Leonardo Sciascia: Einmal in Sizilien

Wer Sizilien kennenlernen möchte, wer seinen Zauber ebenso wie seine dunkle Vergangenheit verstehen will, muss Leonardo Sciascia lesen. Eigentlich sind zu diesen Worten nichts mehr hinzuzufügen um die Welt der Sizilianer zu begreifen. Die Armut die in dieser kargen Landschaft geherrscht hat, hat die Menschen und ihre Gesellschaft geprägt. In der neueren Zeit durch Tourismus werden diese Zustände nicht mehr so deutlich. Die Mafia und ihre legale Gesellschaften haben diese Insel immer noch fest in ihrem Griff. Das soll uns Touristen aber nicht abhalten diese landschaftlich schöne Gegend zu besuchen und den Kontakt mit den Bewohnern zu suchen.

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Foto Effigie

Leonardo Sciascia wurde 1921 in Racalmuto auf Sizilien geboren. Schon während seiner langjährigen Tätigkeit als Volksschullehrer arbeitete er nebenbei als Schriftsteller und Journalist. Ab 1957 widmete er sich ausschließlich dem Schreiben. Sciascia verfasste zahlreiche Kriminalromane, Erzählungen, Essays und auch Gedichte. Er starb 1989 in Palermo.

Archaisch ist diese Welt, schön und doch verwirrend. Selbst das gleißende Licht des Südens vermag in die dunklen Verflechtungen kaum einzudringen. Sein Leben lang hat Leonardo Sciascia wieder und wieder über seine Geburtsinsel geschrieben, über brutale Gutsherren, ausgebeutete Arbeiter in den Schwefel- und Salzminen, über habgierigen Adel, die Armut von Kindern, die um die Schulspeisung betteln, über Honoratioren, die sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen, um die Bauern auszupressen, und deren einzige Hinterlassenschaft auf Erden die Mulde im Sessel des Clubs ist.

Die faschistische Vergangenheit hat dieses Leben ebenso geprägt wie die Machenschaften der Mafia. Präzise und schnörkellos schreibt der Schullehrer Sciascia seine Beobachtungen auf – und malt dabei ein faszinierendes Bild, das uns in seinem Facettenreichtum diese Welt ein gutes Stück näherbringt.

Leonardo Sciascia: Einmal in Sizilien, aus dem Italienischen von Sigrid Vagt, Wagenbach SALTO [261]. 144 Seiten. Rotes Leinen. Fadengeheftet, ISBN 978-3-8031-1360-3, 18,– €

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