Kategorie: Buchbesprechungen

Stefanie Flamm: Neulich im Beet

Wer noch nicht mit einer Gartenkolumne von Stefanie Flamm in Berührung gekommen ist, kann sich auf ein ausgesprochenes Lesevergnügen freuen. Die Autorin schreibt ihre Gartengeschichten mit Witz, Selbstironie und im Garten erarbeitetem Wissen. Und das sehr persönlich. Sie nimmt uns nicht nur in den eigenen, sondern auch in den elterlichen Garten mit und erzählt frisch von der Leber weg von ihren Erfolgen, Erfahrungen und Vorlieben, aber auch von Misserfolgen: »Alles dauert ewig, und die Hälfte misslingt. Aber es gibt nichts Schöneres als Gärtnern.« Jedes der 25 Kapitel ist einem Thema gewidmet, trägt eine entsprechende Überschrift und am Ende des Kapitels gibt es den Was-jetzt-dran-ist-Hinweis. Die Malerin Monika Dietrich-Bartkiewicz hat die Aufgabe übernommen, die in den Kapiteln beschriebenen Naturmotive großflächig, farbig zu illustrieren. Stefanie Flamms Sachbuch eignet sich ausgezeichnet als Oster-Geschenk, das man zuallererst sich selbst machen sollte. Weiterlesen

18/4 Der Hauptmann und der Mörder, Zhou Haohui

Nachdem wir vor Kurzem erst einen Thriller aus Korea besprochen haben, hier nun ein waschechter chinesischer Thriller. Auch hier muss ich wiederholen, dass er Roman natürlich von der chinesischen Lebensweise gefärbt ist, wie sollte er nicht, denn der Autor wurde 1977 in Yangzhou geboren und lebt auch dort.

Die Story über einen Serienkiller, der sich in Selbstjustiz übt und das Sonderkommando 18/4, welches versucht ihn zur Strecke zu bringen ist durchweg spannend und gut geschrieben. Dem amerikanisch, europäisch und vor allem nordeuropäisch geprägten Thriller-Liebhaber wird auffallen, dass der chinesische Krimi recht männerlastig ist und von einem obrigkeitlichen Verhalten im Polizeiapparat dominiert wird. Das jedoch sind Realitäten in China. Wer viel im asiatischen Raum tätig war, liest darüber hinweg. Denn es geht um die Geschichte an sich und die ist ziemlich gut. Ich warte ungeduldig auf die zwei Folgebände, 18/4 Der Pfad des Rächers und 18/4 Die blinde Tochter, die demnächst bei Heyne erscheinen werden.

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Michael Jensen: Totenreich

Totenreich, ein Buch das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Es ist spannend wie ein Krimi, es schildert die Zustände am Ende und kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs in Deutschland und es ist eine Betrachtung des psychischen Zustands der handelnden Menschen. Nicht nur der Deutschen sondern auch der Amerikaner und Engländer die darüber scheinbar publiziert haben. Ein ehemaliger Kriminalkommissar durchläuft Lebenssituationen die er nicht gewollt aber die er nicht verhindern konnte um nach dem Krieg als Kriegsverbrecher da zu stehen. Es ist detailgenau in diesem Werk geschildert wer seine Haut wie gerettet hat und welche Interessen die Alliierten Mächte hatten. Durch die Profession des Autoren blickt man tief in die Psyche des Kommissars. Ich möchte ungewöhnlicher Weise von diesem Werk auf einen anderen Spionagethriller, Ritchie Girl von Andreas Pflüger verweisen, der diese Zeit auch beleuchtet hat. Dieses Buch kann als selbstständiger Roman gelesen werden obwohl die Werke Totenland (sie Rezensionen im Stadtmagazin) und Totenwelt sehr zu empfehlen sind. Weiterlesen

Rabbits, Terry Miles

Ich war nie ein Gamer und Computerspiele werden es mir wohl auch nicht mehr antun, dennoch liebe ich Geschichte wie „Ready Player Number one“ oder in diesem Fall „Rabbits“. Eine rasante, spannende Geschichte über ein mysteriöses Spiel, das sich sowohl in der Realität als auch mit Hilfe von Computersimulationen abspielt. Es ist nur den wenigen wirklichen Cracks der Welt der Computerspiele bekannt und die dürfen darüber nicht reden. Als Runde elf beginnt, scheint jedoch etwas falsch zu laufen. Menschen, Spieler verschwinden oder sterben. Ist das Spiel Rabbits daran schuld? K und seine Freundin Zoe begeben sich auf einen lebensgefährlichen Quest, wobei es immer schwierig wird zu erkennen, wo die Realität aufhört und das Spiel beginnt.

Richtig schnelle und gute Unterhaltung aus dem Universum der Computerspiele. Eine abgefahrene Reise in die Welt der virtuellen Spiele, einer verzerrten Wirklichkeit und waschechten, hochintelligenten Computercracks.

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Scholomance II, Der letzte Absolvent, Naomi Novik

Und weiter geht es im zweiten Teil mit der dunklen, magischen Zauberschule und ihren tödlichen Monstern. El ist lebend in der Abschlussklasse angekommen. Erstaunlicherweise hat sie Freunde gefunden und muss wohl oder übel zugeben, auch ihr Herz für Orion den Schulstar entdeckt. Da die Schüler der großen Enklaven, der Zaubersiedlungen auf der Welt, mittlerweile ihr magisches Potenzial kennen, reißt man sich darum, ihr einen Platz in der Siedlung anzubieten. Doch El, mürrisch und starrköpfig, wie sie nun mal ist, will das alles nicht. Eigentlich ist sie gerade richtig glücklich mit ihren Freundinnen und Orion. Als die neuen Frischlinge an die Schule kommen, hat einer eine Nachricht von ihrer Mutter: Halt dich fern von Orion Lake!

Wie es nun einmal mit Naomi Noviks Reihen ist, man wird süchtig danach. So ist auch der zweite Teil der Scholomance gruselig schöne Unterhaltung für Teenager und jung gebliebene Erwachsene. Und trotz aller Spannung dreht es sich natürlich um die großen Themen der Welt: Liebe, Freundschaft, Solidarität und Macht. Beim ersten Teil schrieb ich, Harry Potter meets Steven King, doch jetzt muss ich unbedingt noch die Tribute von Panem mit in den Vergleich aufnehmen. Tolle Unterhaltung! Der dritte Teil wird von mir bereits heiß ersehnt.

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Felix Francis: Puls

Wenn der Autor Francis heißt, dann hat man die Gewissheit, dass man es mit Pferderennen in England zu tun hat. Umso erstaunter liest am Anfang, dass die Protagonistin eine Notfallärztin unter Magersucht und Essstörungen leidet. Als dann ein bewusstloser Notfallpatient aus der Rennbahn Chaltenham eingeliefert wird, weiß man, dass man richtig ist. Langsam und hoch spannend entwickelt sich der Plot. Francis versteht es die Krankheit Magersucht und ihre Auswirkungen realitätsnah zu vermitteln. Da die Notärztin auch Rennärztin, also Dienst auf der Pferderennbahn tut, bekommen wir mit, was es heißt ein Jockey zu sein und welche Risiken hier eingegangen werden. Auch ohne dass man sich für Pferdesport interessiert, wird hier eine spannende Geschichte mit sehr realen Hintergründen erzählt. Weiterlesen

Ausgerechnet Adelheit, Sabine Ludwig, Kinderbuch ab 8 Jahre

Adelheid geht in die dritte Klasse, die sich Erdmännchen nennen. Dort ist auch ihr bester Freund Bennie, der leider immer sehr viel Unsinn im Kopf hat. Sie versucht jedes Mal ihr Bestes, ihn davon abzuhalten, Ehrenwort! Doch dann steckt sie doch wieder in einem ziemlichen Schlamassel.

Ein niedliches, freches und erfrischend problemfreies Kinderbuch. Es erzählt einfach nur Adelheids und Bennies Tage in der Schule und was man da so alles erleben kann. Pädagogisch wertvoll, weil die Kinder es bestimmt spannend finden und viel lachen können. Erwähnenswert sich auch die entzückenden Illustrationen, die zum Text passen, wie Adelheid zu Bennie!

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Lisa Graf: Dallmayr, Der Traum vom schönen Leben

Bravo! DALLMAYR Der Traum vom schönen Leben ist das, was man heutzutage gern einen „page turner“ nennt: ein fesselnder Roman. Der erste Band und Einstieg in die spannende Familiengeschichte umfasst den Zeitraum von Februar 1897 bis Dezember 1899. Lisa Graf beherrscht die Kunst der Unterhaltung. Es gelingt ihr immer wieder die unterschiedlichen Erzählstränge auf elegante Weise zu verknüpfen und sie dann gekonnt aufzulösen. Die Geschichte um den Feinkostladen Dallmayr ist Dank umfangreicher Recherchen plausibel und spannend. Die richtige Würze tragen die Protagonisten bei. Die Autorin hat die Charaktere fein ausgearbeitet, die Figuren sind lebendig, ausgestattet mit optischen und charakterlichen Vorzügen und Unzulänglichkeiten, was sie authentisch macht. Da wird nichts ausgelassen. Intrigen, Leidenschaft, Lügen, Ungehorsam. Wie im richtigen Leben ist Therese Randlkofer gefordert, seit sie nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes nicht nur Mutter, sondern Familienoberhaupt und Chefin des Familienunternehmens ist. Sie muss sich gegen den missgünstigen Schwager und die Vorbehalte der männerdominierten Geschäftswelt im München der Jahrhundertwende durchsetzen und nebenbei ihre Kinder Hermann, Elsa und Paul auf den richtigen Weg bringen sowie das Personal ausbilden und fördern. Umsichtig und mit erstaunlicher Weitsicht führt sie das Dallmayr, setzt in jeder Hinsicht auf Qualität – nur die beste Ware kommt ins Geschäft und nur das Beste Personal kümmert sich um die Wünsche der Kundschaft – und sie setzt auf Expansion. Neben den privaten, menschlichen Aspekten thematisiert Lisa Graf auch wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenhänge jener Zeit, sodass ein umfangreiches Gesamtbild entsteht. Die Autorin schreibt flott und bildhaft und die kulinarischen Beschreibungen lassen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen. Am Ende gibt es für mich nur eine Frage: Wie geht es weiter? Weiterlesen

Elisabeth Engler: Gewürze selbst machen, Über 50 Rezepte für Kräutersalz, Würzmischungen und Marinaden

Eigentlich kennt es jeder mit eigenem Haushalt und eigener Küche irgendwo hinten im Küchenschrank warten kleine Gläschen, Tütchen oder Döschen mit irgendwelchen Gewürzen, Gewürzmischungen oder sogar Pasten, die man mal benutzt hat und jetzt darauf warten, wieder verwendet zu werden. Was meinen Sie, wie alt die sind. So und jetzt mal ganz ehrlich zu sich selbst, manche warten dort schon Jahre. Keine Panik, sie sind nicht alleine. Selbst ich als ehemaliger Profikoch und nun leidenschaftlicher Hobbykoch habe solche Gläschen und Döschen dastehen. Obwohl ich schon gut im Aufräumen bin, zumal ich in den letzten 10 Jahre zweimal umgezogen bin und gut Aufräumen konnte. Doch das eine oder andere blieb dann halt doch noch weiter stehen, weil ich mich nicht getraut habe es zu entsorgen. Obwohl es doch viel sinnvoller gewesen wäre. Gewürze werden selten schlecht, höchsten Motten könnten sich davon angezogen fühlen. Aber außer Salz und Schärfe verlieren die Gewürze nur ihre Aromen und sind damit nutzlos. Also haben sie Mut: Weg damit. Warum gebe ich ihnen diesen Hinweis. Ich möchte ihnen zu mehr Qualität in ihrer Küche verhelfen und ihnen dazu das Buch von Elisabeth Engler empfehlen: „Gewürze selbst machen“. Auch wenn es heute einfach ist, interessante Gewürze, Gewürzmischungen, Pasten und Salzmischungen für jedes entsprechende Gericht teuer einzukaufen, wird es für sie eine besondere Freude werden, mit selbstgemachten Würzmischungen ihrer Gerichte entsprechend zu aromatisieren. Und wenn sie ihre selbstgemachten Gewürze schön verpacken, können sie sie als Gastgeschenk mitnehmen. Auf jeden Fall immer ein Erfolg, etwas persönliches Selbstgemachtes zu überreichen. Ein Wort zu den vermeintlichen teuren Gewürzen im Regal. Gewürze und Salze sind, wenn man es genau berechnet, bis auf Safran, preiswert. Erstens möchten sie Qualität haben und keine alten Gewürze. Zweitens, wenn man die benötigte Menge für ein Gericht berechnet kommt man in den Promillebereich gegenüber dem Einkaufspreis. Lassen sie sich nicht durch irgendeinen Preis abschrecken. Sie werden die Qualität schmecken. Oder sie machen sich die Gewürzmischungen selbst wie Elisabeth Engler es in ihrem Buch vormacht. Weiterlesen

Marco Hasenkopf: Eisflut 1784

Wenn wir uns die Bilder der Überschwemmungskatastrophe im Ahrtal dieses Jahres gegenwärtigen dann haben wir ungefähr eine Vorstellung davon wie es den Menschen im Februar 1784 ergangen ist. Damals hat der Rhein nach einem dreimonatigen strengen Winter eine riesige Eisdecke gebildet. Der der Rhein war fast bis zum Grund froren. Er ist dann in Teilen aufgeplatzt. Die Not der Menschen war groß und diejenigen die nichts hatten verhungerten auf der Straße. Eine Clique von reichen Menschen und Klerikern hat dies nicht gestört. Im Gegenteil, sie machten sich die Not zu Nutze um die Menschen nicht nur materiell sondern auch sexuell auszubeuten. Der Autor hat intensive Forschung betrieben was die Lebensweise in den Städten und unter allen Bevölkerungsschichten ausmachte. Zwei Protagonisten prägen kriminalistische Handlung, ein Amtmann und eine Apothekerswitwe. Zwei Städte zum einen Köln als katholische Hochburg und zum anderen Mülheim am Rhein das protestantisch geprägt war. Es ist fast unbegreiflich, wie widersinnige kirchliche Dogmen klimatische und wissenschaftliche Regeln über die Jahrhunderte geprägt haben. Diese Regeln haben Tausende Menschen in diesem Jahr 1784 das Leben gekostet. Ein spannender Roman der sich intensiv der Klassengesellschaft dieses Jahrhunderts beschäftigt hat. Weiterlesen