Kategorie: Buchbesprechungen

Stiller als der Tod, Dario Correnti

Eher ein unaufgeregter Krimi als ein Thriller und das passt auch so viel besser zu den beiden Protagonisten. Denn Marco Besana und Ilaria Piatti, die beiden Kriminaljournalisten sind eher die typischen Antihelden. Besana ist bereits in Rente und nur noch als freier Journalist unterwegs und Ilaria hängt mehr oder weniger ohne Vertrag und Anstellung in der Luft. Doch beide sind scharfe Hunde, wenn es um Mord geht. So ist der Tod eines betuchten Italieners in der Schweiz, ein gefundenes Fressen für sie. Denn die beiden glaube keine Sekunde, dass er ein Fressen für den Bären wurde, dem man diesen Tod anlastet. Vielmehr scheint er zu einer weiteren Reihe von Giftmorden zu gehören, denen die beiden Journalisten immer näherkommen. Leider auch privat!

Gute und spannende Unterhaltung, ohne viel Schnickschnack und Aktion. Ein echt solider und lesenswerter Krimi.

Weiterlesen

Am Ende der Unschuld, Silke Ziegler

Es ist definitiv ein Krimi, auch wenn es wie ein Thriller anfängt. Wer es aber eher sanft liebt und zwischendurch mal tief Luft holen will und seufzen mag, weil die Liebe ja so schön ist, der ist hier genau richtig. Milla ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin bei einem kleinen Käseblatt in Frankfurt. Außerdem ist sie gerade im Begriff, sich von ihrem untreuen Ehemann scheiden zu lassen. Als Millas Chefredakteur ihr anbietet den Vergewaltiger und Mörder Robert Hoffmann im Pariser Gefängnis zu interviewen, sagt sie sofort zu. Der ehemalige deutsche Star am Journalistenhimmel wurde zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes an seiner Verlobten, der Schauspielerin Simone Dubois verurteilt. Obwohl er gegenüber der Presse immer geschwiegen hat, will er jetzt nur mit Milla reden.

Krimiunterhaltung, die einem das Herz nicht schneller schlagen lässt, es sei denn, man fährt auf knisternde Gefühle und in der Luft liegende Erotik ab. Gute Unterhaltung für einen oder zwei verregnete Urlaubstage. Und dann lassen Sie sich mal überraschen, ob man das Buch dann wirklich auch mit einem weiteren Seufzen zuschlägt.

Weiterlesen

Tödliches Ostfriesenherz, Elke Nansen

Besser kann man es nicht machen und auch noch pünktlich zur Urlaubssaison für unsere Nordsee- oder Ostseeküste – Urlaubslektüre. Es ist wieder da, das neuste Buch von Elke Nansen „Tödliches Ostfriesenherz“. Man muss es einfach lesen! Ja! Jetzt sitze ich hier und möchte eine Rezension schreiben über das 13. Werk in der Reihe von Elke Nansens Tödlichen Ostfrieslandkrimis und mir fällt nur ein Satz ein, um alles zu sagen: Man muss es lesen! Auch will ich nicht irgendwelche Superlative aufrufen, wie genial, ihr bestes Werk, sie hat sich wieder selbst übertroffen. Das wäre zu einfach und auch ungerecht ihren 12 anderen Büchern und den hoffentlich folgenden gegenüber. Alle ihre Bücher sind in der Machart und Themenbesprechung etwas Besonderes und man sollte sich die Zeit nehmen, auch alle mal zu lesen. Elke Nansen schafft es immer wieder, heikle, sozialkritische Themen, die das Leben schreibt, in ihren leicht morbiden Kriminalromanen zu verarbeiten. Eigentlich ist es ein Lese-Muss.

Weiterlesen

Henry, Florina Gottschick

Henry ist nicht die übliche Zwölfjährige. Sie ist anstrengend, witzig, voller Fantasie und leider sehr selbstständig. Zwar hat sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater, doch mit der Mutter hapert es. Sie beiden verstehen sich nicht. Als Marion ihren neuen BMW mit schlafender Tochter auf der Rücksitzbank nur einen Moment vor der Haustür stehen lässt, wird das Auto geklaut, denn die Schlüssel lagen noch im Wagen. Das Kind ist weg! Eine Entführung!

Wer so dusselig ist und so einen scharfen BMW mit Schlüssel stehen lässt, verdient es nicht anders, denkt Sven. Nur als die Kleine hinten aufwacht und ihn an der Tankstelle aussperrt, wird es kritisch. Sie flieht nicht, sondern will mit ihm kommen, ein Abenteuer erleben. Und so fängt das Roadmovie, würde man beim Film sagen, an. Witzige, erfrischende und sehr liebenswerte Story über drei junge Menschen, die eine außergewöhnliche Zeit miteinander verbringen. Hat mich in seiner Dynamik hier und da an tschick von Wolfgang Herrndorf erinnert.

Weiterlesen

Unsere anarchistischen Herzen, Lisa Krusche

Die verlorenen Jahre in der Zeit des Erwachsenwerdens sind sowieso schon kaum auszuhalten, doch mit dem falschen Elternhaus, wird selbst Rebellion zu einer zähen Sache. Charles hat sich ihr Leben mit ihren irren Hippie-Eltern in Berlin eingerichtet. Ab und zu muss sie mal ihren Vater hinterher, wenn er als Flitzer durch die Straßen rast und das für Kunst hält, aber bitte, es gibt Schlimmeres. Nämlich, dass ihre völlig verkorkste Mutter plötzlich mit Sack und Pack und leider auch der gesamten Familie in eine Kommune aufs Land zieht. Charles ist am Nullpunkt angekommen, ohne Berlin kann sie sich den Schuss geben. Gwenn lebt in der Schickimickisiedlung mit ihren reichen Eltern und ihrem fast immer zugekifften Bruder. Sie lebt ein Doppelleben. Zu Hause die elitären Freunde der Eltern, wobei männlichen Freunde keinen Versuch unterlassen, dem heranwachsenden Mädchen mal an den Hintern zu packen. Dann die asozialen Ecken von Hildesheim, wo sie dreckigen Sex hat und sich Streetfights liefert. Alles schreit danach, das Gwenn und Charles sich endlich treffen. Und das hat dann auch einen Knalleffekt vor allem für die Eltern, aber endlich Linderung für die Mädchen.

Witzige Sprache am Zahn der Zeit und erschreckende Einsichten in das alltägliche Leben von Teenagern. Pubertät ist nun mal alles andere als einfach! Erstaunlich wie viel man vergessen hat von den verwirrenden Zeiten, hier kann man sich erinnern!

Weiterlesen

Upper World, ein Hauch von Zukunft, Femi Fadugba

Wenn man als farbiger Teenager im elendsten Teil Londons ohne Vater aufwächst, ist es schwer, die Füße auf dem Boden zu bekommen. Vor allem wenn man an eine Schule geht, die mehr oder weniger von zwei Streetgangs beherrscht wird. Clevere Schüler ducken sich weg und halten Abstand. Esso ist zwar nicht dumm, doch hat den Hang dämliche Dinge zu tun. So gerät er mitten in einen Bandenkrieg, bei dem es bald um mehr als nur Schlägereien geht. Als er auf dem Schulweg einem kleinen Jungen das Leben rettet, indem er sich vor ein Auto schmeißt, passiert etwas Merkwürdiges. Während einer Ohnmacht sieht er plötzlich Szenen aus seiner Zukunft und die sind alles andere als angenehm. Wenn das kein Traum war, dann werden bald eine Menge Freunde sterben, inklusive er selbst.

Richtig gute Jugendliteratur, die sich auf sehr verständliche Weise mit Einsteins Relativitätstheorie und Zeitreisen beschäftigt. Und am Ende hat das Buch eine Überraschung parat. Quod erat demonstrandum.

Weiterlesen

Genussregion Südtirol, Mirko Mair (Hrsg.)

Elf befreundete Köche interpretieren ihr Heimatküche Armin Comploj, Armin Gruber, Andrea Irsara, Mirko Mair, Arnold Nussbaumer, Markus Peintner, Matthias Schenk, Daniel Werth, Othmar Raich, Daniel Wolfsgruber und Stephan Zippl.

Südtirol, auch heute noch eines der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Angelockt von der urbanen Landschaft, den Menschen und der bodenständigen Küche. Und was das Schönste ist, trotz des Jahrzehnte währenden Tourismusstromes hat sich die Gastronomie ihre Bodenständigkeit erhalten, mit herzlicher Gastlichkeit, regionalen Gerichten und kulinarischen Highlights. Highlight, passt dieser Anglizismus eigentlich nach Südtirol? Ja! Elf Freunde sollt ihr sein! Ein Begriff aus dem Fußball. Ob das hier so gewollt ist oder war es Zufall, dass der Gastronom vom Restaurant Sichelburg, in Pfalzen und Herausgeber dieses Buches „Genussregion Südtirol“ Mirko Mair, genau zehn befreundete Kollegen – nein kulinarische Freunde und Spitzenköche, dazu gewinnen konnte dieses Buch zu einem Südtiroler Highlight zu machen.

Weiterlesen

Der Mann, der auf einen Hügel stieg und von einem Weinberg herunterkam, Casten Henn

Wer sich einmal auf Bücher von Carsten Henn eingelassen hat, ist begeistert von seinem ehrlichen humorvollen Schreibstil. Auch wenn dabei leichte Kriminalromane sind, bringt er sehr viel Wissenswertes, also Lesenswertes rüber. Wie beim „Gin des Lebens“ oder „Rum und Ehre“. Allein das Lesen der Titel bringt einem zum Schmunzeln. Ebenfalls von ihm, kein Krimi, „111 Weine, die man getrunken haben muss“. Genial! Hierzu empfehle ich meine Rezension im www.Eschborner-stadtmagazin.de. Nehmen sie sich die Zeit. Und jetzt sein neustes Werk. Das Buch vom Scheitern im eigenen Weinberg von einem der bestens deutschen Weinnasen/Kenners, mit abgeschlossenen Weinbaustudium und zu damaliger Zeit Chefredakteur des Vinum. Ein herrlich ehrliches Buch, offen, tiefgründig zum Teil sogar philosophisch. Die Geschichte einer Selbstfindung.

Weiterlesen

Geschichte des Sohnes, Marie-Hélène Lalon

Die Geschichte des Sohnes ist keine ungewöhnliche Erzählung aus der Zeit zweier Weltkriege. So oder ähnlich erging es wahrscheinlich vielen Familien. Der früher Tod eines Kleinkindes, gefallene Ehemänner, Brüder, Väter und ungewollte Schwangerschaften, uneheliche Söhne, die nur durch den Familienzusammenhalt zu guten Menschen heranwachsen.

Was dieses Buch so besonders macht, ist Marie-Hélène Lafons Schreibstil, ihre virtuose Kunst eine banale, fast einfache Geschichte so zu erzählen, dass einem die Tränen kommen, dass man weiterlesen muss. Am Ende der Erzählung, die mit der dritten Generation endet, schlägt man das Buch zu und ist glücklich. Glücklich darüber, an der Geschichte der Familie Léoty und Lachalme als Beobachter teilgenommen zu haben.

Weiterlesen

Die Buchhändlerin, Ines Thorn

Gendermäßig würde ich als eine männliche Person bezeichnet. Lese ich jetzt ein Frauenbuch? Was ist überhaupt ein Frauenbuch? Bücher in denen die Geschichte sich um Frauen und mit Frauen dreht?  Sind Biografien über Frauen Frauenbücher? Dürfen Männer Frauenbücher lesen? Oder ist es gerade gut, wenn jetzt emanzipierte Männer Bücher von emanzipierten Frauen lesen?

Ich habe jedenfalls mit Freude den neusten Roman von Ines Thorn „Die Buchhändlerin“ gelesen. Eine Geschichte über den Werdegang und den Wünschen einer jungen Frau vom Ende des Nationalsozialismus bis in die fünfziger Jahre. Und am Ende war ich enttäuscht, nicht über das Buch, das ist großartig, nein, dass es zu Ende war. SCHADE!

Weiterlesen