Verheißenes Land, Barak Obaman

In diesem ersten Teil von Barack Obamas Autobiografie erzählt er seinen Werdegang von der Kindheit zum Studium und wie der Wunsch Politiker zu werden, reifte. Voll Idealismus, Optimismus und positiven Aktionismus will er sein Land zum Besseren verändern und stürzt sich in den Wahlkampf zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nachdem er die erste Hürde gegen Hillary Clinton nimmt, geht der richtige Wahlkampf erst los. Nach Monaten, die sich wie ein Thriller lesen, wird Barack Obama zum 44. Präsidenten der  Vereinigten Staaten vereidigt. Doch es bleibt dem Präsidenten kaum Zeit seine Regierung zu bilden, weil sein Land in der größten Finanzkrise steckt, die die USA je gesehen hat. Ein Flächenbrand nach dem anderen muss gelöscht werden. Wie mit Afghanistan verfahren? Wie die Gesundheitsreform durchboxen? Diese Fragen durfte der Präsident sich nicht nur stellen, er musste auch versuchen, sie zu lösen. Und so schließt der erste Teil der Autobiografie mit der Militäroperation, die mit Osama bin Ladens Tod endete.

Diese Autobiografie ist ein regelrechter Augenöffner für Menschen, die nicht ausgesprochene Kenner des amerikanischen Regierungssystems sind. Ein Buch, das auf fast tausend Seiten für Erstaunen, Entrüstung und manchmal Entsetzten sorgt. Doch lassen Sie sich von dem Umfang nicht abschrecken, denn Barack Obama ist ein brillanter Rhetoriker und so liest sich Ein verheißenes Land, wie ein überaus spannender Krimi. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, denn es ist eine kluge, ehrliche und ganz erstaunliche Geschichte aus erster Hand erzählt.

Fotocopyright: Pari Ducovic

Barack Obama wurde 1961 in Honolulu, Hawaii, geboren. Er war von 2009 bis 2017 der 44. Präsident der Vereinigten Staaten.
Obama ist ein auf US-Verfassungsrecht spezialisierter Rechtsanwalt. Im Jahr 1992 schloss er sich der Demokratischen Partei an, für die er 1997 Mitglied im Senat von Illinois wurde. Bei der Präsidentschaftswahl des Jahres 2008 errang er die Kandidatur seiner Partei und setzte sich dann gegen den Republikaner John McCain durch. Mit seinem Einzug in das Weiße Haus im Januar 2009 bekleidete erstmals ein Afroamerikaner das Amt des Präsidenten. Am 10. Dezember 2009 erhielt Barack Obama den Friedensnobelpreis.

Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern Sasha und Malia in Washington.

 

 

Könnte man bestimmte Menschen doch nur dazu bewegen, solch ein Buch einmal von vorne bis hinten zu lesen. Vielleicht würde dann nie wieder daran gezweifelt werden, wie falsch es ist Politik mit Machtkampf zu verwechseln. Wie gefährlich es ist in Krisensituationen das Ziel völlig aus den Augen zu verlieren, weil Wahlkampf betrieben wird. Dass Drohungen, Einschüchterungen, Korruption und Blockaden aufgrund parteipolitischen Selbstzwecks, in einer Demokratie nichts zu suchen haben. Politiker würden an ihre Verantwortung gegenüber den Bürgern eines Landes erinnert, von denen sie gewählt wurden. Wahrscheinlich würden dann desaströse Vorkommnisse, wie sie passierten in den letzten Tagen von Trumps Präsidentschaft, unterbleiben, weil ein solcher Mann dann nie an die Macht gekommen wäre. Ein schöner Traum.

Barack Obama eröffnet in seinem Werk den Blick hinter die Kulissen. Er berichtet beim Wahlkampf von den Schlammschlachten und inszenierten Lügengeschichten in der Presse. Von dem knallharten Prozess, bei dem von keiner Seite Gefangene gemacht werden. Und es geht um Geld, immer wieder Geld. Liebhabern der Serie House of Cards wird plötzlich klar, das Fiktion und Realität nahe beieinanderliegen. Aber es sind auch die magischen Momente, die Obama beschreibt, Treffen und Gespräche mit den Bürgern aller Schichten, die ihre Hoffnung auf den Kandidaten setzten.

Barack Obama amüsiert seine Leser aber auch mit Insider Kleinigkeiten aus dem Weißen Haus. So zum Beispiel, dass der Secret Service über ihn immer nur als POTUS eine Abkürzung von Präsident of the United States oder Renegade sprach. Oder das ein Besuch auf der Toilette vom Secret Service, als Secondary Hold bezeichnet wurde. Dass die Lebenshaltungskosten der first Family von Nahrungsmitteln bis Toilettenpapier aus eigner Tasche zu zahlen sind. Oder aber auch kleine Anekdoten von den Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern, wie zum Beispiel der Kanzlerin Angela Merkel und dem damaligen französischen Staatschef Sarkozy.

Dann wird es jedoch wieder bitterernst. Es wird kein Hehl daraus gemacht, dass 2008 eine für Regierungszwecke völlig ungesunde Abneigung zwischen Demokraten und Republikanern in den USA herrschte. Wie schwierig es war, Gesetzesentwürfe durch den Senat zu bekommen und wie viel Vorarbeit, Strategie und Überzeugung das Amt kostet. So kann man nur hoffen, dass die Ausschreitung am Capitol in den letzten Tagen von Präsident Trumps Regierung zusammenschweißt und zu einer gemeinsamen Regierungsverantwortung führt, in der Präsident Biden, die Demokraten und Republikaner das Wohl Amerikas im Auge behalten.

Ein großes Buch, das man lesen sollte, um das Regierungssystem eines so komplexen Landes wie den Vereinigten Staaten von Amerika besser zu verstehen!

Ein verheißenes Land, Barak Obama, Penguin, gebundene Ausgabe mit 32 Seiten Farbbildanteil, Seiten 1016, ISBN 978-3-328-60062-6, Euro 42,00 Euro.

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