Kategorie: Buchbesprechungen

Henning Boëtius: Das chinesische Zimmer, Ein Piet-Hieronymus-Krimi

Das chinesische Zimmer von Henning Boetius

Es ist schon erstaunlich dass ein Kriminalbuchautor seine Kriminalromane selbst beschreibt: „sie haben geschrieben keine typischen Krimis produzieren zu wollen eher Kulturgeschichte im lose weggeworfene Krimigewandt“. Genau dies ist dieser Kriminalroman, der voll ist von Kunst und Kulturgeschichte aus dem chinesischen Taoismus. Wäre das nicht schon genug, nein, der Autor verlegt die Handlung des Romans in das tief verschneite Finnland unter dem Hintergrund der Kultur der Samen. Mit Piet Hieronymus hat Henning Boëtius einen Ermittler erschaffen der unkonventionellen und relativ pragmatisch an die Fälle herangeht. Im vorliegenden Buch will er wissen die sein alter Freund Einar gestorben ist weil die Umstände seines Todes sehr merkwürdig sind. Weiterlesen

Ein Versprechen aus dunkler Zeit, Ian Rankin

Ich muss zugeben, Band 23 des mittlerweile pensionierten schottischen Ermittlers DI John Rebus war meine erste Begegnung mit ihm und auch Autor Ian Rankin. Und obwohl in Rente gegangene Detectives immer etwas leicht Depressives haben, ist es ein sehr solider, unglaublich gut geschriebener Krimi. Man merkt Ian Rankin einfach an, dass er über Jahre hinweg als Autor weiß, was er tut. Ein Bestseller geschrieben von einem internationalen Bestsellerautor. Und obwohl Rebus anscheinend dafür bekannt ist, sich an einem Fall wie eine Bulldogge festzubeißen, geht es hier um mehr.

Es ist ausgerechnet seine Tochter, um deren Hals sich die Schlinge des Mordverdachts immer enger zuzieht. In dem Fall ist Rebus jedes Mittel recht, denn er hat an seinem Kind einiges gutzumachen!

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Catherine Rayner: Arlo kann nicht schlafen

Für einen Rezensenten von Jugend und Kinderbüchern sind mehrere Dinge ausschlaggebend: wie fühlt sich das Buch an, wie ist das Umschlagbild gestaltet, ist der Text verständlich und in welche Zielrichtung geht der Inhalt des Buches. Das cover Bild ist mit einigen Goldfäden durchwirkt und wirkt deshalb intensiver auf den Betrachter. Der Text ist verständlich, das Test Kind, drei Jahre alt hat es schon bei einmaligem Lesen verstanden und am nächsten Morgen quasi fehlerlos wiederholt. Kinder haben oft Probleme mit dem Einschlafen und deshalb ist der Versuch mit dem Gesang und dem suggestiven Text schlafen zu erwirken vielfältig von Erfolg gekrönt. Das Kinderbuch hat alle die es in die Hand nahmen überzeugt. Weiterlesen

Christian Buder: Der Dachs

Es ist nicht die erste Geschichte von Christian Buder, mit der er seine Leserinnen und Leser in die rauhe, unwirtliche Bretagne führt. Man spürt, er bewegt sich auf bekanntem Terrain, beobachtet Mensch und Natur wenn er zeitweise in der Bretagne lebt, die sich wie der im Meer liegende Leuchtturm vom Buchcover gegen Wind und Wetter behaupten müssen. Den Bretonen scheint die Leichtigkeit der Südfranzosen, die entspannt mit einem Gläschen was-auch-immer auf das ruhige, einladende Mittelmeer schauen, abzugehen. Sie sind geprägt von der Nordsee – rauh und gewaltig – die selbst  erfahrenen Fischern und Seglern, wie Camille, der Frau des Protagonisten Ronan Prad, das Leben kostet. Der Autor hat mit Ronan Prad, Ex-Elitesoldat und mittlerweile Capitaine der Gendarmerie Maritime, einen kantigen, meistens kompromislosen Protagonisten geschaffen, von dem man noch mehr lesen möchte. Weiterlesen

Anja Marschall: Feuer in der Hafenstadt

Ein Kriminalroman der die gesellschaftliche und politische Vergangenheit an der Nordseeküste widerspiegelt. Die gesellschaftlichen Unterschiede sind enorm aber anders als auf dem Festland. An der Nordsee bestimmen die Kapitäne und die Unternehmer wo es lang geht. In diesem Krimi geht es die Erweiterung der genossenschaftlichen Hochsee Fischerei. Da die Beschaffung von Kuttern sehr kostspielig und langwierig ist müssen viele Menschen bereit sein Geldmittel zu investieren. Dies scheint aber von dunklen Mächten nicht gewollt zu sein und mit den verschiedensten unlauteren Mitteln torpediert zu werden. Im Hintergrund werden auch menschliche Schicksale dieser Zeit authentisch geschildert. Weiterlesen

Wer ohne Sünde ist, Asa Larsson -Rebecka Martinsson letzter Fall –

Die Rebecka Martinsson Thriller sind nicht nur extrem spannend, sie sind auch immer dunkel, weil sie die schwärzesten Abgründe der menschlichen Existenzen ausleuchtet. Und so endet die Serie, um die Staatsanwältin Martinsson in der nördlichsten Stadt Schwedens auch. Alle im Team der Kripo und Staatsanwaltschaft sind angekratzt. Einer musste in Pension gehen, wo er nicht hingehört. Der Pathologe ist todkrank, Rebecka völlig durcheinander, wegen Krister und weil ihr Erzfeind von Post ihr Interim-Chef wird. Da findet man zwei Leichen auf einer abgelegenen Insel. Henry der alte Säufer scheint eines natürlichen Todes gestorben zu sein. Doch in seiner Kühltruhe liegt ein Mann, der seit 1962 vermisst wird und der hat eine Kugel im Kopf. Obwohl der Mord verjährt ist, kümmert sich Rebecka darum. Denn er ist der Vater eines Olympiagold-Boxers, eines schwedischen Helden, und Henry gehörte mal zu der Familie, die Rebeckas Mutter großzog. Aber selbst Rebecka kann nicht ahnen, dass sich die Ereignisse bald überschlagen und noch viel mehr Leichen auftauchen.

Eine großartige Serie, die mit einem sehr dunklen Buch endet. Hier kann man nur Stück für Stück lesen, um nicht in von der düsteren Atmosphäre Kirunas erdrückt werden. Aber weglegen ist keine Alternative. Ein toller unheimlicher und spannender Thriller

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Als das Böse kam, Ivar Leon Menger

Eine kleine Insel im Nordland. Ein Bunker unter im Keller und Notfallübungen, falls die Fremdlinge kommen. So existiert die Familie seit Juno, mittlerweile sechszehn, denken kann. Mit Mutter, Vater und ihrem kleinen Bruder Boy lebt sie in ständiger Angst. Selbst der alte Onkel Olé, der ihnen jeden Montag die Post bringt, darf die Kinder nie zu Gesicht bekommen. Denn damals, als Juno klein war, hat Vater gegen gewaltige Menschen ausgesagt und steht seitdem auf der Todesliste. Doch dann entdeckt Onkel Olé Juno am Wasser. Kurz darauf rudert Vater auf die andere Seite des Sees und kommt schwer verletzt zurück. Hat Juno ihr Geheimnis gefährdet, kommen die Fremdlinge jetzt?

Das Roman Debüt des versierten Autors von Hörspielen ist ein spannender Thriller, der mit vielen Wendungen glänzt und keine Gefangenen macht.

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SUSANNE GOGA: Schatten in der Friedrichstadt

Wir schreiben das Jahr 1928. Die Autorin entführt uns in die Welt der Zeitungsverlage und der Meinungsmacher. Alfred Hugenberg hat schon früh erkannt dass man mit einer Meinungsführerschaft Bevölkerung lenken kann. Indem er sämtliche Produktionsstufen der Zeitung zur Erstellung in einer Hand versammelte, drei Filmgesellschaft in der Hand hielt und mit der Wirtschaftsstelle für die Provinzpresse ca. 1600 Zeitungen beeinflusste war er der Meinungsmacher. Als Gegenspieler waren es die Ullsteins und die Verlagsgruppe Scherl die ihm Paroli geboten. Das ist der Grundstoff auf dem diese Kriminalgeschichte basiert. Ein investigativer Journalist von Ullstein wird ermordet. Leo Wechsler hat hier seinen achten großen Fall, der unter die Haut geht. Weiterlesen

Pascal Engman: Mörderische Witwen

Pascal Engman führt seine Serie um die nicht immer gesetzestreu handelnde und den geisthaltigen Getränken nicht abgeneigte Kommissarin Vanessa Frank und den ehemaligen Elitesoldaten Nicolas Peredes konsequent in Stil und Form fort. Wie schon im ersten Fall müssen sich die Ermittler mit einem sozialkritischen Thema, das Schweden seit Jahrzehnten beschäftigt und spaltet befassen: Flüchtlinge! Am Anfang seiner Geschichte steht ein Prolog, der neugierig macht, wie die Story weitergeht und ob Molly diesen Kuriereinsatz überlebt. Die Struktur des Romans sowie die kurzen Kapitel erhöhen die Spannung. Der Mord am Justizminister zeigt, wie sehr sich die schwedische Gesellschaft und die Art der Kapitalverbrechen seit den ersten Sjöwall/Walhö Krimis verändert hat. Weiterlesen

Iryna muss in ein fremdes Land, Pixibuch, Ingo Siegner – Buch-Projekt des Kinderheims Kleine Strolche zur Integration von Kindern auf der Flucht

Letztes Jahr vor Weihnachten hatten wir schon von dem gemeinsamen Buchprojekt von Ingo Siegner, dem Kinderheim Kleine Strolche und dem cbj Verlag berichtet. Damals ging es um ein kleines Pixibuch, das Kindern den Einstieg in ein Heim erleichtern soll, mit dem Titel: Matti wird ein kleiner Strolch.

Jetzt erschien ein neues Pixibuch wieder als gemeinsames Projekt, dass Kinder auf der Flucht aus der Ukraine Mut machen soll. Es sind vor allem die wunderschönen Zeichnungen und sehr kindgerechten Texte, die Flüchtlingskindern ein wenig helfen sollen zu verstehen, was gerade mit ihnen in dem fremden Land passiert. Das Büchlein erschien sowohl mit deutschem als auch ukrainischem Text. Aber es geht nicht nur um das Bärenmädchen Iryna, das vor dem Krieg flüchten muss.  Auch Ulf, das Eisbärkind musste den Nordpol verlassen, weil das Eis schmilzt. Das Elefantenmädchen Elli, weil Wilderer die Elefanten erschießen und auch Archie der kleine Koala, weil es in seiner Heimat immerzu brennt. Doch gemeinsam können die kleinen Tiere ein neues Zuhause im heimischen Wald finden. Eine geradezu anrührende Geschichte, voller Hoffnung. Ein großartiges Projekt, das auch dank eines Unternehmers, der den Druck und Versand von 50.000 Exemplaren finanzierte, zustande kam.

Wenn Sie liebe Leser unseres Stadtmagazins ebenfalls einen kleinen Beitrag leisten möchten, können Sie als Privatperson das Büchlein für 12,00 Euro unter folgenden Link bestellen:

https://kinderheim-kleine-strolche.de/kinderbuch-ukraine

Organisationen wie Schulen und Kindergärten können unter dem gleichen Link kostenlos bestellen, solange der Vorrat reicht.

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