Cay Rademacher: Geheimnisvolle Garrigue

Obwohl dies der neunte Fall für Capitaine Roger Blanc und sein Team ist, sind keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennbar. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist spannend und fesselnd  bis zur letzten Seite. Und für diese Geschichte verstärkt der Autor das Ermittlerteam mit dem jungen, engagierten Brigadier Yves-Laurent Sylvain. Wie für Sylvain ist es auch mein erster Fall, den ich mit Blanc und seinen Kollegen löse. Auch ohne die vorherigen Krimis dieser Reihe von Cay Rademacher zu kennen, finde ich mich gut zurecht und kann das Lesevergnügen, wie auch die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen der Provence genießen. Allerdings frage ich mich, warum ich nicht schon eher die Bekanntschaft dieses Ermittlerteams gesucht habe! Capitaine Blanc ist ein Ermittler wie man sich ihn wünscht: Polizist mit Leib und Seele, respektvoll im Umgang mit den Kollegen, schätzt nicht nur –  wie könnte es in Frankreich anders sein – gutes Essen und Wein, sondern hat auch ein bewegtes Liebesleben hinter sich. Seine unaufgeregte Art macht ihn sehr sympathisch. Schlüssig bettet der Autor die Geschichte um die zwei verschwundenen jungen Frauen in die Pandemie ein. Verdächtige gibt es so viele, wie Lavendel in der Provence. Sowohl für den aktuellen Fall als auch für einen 23 Jahre alten „Cold case“. Beide Fälle weisen Gemeinsamkeiten auf. Handelt es sich um einen Täter, der wieder aktiv wird oder um einen Trittbrettfahrer?

Cay Rademacher, geboren 1965, ist freier Journalist und Autor. Seine Provence-Serie umfasst neun Fälle, zuletzt erschien ›Geheimnisvolle Garrigue‹ (2022). Bei DuMont veröffentlichte er auch seine Romane aus dem Hamburg der Nachkriegszeit: ›Der Trümmermörder‹ (2011), ›Der Schieber‹ (2012) und ›Der Fälscher‹ (2013). Außerdem erschienen die Kriminalromane ›Ein letzter Sommer in Méjean‹ (2019) und ›Stille Nacht in der Provence‹ (2020). Cay Rademacher lebt mit seiner Familie bei Salon-de-Provence in Frankreich.

 

März 2020 in der Provence: Ausgerechnet während der pandemiebedingten Ausgangssperre verschwindet eine junge Frau an einem alten Kanal, der mitten durch einen Berg führt. Capitaine Roger Blanc und seine Kollegen finden bloß einen Hinweis: den linken Schuh des Opfers, der neben dem Wasser steht, als hätte ihn jemand mit Absicht dort platziert. Genauso war es schon vor 23 Jahren, als am selben Ort vier Frauen verschwanden, von denen ebenfalls nur die linken Schuhe zurückblieben. Diese Verbrechensserie wurde niemals aufgeklärt. Schlägt der Täter von einst jetzt wieder zu? Als nach wenigen Tagen ein zweites Opfer vermisst wird und wieder nur ein Schuh zurückbleibt, wird der Druck auf Blanc unerträglich. Zugleich fragt er sich, wie die Frauen überhaupt verschwinden konnten: Es herrscht Ausnahmezustand, die Bevölkerung ist eingesperrt, die Städte sind leer, überall hat die Gendarmerie Straßensperren errichtet. Wie konnte der Täter unter solchen Bedingungen zuschlagen? Wohin könnte er seine Opfer gebracht haben? Blanc und seinen Kollegen kommt nach und nach ein schrecklicher Verdacht: Was, wenn es einer der ihren ist?

DuMont Verlag  –  Taschenbuch – 432 Seiten – 17,00 € – ISBN 978-3-8321-8186-4

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