Denn Familie sind wir trotzdem, Heike Duken

Denn Familie sind wir trotzdem von Heike Duken

Eine wunderschöne, traurige, hoffnungsvolle, bezaubernde und sogar manchmal lustige Familiengeschichte, die 1925 beginnt und 2019 endet.

Ein Roman der sich über drei Generationen zieht und durchweg voller starker Frauengestalten ist. Eine Geschichte, die so einfühlsam erklärt, warum sich Menschen auch für falsche Wege entscheiden und sich irgendwann wieder finden. Heike Duken hat geradezu virtuose Fähigkeiten, sich sprachlich in den unterschiedlichen Charakteren auszudrücken. Der Roman fesselt nicht nur, er hallt auch lange in einem nach und hinterlässt ein kleines Gefühl von Glück. Seit Langem mal wieder eine Geschichte, die auf die Liste der schönsten Bücher kommt, die ich je gelesen haben.

Fotocopyright: Frank Hanewacker/Sedan Sieben

Heike Duken, geboren 1966 in München, studierte Psychologie und arbeitet in Nürnberg als Psychotherapeutin in ihrer eigenen Praxis. Ihr erster Roman bei Limes, „Wenn das Leben dir eine Schildkröte schenkt“, wurde mit einem Stipendium des Deutschen Literaturfonds gefördert und von Presse und Lesern hochgelobt. Auch in ihrem neuen Roman »Denn Familie sind wir trotzdem« zeigt Heike Duken erneut ihr großes Talent, Figuren besonders realistisch und lebensnah zu zeichnen.

Es ist das Jahr 1985 und die junge Deutsche Ina ist unsterblich in Ariel verliebt. Dem jungen Israeli, den sie im Kibbuz kennenlernte. Als sie jedoch schwanger wird, macht ihr seine Familie ganz klar, dass es für sie in Israel keine Zukunft gibt. So fliegt sie zurück nach Deutschland und muss ihre Tochter selbst großziehen. Kein einfaches Unterfangen, denn ihr kleiner Pipifloh, Floriane, ist ein sehr anspruchsvolles, intelligentes und lebhaftes Kind.

Gleichzeitig wird die Geschichte zweier Brüder Gerd und Paul erzählt. Beide wurden mehr oder weniger zu ihrem Onkel abgeschoben, weil die Mutter mit ihrem Mann zur See fährt. Sie ist eine Abenteurerin und hätte es nie alleine mit den Kindern ausgehalten. Was sie nicht weiß, ist, dass Onkel Johann die beiden kleinen Jungen verprügelt, quält und versucht, sie zu Nazis zu erziehen. Paul fügt sich in sein Schicksal, exerziert mit seinem Holzgewehr, wie es der Onkel befiehl. Nur Gerd, der weichere der beiden Brüder, widersetzt sich, was harte Strafen zur Folge hat. Als der Krieg ausbricht, ist Onkel Johann bereits als Kinderarzt im Euthanasieprogramm der Nazis tätig. Während Paul sich bei der Waffen-SS bewirbt, versucht Gerd den Krieg in einer Schreibstube zu überleben. Doch Onkel Johann macht sich dafür stark, dass Gerd an die Front kommt, wo er schon nach drei Wochen fällt.

Die beiden Geschichten setzen sich fort, wir erfahren von dem Leben, das Pauls Mutter in Südamerika führte, von Pauls Rache an seinem Onkel und von seiner Familie. Der starken Ehefrau Anne, die ihm den Halt gibt, den er fast verloren hat. Von seiner Tochter Ina, die ein uneheliches Kind großzieht. Und dann treffen sich die Erzählungen endlich. Denn es ist auch der Bericht von Paul und seiner Enkelin, Pipifloh, durch die er vor seinem Tod endlich über die Taten sprechen kann, derer er sich bei den Nazis schuldig gemacht hat. Und auch über Florianes Werdegang bei der Antifa, ihrem Widerstand gegen Konventionen und der Geburt ihrer eigenen Tochter.

Die Geschichte ist einfach nur wundervoll und so bekannt. Denn fast jeder von uns hat eine solche oder ähnliche Familiengeschichte. Und fast immer sind es auch dort die Frauen, die alles zusammenhalten.

Ein ganz enormes Buch! Tun Sie sich etwas Gutes und lesen es.

Denn Familie sind wir trotzdem, Heike Duken, Limes, gebundene Ausgabe, Seiten 286, ISBN 978-3-8090-2729-4, Euro 20,00 Euro.

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