Alle Artikel von Elke Rossmann

Der Präsident, David Baldacci

Der Thriller erschien im Original bereits 1996 mit dem Titel Absolute Power. Es dauerte auch damals nicht lange, bis das Buch ein Jahr später von keinem Geringerem als Clint Eastwood verfilmte. Daher kann ich nicht nur dieses fantastische Buch, sondern auch den Film wärmstens empfehlen.

Denn das Thema ist wohl gerade jetzt wieder so top aktuell, dass man Baldacci für seine Weitsicht bewundern muss.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, der Mann mit der absoluten Macht. Darum geht es in diesem Thriller. Luther Whitney ein in die Jahre gekommener notorischer Dieb und Einbrecher plant seinen letzten großen Coup. Während er in eine beachtliche, anscheinend momentan unbewohnte Villa einsteigt, um den Safe zu knacken, fährt ein Wagen vor. Er kann sich gerade noch so verstecken, als ein nobler, älterer Geschäftsmann mit einer jungen Frau das Schlafzimmer betritt. Luther kann es kaum fassen, als er den Präsidenten der Vereinigten Staaten erkennt. Das Pärchen ist angetrunken. Und was als heißer Sex beginnt, artet schnell aus, weil der Präsident gewalttätig wird. Doch die junge Frau wehrt sich, verteidigt sich mit einem Brieföffner und verletzt den Mann am Arm. Als Präsident Richmond aufschreit, erscheint der Secret Service und erschießt seine Gespielin. Luther wartet auf seine Gelegenheit, um zu entfliehen und dabei nimmt er den blutigen Brieföffner mit den Fingerabdrücken mit. Denn auch wenn er weiß, dass dieser Mord vertuscht werden soll, so einfach will er den skrupellose aber übermächtigen Mann nicht davonkommen lassen.

Ein typischer Baldacci, in dem es zur Sache geht. Wenn Sie den Film gesehen haben, scheuen Sie das Buch bitte nicht. Wie immer ist die Geschichte in einem Buch detaillierter, ein bisschen anders und in diesem Fall auch sehr pikant. Der Name Baldacci garantiert Spannung und erstklassige Unterhaltung. Daher widmen wir dem Autor dieses Mal eine ausführliche und lange Vita.

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Blütengrab, Ada Fink

Mai 1993 die Zeit nach der Wende. Immer noch sind die ehemaligen Volkspolizisten nicht richtig im Beamtenapparat ihrer Wessi-Kollegen angekommen. Und wenn sich dann ein sogenannter erfahrener Kriminalbeamter aus Kiel in die Provinz von Mecklenburg versetzten lässt, dann weiß man Bescheid. Ein Loser, der es in Kiel zu nichts gebracht hat und im Osten den großen Maxen markieren will. Ausgerechnet jetzt kommt dieser Ingo Larssen, dabei hat Kommissarin Ulrike Bandow gerade erst einen Mord am Hals. Ein dreizehnjähriges Mädchen, gefunden auf einem Blütenbett von Ebereschen, missbraucht und mit Schnitten fürchterlich zugerichtet. Schnitte die Runden darstellen. Als der Wessi Larssen dann auch noch von einem Modus Operandi spricht und andeutet, dass ein Serienmörder am Werk war, rollen seine neuen Kollegen aus Wussnitz nur die Augen. Doch die Kette mit dem Marienkäfer, die das tote Mädchen trägt, hat Ulrike schon einmal gesehen und das ist fast zwanzig Jahre her. Könnte Larssen eventuell recht haben?

Ada Fink hat einen ungeheuer spannenden und komplexen Thriller geschrieben. Sie verbindet die damaligen Stasimachenschaften, mit dem verstärkten Auftauchen von Neonazigruppen nach der Wende und flechtet auch noch die RAF ein. Aber keine Sekunde wird es zu viel oder unlogisch. Jeder bekommt sein Fett weg, von der Treuhand über das BKA bis hin zu den Reichsbürgern und Stasischergen. Denn sie alle sind nur opportunistische Täter und die Opfer sind und waren insbesondere die ungeschützten Kinder. Alle die Jugendlichen, die ohne Rückhalt in staatlicher Obhut landeten und dort leichte Beute wurden. Ob nun wissentlich oder weil die Mittel fehlen.

Ein Thriller erster Güte! So spannend, dass man ihn kaum aus der Hand legen kann. Und das Ende verspricht eine Fortsetzung vom Ermittlerduo Bandow und Larssen.

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Über den Tellerrand, Was Kinder hier und anderswo Essen, Fotoband mit Text, Gregg Segal

Ein erstaunlich schönes und kluges Buch. Denn Kinder aus aller Welt mit ihren wöchentlichen Nahrungsmitteln zu fotografieren, spricht eine viel eindeutigere Sprache, als über das Problem gesunderer Welternährung zu referieren.

Gregg Segal der Fotograf sollte deshalb hier selbst zu Wort kommen. Zitat:

»Im Verlauf unserer Arbeit an »Über den Tellerrand« konnte ich mit eigenen Augen sehen, dass Hunger und Fettsucht nicht automatisch mit Armut oder Reichtum zu tun haben. Sehr oft sind es bloß die zwei Seiten derselben Medaille: Unterernährte und Übergewichtige haben dasselbe Problem – den fehlenden Zugang zu gesunden Lebensmitteln. Das hat dazu geführt, dass viele Regionen, in denen noch vor einer Generation Hunger und Unterernährung herrschten, mittlerweile unter einer rapide steigenden Zahl von Übergewichtigen leiden…«

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Verheißenes Land, Barak Obaman

In diesem ersten Teil von Barack Obamas Autobiografie erzählt er seinen Werdegang von der Kindheit zum Studium und wie der Wunsch Politiker zu werden, reifte. Voll Idealismus, Optimismus und positiven Aktionismus will er sein Land zum Besseren verändern und stürzt sich in den Wahlkampf zum Präsidentschaftskandidaten der Demokraten. Nachdem er die erste Hürde gegen Hillary Clinton nimmt, geht der richtige Wahlkampf erst los. Nach Monaten, die sich wie ein Thriller lesen, wird Barack Obama zum 44. Präsidenten der  Vereinigten Staaten vereidigt. Doch es bleibt dem Präsidenten kaum Zeit seine Regierung zu bilden, weil sein Land in der größten Finanzkrise steckt, die die USA je gesehen hat. Ein Flächenbrand nach dem anderen muss gelöscht werden. Wie mit Afghanistan verfahren? Wie die Gesundheitsreform durchboxen? Diese Fragen durfte der Präsident sich nicht nur stellen, er musste auch versuchen, sie zu lösen. Und so schließt der erste Teil der Autobiografie mit der Militäroperation, die mit Osama bin Ladens Tod endete.

Diese Autobiografie ist ein regelrechter Augenöffner für Menschen, die nicht ausgesprochene Kenner des amerikanischen Regierungssystems sind. Ein Buch, das auf fast tausend Seiten für Erstaunen, Entrüstung und manchmal Entsetzten sorgt. Doch lassen Sie sich von dem Umfang nicht abschrecken, denn Barack Obama ist ein brillanter Rhetoriker und so liest sich Ein verheißenes Land, wie ein überaus spannender Krimi. Ich möchte dieses Buch wirklich jedem ans Herz legen, denn es ist eine kluge, ehrliche und ganz erstaunliche Geschichte aus erster Hand erzählt.

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Geiger, Gustav Skördeman

Was passiert, wenn eine Schläferin nach mehr als dreißig Jahren im Alter von knapp siebzig den Anruf erhält, auf den sie immer gewartet hat? Nun, dann passiert es, dass sie ihrem eigenen Ehemann, mit dem sie vierzig Jahre verheiratet ist, Kinder und Enkelkinder hat, einfach eine Pistole an den Kopf setzte und abdrückt. Mit diesem Anruf wird etwas in Gang gesetzt, auf das einige Leute lange gewartet haben und es ist etwas wirklich Großes!

Und etwas wirklich Großes hat Gustav Skördeman auch mit dem ersten Teil seiner Debüt-Trilogie abgeliefert. Eine wirklich außergewöhnliche Idee, die das Thema DDR Spionage in Schweden aufgreift, es aktuell macht und keine zwischenmenschliche Niedertracht auslässt. Und das, obwohl die DDR seit über dreißig Jahren nicht mehr besteht. Der Autor lässt den Kalten Krieg wieder aufleben und scheut sich nicht eine richtig alte Frau als Killer loszuschicken. Es ist hochinteressant, wie die achtziger Jahre wieder aufblühen. Skördeman beschreibt vor allem spannende, kontroverse, Frauengestalten, die einen in Atem halten und erzählt seine Geschichte mit einem nicht abreißenden Spannungsbogen.

Großes Kopfkino und ein wahrer Lesegenuss! Schon jetzt bekenne ich mich als Fan der Geiger Trilogie.

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Über Menschen, Juli Zeh

Ueber Menschen von Juli Zeh

Dora ist Mitte dreißig und Werbetexterin. Während der Coronapandemie, dem Trump Desaster, dem Klimaschutz-Aktivismus und den Erwartungen ans Gutmensch-Sein verliert sie sich selbst. Mit einer Kurzschlussreaktion, die symptomatisch einer Depression ähnelt, bricht Dora mit ihrem Lebenspartner und kauft ein Haus in Bracken. Das alte schwer renovierungsbedürftige Haus in der brandenburgischen Provinz hat es ihr angetan. Ohne Auto, mit einer Matratze, ihrem Fahrrad Gustav, einem Koffer und ihrem Hund landet sie im absoluten Nirgendwo. Ihr gegenüber wohnt der kleine Heini, ein paar Häuser entfernt Tom und Steffen, ein schwules Paar und ihr Nachbar ist Gottfried, genannt Gote. Er stellt sich ihr mit den Worten vor: Ich bin hier der Dorf-Nazi. Gar nicht witzig, vor allem, weil Dora abends hört, wie Gote mit zwei seiner Rechten Schergen das Horst Wessel Lied am Lagerfeuer schmettert. Eigentlich will sie nur noch weg, doch es dauert nicht lange und sie verliert durch die Pandemie ihren Job bei der Werbeagentur. Jetzt kann sie es sich nicht mehr leisten abzuhauen. Und dann passiert etwas, womit Dora nie gerechnet hätte. Sie muss wegen Gote eine Entscheidung treffen, die nur von ihr als Mensch für einen Menschen getroffen werden kann. Wieder einmal ein Juli Zeh Roman, der dem Leser nicht die Chance gibt, sich nur aus der Distanz entertainen zu lassen. Man wird automatisch zu Dora, überdenkt ihre Entscheidungen, ist entsetzt davon, begeistert davon und fragt sich, wie human man selbst eigentlich in ihrer Situation wäre. Wie human man eigentlich selbst ist.

Juli Zeh wird mit jedem Buch besser. Eine scharfsinnige und scharfzüngige Beobachterin unserer Gesellschaft, die mit Menschen Milde walten lassen kann und mit Leuten hart ins Gericht geht. Literatur der Spitzenklasse!

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Wenn ein Stern von Himmel fällt, Mem Fox & Frey Blackwood, Kinderbuch ab 4 Jahren

Selbst unserer Kleinsten müssen sich manchmal sogar in frühen Jahren mit dem Tod beschäftigen. Zum Beispiel wenn eine Uroma oder ein Opa stirbt. In solch einem Fall ist dieses wunderschön illustrierte Kinderbuch genau richtig. Denn es erklärt mit wenigen Worten, das Wunder Leben, zu dem auch der Tod gehört.

Wobei der Mensch als Stern beschrieben wird, der plötzlich einfach vom Himmel fällt und als Baby in die Menschengemeinschaft findet. Dort wächst er auf, wird geliebt, hat Träume und wird älter und immer älter. Bis er wieder ganz verschwunden ist und als Stern erneut vom Himmel leuchtet.

Ein solch schwieriges Thema wie Geburt, Leben und Tod wurde hier rührend und mit den einfachsten Worten beschrieben. Und die Annahme vor der Geburt und nach dem Tod einfach nur ein Stern am Himmel zu sein, ist nicht nur für unsere Kinder eine hübsche Vorstellung.

So möchte ich dieses bildschön illustrierte Kinderbuch voller Optimismus und Aufmunterung als sehr wertvoll und besonders kindgerecht bezeichnen.

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Denn Familie sind wir trotzdem, Heike Duken

Denn Familie sind wir trotzdem von Heike Duken

Eine wunderschöne, traurige, hoffnungsvolle, bezaubernde und sogar manchmal lustige Familiengeschichte, die 1925 beginnt und 2019 endet.

Ein Roman der sich über drei Generationen zieht und durchweg voller starker Frauengestalten ist. Eine Geschichte, die so einfühlsam erklärt, warum sich Menschen auch für falsche Wege entscheiden und sich irgendwann wieder finden. Heike Duken hat geradezu virtuose Fähigkeiten, sich sprachlich in den unterschiedlichen Charakteren auszudrücken. Der Roman fesselt nicht nur, er hallt auch lange in einem nach und hinterlässt ein kleines Gefühl von Glück. Seit Langem mal wieder eine Geschichte, die auf die Liste der schönsten Bücher kommt, die ich je gelesen haben.

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Die Verlassenen, Matthias Jügler

Die Verlassenen von Matthias Juegler

Zitat: „Je mehr ich über meinen Vater nachdachte, desto überzeugter wurde ich, dass etwas ganz Grundlegendes mit ihm nicht stimmte, als wäre irgendetwas an ihm in Unordnung geraten und nie wieder zurechtgerückt worden.“

Das denkt der dreizehnjährige Johannes, nachdem ihn sein Vater mit den Worten, Mach’s gut, Jung, einfach verlässt. Er bleibt zurück bei der Großmutter, die sich ebenfalls in Schweigen hüllt. Mit fünf verlor das Kind seine Mutter, angeblich durch einen Herzinfarkt und sein Vater zieht ihn überfordert und schweigsam groß. Zum Glück gab es Vaters Freund Wolfgang, der immer etwas Freude in seine Kindheit brachte. Doch auch er verschwindet plötzlich. Ohne Eltern lebt er mit einer gütigen Großmutter, bis auch sie stirbt, kurz bevor Johannes vor dem Abitur steht.

Seine traurige so eigenartige Kindheit hinterlässt tiefe Verletzungen und Probleme in Johannes. Auch als er eine Beziehung eingeht und selbst Vater wird, ist sein Leben ein Drahtseilakt der Gefühle und Verwirrungen. Erst als er einen Brief in den Büchern seines Vaters findet, den Vater kurz vor seinem Verschwinden erhielt, wird ihm das Ausmaß der Tragödie seiner Familie klar.

Ein bewegendes, mit unterschwelliger Wut erzähltes Buch, die man gegen Ende des Buchs versteht. Es geht um Opfer und Täter und ein Kind, das mitten in das irrsinnige politische Konstrukt einer langsam zerfallenden DDR gerät. Sehr zu empfehlen!

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The Cousins, Karen M. McManus

The Cousins von Karen M McManus

Karen M. McManus stand bisher für Jugendromane, bei denen es immer um ein Problemthema von Teenagern ging. Nicht so in diesem Roman, den man als Jugendkrimi bezeichnen kann. Das Buch ist als solches aber ganz nett geschrieben und hat seine Spannungsmomente. Bestimmt trifft es den Nerv des einen oder anderen Teens. Den Roman kann man jedoch nicht mit den Vorgängern von Karen McManus vergleichen. Denn einen tieferen Sinn, von dem man als junger Mensch lernen könnte, fehlt dieses Mal. Dazu kommt, dass die Geschichte wenig glaubwürdig ist. Kann so etwas passieren? Eher nicht.

Dennoch ist es ganz nett zu lesen und daher eine Empfehlung wert.

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