
Es ist kein Wunder, dass diese Autorin gleich mit ihrem Debüt für so viele Auszeichnungen vorgeschlagen wurde. Sie ist Ende dreißig und schreibt, als hätte sie die Lebenserfahrung von viel mehr Jahrzehnten. Es ist unglaublich, wie sie sich in den Bauern Joseph hineinversetzen kann und mit welcher Authentizität sie durch seine Augen auf die Welt sieht. Elena Fischer ist ein großes Talent!
Dezember 1963: Joseph, ein Kleinbauer, am Rande des Dorfes, am Rande der Wälder und Berge, wird ohne Erklärungen von seiner Ehefrau Liz und seinem kleinen Sohn Samuel verlassen. Es fallen nicht viele Worte, weil Joseph meistens sprachlos ist und Liz dazu neigt, über alles wütend zu werden. Sie hält es in der Einsamkeit mit diesem zutiefst verunsicherten, stillen Mann nicht mehr aus und er würde in der Unruhe der Stadt ganz zugrunde gehen. Obwohl es ihn nicht wundert, dass sie gegangen ist, denn die Schuld, die Joseph tief in sich trägt, kann ihm gar nicht erlauben, glücklich zu sein, ist sein Lebensrhythmus seither gestört. Er kann sich nicht mehr konzentrieren, kann nicht mehr schlafen und fällt in eine tiefe Depression. Schon mit dem alten Jagdgewehr am Kopf und dem Finger am Abzug, wird er gestört. Es klingelt und vor der Tür steht eine junge Frau, die in seinen Armen zusammenbricht. Gibt das Leben Joseph mit dem unerwarteten Gast noch eine Schonfrist? Oder liegt es daran, dass Birdie, wie sie sich nennt, den Bauern irgendwie versteht? Birdie sieht Joseph, wie er wirklich ist, und ahnt sehr schnell, dass seine Liebe eigentlich nicht Liz gehört, sondern ihrer Schwester Ada.
Elena Fischer fesselt den Leser regelrecht an Joseph und gemeinsam, Kapitel für Kapitel, gehen wir mit dem jungen Bauern zurück in seinem Leben. Nur langsam verstehen wir, wie aus dem Jungen Joseph, der seine Großmutter über alles liebte, ein zutiefst verunsicherter, fast autistischer Erwachsener wurde. Wir erfahren, wen er schon alles beerdigen musste und warum die Schuld auf seinen Schultern schwerer wiegt, das Gefühl, einen kleinen Anspruch auf Glück zu haben.
Wunderschöne Literatur, eine einmalige Geschichte und vor allem eine brillant gezeichnete Persönlichkeitsstruktur. Ein Buch das ans Herz geht!
Autorinnenfoto: Copyright ® Julia Sellmann/Diogenes Verlag
Elena Fischer, geboren 1987, hat Komparatistik und Filmwissenschaft in Mainz studiert, wo sie mit ihrer Familie lebt. Ihr Debüt ›Paradise Garden‹ wurde sofort zum Bestseller und 2023 für den Deutschen Buchpreis sowie den Debütpreis des Harbour-Front-Literaturfestivals nominiert. ›Paradise Garden‹ ist bereits in 15 Sprachen übersetzt.
Auszeichnungen: Paradise Garden ist das Debüt des Jahres des Literaturwerks Rheinland-Pfalz-Saar, 2024,Paradise Garden für das ›Lieblingsbuch der Unabhängigen‹ nominiert, 2023,Paradise Garden nominiert für den ›Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals Hamburg‹, 2023,Paradise Garden auf der Longlist des ›Deutschen Buchpreises‹, 2023,›Literatur-Förderpreis‹ der Landeshauptstadt Mainz für junge Autorinnen und Autoren, 2021,Finalistin beim 29. open mike, 2021
Auszug aus dem Werbetext Diogenes Verlag: Joseph ist einsam und hadert mit seinem Schicksal, nicht erst, seit seine Frau Lis mit dem gemeinsamen Sohn in die Stadt gezogen ist, weil sie den Alltag auf dem Hof nicht mehr ausgehalten hat. Wahrlich etwas Besonderes in den Sechzigerjahren auf dem Land. Zum Glück ist da noch Ada, Lis‘ ältere Schwester, mit der sich Joseph schon immer sehr verbunden fühlt. Und dann steht plötzlich die 20-jährige Birdie vor seiner Tür, geschwächt und auf der Flucht vor ihrer Familie. Lis, Ada und Birdie – sie werden ihrem eigenen, aber auch Josephs Leben eine ganz neue Richtung geben.
Wirf einen Schatten, Elena Fischer, Hardcover Leinen, Diogenes Verlag, Seiten 304, ISBN: 978-3-257-07390-4, Euro 25,00, erschienen am 22. Juli 2026.