Obwohl dies der neunte Fall für Capitaine Roger Blanc und sein Team ist, sind keinerlei Ermüdungserscheinungen erkennbar. Ganz im Gegenteil. Die Geschichte ist spannend und fesselnd bis zur letzten Seite. Und für diese Geschichte verstärkt der Autor das Ermittlerteam mit dem jungen, engagierten Brigadier Yves-Laurent Sylvain. Wie für Sylvain ist es auch mein erster Fall, den ich mit Blanc und seinen Kollegen löse. Auch ohne die vorherigen Krimis dieser Reihe von Cay Rademacher zu kennen, finde ich mich gut zurecht und kann das Lesevergnügen, wie auch die anschaulichen Landschaftsbeschreibungen der Provence genießen. Allerdings frage ich mich, warum ich nicht schon eher die Bekanntschaft dieses Ermittlerteams gesucht habe! Capitaine Blanc ist ein Ermittler wie man sich ihn wünscht: Polizist mit Leib und Seele, respektvoll im Umgang mit den Kollegen, schätzt nicht nur – wie könnte es in Frankreich anders sein – gutes Essen und Wein, sondern hat auch ein bewegtes Liebesleben hinter sich. Seine unaufgeregte Art macht ihn sehr sympathisch. Schlüssig bettet der Autor die Geschichte um die zwei verschwundenen jungen Frauen in die Pandemie ein. Verdächtige gibt es so viele, wie Lavendel in der Provence. Sowohl für den aktuellen Fall als auch für einen 23 Jahre alten „Cold case“. Beide Fälle weisen Gemeinsamkeiten auf. Handelt es sich um einen Täter, der wieder aktiv wird oder um einen Trittbrettfahrer? Weiterlesen
Ein Lied vom Ende der Welt, Erica Ferencik mit Interview der Autorin

Valerie ist eine auf nordische Sprachen spezialisierte Linguistin, die jedoch nie reist, weil sie von einer lähmenden Angst beherrscht wird. Ausgerechnet der ehemalige Mentor ihres verstorbenen Bruders, ein Polarforscher, wendet sich plötzlich an sie. Er behauptet ein kleines Inuitmädchen im Eis entdeckt zu haben, das keine bekannte Sprache oder Dialekt spricht. Er braucht Valeries Hilfe, um mit dem Mädchen zu kommunizieren. Obwohl sie nicht wirklich weiß, warum sie sich darauf einlässt, reist sie zu der Forschungsstation am Polarkreis. Ausgerechnet an den Ort, an dem ihre Bruder Andy auf mysteriöse Weise im Eis starb. Die Kälte, die Einsamkeit und die stetige Erinnerung an Andy erträgt Val nur mit Beruhigungsmitteln und Alkohol. Dabei hat sie noch keine Ahnung, wie furchtbar es mit dem Geheimnis um das kleine Inuitmädchen Naaja bestellt ist.
Ein gutes Debüt über eine sehr fiktive Geschichte aus dem ewigen Eis, das seine Geheimnisse manchmal eben doch wieder preisgibt.
Der böse Hirte, Jeffery Deaver – Colter Shaw Reihe –

Jeffery Deavers Thriller sind Bücher eines Experten im Geschichten erzählten. Ein Autor, der über vierzig Romane geschrieben hat, die teilweise verfilmt und weltweite Millionenbestseller wurden, weiß einfach, was er tut. Seine neue Reihe um Colter Shaw den Prämien-Privatermittler führt zu einer Gruppe, die als Selbsthilfeorganisation getarnt, eher eine lebensgefährliche Sekte ist. Undercover ermittelt er dort als Neuzugang und muss schnell feststellen, dass Mord und Selbstmord ein Teil ihrer perfiden Philosophie darstellt.
Spannend und interessant, wenn auch sehr amerikanisch, was das Ambiente und die Mentalität der Protagonisten angeht. Dennoch wird man bestimmt die anderen Bücher der Reihe lesen wollen, denn es geht auch um einen zweiten Fall, dem Familiengeheimnis von Colter Shaw, der unterschwellig mitläuft.
Michael Jensen: Blutige Stille
Das vorliegende Werk, sticht unter den historischen Romanen besonders hervor. Der Autor versteht es den fiktionalen Teil mit den historischen Gegebenheiten so zu verweben, dass ein flüssiges und authentisches Gesamtbild der Weimarer Republik in den Anfang Zwanzigerjahre entsteht. Er bringt die wirtschaftlichen und politischen Gegebenheiten in einen nachvollziehbaren Kontext, sodass ein Gesamtbild erscheint, das die darauf folgenden Jahre in ihrer politischen Auswirkung logisch sind. Mit der Gangsterfamilie Sass hat er Protagonisten geschaffen, die zwar so hätten sein können aber ist nie so waren. Glitzert und Glamour in Berlin der Zwanzigerjahre gemischt mit Not und Elend ergeben ein Bild, dass der Autor in hervorragender Weise zeichnet. Weiterlesen
Himmel oder Hölle, Mel Wallis de Vries, Jugendbuch

Mel Wallis de Vries ist spezialisiert auf Jugendbuchkrimis und Thriller. Immer in der Sprache der jungen Leute zwischen vierzehn und zwanzig kann sie sich in die Sorgen und Nöte der Heranwachsenden hineindenken. Auch in Himmel oder Hölle beschäftigt sie sich wieder mit den Unsicherheiten einer jungen Frau, die sich für zu dick, für zu uninteressant und langweilig hält. Dabei ist es gerade Danielle, die dem attraktiven Medizinstudenten Dante im Skiurlaub auffällt. In Amsterdam erscheint es ein Zufall, dass sie sich wiedersehen. Während beide eine Beziehung hinter dem Rücken ihrer Freundinnen anfangen, wird Dante immer undurchsichtiger. Bis Danielle sein schlimmes Geheimnis erfährt und dann ist es für sie schon fast zu spät. Weiterlesen
Elke Pistor: Tide, Tod und Tüdelkram
Tide, Tod und Tüdelkram ist ein Roman der in literarischer Form einen kalorienreich Anschlag auf unsere Geschmacksnerven unternimmt. Ein Wohlfühlroman obwohl es um ein Verbrechen geht. Eine ältere Konditorin mit unglaublichen Tortenrezepten auf Verbrecherjagt. Leicht wie ein Baiser und mit der Durchschlagskraft einer Death by Chokolate Torte stellt sie Vermutungen an und setzt sich gegen die Polizei durch. Einige Rezepte mit Anleitungen sind im Anhang verzeichnet. Aber Obacht, Lizenz zum Zunehmen eingebaut.
Die Buchhändlerin, Macht der Worte, Ines Thorn Band 2

Ist es gut, wenn emanzipierte Männer Bücher von emanzipierten Frauen lesen. War meine Frage bei der Einleitung zum ersten Teil von Ines Thorns Roman „Die Buchhändlerin“. Und am Ende schrieb ich, dass ich es schade finde, dass das Buch zu Ende war. Ich hätte gerne mehr erfahren, von der Geschichte und wie die Entwicklung und Wünsche der Protagonisten weiter gehen. Mein Bitten ist erhört worden und Ines Thorn hat die Fortsetzung mit „Die Macht der Worte“ geschrieben. Mit großen Erwartungen und Freude habe ich die Geschichte über den Werdegang und den Wünschen einer jungen Frau vom Ende des Nationalsozialismus bis in die fünfziger Jahre und nun bis zum Ende der 60ziger Jahre weiterverfolgt. Ich wurde nicht enttäuscht.
Thomas Meyer: Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
Ein Werk das voll von feiner Ironie ist, die uns Deutsche und Juden so auf den Arm nimmt, dass man nicht böse oder gar beleidigt sein kann. Es ist schon bemerkenswert wie wir in diesem Buch auf unsere Grundeigenschaften skelettiert werden. Die Gegensätze Juden Nazis sind so überzeichnet und skurril, das jeder mit Sicherheit manches Vorurteil kennt. Der Autor zeigt uns unsere Welt die voll von Aggressionen gegenüber Mitmenschen ist und die durch soziale Medien in erschreckender Weise zum Ausdruck kommt. Ein Werk das zum Nachdenken anregt.
La Vita è dolce, Letitia Clark – Kochbuch für italienische Süßspeisen –

Wer den Film La dolce Vita gesehen hat, mit der berühmten Szene mit Anita Ekberg im Trevi-Brunnen, der weiß, wie sehr die Italiener das süße Leben genießen. Nicht nur in der Liebe auch in der Küche und die Königsdisziplin sind wohl die italienischen Süßspeisen. Wer jemals ein hausgemachte Cassata, selbst gebackene Cannoli oder auch eine echte Colomba Virginia probiert hat, ist dem italienischen Dessert und Gebäck verfallen. Letitia Clark greift die beliebtesten Nachspeisen und Kuchen Italiens auf und backt und kocht sich einmal von Norden nach Süden.
Loraine Peck: Der zweite Sohn
Ein Krimi von der harten Sorte aus Down Under. Wenn sich der Krieg über die Kontinent und über Generationen weiter verbreitet, dann ist der Hass ständiger Begleiter. So auch hier zwischen den Clans der Serben und Kroaten. Schüsse fallen, Söhne sterben in Sydney Australien. Die Autorin beschreibt die Handlung durch die Sichtweise der Protagonisten Johnny und Amy, die in die Tiefen der Auseinandersetzung gezogen werden. Sehr intensiv werden die Seelenzustände beleuchtet und geschildert wie der Kroatische Clan versucht sich und seine Mitglieder zu retten. Wenn man die Handlungsstränge genau liest, erinnert es sehr stark an die griechische Tragödie von Homer: die Ilias. Weiterlesen