Alle Artikel von Angela Perez

Cay Rademacher: Geheimnisvolle Garrigue

Obwohl dies der neunte Fall für Capitaine Roger Blanc und sein Team ist, sind keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennbar. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist spannend und fesselnd  bis zur letzten Seite. Und für diese Geschichte verstärkt der Autor das Ermittlerteam mit dem jungen, engagierten Brigadier Yves-Laurent Sylvain. Wie für Sylvain ist es auch mein erster Fall, den ich mit Blanc und seinen Kollegen löse. Auch ohne die vorherigen Krimis dieser Reihe von Cay Rademacher zu kennen, finde ich mich gut zurecht und kann das Lesevergnügen, wie auch die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen der Provence genießen. Allerdings frage ich mich, warum ich nicht schon eher die Bekanntschaft dieses Ermittlerteams gesucht habe! Capitaine Blanc ist ein Ermittler wie man sich ihn wünscht: Polizist mit Leib und Seele, respektvoll im Umgang mit den Kollegen, schätzt nicht nur –  wie könnte es in Frankreich anders sein – gutes Essen und Wein, sondern hat auch ein bewegtes Liebesleben hinter sich. Seine unaufgeregte Art macht ihn sehr sympathisch. Schlüssig bettet der Autor die Geschichte um die zwei verschwundenen jungen Frauen in die Pandemie ein. Verdächtige gibt es so viele, wie Lavendel in der Provence. Sowohl für den aktuellen Fall als auch für einen 23 Jahre alten „Cold case“. Beide Fälle weisen Gemeinsamkeiten auf. Handelt es sich um einen Täter, der wieder aktiv wird oder um einen Trittbrettfahrer? Weiterlesen

Clara Morgenthau: Soul Painting

Soul Painting – was ist das, habe ich mich gefragt. Denn: malt man nicht immer mit der Seele? Neugierig wie ich bin, wollte ich dem Thema auf den Grund gehen. Was mir gleich zu Beginn gefällt: Clara Morgenthau widmet »dieses Buch allen Menschen, die durch Soul-Painting ihrer unerschöpflichen Kreativität und inneren Freude begegnen«. Die Autorin scheut sich nicht, ihre Visionen und Gefühle mit ihren Leserinnen und Lesern zu teilen und sehr bald wird klar, hier geht es nicht nur ums Malen. Sehr ist die Autorin von ihren Aufenthalten in Indien geprägt und Meditation und Yoga sind fester Bestandteil ihres Tagesplans. Wer sich der Reiseleitung Clara Morgenthaus anvertraut, wird über intuitives Malen sowie die Kraft von Glaubenssätzen nach der Sedona-Methode erfahren, lernen, dass man den Schlüssel zur eigenen Kreativität selbst in der Hand hat.  Herausfinden, Wünsche in Ziele umzuwandeln und welche Materialien benötigt werden, um loszumalen. Die Anleitungen sind leicht verständlich geschrieben und werden wirksam durch Fotos ergänzt. Damit Geist und Seele gut genährt werden, verrät uns die Autorin 3 ihrer Lieblingsgerichte. Die Anwendung dieses Buches ist eine Therapie. Ein Stück Lebenshilfe, Wünsche in Ziele umzuwandeln. Clara Morgenthau hat es wunderschön auf den Punkt gebracht: »Kreativität ist Mut – Mut, etwas Neues auszuprobieren und unseren inneren Kritiker für einen Augenblick zu vergessen«.

Foto: Detlev Müller

Clara Morgenthau ist seit ihrer frühsten Kindheit bereits kreativ. Sie wuchs in Frankfurt Main auf. Nach ihrem Diplom lebte sie in Hamburg, zog mit ihrem VW Bus durch Süd-Europa, war in Italien bei einem Wanderzirkus und lebte über einige Jahre hinweg immer wieder monatelang in einem indischen Ashram im Bundesstaat Gujarat, wo sie meditierte. Malen und Musik haben sie ihr ganzes Leben lang schon begleitet. Ihr Ideenreichtum und ihr Zugang zu einer schier unerschöpflichen Kreativität sind unverzichtbar, wenn sie Menschen auf ihre einfühlsame und erfrischende ART & Weise von Herz zu Herz etwas vermittelt. Die Methode, die sie anderen Menschen Nahe bringt, aus dem inneren Wesenskern heraus zu agieren, ohne den Verstand oder den Intellekt zu nutzen, aus dem Herzen, der Seele zu Malen, nennt sie „Soul-Painting“. Clara glaubt daran, dass alles miteinander verbunden ist. Dieser ganzheitliche Ansatz zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Wirken. So fließt in ihre Arbeit auch immer eine natürliche Spiritualität ein, die sie täglich durch Meditation und Yoga lebt. Alles, was sie auf ihrem kreativen, künstlerischen und spirituellen Weg erfährt und selbst lernt, gibt sie voller Freude weiter, ohne etwas zurückzubehalten. Ihre größte Freude ist es, wenn sie durch das Medium von Kreativität andere Menschen inspiriert, ihrem wahren Wesenskern zu begegnen und ein glückliches Leben zu leben.

EMF   –  Gebunden – 128 Seiten –  €20,00 – ISBN ‎ 978-3-7459-0906-7

Andrea Weidlich: Wie Du Menschen loswirst, die Dir nicht guttun, ohne sie umzubringen

Stünde im Titel nicht „ohne sie umzubringen“ hätte man die Lösung schnell zur Hand. Wir kennen solche Szenarien aus Krimis: ein schön, aber abseits gelegenes Hotel – eigentlich geschlossen.  Pandemie-bedingt, was auf die Aktualität verweist, in dem eine Gruppe von Menschen zusammen kommt und sich vor eine Aufgabe gestellt sieht. In Andrea Weidlichs neuestem Buch gilt es sich von toxischen Menschen zu befreien. Initiatorin dieses Experimentes ist Charly, eine Freundin von Andrea Weidlich, die nicht nur die Autorin der Geschichte ist, sondern sich selbst auch eine tragende Rolle darin geschrieben hat. Nämlich die der Autorin Andrea Weidlich. Charlys Einladung sind nicht alle gefolgt, aber Adrian, Marie, Isa, Daniel, Andrea und ihr bester Freund Lukas. Begleitet wird das Experiment von Paul, Charlys Therapeuten. Weiterlesen

Susanne Popp: Der Weg der Teehändlerin

Um es vorwegzunehmen: man muss den ersten Teil dieser Familiensaga um die Tee-Dynastie Ronnefeldt nicht gelesen haben, um den letzt erschienenen zweiten Teil zu verstehen. Aber es wäre schade. Zum einen,  weil  der dritte Band für das Frühjahr 2023 angekündigt ist. Zum anderen, weil es sich bei Susanne Popps Geschichte um eine mitreißende, flott geschriebene Geschichte im Frankfurt des 19. Jahrhundert handelt. Und was die Geschichte noch spannender macht ist, dass das Teehaus Ronnefeldt heute noch existiert. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, Dichtung und Wahrheit zu einer stimmigen Geschichte zu verweben. Dank der ausführlichen Recherche und den daraus resultierenden Schilderungen gelingt es der Autorin, Weiterlesen

Christian Buder: Der Dachs

Es ist nicht die erste Geschichte von Christian Buder, mit der er seine Leserinnen und Leser in die rauhe, unwirtliche Bretagne führt. Man spürt, er bewegt sich auf bekanntem Terrain, beobachtet Mensch und Natur wenn er zeitweise in der Bretagne lebt, die sich wie der im Meer liegende Leuchtturm vom Buchcover gegen Wind und Wetter behaupten müssen. Den Bretonen scheint die Leichtigkeit der Südfranzosen, die entspannt mit einem Gläschen was-auch-immer auf das ruhige, einladende Mittelmeer schauen, abzugehen. Sie sind geprägt von der Nordsee – rauh und gewaltig – die selbst  erfahrenen Fischern und Seglern, wie Camille, der Frau des Protagonisten Ronan Prad, das Leben kostet. Der Autor hat mit Ronan Prad, Ex-Elitesoldat und mittlerweile Capitaine der Gendarmerie Maritime, einen kantigen, meistens kompromislosen Protagonisten geschaffen, von dem man noch mehr lesen möchte. Weiterlesen

Pascal Engman: Mörderische Witwen

Pascal Engman führt seine Serie um die nicht immer gesetzestreu handelnde und den geisthaltigen Getränken nicht abgeneigte Kommissarin Vanessa Frank und den ehemaligen Elitesoldaten Nicolas Peredes konsequent in Stil und Form fort. Wie schon im ersten Fall müssen sich die Ermittler mit einem sozialkritischen Thema, das Schweden seit Jahrzehnten beschäftigt und spaltet befassen: Flüchtlinge! Am Anfang seiner Geschichte steht ein Prolog, der neugierig macht, wie die Story weitergeht und ob Molly diesen Kuriereinsatz überlebt. Die Struktur des Romans sowie die kurzen Kapitel erhöhen die Spannung. Der Mord am Justizminister zeigt, wie sehr sich die schwedische Gesellschaft und die Art der Kapitalverbrechen seit den ersten Sjöwall/Walhö Krimis verändert hat. Weiterlesen

Vernissage im Kunstverein Familie Montez: Unterwelten | Disavowed Evolution | Baumschule

Kennen Sie die Ausstellungsräume des Kunstverein Familie Montez in der Honsellstrasse 7 im Frankfurter Osten? Wenn nicht, haben Sie zwei gute Gründe dort hinzugehen. Kurator Mirek Macke, der auch die Ausstellung eröffnete, bewies ein gutes Gespür als er sich für 3 ganz unterschiedliche Künstler und deren Werke entschied und eine interessante, sehenswerte Ausstellung entstand: während der Frankfurter Fotograf Peter Seidel und der in Frankfurt lebende Aktionskünstler Bernhard Zich ihr Debut in den heiligen Brückenhallen feierten, ist Kai Teichert mit seinen monumentalen Werken immer wieder zu Gast bei Familie Montez. Weiterlesen

Franzpeter Messmer: Tanz auf der Brücke Rezension und Interview mit dem Autor

Franzpeter Messmer hat sich dafür entschieden, seinen Protagonisten Mehmet Aziz, einen jungen Syrer, erzählen zu lassen. Letztendlich ist es seine, Mehmets, Geschichte. Wer könnte sie besser erzählen, als Mehmet. Und mit einem Mal hat ein syrischer Flüchtling, der die Reise über das Mittelmeer auf sich genommen hat, um den Islamistischen Kämpfern zu entkommen, die sein Klavier zertrümmerten und seinen kleinen linken Finger abschnitten, einen Namen. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise weg von seinen Wurzeln, über das vermeintlich gelobte Land: Deutschland, dem Land der Dichter, Denker und große Komponisten, zurück zu sich selbst und seinen Wurzeln nach Damaskus. Dazwischen liegen eine lebensgefährliche Flucht im Schlauchboot über das Mittelmeer, entwürdigende Aufenthalte in Flüchtlingsunterkünften, Weiterlesen

Nigel Kennedy: Mein rebellisches Leben

Ich habe Nigel Kennedy zweimal auf der Bühne erlebt. Davon ist mir das Konzert in der Alten Oper Frankfurt besonders in Erinnerung und so war ich sehr gespannt auf seine Memoiren. Aber es sind seine Erinnerungen. Ungefiltert, sprachlich kraftvoll bis derb, in seinen Worten erzählt und allgemein verständlich. Kein Lektor, der Kennedys Sprache glattbügelte. Vielen Dank dafür. Denn der Autor hat seine Fans in allen Gesellschafts- und Bildungsschichten. Es war ihm von Beginn an seiner Karriere ein Anliegen, die klassische Musik zu allen Menschen zu bringen, verzichtete bewusst und als Erster auf den Frack. Zwar Rebell in vielen Bereichen, kommen seine Erinnerungen sehr strukturiert daher. Einem übersichtlich gegliederten Inhaltsverzeichnis folgt eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung an seine Leser: »…Leser sollten sich meines politisch nicht ganz korrekten Schreibstils und meiner offenen Worte über die BBC, Plattenfirmen, die bayrische Polizei und andere selbsternannte Hüter der Macht bewusst sein«. Sein Stil ist die Basis für wahrlich originelle und unterhaltsame Memoiren, spielerisch, unkonventionell und sorgfältig ausgeführt wie seine Musik. Und welcher Künstler sonst widmet seinen Begegnungen mit der Polizei ein ganzes Kapitel mit dem Thema »Top 10…« oder spielt »Küchen-Golf« mit Gary Lineker? Überhaupt, Fußball und Boxen bezeichnet er als seine wichtigsten Interessen außerhalb der Musik. Über Aston Villa sagt er: »ein wahrer Segen für mich, von normalen, ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, die eine „ordentliche Arbeit“ haben, umgeben zu sein«. »Ich habe mein Leben lang Barrieren zwischen Menschen einzureichen versucht und denke, das vorliegende Buch ist dafür Beweis genug« schreibt Kennedy in seiner Warnung. Es ist das Statement über eine Mission, ausgeführt mit Gelassenheit. Weiterlesen

Ulinka Rublack: Die Geburt der Mode

Wer glaubt, Mode-Influencer wären eine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sieht sich getäuscht. Denn: Albrecht Dürer und der Augsburger Matthäus Schwarz machten das schon in der Renaissance. Schwarz ließ sich im zarten Alter von 29 Jahren von dem 19jährigen Narziss Renner nackt von vorne und hinten auf Pergamentpapier abbilden. Im Laufe seines Lebens gab er 137 Aquarelle  – im angezogenen Zustand – in Auftrag. Zwei förmlichere Ölgemälde hängen in der Thyssen-Bornemisza-Sammlung in Madrid und in den Galerien der Nordischen Renaissance im Louvre. Dank dieser Auftragsarbeiten haben wir eine genaue Vorstellung der damaligen Mode. Und wer glaubt, Mode sei überbewertet, wird von Ulinka Rublack eines besseren belehrt. Weiterlesen