Alle Artikel von Stephan Schwammel

Jürgen Heimbach: Die Rote Hand

Frankfurt 1959, in dieser noch vom Krieg zerstörten Stadt, tummeln sich Kriegsgewinnler Geheimdienste und andere üble Gestalten. Einen Bombenanschlag auf einen Waffenhändler in Frankfurt nimmt der Autor zum Anlass, daraus eine auf Tatsachen beruhende spannende Geschichte zu schreiben. Die rote Hand hat tatsächlich existiert. Es war der Deckname des französischen Geheimdienstes, der in Deutschland Waffenschieber und Waffenhändler bedroht hat, die Waffen an die algerische Widerstandsbewegung geliefert haben.  Eine spannende Geschichte die in einer Atmosphäre spielt, die jeder der in Frankfurt einmal gelebt hat, nachvollziehen kann. Weiterlesen

Esi Edugyan: Washington Black

Ein Buch das geradezu für die gegenwärtige Rassismus Diskussion gemacht ist. Sklaverei, Ausbeutung, Kolonialismus, Menschenverachtung, all dies spielt in diesem Roman eine dominierende Rolle. Ein schwarzer Junge berichtet von seinen Erlebnissen auf einer Zuckerrohrplantage und wird von einem Besitzer für Experimente gebraucht. Mit ihm geht er auch auf Reisen. Dabei trifft er auf die unterschiedlichsten Menschen und macht erstaunliche Erfahrungen. Ein Abenteuerroman, der spannende und tiefe Einblicke in koloniale Denk- und Handlungsweisen ermöglicht. Weiterlesen

Kevin Major: CARIBOU

Caribou ist der Name eines Fährschiffes das von Neufundland 1942 aufbrach und kurz vor seinem Ziel durch ein deutsches U-Boot versenkt wurde. Dabei kamen 137 Menschen ums Leben. Der Autor schildert uns eindringlich die Innenwelten der Menschen, die mit diesem kriegsbedingten Zusammentreffen zu tun haben. Der deutsche U-Boot Kommandant auf der einen Seite und die Besatzung und Passagiere der wäre auf der anderen Seite sind stellvertretend für alle Menschen die in dieser Zeit im Krieg oder vom Krieg betroffen sind. Der Autor vermeidet es ein Freund – Feindbild zu zeichnen sondern macht deutlich, dass wenn es zu einem Krieg kommt es nur Verlierer geben kann. Der zweite Weltkrieg hat über 50 Millionen Tote gekostet. Einen ausführlichen Anhang dieses Buches macht deutlich, dass der Autor umfangreiche Recherchearbeit geleistet hat. Weiterlesen

Garry Disher: Hope Hill Drive

Wenn Garry Disher seinen Protagonisten Constable Hirschhausen um die Weihnachtszeit im australischen Ausblick auf Streife schickt, spürt man die unbarmherzige Sonne Australiens beim Lesen auf der Haut. Wir lernen die Menschen dieser gottverlassenen Gegend intensiv kennen und fragen uns unwillkürlich wie kann man dort leben und überleben. Der Constable stolpert unwillkürlich immer intensiver in immer intensivere Vergehen und Verbrechen. Die Lebensweise und Mentalität der Bewohner spiegelt sich in den desolaten Zuständen dieser Gegend. Unwillkürlich fragt man sich welche Chancen haben  eigentlich Menschen, die in diesem Umfeld aufwachsen müssen. Disher gelingt es wieder eine Geschichte hoch spannend und absolut realitätsnah zu erzählen. Weiterlesen

Gerhard Henschel: SOKO Heidefieber, ein überregional Krimi

Ein fulminantes Werk, das jegliche Grenzen sprengt und alle genreüblichen Bestandteile enthält. Ein Kriminalroman, der wie ein ungebremster, mit Sprengstoff beladene Literatur D-Zug durch die bundesrepublikanische Landschaft rast. Dabei achtet der Autor auf sprachliche und regionale Genauigkeit auch wenn er seine Helden von Griechenland über die Türkei nach Albanien schickt. Gerhard Henschel der Autor hat keine Ängste vor großen Namen, so verarbeitet er die crème de la crème der Boulevardblätter, und auch das bekannteste deutsche Hotel das „Adlon“ mit verbaler Akrobatik. Die Morde an den Regionalkrimiautoren sind von seltener und überdrehter Schaurigkeit, sodass echte Gänsehaut nur von Lachsalven des Lesers vertrieben werden. Der Showdown am Ende des Romans ist von solch brachialer Gewalt, dass das Zwerchfell vor Erschütterung gut beherrscht werden sollte. Henschel erweist sich als echter Sprachakrobat. Weiterlesen

Giulia Caminito: Ein Tag wird kommen

Da hat der Verlag seinem Verleger zum 90en Geburtstag ein wundervolles Buch auf den Gabentisch gelegt. Fulminant und bildreich schildert die Autorin eine Familie in den Marken in Italien. Das 18. Jahrhundert geht zu Ende und die Not der kleinen Leute wird immer größer. In der Familie ist das Bewusstsein durch den Großvater, einem Anarchisten, geprägt der seine Umgebung zum Widerstand gegen die Verhältnisse anregt. Die Frauen der Familie sind die tragischen Elemente des Romans. Die Mutter gebiert nur tote Kinder, die Tochter geht ins Kloster. Der Roman zieht die Leserschaft sofort in den Bann weil die Befindlichkeiten der Protagonisten klar und eindringlich herausgearbeitet werden. Weiterlesen

Donna Leon: Geheime Quellen, Commissario Brunettis neunundzwanzigster Fall

Die Autorin ist mit Ihren Büchern weltweit vertreten. Außer in Italien. Dabei hält sie den Italienern einen Spiegel vor und zeigt die gesamtgesellschaftlichen Schwächen der Nation. Umweltschutz, Wasser sparen, Datenschutz sind nicht die herausragenden Eigenschaften der Italiener. Das Gerichtswesen liegt im Argen. In diesem Krimi stöhnt der Commissario über die Hitze und die vielen Menschen. In nächsten Krimi, so liest man, werden ihn die Menschen fehlen. Der Krimi ist wie aus dem italienischen Leben, vor Corona, locker, empathisch und gehaltvoll. Weiterlesen

Jodi Picoult: Der Funke des Lebens

Ein Roman, der ungeheuer vielschichtig ist. Zunächst einmal geht es oberflächlich um eine Geiselnahme in einer Abtreibungsklinik im Staate Mississippi. Es geht um zwei Väter und zwei Töchter dieser Väter und um die zufällig anwesenden Frauen und dem einen Arzt in dieser Klinik. Vor dieser Klinik haben sich wie immer Abtreibungsgegner positioniert. In der Klinik haben sich Frauen aufgehalten, die entweder vor oder nach einer Abtreibung dort warten. Die Autorin erzählt den Handlungsverlauf rückwärts. Beginnend mit der Geiselnahme und den dramatischen Verläufen bei der Geiselnahme bis hin zu dem morgen am dem sich alle aufmachen um zu dieser Abtreibungsklinik zu gelangen. Dieses Buch spiegelt die innersten Gefühle bei allen Beteiligten wider. Keiner der abtreibungswilligen Frauen hat oder will diese Abtreibung aus leichtfertigen Motiven. Alle sind aus wirtschaftlichen oder anderen sehr wichtigen persönlichen Gründen zu diesen Schritten gezwungen. Das Buch spiegelt aber auch den Rassismus und die dadurch entstandene wirtschaftliche Not in einem eindrucksvollen Kontext. Ein hochaktuelles Werk das brillant geschrieben ist. Weiterlesen

Thomas Christos: 1965 – Der erste Fall für Thomas Engel

Die 1960er Jahre wurde in der Kriminalliteratur bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Dies waren die Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs. Die Jugend war es satt die Regeln des patriarchalischen und Führersystems zu befolgen. Das löste bei der bürgerlichen Mehrheit Deutschlands erhebliche Unruhe aus. Diese war gehorsam gewohnt, bzw. war ihr eingeprügelt worden. Deswegen wurden beispielsweise langhaarige Männer grundlos verprügelt. Die „Negermusik“ schon den Nazis ein Graus, wird versucht zu unterdrücken. Beatles, Rolling Stones sind die Idole der Jugend. Aber die Altnazis sind noch immer an der Macht und setzen diese gnadenlos durch. Der Autor zeichnet hie ein spannendes und genaues Bild dieser Zeit. Weiterlesen

Qiufan Chen: Die Siliziuminsel

Dieses Buch ist ein Science-Fiction Roman, der in naher Zukunft spielt. Der Autor ruft bei der Leserschaft Bilder hervor, die ihr aus den Medien kennt. Wir wissen alle, dass unser Elektronikschrott in Afrika zerlegt und sortiert wird. Es gibt aber auch in China in der Stadt Guiyu eines der weltweit größten Recycling Zentren der Welt. Hier arbeiten Menschen ohne Schutz für sich selbst und der Umwelt. Es müssen grauenhafte Zustände herrschen. Die Umweltzerstörung muss dramatisch sein. Dies alles problematisiert der Autor mit den Menschenrechten, die hier mit Füßen getreten werden. Es ist dem Autor zu danken, dass er mit seinem Roman auf diese Zustände aufmerksam gemacht hat. Der Roman ist spannend und hoch intelligent. Weiterlesen