Christoph Schulz, Julian Hölzer: Kochen fürs Klima. Wie du dich nachhaltig und umweltbewusst ernährst

Ich als (bis zu diesem Buch) eingefleischter Fleischfan – ich stamme aus einem Forsthaus und den Rehbraten meiner Mutter, der unvergleichlich gut geschmeckt hat, koche (kochte) ich heute noch nach. Jedes Jahr die Weihnachtsgans war ein Muss und einen schönen gegrillten Schweinbauch habe ich jedem Rinderfilet vorgezogen. Dann hat man mir das Angebot gemacht, eine Rezension über dieses Buch „Kochen fürs Klima“ zu schreiben. Ich habe es widerwillig mit den Worten zugesagt: „Ich mag zwar nicht so gerne Weltverbesserbücher, aber ich lerne gerne dazu!“ Jetzt habe ich den Salat und sogar gleich auf dem Teller. Ich wollte zwar nicht, habe aber, sogleich nach der Lektüre, tatsächlich meinen Speiseplan umgestellt. Zugegeben, ganz ohne Fleisch werde ich es sicherlich nicht machen. Das möchte ich auch nicht. Doch mein Speiseplan besteht zu 90% vegan und zu 5% vegetarisch, über die restlichen 5% schweige ich jetzt. Weiterlesen

Blütengrab, Ada Fink

Mai 1993 die Zeit nach der Wende. Immer noch sind die ehemaligen Volkspolizisten nicht richtig im Beamtenapparat ihrer Wessi-Kollegen angekommen. Und wenn sich dann ein sogenannter erfahrener Kriminalbeamter aus Kiel in die Provinz von Mecklenburg versetzten lässt, dann weiß man Bescheid. Ein Loser, der es in Kiel zu nichts gebracht hat und im Osten den großen Maxen markieren will. Ausgerechnet jetzt kommt dieser Ingo Larssen, dabei hat Kommissarin Ulrike Bandow gerade erst einen Mord am Hals. Ein dreizehnjähriges Mädchen, gefunden auf einem Blütenbett von Ebereschen, missbraucht und mit Schnitten fürchterlich zugerichtet. Schnitte die Runden darstellen. Als der Wessi Larssen dann auch noch von einem Modus Operandi spricht und andeutet, dass ein Serienmörder am Werk war, rollen seine neuen Kollegen aus Wussnitz nur die Augen. Doch die Kette mit dem Marienkäfer, die das tote Mädchen trägt, hat Ulrike schon einmal gesehen und das ist fast zwanzig Jahre her. Könnte Larssen eventuell recht haben?

Ada Fink hat einen ungeheuer spannenden und komplexen Thriller geschrieben. Sie verbindet die damaligen Stasimachenschaften, mit dem verstärkten Auftauchen von Neonazigruppen nach der Wende und flechtet auch noch die RAF ein. Aber keine Sekunde wird es zu viel oder unlogisch. Jeder bekommt sein Fett weg, von der Treuhand über das BKA bis hin zu den Reichsbürgern und Stasischergen. Denn sie alle sind nur opportunistische Täter und die Opfer sind und waren insbesondere die ungeschützten Kinder. Alle die Jugendlichen, die ohne Rückhalt in staatlicher Obhut landeten und dort leichte Beute wurden. Ob nun wissentlich oder weil die Mittel fehlen.

Ein Thriller erster Güte! So spannend, dass man ihn kaum aus der Hand legen kann. Und das Ende verspricht eine Fortsetzung vom Ermittlerduo Bandow und Larssen.

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Über den Tellerrand, Was Kinder hier und anderswo Essen, Fotoband mit Text, Gregg Segal

Ein erstaunlich schönes und kluges Buch. Denn Kinder aus aller Welt mit ihren wöchentlichen Nahrungsmitteln zu fotografieren, spricht eine viel eindeutigere Sprache, als über das Problem gesunderer Welternährung zu referieren.

Gregg Segal der Fotograf sollte deshalb hier selbst zu Wort kommen. Zitat:

»Im Verlauf unserer Arbeit an »Über den Tellerrand« konnte ich mit eigenen Augen sehen, dass Hunger und Fettsucht nicht automatisch mit Armut oder Reichtum zu tun haben. Sehr oft sind es bloß die zwei Seiten derselben Medaille: Unterernährte und Übergewichtige haben dasselbe Problem – den fehlenden Zugang zu gesunden Lebensmitteln. Das hat dazu geführt, dass viele Regionen, in denen noch vor einer Generation Hunger und Unterernährung herrschten, mittlerweile unter einer rapide steigenden Zahl von Übergewichtigen leiden…«

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Paul Grote: Die Weinprobe von Lissabon

Es ist wieder soweit. Ein neuer Weinkrimi von Paul Grote ist da. Und das Schöne an seinen Krimis ist, er führt uns jedes Mal in eine neue Weingegend, zu neuen Weingütern, Winzern und ihren Weinen. Dieses Mal nach Portugal in die Weinregion Lisboa, früher bekannt als Estremadura. Etwas muss Portugal bei Paul Grote auslösen. Denn schon sein erster Portugalroman am Rio Douro „Der Portweinerbe“ war für mich einer seiner Besten. Hier muss ich aber dazu sagen, alle seine Weinkrimis sind herausragend. Jetzt ist Paul Grote wieder in Lissabon und auch hier hat er mich begeistert mit neuen Ideen und noch besser mit tragenden Themen ein Zeichen gesetzt. Weiterlesen

Verheißenes Land, Barak Obaman

In diesem ersten Teil von Barack Obamas Autobiografie erzählt er seinen Werdegang von der Kindheit zum Studium und wie der Wunsch Politiker zu werden, reifte. Voll Idealismus, Optimismus und positiven Aktionismus will er sein Land zum Besseren verändern und stürzt sich in den Wahlkampf zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nachdem er die erste Hürde gegen Hillary Clinton nimmt, geht der richtige Wahlkampf erst los. Nach Monaten, die sich wie ein Thriller lesen, wird Barack Obama zum 44. Präsidenten der  Vereinigten Staaten vereidigt. Doch es bleibt dem Präsidenten kaum Zeit seine Regierung zu bilden, weil sein Land in der größten Finanzkrise steckt, die die USA je gesehen hat. Ein Flächenbrand nach dem anderen muss gelöscht werden. Wie mit Afghanistan verfahren? Wie die Gesundheitsreform durchboxen? Diese Fragen durfte der Präsident sich nicht nur stellen, er musste auch versuchen, sie zu lösen. Und so schließt der erste Teil der Autobiografie mit der Militäroperation, die mit Osama bin Ladens Tod endete.

Diese Autobiografie ist ein regelrechter Augenöffner für Menschen, die nicht ausgesprochene Kenner des amerikanischen Regierungssystems sind. Ein Buch, das auf fast tausend Seiten für Erstaunen, Entrüstung und manchmal Entsetzten sorgt. Doch lassen Sie sich von dem Umfang nicht abschrecken, denn Barack Obama ist ein brillanter Rhetoriker und so liest sich Ein verheißenes Land, wie ein überaus spannender Krimi. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, denn es ist eine kluge, ehrliche und ganz erstaunliche Geschichte aus erster Hand erzählt.

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Andrea Camillieri: Kilometer 123

Der Tod von Andrea Camillieri hat für Krimifreunde einen großen Verlust bedeutet. Keiner konnte Kriminalromane schreiben wie er, der vorzugsweise über Sizilien, geschrieben hat. Das vorliegende Buch Kilometer 123 ist ein Beispiel hoher Autorenschaft. Ein Buch das gänzlich aus Dialogen besteht und doch zielgenau Atmosphäre und Handlung wiedergibt. Dialoge sind so gesetzt dass sie schnörkellos ein Verbrechen aufdecken das zunächst aussieht als wäre es kein solches. Wie immer unterlässt es Camillieri nicht auch ironische Passagen einfließen zu lassen. Wir werden den Meister vermissen. Weiterlesen

Geiger, Gustav Skördeman

Was passiert, wenn eine Schläferin nach mehr als dreißig Jahren im Alter von knapp siebzig den Anruf erhält, auf den sie immer gewartet hat? Nun, dann passiert es, dass sie ihrem eigenen Ehemann, mit dem sie vierzig Jahre verheiratet ist, Kinder und Enkelkinder hat, einfach eine Pistole an den Kopf setzte und abdrückt. Mit diesem Anruf wird etwas in Gang gesetzt, auf das einige Leute lange gewartet haben und es ist etwas wirklich Großes!

Und etwas wirklich Großes hat Gustav Skördeman auch mit dem ersten Teil seiner Debüt-Trilogie abgeliefert. Eine wirklich außergewöhnliche Idee, die das Thema DDR Spionage in Schweden aufgreift, es aktuell macht und keine zwischenmenschliche Niedertracht auslässt. Und das, obwohl die DDR seit über dreißig Jahren nicht mehr besteht. Der Autor lässt den Kalten Krieg wieder aufleben und scheut sich nicht eine richtig alte Frau als Killer loszuschicken. Es ist hochinteressant, wie die achtziger Jahre wieder aufblühen. Skördeman beschreibt vor allem spannende, kontroverse, Frauengestalten, die einen in Atem halten und erzählt seine Geschichte mit einem nicht abreißenden Spannungsbogen.

Großes Kopfkino und ein wahrer Lesegenuss! Schon jetzt bekenne ich mich als Fan der Geiger Trilogie.

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Peter Burow: Generation Fake, Ein Richter plädiert für mehr Ehrlichkeit

Generation Fake von Patrick Burow

Als ich den Titel zum ersten Mal las, war gerade die Präsidentenwahl in Amerika gelaufen und Biden hatte nach der Auszählung der Briefwahl gewonnen. Doch hatte sich Donald Trump trotz verlorener Wahl zum Sieger erklärt. Er schimpfte und wetterte über Medien, wie Instagram und Twitter, er hätte gewonnen, nur die Demokraten würden ihn mit der Briefwahl den Sieg stehlen. Er wollte über Anwälte erreichen, dass die Briefwahl für Null und Nichtig erklärt wird. Er mobilisierte seine Anhänger, die seinen falschen Worten folgten, sogar zum Sturm auf das Capitol. Es waren mit der Präsidentschaft von Donald Trump 4 Jahre täglich gespickt mit Lügen, Falschaussagen, falschen Zahlen und Fakten. Diese vielen Falschaussagen waren auch den Medien zu viel, so dass Zeitungen nicht mehr von den Aussagen berichteten, Fernsehsender Trump einfach abschalteten und Instagram und Twitter die Accounts von Trump sperrten. Für mich als, meiner Meinung nach, normal denkendem Bürger was Recht und Unrecht ist, ist es erschreckend, dass trotz der bewiesenen Lügen fast 50 % der amerikanischen Bevölkerung trotzdem Trump gewählt haben und nachweislich seine Äußerungen für wahr halten. So dass sie dieses Lügengerüst sogar mir Waffengewalt durchsetzen wollten. Oder vielleicht sogar noch wollen. Das weiß man im Moment nicht. Weiterlesen

Über Menschen, Juli Zeh

Ueber Menschen von Juli Zeh

Dora ist Mitte dreißig und Werbetexterin. Während der Coronapandemie, dem Trump Desaster, dem Klimaschutz-Aktivismus und den Erwartungen ans Gutmensch-Sein verliert sie sich selbst. Mit einer Kurzschlussreaktion, die symptomatisch einer Depression ähnelt, bricht Dora mit ihrem Lebenspartner und kauft ein Haus in Bracken. Das alte schwer renovierungsbedürftige Haus in der brandenburgischen Provinz hat es ihr angetan. Ohne Auto, mit einer Matratze, ihrem Fahrrad Gustav, einem Koffer und ihrem Hund landet sie im absoluten Nirgendwo. Ihr gegenüber wohnt der kleine Heini, ein paar Häuser entfernt Tom und Steffen, ein schwules Paar und ihr Nachbar ist Gottfried, genannt Gote. Er stellt sich ihr mit den Worten vor: Ich bin hier der Dorf-Nazi. Gar nicht witzig, vor allem, weil Dora abends hört, wie Gote mit zwei seiner Rechten Schergen das Horst Wessel Lied am Lagerfeuer schmettert. Eigentlich will sie nur noch weg, doch es dauert nicht lange und sie verliert durch die Pandemie ihren Job bei der Werbeagentur. Jetzt kann sie es sich nicht mehr leisten abzuhauen. Und dann passiert etwas, womit Dora nie gerechnet hätte. Sie muss wegen Gote eine Entscheidung treffen, die nur von ihr als Mensch für einen Menschen getroffen werden kann. Wieder einmal ein Juli Zeh Roman, der dem Leser nicht die Chance gibt, sich nur aus der Distanz entertainen zu lassen. Man wird automatisch zu Dora, überdenkt ihre Entscheidungen, ist entsetzt davon, begeistert davon und fragt sich, wie human man selbst eigentlich in ihrer Situation wäre. Wie human man eigentlich selbst ist.

Juli Zeh wird mit jedem Buch besser. Eine scharfsinnige und scharfzüngige Beobachterin unserer Gesellschaft, die mit Menschen Milde walten lassen kann und mit Leuten hart ins Gericht geht. Literatur der Spitzenklasse!

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Thomas Ziebula: Abels Auferstehung

Nachdem uns der Roman „rote Judas“ gut gefallen hat, war ich auf den neuen Roman von Thomas Ziebula gespannt. Das Warten hat sich gelohnt denn der neue Band ist noch spannender und atmosphärisch dichter als der Vorhergehende. Die politische Situation 1920 in Leipzig ist geprägt von den Ewiggestrigen und den Kriegsverlierern sprich Kriegsversehrte, Witwen und hungrigen Kindern. In diesen unsicheren Zeiten haben es Frauen schwer sich zu behaupten. Die investigative Journalistin Marlene Wagner will den Tod eines Soldaten aufklären und löst einen Strudel von Gewalt aus. Mit den Toten muss sich nun der Kriegsheimkehrer und psychisch stark angeschlagene Kriminalinspektor Paul Stainer beschäftigen und bekommt von Seiten rechtsnationaler Burschenschaftler Knüppel zwischen die Beine geworfen. Diesem Band werden wir durch die Kneipen und Gaststätten des alten Leipzigs geführt und können am Ende des Buches zum Showdown vor Spannung nicht aufhören zu lesen. Weiterlesen