Vernissage im Kunstverein Familie Montez: Unterwelten | Disavowed Evolution | Baumschule

Kennen Sie die Ausstellungsräume des Kunstverein Familie Montez in der Honsellstrasse 7 im Frankfurter Osten? Wenn nicht, haben Sie zwei gute Gründe dort hinzugehen. Kurator Mirek Macke, der auch die Ausstellung eröffnete, bewies ein gutes Gespür als er sich für 3 ganz unterschiedliche Künstler und deren Werke entschied und eine interessante, sehenswerte Ausstellung entstand: während der Frankfurter Fotograf Peter Seidel und der in Frankfurt lebende Aktionskünstler Bernhard Zich ihr Debut in den heiligen Brückenhallen feierten, ist Kai Teichert mit seinen monumentalen Werken immer wieder zu Gast bei Familie Montez. Weiterlesen

Blutrote Tulpen, Ibon Martín

Aufgrund der schrecklichen Ermordung einer Radioreporterin wird eine spezielle Polizeieinheit im Baskenland gegründet, die Unidad Especial de Homocidios de Impacto, deren Chefin Ana aus Gernika wird. Sie und ihr junger Kollege Aitor bilden zusammen mit der Kommissarin Julia, der Psychologin Silvia und einem eher unangenehmen, arroganten Zeitgenossen von Interpol, Txema, das Team. Die Arbeit lässt nicht auf sich warten, denn schon bald gibt es eine zweite Tote. Eigentlich nahm man an, dass die ältere Dame aus dem Fenster fiel, bis auch bei ihr eine Tulpe gefunden wird, genau wie bei der Reporterin Natalia. Das Morden geht weiter, bis eine Spur in die Vergangenheit zu einem Kloster führt, indem die Nonnen aber wenig kooperativ sind.

Spannende Unterhaltung aus dem Baskenland, mit komplexen Hintergründen. Ein toller Thriller, der richtig gerockt hätte, wenn der Autor sich 100 Seiten gespart hätte. Doch das schmälert die Geschickte keineswegs.

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Frische Gemüseküche, James Strawbridge

Grüner Genuss nach Jahreszeiten – Anbau, Verarbeitung und mehr als 135 Rezepte.

James Strawbridge ist zur Gemüseküche gekommen, weil er auf einem kleinen Hof aufgewachsen ist. Auf einem kleinen Hof war man früher Selbstversorger. Und wer sich mit eigenem angebautem und geerntetem Gemüse und Obst auskennt, weiß, man hat auf einmal von der jeweiligen Sorte viel zu viel. Da schießt der Salat hoch. Die Bohnen, die im Übermaß geerntet werden müssen, damit sie bei Überreife nicht hart und trocken werden. Die Kohlrabis in Reih und Glied, die man ernten muss, bevor sie holzig werden. Oder die Gurken und Zucchini, die immer größer werden, dann aber an Geschmack verlieren. Natürlich freut man sich in der Jahreszeit, wenn man das jeweilige erste Gemüse oder Obst ernten kann. Ich kenn es noch aus eigner Erfahrung, dass wir Geschwister uns gestritten haben, wer die ersten Radieschen ernten durfte. Oder die ersten Süßkirschen hatten keine Chance reif zu werden, da waren sie schon in einem unserer Mäuler verschwunden. Doch dann kommt die Zeit des Übermaßes und jeden Tag Bohnen nach dem gleichen Rezept hat man schnell über. Hier ist dann Kreativität gefragt mit neuen, originellen, geschmackvollen Rezepten bis hin zur Haltbarmachung für Später oder wie es bei uns zu Hause war, für den Winter.

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Richter morden besser, Thorsten Schleif

Siggi Buckmann seines Zeichens Richter beim Amtsgericht, hat seinen Idealismus, die Welt zu verbessern, bereits seit einiger Zeit vor dem Gerichtssaal abgelegt. Bürokratie und Berufungsverfahren, die seine Urteile aufheben sind an der Tagesordnung. Die üblen Kerle kommen immer wieder davon. Als jedoch der heroinabhängige Obdachlose Fredi an einer tödlichen Mischung stirbt, werden Siggis juristische Lebensgeister noch einmal geweckt. Denn Fredi hat einmal etwas für den Richter getan, dass der ihm niemals vergessen wird. So startet er mit einem befreundeten sehr fähigen Drogenfahnder, einem Oberstaatsanwalt und seinem türkischstämmigen Referendar ein fast aussichtsloses Unterfangen. Er will den Clan-Chef der örtlichen Drogenmafia drankriegen. Wer kann schon ahnen, dass er damit das Leben seiner Freunde und auch seiner eigenen Familie gefährdet. Doch aufgeben ist nicht, zur Not greift man zum letzten Mittel, denn wenn ein Richter nicht weiß, wie man mordet, wer dann?

Das Buch ist nicht nur spannend mit einem sehr präsenten und ernst-traurigen Hintergrund, es schafft den Balanceakt, dabei auch noch triefend ironisch und witzig zu sein. Thorsten Schleif kann schreiben und die Leichtigkeit seiner Geschichte verliert nie die Brisanz, wenn es um das teils marode deutsche Rechtssystem und die Macht von kriminellen Clans geht. Ein großartiger neuer Romanautor betritt die deutsche Krimiszene!

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James Norbury: Großer Panda und Kleiner Drache

Grosser Panda und Kleiner Drache von James Norbury

Ein außergewöhnlich liebevoll gemachtes Buch. Wenn man es in die Hand nimmt, möchte man es erst gar nicht wieder loslassen. Der erste Eindruck ist, dass man es mit einem Werk aus China zu tun hat. Vielleicht kommt der Eindruck daher dass es sich um einen Panda Bären und einen Drachen handelt, der ja in China ein besonderes Symbol ist. Beide begeben sich auf eine Reise die in teilweise bunten Bildern geschildert werden. Teilweise sind die Bilder in Tusche oder Aquarellfarben zu sehen. Der jeweilige Text regt dazu an, sich über grundsätzliche Dinge des Lebens klar zu werden. Diese esoterischen Lebensweisheiten sind sinnweisend für Menschen die auf dem Weg des Lebens sind und darüber bereit sind sich zu reflektieren. Das Buch gibt dazu einige Anstöße. Weiterlesen

Stiller als der Tod, Dario Correnti

Eher ein unaufgeregter Krimi als ein Thriller und das passt auch so viel besser zu den beiden Protagonisten. Denn Marco Besana und Ilaria Piatti, die beiden Kriminaljournalisten sind eher die typischen Antihelden. Besana ist bereits in Rente und nur noch als freier Journalist unterwegs und Ilaria hängt mehr oder weniger ohne Vertrag und Anstellung in der Luft. Doch beide sind scharfe Hunde, wenn es um Mord geht. So ist der Tod eines betuchten Italieners in der Schweiz, ein gefundenes Fressen für sie. Denn die beiden glaube keine Sekunde, dass er ein Fressen für den Bären wurde, dem man diesen Tod anlastet. Vielmehr scheint er zu einer weiteren Reihe von Giftmorden zu gehören, denen die beiden Journalisten immer näherkommen. Leider auch privat!

Gute und spannende Unterhaltung, ohne viel Schnickschnack und Aktion. Ein echt solider und lesenswerter Krimi.

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Am Ende der Unschuld, Silke Ziegler

Es ist definitiv ein Krimi, auch wenn es wie ein Thriller anfängt. Wer es aber eher sanft liebt und zwischendurch mal tief Luft holen will und seufzen mag, weil die Liebe ja so schön ist, der ist hier genau richtig. Milla ist eine mäßig erfolgreiche Journalistin bei einem kleinen Käseblatt in Frankfurt. Außerdem ist sie gerade im Begriff, sich von ihrem untreuen Ehemann scheiden zu lassen. Als Millas Chefredakteur ihr anbietet den Vergewaltiger und Mörder Robert Hoffmann im Pariser Gefängnis zu interviewen, sagt sie sofort zu. Der ehemalige deutsche Star am Journalistenhimmel wurde zu einer lebenslangen Haft wegen Mordes an seiner Verlobten, der Schauspielerin Simone Dubois verurteilt. Obwohl er gegenüber der Presse immer geschwiegen hat, will er jetzt nur mit Milla reden.

Krimiunterhaltung, die einem das Herz nicht schneller schlagen lässt, es sei denn, man fährt auf knisternde Gefühle und in der Luft liegende Erotik ab. Gute Unterhaltung für einen oder zwei verregnete Urlaubstage. Und dann lassen Sie sich mal überraschen, ob man das Buch dann wirklich auch mit einem weiteren Seufzen zuschlägt.

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Tödliches Ostfriesenherz, Elke Nansen

Besser kann man es nicht machen und auch noch pünktlich zur Urlaubssaison für unsere Nordsee- oder Ostseeküste – Urlaubslektüre. Es ist wieder da, das neuste Buch von Elke Nansen „Tödliches Ostfriesenherz“. Man muss es einfach lesen! Ja! Jetzt sitze ich hier und möchte eine Rezension schreiben über das 13. Werk in der Reihe von Elke Nansens Tödlichen Ostfrieslandkrimis und mir fällt nur ein Satz ein, um alles zu sagen: Man muss es lesen! Auch will ich nicht irgendwelche Superlative aufrufen, wie genial, ihr bestes Werk, sie hat sich wieder selbst übertroffen. Das wäre zu einfach und auch ungerecht ihren 12 anderen Büchern und den hoffentlich folgenden gegenüber. Alle ihre Bücher sind in der Machart und Themenbesprechung etwas Besonderes und man sollte sich die Zeit nehmen, auch alle mal zu lesen. Elke Nansen schafft es immer wieder, heikle, sozialkritische Themen, die das Leben schreibt, in ihren leicht morbiden Kriminalromanen zu verarbeiten. Eigentlich ist es ein Lese-Muss.

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Henry, Florina Gottschick

Henry ist nicht die übliche Zwölfjährige. Sie ist anstrengend, witzig, voller Fantasie und leider sehr selbstständig. Zwar hat sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater, doch mit der Mutter hapert es. Sie beiden verstehen sich nicht. Als Marion ihren neuen BMW mit schlafender Tochter auf der Rücksitzbank nur einen Moment vor der Haustür stehen lässt, wird das Auto geklaut, denn die Schlüssel lagen noch im Wagen. Das Kind ist weg! Eine Entführung!

Wer so dusselig ist und so einen scharfen BMW mit Schlüssel stehen lässt, verdient es nicht anders, denkt Sven. Nur als die Kleine hinten aufwacht und ihn an der Tankstelle aussperrt, wird es kritisch. Sie flieht nicht, sondern will mit ihm kommen, ein Abenteuer erleben. Und so fängt das Roadmovie, würde man beim Film sagen, an. Witzige, erfrischende und sehr liebenswerte Story über drei junge Menschen, die eine außergewöhnliche Zeit miteinander verbringen. Hat mich in seiner Dynamik hier und da an tschick von Wolfgang Herrndorf erinnert.

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Franzpeter Messmer: Tanz auf der Brücke Rezension und Interview mit dem Autor

Franzpeter Messmer hat sich dafür entschieden, seinen Protagonisten Mehmet Aziz, einen jungen Syrer, erzählen zu lassen. Letztendlich ist es seine, Mehmets, Geschichte. Wer könnte sie besser erzählen, als Mehmet. Und mit einem Mal hat ein syrischer Flüchtling, der die Reise über das Mittelmeer auf sich genommen hat, um den Islamistischen Kämpfern zu entkommen, die sein Klavier zertrümmerten und seinen kleinen linken Finger abschnitten, einen Namen. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise weg von seinen Wurzeln, über das vermeintlich gelobte Land: Deutschland, dem Land der Dichter, Denker und große Komponisten, zurück zu sich selbst und seinen Wurzeln nach Damaskus. Dazwischen liegen eine lebensgefährliche Flucht im Schlauchboot über das Mittelmeer, entwürdigende Aufenthalte in Flüchtlingsunterkünften, Weiterlesen