„Toast zu machen ist eine Kunst für sich und Prue Leith perfektioniert sie“. Yotam Ottolenghi. Wenn der zurzeit angesagteste Koch, Gastronomieberater und Kochbuchautor eine Köchin oder Koch lobt oder hier sogar als Aufmachung und Einladung zu diesem Buch steht, ist das eine besondere Ehre, auf die man sich verlassen kann. Dann ist der Griff dazu immer etwas Wertvolles. Man hat ein besonderes Kochbuch in der Hand. Was macht man mit altem Brot. Frisches Brot mit Butter beschmiert und ein Prise Salz ist etwas Herrliches. Oder im Frühjahr mit Radieschenscheiben und im Sommer mit den köstlichen, wenn möglich selbstgeernteten Tomaten. Aber altes Brot? Wir haben oder hatten es nie richtig registriert, die Italiener haben es schon immer vorgemacht – Bruschetta mit Tomatenwürfel und Basilikum. Man nehme altes Baguette oder gebackenen Pizzateig vom Vortag, schneide es in Scheiben, röste es mit etwas Olivenöl in der Pfanne, auf einen Teller gelegt, gewürzte Tomatenwürfel drauf, fertig ist die Vorspeise. Dazu ein Glas Wein und die Welt ist in Ordnung.
Juri Gottschall, Mercedes Lauenstein: SPLENDIDO
Nach April 2022 folgt nun das zweite Buch von beiden Experten über die italienische Kochkunst. Das erste Werk war ein fulminanter Erfolg. Das vorliegende Werk geht nun darauf ein wie man mit Qualitätsprodukten gutes Essen machen kann. Wie auch im ersten Band ist es eine Lust in diesem 1,5 Kilo schweren Buch zu blättern und sich einzulesen. Jeder der italienische Küche liegt hat schon gewisse Vorstellungen von einzelnen Produkten. Dies wird hier nun in gut lesbarer Form vertieft. Mir hat zum Beispiel der Bericht über den Grana, den italienischen Hartkäse, einige neue Erkenntnisse gebracht. Ein Bekannter hat im Grana Pandano Gebiet eine Käserei in der er über 5000 Käselaibe zur Reife bringt. Diese Begegnung mit dem Käse und dessen Herstellung ist im Buch nachzuempfinden. Wo dieses Grana Pandano Gebiet verläuft, welche Gebiete es gibt und wo es die verschiedensten Grana Sorten zu finden sind, schildert dieses Buch auf das Beste. Weiterlesen
Aurélie Bastian backt
Sympathisch lächelnd ziert Aurélie Bastian das Cover ihres neuen Backbuches. Mit Vorfreude öffne ich das Buch und mir gefällt was ich sehe: das Inhaltsverzeichnis ist originell gestaltet, mit einem jeweiligen kleinen Foto des Kuchens bzw. der Torte in vier Kapitel unterteilt. Die folgenden Begriffserläuterungen unter Basics erscheinen mir willkürlich und zufällig zusammengestellt. Und – die erfahrenen Bäcker und Bäckerinnen, die die aufwendigen und komplizierten Rezepte nachbacken können, fühlen sich – wie auch ich – zu Recht auf den Schlips getreten. Wem die Begriffe nicht geläufig sind, wird feststellen, dass noch ein langer Backweg vor ihm/ihr liegt, bis eines der Rezepte umgesetzt werden kann. Ich fange noch einmal von vorne an. Weiterlesen
Film: Verlorene Illusionen nach einem Roman von Honoré de Balzac, DVD und Blu-Ray

Verlorene Illusionen hat berechtigt seine Awards bei der César Verleihung 2022 erhalten, denn bei dem Film stimmt einfach alles. Die Geschichte, die Schauspieler und die dramaturgische Umsetzung von Xavier Giannoli. Auch wenn Honoré de Balzacs Roman, nach dem der Film adaptiert wurde, um 1821 spielt, ist er heutzutage aktueller denn je. Das mag daran liegen, dass zweihundert Jahre später, jeder dem es gerade einfällt, sich in den sozialen Netzwerken zum Kritiker aufschwingt. Leider entartet es oft zum schieren Dampf ablassen und das gezielt unter der Gürtellinie. Es liegt daran, dass es viel einfacher ist zu kritisieren, als zu kreieren.
Man kann jedoch daraus auch ein perfides, skrupelloses Spiel machen, wie der Film ›Verlorenen Illusionen‹ uns lehrt. Jedes Statement, jeder Roman, jede Handlung kann in sich verkehrt werden. Wie heißt es in dem Film so schön, ist ein Roman romantisch, ist er naiv und ist er klar, nimmt er alles vorweg. So wurde im Paris des neunzehnten Jahrhunderts mit spitzer Feder, beißendem Spott und viel Wortgewandtheit über Werke geurteilt, die der sogenannte kritische Journalist noch nicht einmal gelesen hatte. Hauptsache die Kasse, die Bestechung und Gegenbestechung stimmte. Der am meisten Zahlende gewann. Leider sind die Aufschreie, die Wellen der Empörung in den heutigen Medien nicht halbwegs so intelligent oder auch mal amüsant, wie bei Balzac verfilmter Geschichte im Jahr 1821 beschrieben.
So muss, um zu überleben, der junge Lucien de Rubempré vom Romantiker zum Kritiker aufsteigen, mit den Wölfen heulen, reich und verhasst werden, um am Ende sowohl vom Pariser Adel, als auch von den Kritikerwölfen wieder in die Gosse ausgespuckt zu werden. Eine großartige Verfilmung, die gerade wegen der aufwendigen Gestaltung der Kostüme und des historischen Pariser Ambientes dem Zuschauer etwas Luft lässt. Denn man kann sich so der Empfindung erwehren, dass diese Art vernichtender, schamloser Fake-Berichterstattung ausschließlich in die Vergangenheit verbannt wurde. Definitiv ein Film, den man sich ansehen sollte, in vieler Hinsicht!
Elke Nansen, Tödliches Ostfriesengold, Ostfrieslandkrimi
Ich kann es immer kaum erwarten und dann ist er endlich da! Im Klarant-Verlag erschien dieser Tage der neuste Ostfrieslandkrimi von Elke Nansen „Tödliches Ostfriesengold“. Wie immer spannend, interessant geschrieben und sehr gut recherchiert. Das Thema bespickt mit vielen Facetten und hervorragender Aufklärung, verpackt in einem imposanten Kriminalroman. Hochachtung an Elke Nansen. Elke Nansen muss ihre Heimat sehr lieben, denn ihre örtlichen Beschreibungen lassen einen die Umgebung von Leer und Emden miterleben. Man könnte nach dieser Lektüre sich ohne Navigationsgerät orientieren und wüsste immer, wo man ist. Meine Empfehlung: lesen Sie den neusten Krimi „Ostfriesengold“ von Elke Nansen. Sie werden danach die anderen 14 Bücher ebenso lesen. „Ostfriesengold ist schon der 15. Band. Jeder Band für sich ist immer ein abgeschlossener Fall mit dem herzlichen Emdener Ermittlungsteam um Richard Faber, Rike Waatstedt, dem extrovertierten Forensiker Schorlau und Opa Knut. Jeder Band hat auch immer interessante, zum Teil brisanten Themen. Im neusten Buch gibt es hervorragende Information um die Numismatik und den Besitzerverhältnissen gefundener Schätze. Denn das ist rechtlich nicht so einfach, auch wenn sie auf dem eigenen Grundstück ausgegraben worden sind.
Sieben Tage Mo, Oliver Scherz, Kinderbuch ab 11 Jahre
Geschwister sind einfach nervig, vor allem jüngere, auf die man immer aufpassen muss. Aber Karl hat das Problem mal zehn, ach was, mal hundert. Sein Zwillingsbruder Moritz ist behindert. Bei der Geburt bekam er einfach zu wenig Sauerstoff und jetzt ist es in seinem Kopf anders, als in anderen Köpfen, die Karl sonst kennt. Moritz muss nicht in einem Rollstuhl sitzen, aber dafür ist er laut, stur und einfach unberechenbar. Da die Familie erst in ein Haus aufs Land gezogen ist, muss die Mama der beiden Vollzeit im Krankenhaus arbeiten und Papa hat Projekte im Ausland. Nur so kann alles für Mo bezahlt werden. Darum hat Karl Mo jeden Tag nach der Schule an der Backe. Ausgerechnet jetzt, da er eines der Mädchen in seiner Schule sehr mag und ausgerechnet er hat einen so peinlichen Bruder. Am liebsten würde er Mo auf den Mond wünschen, bis zu dem Moment, als Mo wirklich verschwindet.
Ein großartiges Kinderbuch, bei dem der Autor ungemein gut recherchiert hat, um die Situation eines geistig behinderten Jugendlichen und seiner Angehörigen realistisch wiederzugeben. Das Buch ist eine sehr schöne Geschichte, zum Lachen und Weinen und vor allem wird sie bei Kindern einen sehr positiven Eindruck von geistig behinderten Altersgenossen hinterlassen. Ein Buch, das Empathie schafft.
Denene Millner: Die Farbe meines Blutes
Nun, das war schwere Kost und viel zu verdauen! Millner präsentiert in ihrem Debütroman nicht nur eine bissige Chronik schwarzer Frauen in den USA, die von großen wie kleinen Belastungen gequält werden, die ihrer Freiheit, ihrer Würde und ihres Selbstwertgefühls beraubt werden. Sie erzählt eine ausladende Mehrgenerationengeschichte anhand von Maw Maw (Großmutter), Grace (Maw Maws Tochter und Mutter von Rae), Delores, (Adoptivmutter von Rae) und – Rae. Die Autorin hat ihre Geschichte chronologisch strukturiert, beginnend 1965 – 1969, dieser Teil, betitelt Das Buch Grace ist der Großmutter Maw Maw gewidmet. Im zweiten Teil, Das Buch Delores, (1967 – 1999) geht es um LoLo, die Adoptivmutter von Maw Maws Enkeltochter Rae und in den Jahren 1999 – 2004, Das Buch Rae, steht Rae und ihr Werdegang im Mittelpunkt. In diesen Teilen wird deutlich, wie Weiterlesen
JP Delaney, Die Fremde in meinem Haus

Die Fremde in meinem Haus von JP Delaney
Ich habe immer eine Freude an Büchern, die ein besonderes Thema behandeln und wenn das Thema in einem spannenden, mitreißenden Roman verpackt ist, bleibt es auch umso besser in Erinnerung. Man erzählt darüber, mit der Frau, Freunden, weil man so begeistert von den Informationen ist. Was eventuell dazu passiert ist oder wie die Behörden reagieren und die Gesetzgebung ist. Gerade, wenn diese einem unverständlich erscheinen. JP Delaney, der Autor von dem Weltbestseller „The Girl before“ hat sich an ein sehr interessantes Thema gewagt und aus allen Seiten dargestellt.
Mord auf der Insel Gokumo, Seishi Yokomizo, Band II Kosuke Kindaichi ermittelt

Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr mich diese Kriminalreihe von Seishi Yokomizo an die Bestseller von Agatha Christie erinnert. Die Kriminalstory ist geschrieben im Stil der ehemaligen großen englischen Krimiautoren, gespickt mit japanischem Lokalkolorit und asiatischer Kultur. Der Privatermittler Kosuke Kindaichi ist mit seinem Stottern, wenn er nervös wird oder einer Frau gegenübertritt und der Angewohnheit sich beim Denken übermäßig am Kopf zu kratzen, eigentlich ein Antiheld. Ein furchtbar kluger Antiheld, aber war das Hercule Poirot nicht auch irgendwie? Diese Krimireihe macht einfach nur sehr, sehr viel Spaß. Sie führt mich in alte Zeiten zurück, in denen ich zum ersten Mal die Miss Marple Krimis verschlungen habe oder mich beim Hund von Baskerville gruselte.
Yishai Sarid: Schwachstellen
So wie Yishai Sarid seinen Protagonisten Siv Mobiltelefone infiltrieren lässt, infiltriert Sarid seine Leser: innen. Die Geschichte um den Meister-Hacker Siv klingt nicht nur nach, sie beschäftigt während des gesamten Lesens, die durch Spannung, Tempo und durch eine gewisse Kälte getragen wird. Die Frage, ist es Fiktion oder Realität, stellt sich nicht. Es ist wie bei James Bond: wenn er es macht, ist es möglich und wenn Sarid es schreibt, ist es möglich. Während Siv seiner Arbeit nachgeht und nach systemischen Schwachstellen sucht, um das System zwecks Überwachung zu infiltrieren, werden im Verlauf der Geschichte auch die menschlichen Schwachstellen freigelegt und mancher, der von Sarid gut und treffend herausgearbeiteten Charaktere wird entzaubert. Und Weiterlesen