Kochen, essen, leben Nigella Lawson

Zitat Nigella Lawson: Essen ist für mich Vergnügen. Ich denke ständig darüber nach, und ich lerne daraus. Essen bedeutet Wohlbehagen, Anregung und Schönheit, es steht für Zuwendung und kann geben. „Kochen, essen, leben“ ist für mich nicht irgendein Mantra, es ist Dasein. Härende Worte. Ich weiß es aus Erfahrung. Nicht jeder kann das verstehen. Da ich selbst gerne koche und esse, stimme ich Nigella Lawson gerne zu. Doch leider ist nicht für jeden genüsslich Essen ein Erlebnis. Es gibt leider auch Menschen, die empfinden Essen nur als Nahrungsaufnahme, dafür lieben sie die Musik oder die bildende Kunst oder ihre Erfüllung im Beruf. Da sie diese Zeilen konsumieren, gehören sie sicherlich zur ersten Gruppe.

Fotocopyright: ® Matt Holyoak

Nigella Lawson ist 1960 in London geboren. Nach Abschluss des Sprachstudiums arbeite sie zunächst als Lektorin. Ab 1985 schrieb sie Restaurantkolumnen für The Spectator. 1986 als Feuilletonredakteurin bei der Sunday Times. Als freie Journalistin gab sie ihr erstes Kochbuch mit dem Titel How to Eat heraus. Ihr zweites Buch folgte 2000 How to be a Domenstic Godness. Im gleichen Jahr erhielt sie eine eigene Koch-show, Nigella Bites, auf Channel 4 und in Deutschland ist sie bekannt bei auf RTL Living Nigellas Leckerbissen. Es folgten weitere Kochshows. Bei DK sind weitere Bücher erschienen: Nigella Das Glück zu Kochen und Nigella lädt ein.

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Welche Reihenfolge ist die Beste. Nigella Lawson hat den Titel ausgewählt und was möchte sie uns damit sagen. Erst Kochen, dann Essen und schon lebt man? Nicht, man isst zum Überleben. Wir können uns den Luxus leisten das Kochen zu genießen und das ist das Leben.

Zitat Nigella Lawson: Ich habe oft versucht zu meditieren, nicht immer mit Erfolg; kochen ist wohl für das, was für mich an einen meditativen Zustand am nächsten kommt. Zitat Ende. Über diese Verbindung oder Zustand hatte ich noch nie so nachgedacht. Jetzt verstehe ich mein Handeln selbst, denn um meinen beruflichen Stress abzubauen, bin ich mit Freuden in die Küche gegangen. Gemüse putzen, akkurat zu schneiden, braten, kochen, garen, abschmecken ist also Meditation für mich. Und dann noch der Erfolg der freudigen Gesichter beim Essen von der Frau, den Kindern oder Gästen, beim Genuss der zubereiteten Speisen. Mehr kann man nicht erwarten. Und genau das möchte uns Nigella Lawson uns vermitteln.

Kochen, essen, leben ist nicht einfach ein Rezept oder Kochbuch. Es ist die Autobiografie der Nigella Lawson in der Küche. Oder noch besser beschrieben die Philosophie von Nigella Lawson des Genießens beim Kochen zum guten Leben. Als erstes hat sie sich Gedanken gemacht, „Was ist eigentlich ein Rezept?“ Welche Aussage hat es. Wie schreibt man Rezepte, wie baut man sie auf und muss der Leser sie befolgen. Bewundernswerte Gedankenwelt. Hier schreibt sie dazu auf Seite 7: Die Rezepte, die ich schreibe stammen aus meinem Leben, aus meinem Zuhause. Sie erzählen eine Geschichte, meine Geschichte!“

Die Geschichte fängt dann gleich mit einer persönlichen Sache an: „Ihre Vorliebe für Sardellen“. Für Nicht-Sardellenliebhaber völlig unverständlich. Eher sogar ekelig. Selbst ihre Familie kann ihre Vorliebe dafür nicht teilen. Doch Nigella Lawson folgt da eventuell bewusst oder unbewusst dem Umami-Geschmack. Sardellen haben das Vermögen ein Gericht geschmacklich aufzuwerten. Schon die Römer kannten dieses Geschmackswunder. Bei den Römern gab es eine fermentierte Fischsauce, die fast jeder zur Abrundung oder zum Aufpeppen der Speisen gegeben hat. Wenn man die alte Rezeptur für Garum liest, fragt man sich, das kann man wirklich essen? Über Wochen wurde Fisch, Gewürze und Kräuter an der frischen Luft in Amphoren vergoren. Besser ausgedrückt fermentiert.  Wie unser allseits bekanntes Maggi und Sojasauce auch fermentiert ist. Was bei uns in den 50er bis in die 80er als Maggi-Gewürz fast in jedem Haushalt und in den Kantinen auf den Tisch stand, gehörte für den Legionär die Garumflasche ins Marschgebäck. Maggi ist verpönt, dafür empfehlen jetzt die Sterneköche verschiedene Sojasaucen oder sogar Fischsaucen. Für Nigella Lawson halt Sardellen direkt.

Weitere Kapitel sind Rhabarber, ein äußert schwieriges Produkt. Ein Plädoyer für triste Speisen, Familienessen, neue Ideen für Weihnachten oder vegane Schlemmereien, bis zu Solomahlzeiten. Man muss auch allein genießen können und das mit Freude.

Nigella Lawson hat kein normales Kochbuch geschrieben. Es ist ihre Philosophie vom Kochen zum Essen zum Leben. Die Rezepte sind nicht einfach aufgeschrieben und die Abhandlung in Kurzfassung daneben. Jedes Rezept enthält die persönliche Geschichte von Nigella Lawson. Bei der Überlegung wie beschreibe ich dieses Buch, fiel mir ein Buch ein über Kurzgeschichten kulinarischer Erlebnisse ein. Ich habe dieses Buch geliebt, da in der Kürze der Geschichten immer etwas Besonderes lag. Genauso ist es hier in den Rezepten und den Geschichten drum herum. Es ist zwar kein Krimi aber von der Intensität her viel spannender.

Viel Freude damit.

Nigella Lawson, Kochen, essen, leben, DK, ISBN: 978-3-8310-4281-4, Hardcover, 382 Seiten, € 27,80.

 

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