Der Autor Kutscher führt uns wieder einmal intensiv vor Augen was es heißt in einem Unrechtsstaat zu leben. Das sollten vielleicht die Menschen lesen die meinen weil sie Masken tragen sollen würde Ihnen ein Grundrecht entzogen. Was die Menschen seinerzeit aushalten mussten, der Druck dem sie ausgesetzt waren weil sie die falsche Meinung oder die falsche Glaubenszugehörigkeit hatten ist im vorliegenden Werk eindringlich ausgeührt. Die Olympiade 1936 gab dem NS Regime die Möglichkeit der Weltöffentlichkeit ein Deutschland vorzuspiegeln das es nicht mehr gab. Mit einem Fahnenrausch wurde versucht die Fremdenfeindlichkeit besonders gegen farbige Menschen zu übertünchen. Kutscher macht daraus Kriminalfälle die zusammengehören und ein stimmiges Bild, auch der innenpolitischen Führung, ergeben. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Die Rattenlinie, Philippe Sands

Das Buch ist das Ergebnis einer akribischen Recherche. Diese wurde mit vielen kompetenten Mitarbeitern, Experten und auch der Familie des ehemaligen NS Gouverneurs von Krakau und Galizien, dem Massenmörder Otto Wächter durchgeführt. Es verfolgt Otto Wächters Leben vom Studium über die Heirat mit Charlotte und seinem Aufstieg als überzeugter Nazi. Philippe Sands beleuchtet Wächters Verbrechen in Krakau, Lemberg und ganz Galizien, bis zu seiner Flucht über Bozen nach Rom. Dort will er über die Rattenlinie nach Südamerika auswandern. Eine Flucht, die nicht nur von der Kirche unterstützt, sondern auch von den Alliierten geduldet wurde. Denn 1949 war es den Amerikanern und auch den Sowjets wichtiger, sich gegeneinander auszuspionieren, als Nazigrößen zu jagen. Man wusste damals, wo Otto Wächter war.
Ein Buch, das sich spannend wie ein Krimi liest. Die geschichtlichen Hintergründe sind wahnsinnig gut dokumentiert. Doch es handelt auch von der Familie Wächter, den unerschütterlichen Glauben an den Nationalsozialismus und den Führer. Den Akt des Leugnens, wenn es um Massenhinrichtungen geht, die der Vater befehligt hat. Die Blindheit, die für Jahrzehnte weiter zelebriert wurde und die Liebe einer Frau und ihres Sohnes für einen Monster.
Ganz großartiges Buch. Für jeden an Geschichte und Politik Interessierten ein Leckerbissen!
Angelo Scerbanenco: Das Mädchen aus Mailand, Duca Lamberti ermittelt
Wie in dem Nachwort dieses Buches zu lesen ist, ist dieser Roman der Türöffner des italienischen Kriminalromans. Er ist sehr spannend weil er auf mehreren Ebenen aufklärerisch wirkt. Da damals als der Roman in den 70er Jahren erschien, Berichte über Prostitution selten waren, führt er eine intellektuelle und eine realistische Diskussion darüber in seiner Handlung. Er spiegelt auch die Gesellschaft Italiens in dieser Zeit treffsicher wider. Der Roman ist für alle Freunde Italiens ein muss, weil er die damaligen sozialen Verhältnisse offen darlegt.
Joachim B. Schmidt: Kalmann
Ein wunderbarer Roman in dem die Natur Islands, der Behinderte namens Kalmann und ein kleines Dorf und ihre Bewohner eine Rolle spielen. Kalmann, der Protagonist läuft mit seiner Ausrüstung, Cowboyhut, Sheriffstern und Mauser Pistole Streife um sein Dorf zu schützen. Er ist Haifänger und Jäger. Die Geschichte wird aus der Sicht Kalmanns erzählt der eine kognitive Behinderung hat, die ihn aber unterscheiden lässt was richtig und falsch ist. Sehr klar und einfühlsam werden uns, den Lesern, die einzelnen Bewohner und ihre Marotten geschildert.
Roter Zorn, Sam Eastland, Pekkala Nr. V

Im fünften Teil der Serie, um das Smaragdauge, fängt die Geschichte mit dem angeblichen Tod von Pekkala, dem Chefermittlers von Stalin an. Angeblich, denn weder Stalin noch Pekkalas Freund Major Kirow glauben daran. Zwar fand man seine verbrannte Kleidung und auch seinen Webley Revolver nach einer Explosion, die anscheinend die Platten des Bernsteinzimmers der Romanovs zerstörte. Aber nirgendwo war das Smaragdauge, dieses spezielle Schmuckstück, einst ein Geschenk des Zaren, das ihn als obersten Ermittler auszeichnete. So ist es Stalin persönlich, der Kirow losschickt, Pekkala zu suchen. Aber wo? Russland ist groß!
Da bekommt er ausgerechnet einen Tipp vom Stalins Sekretär Poskrjobyschew, der zu Pekkalas seltsamen Schneider führt. Plötzlich geht es dann nicht mehr nur um Pekkala, denn nach einer wüsten Schießerei findet dieser seinen Freund Kirow in einem Hospital. Pekkala entführt ihn kurzerhand, weil er auf der Abschussliste steht. Die Liste eines Attentäters, der unterwegs ist, um einen Waffenstillstand der Partisanen und der Roten Armee verhindern will. Wird das Bündnis gefährdet, überrollt die deutsche Armee die Westukraine.
1944 und wieder versteht es Sam Eastland Fiktion mit historischen Ereignissen so geschickt zu vermischen, dass man die Geschichten fast für real hält. Hochspannender Krimi, der in den düsteren Zeiten des Stalinismus und des Zweiten Weltkrieg in der UDSSR spielt.
„Warhol. Ein Leben als Kunst – Die Biographie“ von Blake Gropnik
Gastbeitrag von Dr. Ulrike Bolte
Bei der akribischen Recherche zu „Warhol“ benutzte Blake Gropnik Interviews mit über 260 Liebhabern, Freunden, Kollegen und Bekannten des Künstlers und die Einsichtnahme in ungefähr 100 000 Zeitdokumente wie Briefe, Tagebücher, Inventare, Nachlässe, Mitschriften, Audio- und Videoaufnahmen von Gesprächen sowie altes Filmmaterial. Innerhalb von sieben Jahren forschte und schrieb der Autor in zahlreichen Archiven, Sammlungen und Forschungseinrichtungen in ganz USA. Gropnik erhielt für dieses Werk den renommieren Pulitzer Preis. Weiterlesen
Nur Heringe haben eine Seele, Geständnisse eines Serienmörders, Der Fall Pleil, Fred Sellin

„Ich bin der beste Totmacher.
… sondern mehr darauf geeicht die Weiber zu bearbeiten. Nach der Pleil’schen Methode, so nenn ich das jetzt. Warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen. Noch was, worüber die Leute später mal staunen können, wenn’s mich nicht mehr gibt, die Pleil’sche Methode. Wäre sogar was fürs Lexikon, …“
Die Niederschriften eines Serienmörders, Teile der Gerichts- und Ermittlungsakten und ärztliche Gutachten. Zusammengefasst in einem recht flüssigen Tatsachenroman, bei dem der Mörder selbst das Wort ergreift. Pfeil ein kleiner, stämmiger eher unscheinbarer Mann mit Brille, wird 1947 wegen des Totschlags an einem Kaufmann zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Ein einmaliger Ausrutscher? Er ist erst 23 Jahre und könnte sein Leben mit 35 wieder aufnehmen. Damals im Jahre 1959, in einem Deutschland, das sich vom Krieg langsam erholt. Doch noch während seiner Haftzeit gesteht er weitere Morde. Er behauptet, 25 Frauen erschlagen und danach sexuell missbraucht zu haben.
Dass Pfeil hier selbst zu Wort kommt, mach den Gräuel seiner Taten nur schlimmer. Denn seine Todeslust, die Perversion seiner Sexualität und die Brutalität seiner Taten, werden in einer Naivität und Sorglosigkeit vorgetragen, dass es einem Schauer über den Rücken jagt.
Harald Lüders: Lass Gott aus dem Spiel, Mitch Bergers dritter Fall
Wenn Geld, Religion und politische Ränke zusammen kommen ist das ein hochexplosives Gemisch. Dieses Gemisch schildert uns der Autor unter Hochspannung. Das Frankfurter Bahnhofsviertel als Schauplatz dieser Aktivitäten ist geradezu ideal. Der Investitionsdruck vom benachbarten Bankenviertel, die Rotlichtkriminalität mit den benachbarten Hinterhofmoscheen und der politische Einfluss der Amerikaner in Frankfurt als ehemaliges Hauptquartier der 5. Armee ist überall brennglasmäßig zu sehen oder zu spüren. Der Hauptdarsteller ist ein neugieriger Journalist und ihn trifft des Amors Pfeil was ihn verwundbar macht. Klasse geschrieben, gut recherchiert ein echter Pageturner. Weiterlesen
Ria Endres: Nordend, Ein Stadtteil wird verkauft
Die Gentrifizierung der deutschen Städte greift um sich. Das merken nicht nur die MieterInnen sondern auch die Menschen die die Innenstädte als Einkaufs-oder Feierstädte nutzen. Das gewohnte Umfeld verändert sich, nicht drastisch schnell aber deutlich merkbar. Diese Veränderungen schildert eine Frau die im Frankfurter Nordend als Mieterin seit Jahrzehnten wohnt und das Haus verkauft werden soll. Häuser in der Umgebung fallen der Spekulation zum Opfer, werden verkauft, saniert und dann weiter mit hohem Profit verkauft. Das vorliegende Buch ist eine Denkschrift die die soziokulturellen Aspekte des Wohnens auch mit dem Bezug zur bundesrepublikanischen Gegenwart beleuchtet. Weiterlesen
Sibirisch Rot, Sam Eastland, Serie Pekkala ermittelt III

Pekkala, genannt das Smaragdauge, war unter Zar Nicolaus II. der mysteriöse Chefermittler der Romanovs. Er war eine Art Sherlock Holmes des Zaren. Nach der Oktoberrevolution wurde er zum Sterben in den Gulag Borodok in Sibirien geschickt. Doch der einzigartige Mann überlebt dort sieben Jahre in der Wildnis, bis Stalin das Smaragdauge zu seinem eigenen Chefermittler macht und nach Moskau zurückholt. So löst Pekkala nun für den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Russlands die kompliziertesten Fälle.
Mit einem hatte Pekkala jedoch nicht gerechnet, dass Stalin ihn zurück ins Lager Borodok schickt. Dort wurde ein Gefangener ermordet und der Ermittler soll getarnt als Sträfling den Mord aufdecken. Was wirklich dahinter steckt, behält Stalin für sich. Und für den brillanten Ermittler Pekkala beginnt das schlimmste Horrorszenario noch einmal von vorne. Wieder muss er überleben in einer Welt, in der man eigentlich nicht überleben kann.
Sam Eastland versteht es Fiktion mit historischen Ereignissen so geschickt zu vermischen, dass man die Geschichten fast für real hält. Hochspannender Krimi, der in den düsteren Zeiten des Stalinismus und des Zweiten Weltkrieg in der UDSSR spielt.
