Upper World, ein Hauch von Zukunft, Femi Fadugba

Wenn man als farbiger Teenager im elendsten Teil Londons ohne Vater aufwächst, ist es schwer, die Füße auf dem Boden zu bekommen. Vor allem wenn man an eine Schule geht, die mehr oder weniger von zwei Streetgangs beherrscht wird. Clevere Schüler ducken sich weg und halten Abstand. Esso ist zwar nicht dumm, doch hat den Hang dämliche Dinge zu tun. So gerät er mitten in einen Bandenkrieg, bei dem es bald um mehr als nur Schlägereien geht. Als er auf dem Schulweg einem kleinen Jungen das Leben rettet, indem er sich vor ein Auto schmeißt, passiert etwas Merkwürdiges. Während einer Ohnmacht sieht er plötzlich Szenen aus seiner Zukunft und die sind alles andere als angenehm. Wenn das kein Traum war, dann werden bald eine Menge Freunde sterben, inklusive er selbst.

Richtig gute Jugendliteratur, die sich auf sehr verständliche Weise mit Einsteins Relativitätstheorie und Zeitreisen beschäftigt. Und am Ende hat das Buch eine Überraschung parat. Quod erat demonstrandum.

Autorenfoto: Copyright ® Ernest Simmons

Femi Fadugba, ein in Togo geborener Nigerianer, hat einen Master in Quantenphysik von der University of Oxford und hat für die Huffington Post und die Financial Times geschrieben. Sein Debüt »The Upper World« bringt nicht nur zwei Erzählstränge, sondern sehr unterschiedliche Welten zusammen, die er selbst gut kennt: die der Straßengangs in Londons Süden und die der Physik. Er lebt zurzeit im Londoner Stadtviertel Peckham und in Baltimore, USA.

Esso ist kein schlechter Schüler, hält sich normalerweise aus den Bandengeschäften raus und schwärmt lieber für seine heimliche Liebe Nadia. Doch es ist einer dieser Tage, an dem nichts richtig läuft und bevor er sich versieht, kommt er durch ein Missverständnis nicht nur auf die Todesliste einer der beiden Streetgangs, er wird auch noch der Schule verwiesen. Schlecht gelaufen, wenigsten konnte er dem kleinen Preston oder hieß er Tom das Leben retten. Doch bei seinem mutigen Handeln wird er selbst von einem Auto angefahren. Die Szenen, die er während seiner Ohnmacht sieht, sind erschreckend real. Als sich dann im Laufe des Tages einer dieser Träume nach dem anderen erfüllt, wird Esso klar, er hat seine Zukunft gesehen. Nur leider endet die letzte Vision tödlich.

Zeitsprung, im Jahr 2035 hat die Waise Rhia auch kein leichtes Leben. Etliche Pflegefamilien hat sie bereit hinter sich gebracht. Ob das Glück mit ihrer Stiefschwester Olivia, bei Poppy und Toni anhält, ist fraglich. Auch muss sie hart kämpfen, um in der Fußballmannschaft zu bleiben, die ihr eine neue Existenz auf der Sonnenseite des Lebens schenken könnte. Und ausgerechnet, als sie einen wichtigen Event hat, der für genau dieses Team entscheidend ist, muss sie Nachhilfe in Physik nehmen. Der blinde Doktor, der sich nur Doktor Esso nennt, scheint alle Zeit der Welt zu haben. Aber was er ihr über Physik nahebringt, das sind schon Augenöffner. Als Rhia ihm etwas Geld klauen will, um noch rechtzeitig mit dem Uber zu dem Event zu kommen, findet sie in seiner Tasche das Foto ihrer eigenen Mutter, die viel zu früh gestorben ist. Wer ist dieser Esso und was will er von ihr? Kannte er Mama?

Coole Geschichte mit richtig guten Erklärungen, die vielleicht helfen, Pythagoras und Einstein besser zu verstehen. Außerdem schafft Femi Fadugba es, einen spannenden Jugendroman um Zeitreisen zu erzählen, der Physik dabei richtig aufregend macht. Na, kein Wunder, Femi hat einen Master in Quantenphysik der Universität Oxford.

Upper World, Femi Fadugba, cbj-Verlag, Hardcover, Seiten 398, ISBN: 978-3-570-16622-2, Euro 20,00, erschienen September 2021.

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