Schlagwort: Schweiz

Christine Brand: Wahre Verbrechen

Dass die Autorin als ehemalige Redakteurin der Neuen Zürcher Zeitung schreiben kann, nehmen wir als gegeben. Dass sie eine große Leserschaft hat, zeigt der rote Aufkleber auf dem Titelbild des Buches SPIEGEL Bestseller-Autorin. Warum sie aber 6 alte Kriminalfälle, über die sie und Kollegen bereits in den Printmedien und im Netz im deutschsprachigen Raum Land auf und Land ab berichteten und für Schock und Entsetzen sorgten, für ein Buch aufbereitet, erklärt sich für mich nur so: Man muss von dem Genre fasziniert sein. Christine Brand sagt unter anderem zu dem vorliegenden Buch: „Es ging mir um die Geschichte hinter den Menschen“. Auf die Frage, wie geht es den Überlebenden, Hinterbliebenen, den Menschen vor dieser Geschichte mit diesem Buch, werden wir wohl keine Antwort erhalten. Wer sich also für die menschlichen Abgründe interessiert und nicht sonderlich zart besaitet ist und im Hinterstübchen behält: Nicht jeder Onkel ist ein Kinderschänder und nicht jeder nette Nachbar entledigt sich seiner Ehefrau kostengünstig im Säurebad, für den sind die 16 € für Wahre Verbrechen gut angelegt. Weiterlesen

Christof Gasser: Wenn die Schatten sterben

Die Protagonistin Becky kommt vom Regen in die Traufe. Nervlich angeschlagen zieht sie nach dem tödlichen Segelunfall ihres Mannes mit ihrem 10jährigen Sohn vom heimischen Kiel ins schweizerische Solothurn auf das alte Familienschloss. Spielen ihre Nerven ihr in der ersten Nacht einen Streich oder ist außer ihr und ihrem Sohn noch jemand in dem großen Haus? Auf jeden Fall finden am nächsten Morgen die Arbeiter, die mit Renovierungsarbeiten im Keller begonnen haben, eine eingemauerte Leiche. Als die Untersuchungen ergeben, dass die Frau vor ca. 60 Jahren erschossen wurde, ist dieser Fall nach Schweizer Recht kein Fall mehr für die Ermittlungsbehörden. Weiterlesen

Gruß aus der Küche, Texte zu fünfzig Jahren Frauenstimmrecht in der Schweiz

Am 7. Februar 1971, also heute vor fünfzig Jahren, wurde in der Schweiz als fast letztes Land das Frauenwahlrecht eingeführt. Die Schweiz kein Drittland, kein Entwicklungsland, warum dauerte es so viel länger? Weil das Frauenstimm- und -wahlrecht eine Verfassungsänderung verlangte und diese konnte zwingend nur durch ein Volksabstimmung erreicht werden. Einer Volksabstimmung bei der nur Männer abstimmen konnten!

Am Ende, in der Moderne angekommen, war das Ignorieren streikenden Frauen von Seite der männlichen Mehrheit nicht mehr möglich. Wobei einige Kantone wie Appenzell Innerrohden entgegen dem Mehrheitsentscheid der Männer, beim Frauenstimmrecht erst am 29. April 1990 gezwungenermaßen angeglichen wurden.

1990 das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen und vor Entsetzten den Kopf schütteln. Nicht nur als Frau!

Und so haben die zwei Autorinnen Texte von ausschließlich Frauen zum Frauenstimmrecht gesammelt. Texte von jungen Frauen, von alten und uralten Frauen! Texte der Freude, Texte des Forderns und Texte der Erinnerungen. Für jede emanzipierte Frau ein wunderbares Buch in Gedenken an ein großes Datum!

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Philipp Gurt: Helvetia 1949

Das Buch zeigt eine Schweiz die sich völlig von der jetzigen unterscheidet. 1947 ist die Schweiz, auch gebeutelt durch den 2. Weltkrieg, ein Land das technisch relativ rückständig ist. Es gibt in der Schweiz eine halbe Million Telefone und Autos sind eine seltenheit. Die Rückständigkeut zeigt sich bei diesem Kriminalroman durch die Ermittlungstechnik. Man kennt zwar neuerdings die Fingerabdrucktechnik aber sie ist nicht unumstritten. Sehr gut beschreibt der Autor die Ermittler. Neben dem bodenständigen Landjäger Caminada, der von Rechtschreibschwäche gequält ist, hat er einen pfiffigen jungen technisch versierten Erkennungsbeamten gestellt. Es ist schon nett zu lesen wenn sich die Beiden mit Ihren Velotöfflis die Berge hochquälen, weil keine Motorräder aus Geldnot beschafft werden können. Die schweizerischen Begriffe sind lustig zu lesen. Weiterlesen

Petra Ivanov: Alte Feinde, Ein Fall für Flint & Cavalli

Ein Roman der in der Schweiz und in einem Cherokee Reservat spielt. Ein Spagat zwischen der schweizerischen und der amerikanisch-indianischen Lebensart. Dabei geht es vordergründig um eine Waffe aus den amerikanischen Sezessionskriegen. Die Autorin verknüpft viele Fäden und führt sie zum Schluss zu einem ganz anderen Stück zusammen. Eine gelungene Mischung zwischen den Kulturen und eine Liebesgeschichte über den Ozean hinweg.

 

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