Kategorie: Buchbesprechungen

Die Welt in meinen Augen, ungesehene Bilder von Steve McCurry – Fotografie-Bildband

Das erste Mal bin ich den Fotografien von Steve McCurry in Florenz begegnet. Eine wunderbare Fotoausstellung in der Villa Bardini 2018, die mich ins Schwärmen, aber vor allem ins Grübeln brachte. Die Intensivität seiner Fotografien kennt keinen Kompromiss. Die Menschen die er ablichtete starren, klagen an, leiden oder existieren einfach nur. Wenn die Gesichter kleiner Kinder erwachsen sind, die heranwachsender Jugendlicher alt und die alter Menschen zerbrochen, dann stimmt etwas nicht mir unserer Welt. Was ist eindrucksvoller als eine Fotografie, wenn es darum geht das NICHT STIMMEN einzufangen, zu zeigen in den Augen von Menschen.

Ein großartiger wunderschöner und nachdenklicher Bildband mit ungesehenen Bildern eines Kameravirtuosen.

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Der buddhistische Mönch, John Burdett

Der dritte Teil der Bangkok Krimi-Serie, um den Ermittler Sonchai Jitpleecheep. Der Roman lässt bestimmt den einen oder anderen Leser, ohne Thailand Erfahrung mit einem erstaunten und entsetzten Zucken zurück. Doch John Burdett weiß einfach, wovon er schreibt. Meine eigenen vier Jahre in Bangkok wurden wieder heraufbeschworen, wenn er von den Straßen, den Hotels und den sogenannten Vergnügungsvierteln erzählt. Doch am faszinierendsten ist, wie der Autor die Thais erkennt und wiedergibt. So erzählt dieser Roman eine harte und brutale Geschichte über die Pornoindustrie, die Ausbeutung der Ärmsten der Armen, dem Geisterglauben und die magische Koexistenz all dessen mit dem thailändischen Buddhismus. Und so grausam die Geschichte manchmal anmutet, sie wird relativiert durch den Fatalismus und die Gelassenheit von Sonchai. Auch wenn er in dem Fall ziemlich an seine Grenzen stößt.

Eine großartige, spannende Serie, die John Burdett mit der gleichen Leichtigkeit erzählt, wie in Thailand schwierige Situationen ertragen werden. Eine absolute Leseempfehlung für Thailandkenner und diejenigen, die der Mentalität Thailands etwas näher kommen wollen.

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Christian Klinger: Die Liebenden von der Piazza Oberdan

Eine Stadt, Triest, gibt den Ton an. Die Protagonisten beleben das Bild über Generationen hinweg. Die Geschichte spielt der Stadt und den Menschen teilweise übel mit. Jahrhunderte lang war Trist Österreichisch. Dann hat der Kaiser einen Krieg angezettelt und die Stadt und den Zugang zum Meer verspielt. Triest wurde italienisch. Nach dem Italienischen Seitenwechsel war dann Triest von Deutschland besetzt. All das hat die Familie teilweise zerrissen und neu geformt. Die Zerrissenheit wird sehr deutlich und nachvollziehbar geschildert. Enge Nationalismen sind Sprengsätze für Familienverbände. Dies macht er Autor sehr deutlich.

 

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Ella Carina Werner: Der Untergang des Abendkleides (Geschichten)

33 Geschichten die voller Überaschungen stecken. Blendend erzählt und stilistisch ausgefeilt. Männer und Frauen werden staunen über die Probleme von denen sie gluben dass sie sie nie haben werden. Für eine Frau jenseits der dreißig steckt die Gegenwart voller Fragen: Kann man jetzt noch eine Punkband gründen? Sind Viererbeziehungen nicht doch besser als Zweier¬beziehungen? Wenn man dem Mann den Rücken krault, ist das schon unbezahlte Care-Arbeit? Und wann beginnt endlich die soziale Weltrevolution? Frauengespräche über Männersachen inclusive.

 

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Falsches Spiel in Brodersby, Stefanie Ross

Teil vier bei dem Landarzt in Brodersby. Moment, das ist ja nicht ganz richtig! Denn Jan Storm ist zwar ein Landarzt, aber er war vor allem, ein Mitglied einer Bundeswehrspezialeinheit. Außerdem fährt er eine Ninja und zieht das Verbrechen und auch gleich gesinnte Abenteurer an. So kann man eher von einem Ethan Hunt aus Mission Impossible reden, als von einem Landarzt, der Ibuprofen verordnet.

Auch im vierten Teil wird es verdammt laut, wenn Handgranaten explodieren, Kinder mit weißem Phosphor an den Stränden der Ostsee verätzt werden und sogar ein Mann stirbt. Was geht mal wieder vor in Brodersby? Es hat auf jeden Fall mit Munition und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun, die irgendwo an der Ostseeküste versanken. Eigentlich wollte sich Jan auf seine Rolle als Vater und die Geburt vorbereiten und das geruhsam. Doch die perfiden Machenschaften eines Mannes, den Jan seit Jahrzenten nicht mehr gesehen hat, lassen ihm diese Ruhe nicht. Sein eigener Vater.

Mal wieder Irre. Da passieren eine Geiselnahme, die Rettung eines schwer Verletzten und eine Geburt so ziemlich zeitgleich. Von wegen Ruhe. Die Autorin lässt es wieder ordentlich scheppern und knallen! Großartig, wer hat schon Mission Impossible an der Ostsee!

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Ben Riffko: Grünes Öl

Gruenes Oel von Ben Riffko

Es tut sich in diesen Zeiten die Frage auf: Was wäre, wenn das Öl-Monopol fällt und jeder seinen eigenen Brennstoff produzieren könnte? Welche Auswirkungen hätte es auf Ökologie, Politik und Wirtschaft. Alle Fragen zusammen werden in diesem Roman in Spannender Form angeschnitten. Hierbei ist Terrorismus, Anfälligkeit der modernen Gesellschaft auf die Wasserversorgung ein Eckstein der Handlung. Geheimdienste und Ihre Macht werden hier auch durchleuchtet und es sind nicht nur gute Menschen die hier tätig sind. Echt gute Unterhaltung die zum Nachdenken über die Verhältnisse in unserer Umgebung zwingen. Weiterlesen

Thomas Reinertsen Berg: Auf einem Blick die ganze Welt, Die Geschichte der Landkarten, Globen und ihre Erfinder

Bis heute ist immer noch ein Problem nicht gelöst, die Schwierigkeit, die Abbildung auf einer Kugel auf einem Blatt darzustellen. Selbst heute mit der Computerberechnung und den hochtechnisierten Bildschirmen. Sobald man die 1:1 Ansicht verlässt, beginnt das Problem der Projektion. Die Erdkrümmung erfordert ihren Tribut. Ich weiß nicht, ob es ihnen auch ab und an passiert. Nachdem ich dieses Buch bis zum Schluss gelesen hatte und es zuschlug, hatte ich ein Lächeln auf den Lippen und sagte mir im Stillen: Einfach Schön! Ja, was ist ein schönes Buch? Bücher sind interessant, spannend, ergreifend, sachdienlich, informierend, Wissen vermittelnd, verwirrend, mitfühlend, etc.. Aber schön? Ja, einfach schön. Und zwar im doppelten Sinn. Erstens die ansprechende, sehr gelungene Aufmachung, dunkelblauer Einband mit einem Globus in Golddruck und dann der Inhalt. Der Inhalt der mich interessierte, begeisterte und mit vielem neuem Wissenswerten bereicherte. Weiterlesen

Gruß aus der Küche, Texte zu fünfzig Jahren Frauenstimmrecht in der Schweiz

Am 7. Februar 1971, also heute vor fünfzig Jahren, wurde in der Schweiz als fast letztes Land das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Schweiz kein Drittland, kein Entwicklungsland, warum dauerte es so viel länger? Weil das Frauenstimm- und -wahlrecht eine Verfassungsänderung verlangte und diese konnte zwingend nur durch ein Volksabstimmung erreicht werden. Einer Volksabstimmung bei der nur Männer abstimmen konnten!

Am Ende, in der Moderne angekommen, war das Ignorieren streikenden Frauen von Seite der männlichen Mehrheit nicht mehr möglich. Wobei einige Kantone wie Appenzell Innerrohden entgegen dem Mehrheitsentscheid der Männer, beim Frauenstimmrecht erst am 29. April 1990 gezwungenermaßen angeglichen wurden.

1990 das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und vor Entsetzten den Kopf schütteln. Nicht nur als Frau!

Und so haben die zwei Autorinnen Texte von ausschließlich Frauen zum Frauenstimmrecht gesammelt. Texte von jungen Frauen, von alten und uralten Frauen! Texte der Freude, Texte des Forderns und Texte der Erinnerungen. Für jede emanzipierte Frau ein wunderbares Buch in Gedenken an ein großes Datum!

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Alex Beer: Unter Wölfen – Der verborgene Feind

Unter WoelfenDer verborgene Feind von Alex Beer

Wenn ein Jude im Jahre 1942 in Nürnberg der Stadt der Reichsparteitage überleben will, muss er sich entweder verstecken oder wie im vorliegenden Buch die Person eines Standartenführers der SS einnehmen. Isaak Rubinstein ist in diesem Werk zum zweiten Mal als Sonderermittler tätig und muss sich gegenüber mehreren Bedrohungen erwehren. Zum einen stellt ihm eine attraktive Blondine nach, zum andern deren eifersüchtiger Verehrer und schlussendlich auch der Kriminalpolizist der eine Mordserie aufklären muss. Die Autorin versteht es, die Atmosphäre aus Angst, Denunziantentum und Judenhass zu vermitteln. Und in dieser Atmosphäre steckt nun dieser gelernte Antiquar und muss sich seine Haut erwehren. Wie auch schon im ersten Werk der Autorin fiebert die Leserschaft mit dem „Hobbakriminalisten “ Adolf Weissmann. Weiterlesen

Michael Böckler: Tödlich im Abgang, Ein Wein-Krimi aus Südtirol

Es ist immer eine Freude, wenn Michael Böckler seinen Protagonisten Baron Emilio von Ritzfeld-Hechenstein in seinem geliebten Südtirol ermitteln lässt. Emilio ist der Letzte von Ritzfeld-Hechenstein, Exzentriker, Lebemann, Müßiggänger, reich und kann es sich leisten als Privatdetektiv ohne finanziellen Auftrag zu ermitteln. Allein sein Auftritt, obwohl erst vierzigjährig, mit geerbten Gehstock mit verstecktem Degen, macht ihn zu einer extravaganten Person. Michael Böckler verbindet sehr gekonnt, Krimi mit Weinreisen und gutem Essen. Hinzu füllt er die Zeilen mit zwischenmenschlichen Beziehungen, ob es seine Affäre zu Tilda ist und die Reaktionen seiner Lebensgefährtin Phina, auf deren Weingut er lebt und ihn zu einer Adoption eines Waisenkindes zu überreden versucht. Jede Zeile ein Genuss. Man möchte nichts missen. Weiterlesen