„Minimales Design, maximales italienisches Lebensgefühl“ Antje Wewer, Salon Magazin. Vorweg: das Buch ist außerordentlich. Ein Buch zum Verlieben. Und doch ein ganz anderer Stil. Mit großer Skepsis und vielleicht schon mit vielen Vorbehalten, aufgrund einiger nicht so guter Erfahrungen bei der Fülle der Kochbuchveröffentlichungen, habe ich dieses Buch in die Hand genommen und erstmal geblättert. Die Bilder sind mehr als einladend und das Vorwort hat alle Zweifel beiseitegeschoben. Das Vorwort hat mir persönlich aus der Seele gesprochen und der Stil und die Art die Rezepte darzustellen noch mehr.
Sturmrot, Tove Alsterdal

Wenn man als Polizistin aus der Großstadt zurück aufs Land geht, ist so etwas meist nicht freiwillig. Eira Sjödin muss wieder bei ihrer Mutter wohnen, die langsam aber sicher dement wird. Leider kümmert sich ihr älterer Bruder Magnus nicht um sie, da er mal mit Drogen und Alkohol zu kämpfen hatte. Das Kleinstadtleben einer Polizistin kann langweilig sein, doch als ein alter Mann erstochen unter der Dusche gefunden wird, kommt eine Lawine ins Rollen, die schon bald alles unter sich zu begraben droht. Denn der Mann, der seinen Vater tot auffindet, ist niemand anderer, als der als vierzehnjähriger Junge verurteilte Vergewaltiger und Mörder Olof Hagström. Er soll damals die sechzehn Jahre alte Linda Stavred missbraucht und erdrosselt haben. Man fand jedoch nie die Leiche, auch wenn Olof nach langen Befragungen die Tat gestand. Als Eira die alten Spuren aufnimmt, sieht die ganze Sache etwas anders aus. Und was sie entdeckt, ist alles andere als erbaulich, vor allem für sie selbst.
Der tolle Beginn einer Serie mit einer menschlich komplizierten Ermittlerin, die mehr in den alten Fall verwickelt ist, als sie es möchte. Auch wenn der Thriller vielleicht fünfzig Seiten weniger vertragen hätte, ist es ein sehr spannender Fall, bei dem man immer wieder falsche Vermutungen anstellt. Weiterlesen
Frances Cha: Hätte ich dein Gesicht
Was weiß ich über Korea? Die Hauptstadt ist Seoul. Es gibt Nord- und Südkorea, LG und Samsung. Und dann gibt es noch den K-Pop. Koreanische Pop Musik. Mit ihrer Attraktivität und einer perfekten Performance verzaubern die koreanischen Musiker und stürmen die internationalen Charts. Die Gruppe BTS schaffte es mit ihrem Album »Love yourself: Tear« 2018 an die Spitze der US-amerikanischen Billboard 200 (Albumcharts). Und so fragt man sich zu Recht: ist die Schönheit der Koreaner Gott gegeben oder von Halbgöttern in weißen Kitteln erschaffen? Frances Cha gewährt uns in ihrem Debütroman einen schonungslosen Blick hinter die Kulissen und auf die koreanische Gesellschaft. Ihre Tochter wünscht sich zum 18. Geburtstag eine Brust-OP? Da kommen sie ja noch verhältnismäßig gut bei weg. Weiterlesen
Todesrache, Andreas Gruber

Maarten S. Sneijder, der wohl skurrilste Profiler des BKA ist in großen Nöten. Er glaubt, fast alle seines Teams verloren zu haben, vor allem Sabine Nemez, sein Eichkätzchen. Er sah die junge BKA-Beamtin in einem Schiffswrack untergehen. Oder auch nicht? Denn als er gerade aufgeben will, erhält er einen kurzen Telefonanruf und ist sich sicher, das war Nemez. Danach gibt es kein Halten mehr, ein neues Team wir zusammengestellt und die Schnitzeljagd der Suche ihres Aufenthaltsorts beginnt. Gut das Sneijder wenigsten den Interimschef Drohmeier als Verstärkung hat. Zeitgleich werden ein Richter und fälschlicherweise die Freundin der Tochter von einem Campingplatz entführt. Schnell wird klar, das Verbrechen steht im Zusammenhang mit Nemez Verschwinden. Und an der Stelle trifft Sneijder auf den Vater des entführten Mädchens, Kommissar Pulaski aus Leipzig. Damit vereint Andreas Gruber die Protagonisten von zwei seiner Serien zu einem schlagkräftigen Team.
Buch sieben der BKA-Reihe wird mit der Rache-Serie um Kommissar Pulaski gekreuzt, so wie man das schon bei den CSI-Serien im Fernsehen miterleben durfte. Für Fans von Andreas Gruber ein echtes Bonbon. Wer die Pulaski Serie jedoch nicht kennt, erlebt einen siebten Sneijder und wird erleichtert feststellen, dass bestimmt noch ein achter Teil folgen wird. Denn diese Serie ist immer gute Thriller-Unterhaltung.
Carlo Feber, Der Tote Champagner – Präsident, Cédric Bressons erster Fall
Was für eine Geschichte vom erfolgreichen Kommissar in Paris zum Champagnerwinzer. Ich als Weinfreund, der immer damit geliebäugelt hatte, ein eigenes Weingut zu besitzen, bin natürlich tierisch neidisch auf Le Commissaire Cédric Bressons und sein Glück, eine Champagnerwinzerin geheiratet zu haben und jetzt den schwierigen Weg gehen muss, sich vom Schwiegervater zum Winzer umschulen zu lassen – müssen. Ich hätte es auch gewagt. Carlo Feber ist mit dieser Idee, ein Kommissar als Champagnerwinzer, mit der Hauptfigur Cédric Bressons, ein interessanter Auftakt gelungen.
Solothurn blickt in den Abgrund, Christopf Gasser

Bomben in den Briefkästen linker Politikerinnen, ein Brand in einer Frauenrechtsorganisation und die Entführung von Rana Amidi halten Solothurn in Atem. Ausgerechnet die Syrerin Rana ist eine gute Freundin von Pia, der Tochter des Polizeihauptmanns Dornach. Und da Pia sich immer gerne mit ihrem Wagemut in Schwierigkeiten bringt, ist Dornach, die Staatsanwältin Casagrande und sein Team plötzlich mittendrin in den Fällen. Als dann auch noch einer der Kettenhunde der ›Helvetischen Wacht‹, dem Sicherheitsdienst der rechten Fortschrittspartei, ermordet wird, fliegt Dornach ein politisches Donnerwetter um die Ohren. Denn plötzlich geht es um einen skrupellosen arabischen Emir, arabische Diplomaten und deren Killerbrigaden.
Christof Gasser hat aktuell brisante Themen aufgegriffen und zu einem politischen Actionthriller verarbeitet. Denn als Krimi kann ›Solothurn blickt in den Abgrund‹ nicht mehr durchgehen. Neben dem bitteren Sujet der Handlung brilliert Gasser mit liebenswerten Protagonisten, viel Familienwärme und Schweizer Charme. Ein richtig toller Thriller!
Nachmittage, Ferdinand von Schirach

Die kurzen Geschichten in dem neuen Band »Nachmittage« von Ferdinand von Schirach sind leise Erzählungen. Auch wenn sie zum Teil von einer tiefen Melancholie geprägt sind, wirken sie weder mutlos noch machen sie den Leser traurig. Es sind Geschichten aus dem Leben, deren Atmosphäre fast greifbar ist und von denen man nicht genug bekommt. So musste ich das Buch, das ich am Abend begann, lesen bis zum Ende und dabei spielte es keine Rolle, dass es tiefe Nacht geworden war.
Es ist sehr tröstlich, dass es noch Autoren gibt, die mit Worten eine gewisse Magie erschaffen können. Und trotz der unglaublichen Beobachtungen, die einen an unserer jetzigen Welt fast verzweifeln lassen, gibt Ferdinand von Schirach Hoffnung mit.
Gloria Naylor: Die Frauen von Brewster Place
Mit ihrem Debütroman »Die Frauen von Brewster Place« legte Gloria Naylor vor 40 Jahren den Grundstein für ihre äußerst steile Karriere und inspirierte Oprah Winfrey eine erfolgreiche Miniserie basierend auf dem Buch zu produzieren, in dessen Zentrum sieben schwarze Frauen stehen. Jede Geschichte in Die Frauen von Brewster Place für sich genommen ist fesselnd und obwohl jede Geschichte nur tangential mit jeder anderen Geschichte verbunden ist, bietet die Autorin eine Gesamteinheit, die den Roman trägt. Und zwar nicht in herkömmlicher linearer Struktur, sondern unter Verwendung von mehreren Miniplots, die das Leben der einzelnen Protagonistinnen beleuchten und der Autorin ermöglichen, sich auf die Charaktere zu fokussieren. Und es gelingt Naylor ihre Figuren überzeugend zu entwickeln. Jede Frau wird mit ihrer eigenen einzigartigen Persönlichkeit präsentiert, die fein ausgearbeitet ist, so dass sie sowohl einprägsam als auch kraftvoll daherkommt. Weiterlesen
Ralph Knobelsdorf: EIN FREMDER HIER ZU LANDE
Im Band 2 der Reihe „Ein Fall für Wilhelm von der Heyden“ geht es um einen erstmalig in Berlin festgestellten Serienmörder. Diese Feststellung konnte nur getroffen werden da neue Methoden zur Ermittlung von Straftätern eingeführt wurden. Das Werk macht uns außerdem mit der Klassengesellschaft dieser Zeit bekannt. Wahlrecht nach Steueraufkommen, kein Frauenwahlrecht und keine Möglichkeit militärische Straftäter durch bürgerliches Recht zu belangen. Wer heiraten wollte benötigte die Zustimmung der Eltern. Ein Kriminalroman, der eindringlich die gesellschaftlichen Gegebenheiten durchleuchtet. Weiterlesen
Film: Death of a Ladie’s Man -DVD und Bluray-

Death of a Ladies‘ Man, so hieß auch Leonard Cohens fünftes Studioalbum, ein umstrittenes Werk, sowohl von Cohen selbst als auch von vielen seiner Fans beanstandet. So wird wahrscheinlich auch dieser gleichnamige Nischenfilm gesehen werden. Entweder man ist hellauf begeistert, wie ich es bin oder man schüttelt den Kopf. Denn die Geschichte ist bizarr, melancholisch und was den Tod angeht, von einer fast unheimlichen Leichtigkeit. Grandios umgesetzt durch die enorme schauspielerische Leistungen von Gabriel Byrne, der meines Erachtens im Erscheinungsbild große Ähnlichkeit mit Leonard Cohen hat, aber auch von Jessica Paré, der späten Liebe und Brian Gleeson, der den Vater des trinkfesten College-Professors spielt.
So wird nicht nur die Geschichte des sterbenden Ladies‘ Man Samuel erzählt, sie wird auch besungen, von Cohen selbst, denn die Musik seines gleichnamigen Albums ist wie ein weiteres Mitglied des Filmcast. Großartige, skurrile und in ihrer Gesamtfassung fast geniale Filmkunst.