Kategorie: Buchbesprechungen

Antje Rávik Strubel: Es hört nie auf, dass man etwas sagen muss

Die in den Jahren 2003 bis 2021 entstandenen Essays von Antje Rávik Strubel, die zum Teil an anderer Stelle publiziert wurden, sind ein Festmahl für alle Freunde der Sprache. Präzise, poetisch, aufklärerisch formuliert, persönlich, wenn nötig, den Finger in die Wunde legend, wie in »Scham« oder kämpferisch, wenn Strubel über Ungerechtigkeiten schreibt: „Von diesem Unterschied leitet sich nicht nur die Bewertung von Inhalt und Ästhetik ab, sondern auch die Entlohnung (laut einer Studie der Künstlersozialkasse von 2017 verdienen männliche Schriftsteller im Durchschnitt doppelt so viel wie ich – unabhängig davon, ob sie Schrott oder hot schreiben). Vom ‚Fräuleinwunder‘ werden Sie gehört haben; von einem ‚Buben- oder Knabenwunder‘ sicherlich nicht.“. Und obwohl es runtergeht wie Öl, ist die Kost nicht leicht verdaulich. Die Essays wie »Die große Weiterlesen

Daniela Lais & Jérome Eckmeier, Vegan Baking, Mit Kuchen, Cookies, Bagels & Co. um die Welt

Outet man sich, wenn man zugibt kein Veganer zu sein und dann eine Rezension über ein veganes Koch- oder Backbuch schreibt. Ich bin der Meinung nein! Eher das Gegenteil. Es ist sogar eine Anerkennung an das Buch, wenn ein in allen Richtungen offen, ausgebildeter Koch und Gourmet gerade diese Bücher und Rezepte durch eine positive Rezension ehrt. Dann müssen die Gerichte doch gut sein. „Vegan Baking“ von Daniela Lais & Jérome Eckmeier ist so ein Buch.

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Sophie Hardach: Unser geteilter Sommer

2019, zum 30. Jahrestag des Mauerfalls, erschien der Roman »Confession with Blue Horses« von Sophie Hardach in Großbritannien. Leider erst 3 Jahre später kam diese Ostdeutsche Familiengeschichte mit autobiografischen Zügen in deutscher Übersetzung auf den Markt. Und vielleicht ist diese gelungene Mischung aus Realität und Fiktion das, was diese Erzählung besonders macht: sie spricht intellektuell und emotional an, bleibt dabei glaubhaft und authentisch. Der Schuss Fiktion ist vielleicht ein bisschen Balsam für die Seele der Leser: innen, denn das Leid, der Schmerz und der Schaden, den totalitäre Staaten ihren Bürgern zufügen, ist für Menschen, die in Freiheit aufgewachsen sind, schwer nachvollziehbar und kaum verständlich. Weiterlesen

Andreas Hollard, Ayurveda für Zuhause Gesund und ganzheitlich essen mit regionalen und saisonalen Zutaten

Hippokrates: Lass deine Nahrung deine Medizin sein. Mit den heutigen ernährungsphysiologischen Kenntnissen ist diese Lehre aktueller als je zuvor. Der berufliche und familiäre Stress lässt uns viel zu häufig zu Fertigprodukten und Fastfood greifen, ohne zu merken, dass wir uns eigentlich Schaden.  Die Ayurvedische Gesundheitslehre und Philosophie hat das schon 1500 vor Christi proklamiert. „Essen ist die beste Medizin und wächst direkt vor deiner Tür“. Tue noch etwas für die Umwelt. Ernähre dich regional und saisonal. Geht das mit der Ayurvedischen Küche? Andreas Hollards Ansatz für dieses Buch ist die Transformation von der indischen ayurvedischen Ernährung auf unsere europäische Klimazone, mit den saisonalen und regionalen Lebensmitteln. Für mich beim Lesen, genau der richtige Ansatz. Denn ayurvedische Kochbücher gibt es genügend. Andreas Hollard ist davon überzeugt, dass die Tradition und Kenntnisse unserer Mütter und Großmütter, die auch ihre Kräuter und Hausmittel aus ihren Überlieferungen schon immer zur Gesunderhaltung oder Genesung angewandt haben und dass man diese Tradition mit der ayurvedischen Philosophie verbinden kann.

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Michael Jensen: Blutiger Schnee

Nun ist er also erschien, der dritte lang erwartete Band über die berühmte Bankräuberfamilie Sass. Die Familie Sass hat in den zwanziger Jahren der Weimarer Republik für Furore gesorgt, weil sie auch die dicksten Banktresore ausgeraubt hat. Der Autor Jensen lässt sie mit den politischen und gesellschaftlichen Größen der Weimarer in Kontakt treten und verwebt die geschichtlichen Fakten in absolut nachvollziehbarer Weise. Dabei werden Fakten deutlich, die so nur wenigen Menschen bekannt sind. Völlig neu war mir zum Beispiel die Verflechtung der Firma Bayer mit der Verteilung und Produktion von Heroin. Amerikanische Gangster treffen in dieser Zeit auf ein schwaches Staatswesen und die Gier von Chemieriesen. Jensen hat auch mit diesem Band bewiesen dass er historische Kriminalromane auf höchstem Niveau schreiben kann. Weiterlesen

Ralph Ruthe: 20 Jahre Shit happens, Cartoons

Seit mehr als 20 Jahren gibt es die Witz Cartoons von Ralf Ruthe. Aus diesem Grund hat der Lappan Verlag einen Band herausgebracht indem er das schöpferische Werk dieses Ausnahmezeichners würdigt. In dem Werk werden zusätzlich 50 Cartoons veröffentlicht die es sonst nicht gibt. In seinen Cartoons nimmt er die verschiedensten Themen zum Anlass sie auf den Punkt zu bringen. In den verschiedensten Publikationen setzt er mit seinen Cartoons immer erfrischende Pointen. Ralf Ruthe geht auch mit seinen Cartoons auf Lesereise und bringt ganze Säle zum Lachen. Er arbeitet gerade an einem abendfüllenden Kinofilm. Wir sind gespannt. Weiterlesen

Maaza Mengiste: Der Schattenkönig

Die Autorin Maaza Mengiste ist eine mehrfach preisgekrönte Autorin und nach wenigen Seiten weiß man warum: sie überzeugt mit ihrer einfühlsamen, poetischen Sprache. Sie ist eine ausgezeichnete Romanautorin mit einem vielschichtigen Schreibstil epischen Ausmaßes. Wie ihr Erstlingsroman »Beneath the Lion’s Gaze« spielt auch der vorliegende Roman in Äthiopien, dem früheren Abessinien. Es gelingt ihr, die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Kriegstragödie, ihre Auswirkungen sowie ihre kritische Rolle bei den kriegsbedingten Veränderungen der Menschen, einzufangen und die Schicksale der Frauen zu beleuchten, alle wie sie da sind, zeigt auf, was sie erdulden: Missbrauch, Vergewaltigung, aber vor allem ihre Widerstandsfähigkeit und bemerkenswerte Stärke im Krieg, die das Rückgrat dieser Geschichte bilden. Folgerichtig stellt sie eine Frau – die Dienerin Hirut – in den Mittelpunkt des Romans. Weiterlesen

Oliver Pötsch, Das Kochbuch der Henkerstochter

Oliver Pötsch bekannt durch seine Historienromane, zuletzt „Die Henkerstochter und die Schwarze Madonna“ und nun dazu sein Kochbuch „Das Kochbuch der Henkers-tochter“. Keine Angst, es geht nicht um das letzte Mahl für den Delinquenten. Henker oder Scharfrichter galt im Mittelalter als Beruf und dieser musste sogar vor anderen Scharfrichtern sein Meisterstück abliefern. Hört sich sehr makaber an, aus unserer Sicht war es sicherlich auch so. Versuchen wir es auf die damalige Zeit zu schieben. Obwohl der Scharfrichter ein anerkannter Beruf war, gehörte dieser Personenkreis doch zu den nicht gern gesehen Mitbürgern. In der Kirche mussten sie in der hintersten Ecke sitzen und im Wirtshaus in der dunkelsten Ecke, meist in der Nähe des Aborts. Ebenso galten sie nicht unbedingt als sesshaft, man wanderte in die Orte, indem Aufträge oder Anstellungen zu erwarten waren. Diese Reise oder Wandertätigkeit brachte es mit, dass die Familien aus den verschiedenen Regionen die spezifischen Gerichte mitgebracht haben. Und wenn es sich ergab, dass eine schöne Henkerstochter in einen neuen Ort kam, hat sich schon der eine oder andere Jüngling drin verguckt. Sowie Heinrich Heine zu seiner ersten großen Liebe zum roten Sefchen, der Tochter des Scharfrichters. Und wenn diese dann noch Kochen konnte, war es um den Jüngling geschehen.

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Kommst du mit zum Mond, Nicolás Schuff und Ana Sender, Kinderbuch ab 3 Jahre

Bei den spanischen Kinderbüchern fällt mir immer wieder auf, dass sie entweder richtig lehrreich sind für Kinder oder einfach nur wunderschön und zum Träumen einladen. Kommst du mit zum Mond ist fürs Träumen und Wohlfühlen gedacht. Denn es erzählt die Geschichte von Emilio, der in den Ferien seinen Opa besucht. Sein Opi ist ein ganz großartiger alter Mann. Er lebt in einem einsamen Haus in den Wäldern und kennt tolle Geschichten. Aber vor allem kann man mit Opa herrliche Abenteuer erleben, zum Beispiel den Mond besuchen.

 

Man verliebt sich sofort in die Illustrationen von Ana Sender. Die Geschichte hinterlässt selbst bei Erwachsenen ein Gefühl der Behaglichkeit und ein Lächeln auf den Lippen. Es ist ein Kinderbuch zum Ansehen und Vorlesen ab drei Jahre.

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Hans Rath: Jetzt ist Sense | Interview: Fünf Fragen an den Autor

Genau! Zeit für geistreiche, unterhaltsame Lektüre! Und Hans Rath hält mit seiner Geschichte was Titel und Cover – in Anlehnung an Dennis Hoppers kultisches Gemälde Nighthawks – versprechen. Eine spannende Story, in der die Protagonistin, die Psychologin Olivia, Bekanntschaft macht mit einem äußerst attraktiven Griechen namens Zino alias Thanatos, Gott des sanften Todes. Ist es wirklich ein Irrtum, dass er bei ihr klingelt? Aber irren sich Götter? Die engagierte Therapeutin muss erkennen, dass einem Unsterblichen nicht zu helfen ist. Warum sollte er aufhören zu rauchen? Was würde sich für ihn ändern, wenn er keinen Alkohol mehr tränke? Und sein Burnout-Syndrom könnte nur von Hades, dem Gott der Unterwelt, durch eine Generalamnestie behandelt werden. Aber eine ausgeglichene Work-Life-Balance ist im Weiterlesen