Pest allein reicht nicht. Aber wenn man wie Heike Stöhr gründlich recherchiert, es einem nicht auf die eine oder andere Leiche ankommt, die nicht der Pest zum Opfer fällt, das Ganze mit einer Amour Fou würzt, den Leser miträtseln lässt und überrascht, hat man das, was dieser Rezension zugrunde liegt: einen überaus spannenden Kriminalroman, der im Mittelalter angesiedelt ist. Die Handlung ist fesselnd und gut durchdacht und hält den Leser bei der Stange. Mir gefällt die Sprache. Zusammen mit den historischen Begebenheiten und Orten, den Beschreibungen des Lebens zu Zeiten der Pest oder etwa der Alltag einer Witwe oder das harte Leben der Bergleute, ergibt es ein rundes, authentisches Bild jener Zeit. Alles von der Autorin sehr gut recherchiert, man spürt, dass die Autorin Pirna sehr gut kennt und u.a. Geschichte studiert hat. Wer darüber hinaus mehr über die Pest, die Medizin und den Bergbau im 16. Jahrhundert erfahren möchte, dem empfehle ich das Nachwort. Die Charaktere sind lebendig und die Weiterentwicklung des Protagonisten Valentin, der auf der Suche nach der Wahrheit ist und seinen Bruder vor dem Henker retten will und der Protagonistin Magdalena, der jungen Witwe, die zu einer mutigen, starken Frau reift, gibt der Geschichte einen besonderen Dreh und erhöht die Kurzweiligkeit. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, einiges lernen können und Lust bekommen die Altstadt von Pirna zu entdecken. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Jo Nesbø: Eifersucht
Mit diesem Werk macht der norwegische Autor den Menschen eine Freude die sich nur für kurze Zeit mit Krimis zurückziehen können. Aber diese sieben Kurzgeschichten haben es in sich. Wie seinerzeit Roald Dhal oder Ellery Queen schaffte es seine Leserschaft zunächst auf die falsche Fährte zu locken um dann mit einer Volte ein überraschendes Ende zu präsentieren. Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau ist garantiert. Bei der Titelgeschichte, Eifersucht, beschreibt der Autor diesen menschlichen Ausnahmezustand so genau, dass die meisten der Leser diesen Zustand nachvollziehen können weil die meisten von uns in schon einmal erlebt haben. Weiterlesen
Heimwehküche Vegetarisch, Madeleine und Florian Ankner

Die Serie Heimwehküche vom DK Verlag ist von sich aus eine gelungene Sache. Der Titel Heimwehküche lädt ein zu einer Küche mit deutschen Wurzeln von Nord nach Süd, von Ost nach West. Gerichte die regional gekocht werden, aber woanders wenig bekannt sind. Also eine Einladung über den Tellerrand hinauszuschauen. Es sind schon erschienen Heimwehküche „Lieblingsessen aus Omas Küche“ und Norddeutsche Heimwehküche „Die besten Rezepte von Ostfriesland bis Rügen“.
Jedes Mal von einem anderen Autorenteams. Dieses Mal von dem Ehepaar Madeleine und Florian Ankner.
Olia Hercules, Landküche, Traditionelle Rezepte und Geschichten aus der Ukraine
Wer heute ein Kochbuch schreibt, der befasst sich nicht nur mit den Rezepten und Bildern zu den Gerichten. Man erzählt mehr, z.B. bei einem Buch mit Wildgerichten von der Jagd, der Hege und Pflege und wie gesund Wildfleisch ist oder bei einem veganen Kochbuch, wo die Gemüse herkommen, aus China, Georgien oder Südamerika. Wie man sie lagert und ganzheitlich verarbeitet. Olia Hercules „Landküche“ mit dem Beititel „Traditionelle Rezepte und Geschichten aus der Ukraine“. Auch wenn die Rezepte überwiegen, liegt in diesem Buch die Betonung auf die Geschichten.
Martin Beyer: Tante Helene und das Buch der Kreise/ Interview mit dem Autoren
Man kann eine Familiengeschichte so oder so erzählen. Oder wie Martin Beyer! Ihm ist gelungen, das Leben der Helene K. in einer packenden, aufwühlenden Geschichte zu erzählen. Beruhend auf persönlichen Gesprächen mit der Künstlerin Irene Wedell zeichnet der Autor einfühlsam und respektvoll das Bild der authentische Protagonistin Helene Klasing. Eine vielseitig talentierte Persönlichkeit, die in der Nachkriegszeit heranwächst. Eine Zeit, die durch ständigen Wandel bestimmt wird: wirtschaftliche Veränderungen und Besserungen, gesellschaftspolitische Bestrebungen, die in der 68er Bewegung ihre vorläufige Hochzeit erleben. Helene, mittlerweile Studentin und mit Harry einem Studenten auf Lehramt liiert, der zum inneren Kreis der 68er Bewegung gehört, erkennt schnell, dass diese Bewegung nicht ihre Bewegung ist. Sie wird weder als Frau noch Künstlerin ernst genommen und selbst Harry bezweifelt ihre intellektuellen Kapazitäten, um an den Grundsatzdiskussionen teilzunehmen.
Karin Smirnoff: „ Mein Bruder“
Gastrezension: Rolf Meier-Lenz
Der Roman „Mein Bruder“ ist der Auftakt einer Trilogie um die Ich-Erzählerin Jana Kippo,die in Schweden – nach einer halben Million verkauften Büchern – bald zur TV-Serie werden soll. Am Anfang vom ersten Band eins, der hier vorgestellt wird, stapft Jana Kippo durch tiefen Schnee. Sie ist auf dem Weg zu ihrem Zwillingsbruder, der auf dem Gehöft ihrer Eltern in der nördlichen Provinz Västerbotten lebt. Schon auf der ersten Seite von „Mein Bruder“ spürt man , dass diese Heimkehr für die Mittdreißigjährige alles andere als einfach wird. Doch wenn Jana ihren alkoholabhänigigen Zwillingsbruder davon retten will, sich zu Tode zu trinken, muss sie bei ihm bleiben – an diesem Ort, an dem beide als Kinder Schreckliches erlebt haben. Es sind kurze, knappe Sätze in denen die Autorin in Flashbacks von der Kindheit erzählt die die Kippo-Zwillinge durchgemacht hatten. Vom Vater, der die Tiere auf dem Hof quält, die Tochter missbraucht, den Sohn misshandelt. Und die Mutter sieht dem Treiben tatenlos zu. Selbst vom Ehemann misshandelt versucht sie Zuflucht in Bibelsprüchen die sie hundertfach in Zierdeckchen stickt .Die erwachsene Jana Kippo erzählt davon mit abgründigen Humor – genauso wie von ihrer Gegenwart, in der sie einen Job als Altenpflegerin im Dorf annimmt und dabei auf Familiengeheimnisse stößt. Weiterlesen
Ofen Express, Rukmini Iyer, Kochbuch

Great Briten einst ein führendes Land, doch seine Küche war alles andere als berühmt. Eigentlich wurde diese Küche immer belächelt. Etwas muss sich in dem Land getan haben. Seit Jahren kommen ständig gute bis sehr gute Kochbücher von britischen Köchen und Autoren über den Ärmelkanal zu uns ins alte Europa. Zurzeit sogar von dem angesagtesten Koch Ottolenghi, von dem sich sogar große Koryphäen Ideen holen oder abkupfern. Fehlt es uns an dem Wissen oder haben wir nicht den Mut auch auf dem Kochbuchmarkt mitzumischen? Mir wurde vom DK Verlag das Buch von Rukmini Iyer „Ofen Express“ zur Rezension angeboten. Da ich ein Freund von einfacher, geschmackvoller Küche, ohne großes Brimborium, bin habe ich mit Freude zugesagt.
Todesschmerz, Andreas Gruber -Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez (6)-

In diesem sechsten Band um den kauzigen, kiffenden BKA-Ermittler Maarten S. Sneijder und sein rechte Hand Sabine Nemez, lässt Andreas Gruber keine Erschütterung aus.
Obwohl Sneijder immer noch daran arbeitet, das Leck beim BKA zu finden, werden sie zu einem Mord nach Oslo gerufen. Die dortige deutsche Botschafterin wurde ermordet. Sneijder ist wenig erfreut, vor allem weil ihm und Sabine auch noch eine Agentin des BND, Major Cora Petersen zur Seite gestellt wird. In Oslo wird aus dem Mord der Botschafterin plötzlich eine viel größere Sache, sodass Sneijders Team nachreist. Doch das ist ein Fehler, den sie bald mehr als schmerzlich bezahlen müssen.
Ein noch turbulenterer Sneijder/Nemez, als man das von den ersten fünf Büchern gewohnt war. Vor allem fragt man sich als Fan dieser Reihe an manchen Stellen, ob Andreas Grube dem Leser nur eine Falle stellt. Dann hofft man, dass einiges einfach nicht wahr sein kann, was in diesem Teil passiert. Die ganze Reihe ist Hochspannung und in diesem sechsten Band, treibt es der Autor auf die Spitze! Ich kann nur empfehlen: Nicht verpassen!
Was hat die Mücke je für uns getan?, Frauke Fischer, Hilke Oberhansberg

Endlich verstehen, was biologische Vielfalt für unser Leben bedeutet. Schön, dass die beiden Autorinnen Frauke Fischer und Hilke Oberhansberg ein Aufklärungsbuch für eine sinnvolle Überlebensstrategie der Menschen, für ihre selbstverschuldete Klimakatastrophe, geschrieben haben. Nach der Lektüre dieses Buches, und eigentlich habe ich es gewusst, stellt sich hier vorab die Frage: „Sind wir Menschen es überhaupt Wert zu überleben, wenn wir unsere Welt nicht wertschätzen. Sondern nur ausbeuten, verpesten, abholzen und verwüsten? Das durch uns verursachte große Artensterben von Pflanzen, Tieren und Insekten. Ist es da nicht sinnvoll, dass der Mensch genauso ausstirbt. Erdgeschichtlich sind wir dann nur kurz dagewesen. So wie wir mit unserem Lebensraum umgehen, wertschätzen wir nicht, was uns umgibt. Wachstum, Wirtschaftlichkeit und Macht ist anscheinend mehr wert.
Braine, Aliki, Chilvers, Ian, Gwynne, Paul et al.: „Die Geschichte der Malerei. Entwicklungen, Techniken und Motive in der Kunst“
Gastrezension: Dr. Ulrike Bolte
Das schön gestaltete Buch von einem Autorenkollektiv von Kunsthistorikern – sogar auf dem Cover kann man den Pinselduktus van Goghs haptisch erfassen – führt fulminant durch die Kunstgeschichte. Angefangen mit den steinzeitlichen Höhlenmalereien von vor 40000 Jahren, die wahrscheinlich dem Jagdzauber oder schamanischen Praktiken dienten, geht die Reise zu den ägyptischen Grabanlagen, die ganz mit Malereien und Hieroglyphen zum Geleit der Seele im Jenseits bedeckt waren und weiter zur eingeritzten, silhouetteartigen, schwarzfigurigen und aufgemalten naturalistischeren, rotfigurigen Vasenmalerei der Griechen. Daneben werden die verschiedenen Anwendungsgebiete in der Geschichte einer Farbe wie z. B. rot thematisiert als roter Ocker, Mennige, Zinnober, Karmin aus Cochenilleläusen, Krapplack oder Kadmiumrot. Weiterlesen