1966, Thomas Christos

Eine Zeit des Aufbruchs, das Wirtschaftswunder beginnt langsam und Berlin eine Trotzburg der Amerikaner mitten in der Ostzone, das ist 1966. Den jungen Kriminalkommissar Thomas Engel und seine Verlobte Peggy zieht es nach Berlin, um neu anzufangen. Doch wie brisant die Situation ist, merken sie am ersten Tag, als sie mit ansehen müssen, wie ein Flüchtiger der DDR erschossen wird. Der Verfassungsschutz, die CIA, und die Interne bei der Polizei geben sich die Hand. Es wimmelt von Geheimagenten, Doppelagenten und Abtrünnigen. Anstatt bei der Kripo zu landen, schickt man den jungen Engel zum Observieren. Und dann stellt er einen der linken Studentenführer, wie er mit blutverschmierten Händen über der Leiche eines amerikanischen Professors steht, der seinerseits ebenfalls ein CIA-Mitglied ist.

Der Roman treibt den Leser voran und ist ungemein spannungsgeladen. Doch der wahre Reiz bestand in dem Zeitgefühl, was Thomas Christos in 1966 erschafft. Man taucht ein in fast unglaubliche Zeiten, die eigentlich nur etwas mehr als fünfzig Jahre zurückliegen. Großartiger Krimi aus der Thomas Engel Serie.

Autorenfoto: © Frank Hanewacker/Sedan Sieben

Thomas Christos ist das Pseudonym des Drehbuchautors Christos Yiannopoulos. 1964 kam er als Sohn griechischer Gastarbeiter nach Deutschland. Er studierte Germanistik und Pädagogik in Düsseldorf und schrieb bereits mit 24 Jahren sein erstes Drehbuch, das auch verfilmt wurde. Danach war er hauptsächlich Drehbuchautor für das Fernsehen und wirkte an vielen erfolgreichen Produktionen mit. Unter anderem wurde er für seinen Film »Schräge Vögel« für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. Er lebt zurzeit in Düsseldorf.

Eigentlich will Thomas um jeden Preis zur Kripo, doch keine Chance und so findet er sich auf der Straße wieder und observiert subversive Elemente aus den eigenen Reihen der Polizei. Dabei lehrt er den US-Cop Lopez und seinen Vorgesetzten McNeil, den Chef der Berliner CIA kennen. Ohne es zu wollen, ist er plötzlich selbst verstrickt in einen Mordfall an Doktor Egmont, der angeblich von dem linken Studentenführer Spanowski ermordet wurde. Thomas zweifelt an dessen Schuld und macht sich damit McNeil zum Feind. Schneller als er es verhindern kann, wird der Kommissar selbst zum Gegner der CIA und gerät mitten in den Kalten Krieg zwischen Ost und West. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als die Sache selbst aufzuklären. Dabei scheint es um ein Projekt zu gehen, das mit dem Vietnamkrieg im Zusammenhang steht. Ihm bleibt nur eine Chance, rüber nach Ostberlin und die Geliebte von Egmont suchen, was nicht einfach ist, wenn man sich ohne Papiere eingeschmuggelt hat.

1966, Thomas Christos, Blanvalet, gebundene Ausgabe, 448 Seiten, ISBN: 978-3-7645-0737-4, Euro 20,00.

Erschienen am  25. Oktober 2021

 

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