
Das Jugendbuchdebüt von Val Emmich ist eine sehr schöne Geschichte, über zwei Teenager, die eine Nacht in einem Museum verbringen, weil ein Schneesturm sie überrascht. Aber eigentlich ist es nicht das Wetter, das beide dort hin flüchten lässt. Tegan hat von Geburt eine missgebildete linke Hand und fühlt sich wie ein Loser auf ihrer Schule. Mac Durant ist das Abziehbild eines erfolgreichen Sportchampions, der von allen geliebt wird. Doch, dass diese Bilder auf die beiden ganz und gar nicht zutreffen, zeigt sich ihnen in dieser Nacht. Endlich können sie einmal ehrlich sein, mit sich selbst und miteinander, auch wenn es schmerzhaft und unglaublich schön ist.
Val Emmich hat eine typische Jugendgeschichte aufgegriffen und sie ein wenig wie den Breakfast Club inszeniert. Es ist eine zarte Erzählung, die das verwirrende Gefühl der Pubertät sehr gut wiedergibt. Das Buch macht aber auch Mut, damit junge Menschen einfach besser mit ihren imaginären und wirklichen Defiziten umgeben. Eine Daumenhoch-Empfehlung für junge Leseratten. Weiterlesen


Dieses Meisterwerk gilt als Vorläufer einer Trilogie von Don Winslow: Tage der Toten, dass Kartell und Jahre des Jägers. Wer diese Bücher noch nicht kennt sollte sie unbedingt lesen. Aber zunächst zu dem vorliegenden Werk. Es ist unglaublich hart, schnell und actionsreich. Nach einem Satz ist man bereits mitten in der Handlung die einen über die 280 Seiten nicht mehr loslässt. Man merkt dass der Autor tief in diese Materie, der West Coast Drogen Szene eingedrungen ist. Die Verhältnisse der kalifornischen mexikanischen Grenze mit ihrem Menschenhandel und Drogenschmuggel werden unglaublich hautnah an die Leserschaft herangetragen. Manchmal muss man tief durchatmen wenn es um Szenen geht die der Autor in lakonischer Sprache beschreibt, die aber durchaus blutige Hintergründe haben. Das Buch und die oben genannte Trilogie ist ein Muss für jeden Krimileser. 
Wer glaubt, Mode-Influencer wären eine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sieht sich getäuscht. Denn: Albrecht Dürer und der Augsburger Matthäus Schwarz machten das schon in der Renaissance. Schwarz ließ sich im zarten Alter von 29 Jahren von dem 19jährigen Narziss Renner nackt von vorne und hinten auf Pergamentpapier abbilden. Im Laufe seines Lebens gab er 137 Aquarelle – im angezogenen Zustand – in Auftrag. Zwei förmlichere Ölgemälde hängen in der Thyssen-Bornemisza-Sammlung in Madrid und in den Galerien der Nordischen Renaissance im Louvre. Dank dieser Auftragsarbeiten haben wir eine genaue Vorstellung der damaligen Mode. Und wer glaubt, Mode sei überbewertet, wird von Ulinka Rublack eines besseren belehrt. 
Um es vorwegzunehmen: Ich bin keine Pädagogin. Ich habe eine Tochter großgezogen und werde hoffentlich in naher Zukunft – drücken Sie die Daumen – Oma. Also Zeit, sich mit dem Thema Erziehung erneut auseinander zu setzen. Man darf sich durchaus fragen, ob es 329 Jahre nach der Erstveröffentlichung der Lockeschen Gedanken einer weiteren Ausgabe bedarf. Nicht, wenn man nur die letzte Ausgabe neu auflegt, denn bis zur vorliegenden aktuellen Ausgabe basieren alle anderen auf einer Übersetzung aus den 1960er Jahren bzw. davor. Zur Feier des 125-jährigen Jubiläums der Klett-Cotta Gruppe gab der Verlag eine neue Übersetzung in Auftrag. Ich habe mir die Mühe gemacht und Textpassagen verglichen und bin zu dem Schluss gekommen: entweder liest man die Texte von John Locke im original – Shakespeare Englisch – oder in der von Jürgen Overhoff herausgegebenen Ausgabe von 2022. Was ich vor ca. 25 – 30 Jahren zum Thema Erziehung in Ratgebern und anderen Print Medien gelesen habe, beruht augenscheinlich auf den Gedanken John Lockes. Unter den verschiedenen historischen und aktuellen Erziehungsmodellen finde ich die Gedanken von John Locke als richtungsweisende Basis für eine moderne, praktikable Erziehung. Denn: die Gedanken von John Locke begleiten das junge Lebewesen von der Geburt bis zur Adoleszenz. 
Fräulein Zeisig ist ein Paradebeispiel dafür, dass man ein Buch weder nach Aufmachung noch nach Titel beurteilen sollte. Denn: Fräulein Zeisig ist eine absolute Bereicherung für die deutsche Krimi-Landschaft! Und es ist bei weitem mehr als ein spannender Krimi mit einer glaubwürdigen Geschichte, einem schönen, durchgängigen Spannungsbogen und verschiedenen Erzählsträngen, die am Ende glaubhaft aufgelöst werden. Dank erkennbar umfangreicher Recherchen zeichnet die Autorin ein dichtes gesellschaftspolitisches Bild Münchens Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts mit all seinen Strömungen. Kerstin Cantz scheut sich weder den allgegenwärtigen Rassismus noch Homosexualität, damals noch strafbar, zu thematisieren. In diesem zweiten Kriminalroman um Fräulein Zeisig, durchaus verständlich, auch wenn man den ersten Band nicht gelesen hat, lässt die Autorin ihre Kommissarin in der Welt der amerikanischen Soldaten-Frauen ermitteln. Elke Zeisig tut dies mit so viel Fingerspitzengefühl, Empathie und kriminalistischem Gespür, dass selbst der amerikanische Ermittler von ihr beeindruckt ist. Kerstin Cantz hat mit Fräulein Zeisig eine junge Kommissarin geschaffen, die sich wohltuend von anderen Ermittlern abhebt. Ein Kriegskind, dem eben nicht Schule und Bildung offen stand, das sich gegen den mütterlichen Widerstand durchsetzen musste, um das Berufsziel zu erreichen und dem dann immer noch nicht die Möglichkeiten offen stehen, wie den männlichen Kollegen. In Hauptkommissar Manschreck und Hauptkommissarin Sailer findet Elke Zeisig Förderer und man darf gespannt sein, wie es für Fräulein Zeisig weitergeht.