
Dass die Autorin als ehemalige Redakteurin der Neuen Zürcher Zeitung schreiben kann, nehmen wir als gegeben. Dass sie eine große Leserschaft hat, zeigt der rote Aufkleber auf dem Titelbild des Buches SPIEGEL Bestseller-Autorin. Warum sie aber 6 alte Kriminalfälle, über die sie und Kollegen bereits in den Printmedien und im Netz im deutschsprachigen Raum Land auf und Land ab berichteten und für Schock und Entsetzen sorgten, für ein Buch aufbereitet, erklärt sich für mich nur so: Man muss von dem Genre fasziniert sein. Christine Brand sagt unter anderem zu dem vorliegenden Buch: „Es ging mir um die Geschichte hinter den Menschen“. Auf die Frage, wie geht es den Überlebenden, Hinterbliebenen, den Menschen vor dieser Geschichte mit diesem Buch, werden wir wohl keine Antwort erhalten. Wer sich also für die menschlichen Abgründe interessiert und nicht sonderlich zart besaitet ist und im Hinterstübchen behält: Nicht jeder Onkel ist ein Kinderschänder und nicht jeder nette Nachbar entledigt sich seiner Ehefrau kostengünstig im Säurebad, für den sind die 16 € für Wahre Verbrechen gut angelegt. Weiterlesen



Pierre Lemaitre würzt die ohnehin an Katastrophen reiche Zwischenkriegszeit, in der er seine figuren- und handlungs-reiche Geschichte ansiedelt. Mit Intrigen, die er um das Erbe der im Mittelpunkt stehenden Bankiers-Familie Péricourt entspinnt und einem Rachefeldzug einer betrogenen Frau, als Antwort für die Neider, die auf das Verderben der Familie hinarbeiten. Er bestätigt erneut, dass er mit Ironie und immer wieder neuen Wendungen einfallsreich Spannung und intelligente Unterhaltung erzeugen kann und die Handlung durch Wechsel zwischen den Nebenhandlungen und Perspektiven flott und plausibel forciert, während im Hintergrund Börsenkrach, Korruption, Steuerbetrug, soziale Spannungen, Machtantritt faschistischer Regime die Weltpolitik bestimmen. Für den Titel hat Lemaitre eine Verszeile aus dem Gedicht „les lilas et les rose“ (1941) von Louis Aragon gewählt und dem Roman ein Zitat von Jakob Wassermann aus „Der Fall Mauritius“ vorangestellt: „Es gab, genau besehen, nicht Gute und Böse, Ehrliche und Schwindler, Lämmer und Wölfe, es gab nur Bestrafte und Unbestrafte, das war der ganze Unterschied.“ Lemaitres Charaktere sind lebendig und vielschichtig – namentlich Paul und Madeleine. Nicht alle Protagonisten sind charmant oder liebenswert, manche gar abstoßend. Aber auch bedingt dadurch, entsteht ein äußerst lesenswertes, aussagekräftigtes Sozialepos der 1930er Jahre in Frankreich, bei dem vor allem die Oberschicht nicht gut wegkommt. 
Wenn man schon mordet, kann man es auch fröhlichen Herzen tun. Dann kommt es auch nicht auf die eine oder andere Leiche an. Wenn der Schauplatz für den Auftragsmord allerdings Hamburg ist, werden die Karten neu gemischt. Denn: Elli Gint und ihre Oma Frieda Gint halten den Kiez sauber. Und wie schon im ersten Band dieser Krimikomödien-Reihe, gelingt der Autorin eine spannende und bis zuletzt undurchsichtige Handlung. Wie dicht Hamburg an England liegt, zeigt sich, wenn der durchaus schwarze Humor aufblitzt. Also: wer auf Authentizität zugunsten schräger Gestalten am Rand der Glaubwürdigkeit verzichten kann, sagt ja zu diesem Roman. Wer darauf verzichten kann, dass das Blut beim Öffnen des Buches entgegen geflossen kommt, sagt ja zu Munteres Morden. Wer nichts gegen ein bisschen Amore im Krimi einzuwenden hat, sagt ja zu diesem Krimi. Für wen jedoch nur ein ≪ ernsthafter Krimi≫ ein richtiger Krimi ist, lässt besser die Finger davon. Allen anderen steht bestes Lese-Vergnügen ins Haus. 
Ein Zustandsbericht aus dem Jahre 1700 und folgende, der die politischen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände in England speziell in London thematisiert. Diese Beschreibungen sind hoch spannend, witzig und sehr detailreich. Daniel de Foe, weltberühmt durch seinen Roman Robinson Crusoe, ist aber auch ein vielschreibender und kritischer Betrachter seiner Zeit. Da er auch ein Herausgeber von verschiedenen Zeitungen ist, deren Artikel den Herrschenden nicht gefällt, befindet er sich ständig auf der Flucht und ist meist zahlungsunfähig. Aber Eulenspiegelhaft windet er sich aus grotesken Situationen heraus und düpiert seine Ankläger. Der Autor, versteht es bestens uns dieses Sittenbild, einer durch und durch korrupten Gesellschaft, zu vermitteln. Viele politische Schachzüge der damaligen Zeit kommen uns heute sehr bekannt vor. Er erzählt uns über Armut, Seuchen und Krieg, den schmalen Grat zwischen Schuld und Unschuld, über die Entstehung des investigativen Journalismus unter dem Druck von Zensur, Fake News, Populismus und Paranoia – und über die Liebe in liebloser Zeit. 