Kategorie: Buchbesprechungen

Die dunkle Stille des Waldes, Nalini Singh

Aufgewachsen im modernen Neuseeland, aber in einer Art reicher Enklave von Indern, Asiaten und Multimillionären, war Aaravs Kindheit nicht einfach. Vor allem aber begleiten die bitteren Streits zwischen seinem eiskalten Vater und seiner zu schönen, aufreizenden Mutter den Jungen während seiner Kindheit. Bis zu dem Abend, als er den Schrei hörte, ihren Jaguar wegfahren sieht und seine Mutter nie wiederkommt. Da eine Viertelmillion in Vaters Safe fehlen unterstellt dieser, dass die Schlampe, wie er seine Frau nennt, sich abgesetzt hat. Zehn Jahre später ist aus dem Jungen ein Mann und dazu erfolgreicher Schriftsteller geworden. Ein böser Autounfall zwingt ihn wieder in sein Elternhaus in die Cul-de-Sac zu ziehen, umgeben von Jugenderinnerungen und den Menschen, die seine Mutter Nina alle kannten. Dann steht die Polizei vor der Tür. Man fand Ninas Jaguar im Busch, keine fünf Kilometer vom Haus entfernt und ihre Leiche auf dem Beifahrersitz.

Aarav glaubt fest an einen Mord und will den Mörder finden. Denn es war keine Gelegenheitstat und es scheint, nicht nur sein Vater hatte genug Motive Nina zu töten. Doch Aaravs Kopfverletzung trübt seine Wahrnehmung immer mehr. Kann es wirklich sein, dass er selbst seine Mutter tötete? Weiterlesen

Alte Sorten, Ewald Arenz

„Sie hatte den Weinberg damals gar nicht so gesehen. Er war nur Landschaft gewesen. Ohne Bedeutung. Es war nicht derselbe Weinberg, in dem sie jetzt stand. Dieser Weinberg war wirklich. Sie war wirklich geworden in dieser Zeit. Vielleicht waren es all die Berührungen mit der Erde gewesen. Wann hatte sie jemals die Hände in der Erde gehabt? Wann Bienen auf der Haut? Wann hatte sie in einem Baum gestanden? Ja. Vielleicht war es das.“

Aus Ewald Arenz „Alte Sorten“. Der Umschlag schmückt einen Ast aus einem Birnbaum mit zwei Birnen, die nach einer alten Sorte aussieht. Wenn ich nicht das Wort Roman gelesen hätte, dann hätte ich das Buch für ein Sachbuch über alte Obstsorten erwartet. Man wird doch immer wieder positiv überrascht, wenn man ein Buch in die Hand bekommt, den Autor einem unbekannt ist, man fängt an zu lesen und ist von den ersten Seiten an gefangen, von der Geschichte, der Sprache und Darstellungen. Man hört nicht mehr auf weiterzulesen.

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Nigel Kennedy: Mein rebellisches Leben

Ich habe Nigel Kennedy zweimal auf der Bühne erlebt. Davon ist mir das Konzert in der Alten Oper Frankfurt besonders in Erinnerung und so war ich sehr gespannt auf seine Memoiren. Aber es sind seine Erinnerungen. Ungefiltert, sprachlich kraftvoll bis derb, in seinen Worten erzählt und allgemein verständlich. Kein Lektor, der Kennedys Sprache glattbügelte. Vielen Dank dafür. Denn der Autor hat seine Fans in allen Gesellschafts- und Bildungsschichten. Es war ihm von Beginn an seiner Karriere ein Anliegen, die klassische Musik zu allen Menschen zu bringen, verzichtete bewusst und als Erster auf den Frack. Zwar Rebell in vielen Bereichen, kommen seine Erinnerungen sehr strukturiert daher. Einem übersichtlich gegliederten Inhaltsverzeichnis folgt eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung an seine Leser: »…Leser sollten sich meines politisch nicht ganz korrekten Schreibstils und meiner offenen Worte über die BBC, Plattenfirmen, die bayrische Polizei und andere selbsternannte Hüter der Macht bewusst sein«. Sein Stil ist die Basis für wahrlich originelle und unterhaltsame Memoiren, spielerisch, unkonventionell und sorgfältig ausgeführt wie seine Musik. Und welcher Künstler sonst widmet seinen Begegnungen mit der Polizei ein ganzes Kapitel mit dem Thema »Top 10…« oder spielt »Küchen-Golf« mit Gary Lineker? Überhaupt, Fußball und Boxen bezeichnet er als seine wichtigsten Interessen außerhalb der Musik. Über Aston Villa sagt er: »ein wahrer Segen für mich, von normalen, ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, die eine „ordentliche Arbeit“ haben, umgeben zu sein«. »Ich habe mein Leben lang Barrieren zwischen Menschen einzureichen versucht und denke, das vorliegende Buch ist dafür Beweis genug« schreibt Kennedy in seiner Warnung. Es ist das Statement über eine Mission, ausgeführt mit Gelassenheit. Weiterlesen

Du bist der Sturm, du bist das Licht, Val Emmich, Jugendbuch

Das Jugendbuchdebüt von Val Emmich ist eine sehr schöne Geschichte, über zwei Teenager, die eine Nacht in einem Museum verbringen, weil ein Schneesturm sie überrascht. Aber eigentlich ist es nicht das Wetter, das beide dort hin flüchten lässt. Tegan hat von Geburt eine missgebildete linke Hand und fühlt sich wie ein Loser auf ihrer Schule. Mac Durant ist das Abziehbild eines erfolgreichen Sportchampions, der von allen geliebt wird. Doch, dass diese Bilder auf die beiden ganz und gar nicht zutreffen, zeigt sich ihnen in dieser Nacht. Endlich können sie einmal ehrlich sein, mit sich selbst und miteinander, auch wenn es schmerzhaft und unglaublich schön ist.

Val Emmich hat eine typische Jugendgeschichte aufgegriffen und sie ein wenig wie den Breakfast Club inszeniert. Es ist eine zarte Erzählung, die das verwirrende Gefühl der Pubertät sehr gut wiedergibt. Das Buch macht aber auch Mut, damit junge Menschen einfach besser mit ihren imaginären und wirklichen Defiziten umgeben. Eine Daumenhoch-Empfehlung für junge Leseratten. Weiterlesen

Grabesstern, Anne Mette Hancock

Nummer 1 „Leichenblume“, Nummer 2 „Narbenherz“ und jetzt „Grabesstern“ der dritte Band der Trilogie von Anne Mette Hancock mit den Protagonisten Heloise Kalden der Investigativ-Journalistin und dem Kommissar Erik Schäfer. Kann man nach drei Bänden immer noch sagen, dass Anne Mette Hancock der neue Star unter den skandinavischen Krimiautoren ist. Ja  – sie ist es! Auch ihr neuer Roman „Grabesstern“ fügt sich nahtlos im interessanten Thema uns Spannung ein.

 

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Unverschwunden, Philipp Gurt

Die Geschichte einer grauenvollen Situation, die jedoch so zärtlich und liebevoll geschildert wird, dass man als Leser die ganze Gefühlspalette des Protagonisten miterlebt. Man weint mit ihm, man hofft mit ihm, verzweifelt und wird sehr, sehr nachdenklich. Stellenweise erinnerte mich Unverschwunden an das Buch Die Wand von Marlen Haushöfer. Wobei in Die Wand, die Protagonistin einen Lebenssinn fand, der sie beschäftigte mit dem täglichen Existenzkampf um Lebensmittel und Wärme. Lukas, der Unverschwundene in diesem Roman, hat alles, umsonst. Nur irrt er ungesehen, ungehört unter all den Menschen um ihn herum, ohne sie berühren oder mit ihnen kommunizieren zu können. So ist Luk tagtäglich nur seinen Gedanken- und Gefühlswelt ausgesetzt, ohne Hoffnung, diesen Zustand je wieder ändern zu können.

Oft zucke ich vor solchen Büchern zurück und befürchte sie sind zu dunkel. Doch ich muss sagen trotz des heftigen Themas, ist Unverschwunden ein wunderbares Buch. Es liegt an den so genau definierten Emotionen, den sehnsuchtsweckenden Beschreibungen der Schweizer Bergwelt und an dem wundervollen Schreibstil von Philipp Gurt. Dieses Buch tut man sich nicht an, man tut sich etwas Gutes damit!

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Don Winslow: Bobby Z

Dieses Meisterwerk gilt als Vorläufer einer Trilogie von Don Winslow: Tage der Toten, dass Kartell und Jahre des Jägers. Wer diese Bücher noch nicht kennt sollte sie unbedingt lesen. Aber zunächst zu dem vorliegenden Werk. Es ist unglaublich hart, schnell und actionsreich. Nach einem Satz ist man bereits mitten in der Handlung die einen über die 280 Seiten nicht mehr loslässt. Man merkt dass der Autor tief in diese Materie, der West Coast Drogen Szene eingedrungen ist. Die Verhältnisse der kalifornischen mexikanischen Grenze mit ihrem Menschenhandel und Drogenschmuggel werden unglaublich hautnah an die Leserschaft herangetragen. Manchmal muss man tief durchatmen wenn es um Szenen geht die der Autor in lakonischer Sprache beschreibt, die aber durchaus blutige Hintergründe haben. Das Buch und die oben genannte Trilogie ist ein Muss für jeden Krimileser. Weiterlesen

Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff, Harald Martenstein

Mit flottem Stift und spitzer Zunge ist das neue Buch der optimistischen Kolumnen von Harald Martenstein wieder einmal geschrieben. Die Kurzgeschichten streifen alle Situationen des Lebens und vor allem, was gerade in der Gesellschaft en vogue ist. Es sind Themen aus der Politik, dem Feminismus, der Kindererziehung, der kulturelle Aneignung, von Corona bis zu Verschwörungstheorien. Jeder bekommt sein Fett weg und dabei ist Martenstein sehr mutig. Denn wie erfrischend ist es, wenn einem Autor jeglicher Shitstorm egal ist und er sein Recht auf freie Meinungsäußerung wahrnimmt, das zwar im Grundgesetz zugesichert, aber nicht unbedingt in den sozialen Medien akzeptiert ist. Es macht den Eindruck, dort sollte bitte schön die Meinung geäußert werden, die dem Zeitgeist entspricht. Darum ist Martenstein so erfrischend ehrlich, selten böse und vor allem witzig.

Mir gefallen die geistreichen Provokationen und sorgen für ein tägliches Schmunzeln.

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Ulinka Rublack: Die Geburt der Mode

Wer glaubt, Mode-Influencer wären eine Erfindung des 21. Jahrhunderts, sieht sich getäuscht. Denn: Albrecht Dürer und der Augsburger Matthäus Schwarz machten das schon in der Renaissance. Schwarz ließ sich im zarten Alter von 29 Jahren von dem 19jährigen Narziss Renner nackt von vorne und hinten auf Pergamentpapier abbilden. Im Laufe seines Lebens gab er 137 Aquarelle  – im angezogenen Zustand – in Auftrag. Zwei förmlichere Ölgemälde hängen in der Thyssen-Bornemisza-Sammlung in Madrid und in den Galerien der Nordischen Renaissance im Louvre. Dank dieser Auftragsarbeiten haben wir eine genaue Vorstellung der damaligen Mode. Und wer glaubt, Mode sei überbewertet, wird von Ulinka Rublack eines besseren belehrt. Weiterlesen

111 Weine aus aller Welt, die man getrunken haben muss, Carsten Henn

In den 70er und 80er gab es eine Fernsehsendung, immer nur 5 Minuten lang, dafür sehr aufschluss- und lehrreich, 100 Meisterwerke, die nach dem großen Erfolg, auf 1000 Meisterwerke, aus den Museen dieser Welt vorgestellt wurden. Diese Sendung hat mich an die Kunst herangeführt. Es gab schon öfter Bücher mit der Aussage, die besten Weine oder Weingüter, die man probiert und kennenlernen sollte. Der Nachteil war immer, es wurden nur die besten Weine des jeweiligen Jahrgangs empfohlen. Doch jeder neue Jahrgang ist anders und wenn man sich dafür interessiert hatte, waren sie nach der Veröffentlichung gleich vergriffen. Ich gebe zu, mit dieser Erfahrung, habe ich das Buch von Carsten Sebastian Henn mit etwas Skepsis aufgemacht. Was dann kam, hat mich mehr als positiv überrascht.

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