, August Emmerich kann sich dem nur entziehen weil er brillante Ergebnisse erzieht. Deshalb hat er auch Feinde die ihm tödlich nahe kommen. Da sich die Täter nicht auf Wien beschränken muss Emmerich auch ins Ausland reisen. Die Mordinspektion „Leib und Leben“ arbeitet wieder auf Hochtouren und wir, die Leser, fiebern mit.

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Oliver Pötzsch: Das Buch des Totengräbers, Ein Fall für Leopold von Herzfeldt

Es gibt es tatsächlich, das Buch des Totengräbers. Es hieß Almanach für Totengräber und hat bahnbrechende Erkenntnisse über die Stadien der Verwesung bei Toten aufgeschrieben. Es wurden auch Teile aus dem Handbuch der medizinischen Polizei von 1848 aufgenommen. Diese Erkenntnisse gelten heute noch in der Forensik. Der Autor hat diese Versatzstücke manchen Kapiteln voraus gestellt und zum Anlass genommen, einen fiktiven Kriminalfall zu entwickeln. Es gelingt ihm die morbide Umgebung, nämlich dem Wiener Hauptfriedhof und seinen über zwei Millionengräbern hautnah zu schildern. Auch die judenfeindliche Atmosphäre in der Vielvölkerstadt wird recht deutlich geschildert. Durch die wirtschaftlichen Verhältnisse entsteht eine große Kluft zwischen Arm und Reich und damit einhergehend die Vorstellung der reichen Menschen die absolute Macht über den anderen Teil, den größeren Teil, zu besitzen. In der Figur des Ermittlers der eine Affinität zu neueren Techniken, wie der Fotografie, hat, ist dem Autor ein Sympathieträger gelungen. Weiterlesen

Oliver Buslau: Feuer im Elysium

Es erstaunt immer wieder, welche Themen man in einem Kriminalroman behandeln kann. Im vorliegenden historischen Kriminalroman geht es um die neunte Symphonie von Ludwig van Beethoven im Jahre 1824. Diese Zeit war geprägt von der Regentschaft des Fürsten Metternich der mit seinem Bespitzelungssystem versucht hat die Freiheitsbestrebungen im Keim zu ersticken. Nach der französischen Revolution und Kaiser Napoleon hatten die Menschen den Geruch der Freiheit geschnuppert und wollten von diesem nicht mehr lassen. Beethoven hat mit diesen Freiheit Gedanken gespielt und sie in Musik übersetzt. Deutlich besonders Friedrich Schillers „Ode an die Freude“ zu der er geniale Musik komponierte. Dem Autor gelingt es der Leserschaft zum einen die Musik näherzubringen und zum andern die Gedankenwelt der rebellischen Jugend zu schildern. Weiterlesen

Amber & Berg: Venusfluch. Auf den Trümmern von Berlin

Das Überleben im Berlin von 1949 ist manchmal eine Glückssache. Durch die rasende Zunahme von Geschlechtskrankheiten grassiert die Syphilis. Das Gegenmittel das Penicillin wurde gerade erst erfunden und die Herstellung ist sehr schwierig. Dementsprechend ist das Mittel sehr knapp. Nur wenige und, und die die es sich leisten können werden behandelt. Der Schwarzhandel blüht und einige verdienen prächtig daran. Das ist die Situation in der die Ermittler in eine Klinik gerufen werden von deren Dach ein Mediziner gefallen ist. Mord oder Selbstmord? Ein Spannungsfeld entsteht auch durch die Personen der Ermittler von denen einer ein Exil deutscher Polizist ist der bei Scottland Yard gearbeitet hat. Weiterlesen

Ian McGuire: Der Abstinent

Dieser außergewöhnliche Kriminalroman spielt im Jahre 1867 und schildert das Verhältnis zwischen Engländern und Iren. Als Protagonisten schildert der Autor einen irischen Polizeibeamten der wegen Trunksucht nach Manchester versetzt wird und einen irisch stammenden amerikanischen Soldaten. Der Polizist soll in England irische Verschwörer entdecken und der Soldat soll unter der englischen Bevölkerung für Unruhe sorgen, damit sich Irland von England abspalten kann. Als tatsächliche geschichtliche Grundlage nimmt der Autor die Hinrichtung von drei irischen Fanians, die unter der irischen Einwohnerschaft von Manchester für großen Aufruhr sorgt. Der Roman sorgt für großes Kopfkino das aufgrund der Erzählweise an die Kriminalfilme der fünfziger und sechziger Jahre in schwarz-weiß erinnert. Weiterlesen

Thomas Ziebula: Abels Auferstehung

Nachdem uns der Roman „rote Judas“ gut gefallen hat, war ich auf den neuen Roman von Thomas Ziebula gespannt. Das Warten hat sich gelohnt denn der neue Band ist noch spannender und atmosphärisch dichter als der Vorhergehende. Die politische Situation 1920 in Leipzig ist geprägt von den Ewiggestrigen und den Kriegsverlierern sprich Kriegsversehrte, Witwen und hungrigen Kindern. In diesen unsicheren Zeiten haben es Frauen schwer sich zu behaupten. Die investigative Journalistin Marlene Wagner will den Tod eines Soldaten aufklären und löst einen Strudel von Gewalt aus. Mit den Toten muss sich nun der Kriegsheimkehrer und psychisch stark angeschlagene Kriminalinspektor Paul Stainer beschäftigen und bekommt von Seiten rechtsnationaler Burschenschaftler Knüppel zwischen die Beine geworfen. Diesem Band werden wir durch die Kneipen und Gaststätten des alten Leipzigs geführt und können am Ende des Buches zum Showdown vor Spannung nicht aufhören zu lesen. Weiterlesen

Alex Beer: Unter Wölfen – Der verborgene Feind

Unter WoelfenDer verborgene Feind von Alex Beer

Wenn ein Jude im Jahre 1942 in Nürnberg der Stadt der Reichsparteitage überleben will, muss er sich entweder verstecken oder wie im vorliegenden Buch die Person eines Standartenführers der SS einnehmen. Isaak Rubinstein ist in diesem Werk zum zweiten Mal als Sonderermittler tätig und muss sich gegenüber mehreren Bedrohungen erwehren. Zum einen stellt ihm eine attraktive Blondine nach, zum andern deren eifersüchtiger Verehrer und schlussendlich auch der Kriminalpolizist der eine Mordserie aufklären muss. Die Autorin versteht es, die Atmosphäre aus Angst, Denunziantentum und Judenhass zu vermitteln. Und in dieser Atmosphäre steckt nun dieser gelernte Antiquar und muss sich seine Haut erwehren. Wie auch schon im ersten Werk der Autorin fiebert die Leserschaft mit dem „Hobbakriminalisten “ Adolf Weissmann. Weiterlesen

Dieter Aurass: Rheinlandbastard

Bislang kam die Zeit um 1920 und das Rheinland in dieser Zeit wenig in Kriminalromanen vor. Deutschland hatte den Krieg verloren und musste hohe Reparationszahlungen an Frankreich leisten dass es im Krieg verwüstet hatte. Da Deutschland zahlungsfähig war besetzte Frankreich das Rheinland. Zu den Besatzungssoldaten gehören auch Afrikaner.Das sorge für Zündstoff. Der Roman spielt Koblenz das durch die Festung Ehrenbreitstein dominiert wird. Hier sitzt der französische General der durch Morde an seinen Soldaten aufgeschreckt wird. Er veranlasst das sein Mordermittler mit einem deutschen Kommissar zusammenarbeitet. Je mehr Morde passierten desto enger wird die Zusammenarbeit zwischen den Mordermittlern. Der Autor zeigt uns, wie die Menschen in dieser Zeit dachten und handelten. Die aufkommenden faschistischen Tendenzen bleiben dabei nicht unberücksichtigt. Gut recherchiert und mit Sicherheit werden wir von den beiden Ermittlern noch lesen. Weiterlesen

Harald Gilbers: Hungerwinter, Ein Fall für Kommissar Oppenheimer, Band 5

Wir sehen in diesen Tagen Bilder und Filme aus den letzten Tagen des Krieges und dem Elend der nachfolgenden Jahre. Harald Gilbers hat diese Jahre literarisch in einigen Kriminalromanen verarbeitet. Dabei verbreitet er das Gefühl mit uns durch die Ruinen von Berlin zu wandern und Menschen zu begegnen, die entweder auf der Flucht, in Kellerlöchern oder sonst wie auf ihre bloße Existenz reduziert, leben. In seinen Romanen blendet der Autor auch nicht die politischen Hintergründe die es zu dieser Zeit in den verschiedenen Sektoren in Berlin gegeben hat. Die Sowjets versuchen über die Gewerkschaften die Parteien Einfluss zu nehmen. Die Amerikaner versuchen durch eine Charmeoffensive die Herzen der Berliner für sich zu gewinnen. Dabei geht es Ihnen aber darum qualifizierte Menschen für sich an Land zu ziehen um ihre Rüstungsprojekte fortzuführen. Alte Nazis werden dabei gerne genommen. Weiterlesen