Wieder einmal ist es Andreas Pflüger gelungen einen Roman vorzulegen der in vielfacher Hinsicht besticht. Zum einen hat der Autor eine Unmenge an Daten und Fakten recherchiert und sie in einen Kontext gebracht der für viele eine Überraschung sein wird. Zum andern lässt er uns einen Blick auf ein Deutschland und besonders auf ein Frankfurt am Main und Umgebung werfen der uns in der heutigen schnelllebigen Zeit vielleicht ein Stück innehalten lässt. Auf dem Cover Bild des Buches ist das IG Farbenhaus, das die Universität Frankfurt heute beheimatet, zu sehen. Die IG Farben waren seinerzeit, vor dem Krieg, eng mit anderen multinationalen Firmen verflochten. Geschäfte wurden vor und während des Krieges gemacht. Dabei wurde die Partei der Nationalsozialisten großzügig unterstützt und das Deutsche Reich mit Milliarden gestützt. Diese Verflechtungen und der Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und in eroberten Gebieten nehmen breiten Raum in diesem Roman ein. Er zeigt ein intensives Bild von außen auf die Jahre 1943-1948 in Deutschland, dass man so selten findet. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Beste Bilder 12
Wieder ist es dem Laban Verlag gelungen die Werke der großartigen Cartoonisten Deutschlands in einem Buch zu versammeln. Die Lektoren hatten die Auswahl aus 3000 eingereichten Cartoons die besten auszuwählen. Für mich sind die besten Bilder Bücher immer ein besonderer Jahresrückblick. Denn Cartoons bringen es auf den Punkt was lange Artikel meist nicht vermögen. Sie sind vielschichtig und klarsichtig manchmal einfach nur auf ihre Art böse. Mit diesem Werk hat man auch in späteren Jahren die Möglichkeit nachzuschlagen was die Menschen im Jahre 2021 besonders berührt hat. Zweifellos war es wieder Siegerentwurf von AD Karnebogen zeigt, der Klimawandel in Verbindung mit Wahlkampf. Weiterlesen
G.D. Abson: Tod in weißen Nächten
Wenn ein Debüt-Autor von seiner Geschichte so überzeugt ist, dass er sie von vorneherein als Mehrteiler anlegt und sein Verlag bereit ist, diesen Weg mitzugehen, wird man neugierig. Um es gleich zu sagen: ich wurde nicht enttäuscht! Aber was kann die Protagonistin Natalja Iwanowa, was andere Ermittler nicht können? Als Frau in einem korrupten System, die ihre Kindheit in Deutschland verbrachte und davon geprägt ist, schaut sie vielleicht genauer hin und hört im Zweifelsfall auch auf ihr Bauchgefühl. Natalja ist keine abgewrackte, desillusionierte und korrupte Kommissarin, die Dienst nach Vorschrift schiebt, sondern – wenn sie es als erforderlich erachtet – gegen die Vorschriften handelt und für die Wahrheit kämpft. Die Protagonistin ist ein Familienmensch, die bewusst auf eigene Kinder verzichtet, sich aber um Anton, den Sohn ihres Mannes Mikhail kümmert und dafür sorgt, dass rechtzeitig die Schmiergelder bezahlt werden, damit es mit der Karriere von Anton voran geht. G.D. Abson führt den Leser in das reale St. Petersburg des 21. Jahrhunderts. Es gelingt ihm, mit seinem Schreibstil eine atmosphärische Dichte aufzubauen, gepaart mit Gespür für das richtige Tempo. Er hält den Spannungsbogen, unterstützt von unerwarteten Wendungen gekonnt bis zum Ende und löst ihn sauber auf. Ich gratuliere G.D. Abson zu seinem gelungenen Debüt und bin gespannt auf den nächsten Fall für Natalja Iwanowa und hoffe, dass er nicht zu lange auf sich warten lässt. Weiterlesen
Ottolenghi Test Kitchen, Shelf Love, Neue Rezepte aus der Speisekammer
Wenn man Rezensionen verfasst, benötigt man immer einen guten Einstieg. Bei diesem Buch von Ottolenghi und seinem Team, dem OTK Ottolenghi Test Kitchen habe ich gleich drei verschiedene Aufmacher.
Einstieg 1: Für Personen denen Yotam Ottolenghi kein Begriff ist, fragen sich, was ist das denn für ein Buch. Optisch mit seinem Orange und Pink. Titel Shelf Kitchen schwer zu verstehen, nicht einladend mit optisch köstlichem Gericht. Mein Chefredakteur, der als erster das Buch in die Hand bekommen hat, fragte mich, was ist das? Meine Antwort: Ja, das ist Yotam Ottolenghi, seine Bücher sind in der Szene so bekannt, dass er sich das erlauben kann.“
Einstieg 2: Ich sammele alles was es an Kochbüchern, Rezeptheftchen und auch an handgeschrieben Aufzeichnungen von Großmutter, Urgroßmutter, älteren Nachbarinnen oder Großtanten zu finden ist. Gerade die handgeschriebenen Rezepte, zum Teil in Sütterlin geschrieben, haben viele interessante Tipps und Tricks drin. Diese Handhefte wurden in den Küchen eingesetzt, beim Kochen gelesen, dazugeschrieben und waren meistens in Folie eingewickelt. Was macht das Yotam Ottolenghi? Er hat den Umschlag wasserfest und somit abwaschbar gemacht. Auch er möchte, dass man das Buch nicht ins Regal stellt, sondern in der Küche benutzt und bietet sogar Platz zum Eintragen von eigenen Verbesserungen, Zutaten, etc.
Einstieg 3: Ich koche aus und mit Leidenschaft und es bereitet mir Freude, die Familie mit leckeren Essen zu verwöhnen. Was ich nicht mag, sind überfüllte Kühlschränke. Daher ist unser Kühlschrank immer gut aufgeräumt. Wie sagt dann aber meine Frau immer: Wenn ich in den Kühlschrank schaue, finde ich nichts zum Essen. Mein Mann geht in die Küche, schaut in den Kühlschrank und hat ein leckeres Gericht zusammen. Genauso hat Yotam Ottolenghi mit seinem Team jetzt dieses Kochbuch verfasst. Nichts eingekauft, mit dem Vorhandenen ein Essen gezaubert. Hierzu will Yotam Ottolenghi uns mit diesem Buch animieren. Räumt die Speisekammer und den Kühlschrank auf und macht was draus. Weiterlesen
Jean-Luc Bannalec: Bretonische Idylle
Mit dem zehnten Band der Reihe um Kommissar Dupin haben der Protagonist und seine Mitarbeiter mitten in der Augusthitze den zehnten Fall auf dem Tisch. Ein Mord an einem reichen Schafzüchter, ausgerechnet auf der Insel Belle-Ìle, die nur mit dem Boot zu erreichen ist. Allein das eine Herausforderung für den Kommissar. Wie alle anderen Verbrechen zuvor, kommt auch dieses ungelegen: die Vorbereitungen für George Dupins zehnjähriges Dienstjubiläum in der Bretagne sind in vollem Gange. Außerdem soll er sich in einem Test als Bretone erweisen. Da lässt sich auch der Autor nicht lumpen und lässt es krachen! Bannalec verwöhnt uns einerseits mit stimmungsvollen gleichsam farbenprächtigen Beschreibungen der bretonischen Landschaft, andererseits serviert er kulinarische Highlights, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen, verbunden mit kulturellen, teils keltischen Bräuchen. Gekonnt baut Bannalec den Spannungsbogen auf und hält ihn – dank vieler Verdächtigen und auch dank des Tempos – bis zum Schluss. Die bekannten Figuren, mittlerweile zu gern gesehenen Freunden geworden, entwickelte der Autor konsequent weiter und lässt seinen Protagonisten zur Hochform auflaufen. Möge es nicht der letzte Fall für Dupin sein! Weiterlesen
Ulrich Hoffmann: Mord in Venedig
Venedig mit seiner wechselvollen Geschichte – seit Jahrhunderten beschrieben, gemalt und besungen, geheimnisvoll, strahlend schön und immer wieder Schauplatz für Verbrechen – hat nichts von seiner Anziehungskraft verloren und so hat Ulrich Hoffmann die Lagunenstadt zu seinem Tatort auserwählt. Sein flüssiger Schreibstil macht Freude, die Stadt mit den Augen des Autors wieder zu entdecken und Lust auf eine Reise dorthin. Venedig entdecken wollte auch Hoffmanns Protagonistin, Kaitlyn „Cat“ Picard mit ihren Teenager-Zwillingen Leo und Leonie. Leider richten sich Mörder und ihre Opfer nicht nach den Schulferien und so macht Tatortfotografin Kaitlyn was sie immer macht: Multitasking. Auch wenn ich ihr die quality time mit ihren Kindern von Herzen gönne, auf ihre Suche nach dem Täter quer durch Venedig, von prächtigen Palazzi bishin zu den Glasbläsereien von Murano, möchte ich nicht verzichten und eine unerwartete Wendung während der Ermittlungen sorgen für das Salz in der Suppe. Ulrich Hoffmann hat seine Figuren interessant mit Entwicklungspotential nach oben angelegt und thematisiert Kaitlyns Beruf, die Fotografie, angemessen und allgemein verständlich. Von vorneherein europäisch angelegt, dürfen wir gespannt sein, an welchen Hotspot uns der nächste „Mordort“ führt. Weiterlesen
Frank Goldammer: Feind des Volkes, Max Hellers letzter Fall
Mit seinem neuesten Kriminalroman macht er, der Autor Frank Goldammer, hoch spannend und atmosphärisch dicht deutlich, warum es noch erhebliche mentale Unterschiede zwischen Ost und Westdeutschen gibt. Bücher, die in dieser Deutlichkeit die Unterschiede herausarbeiten sind selten. Es wird deutlich dass die Menschen in Ostdeutschland quasi nahtlos von der Nazidiktatur zu einer Diktatur von in „Kommunisten“ übergeleitet wurden. In der DDR, das wird in diesem Buch deutlich, wurden viele, auch staatstreue Bürger, abgehört, drangsaliert und auch schnell weggesperrt. Familien werden entzweit und das gesäte Misstrauen untereinander war präsent. Nach der Wende war einsehbar, dass es berechtigt war. Mit seinem siebten Buch über den Kriminalkommissar Heller ist diese Serie beendet. Weiterlesen
Ein Weingut für sein Schweigen, Paul Grote

Ich bin ein Paul Grote-Fan und kann es gar nicht erwarten, dass sein neuer Weinkrimi, besser anders beschrieben, Weinführer herauskommt. Jetzt liegt er vor mir. Mit einem Untertitel rechts unten in der Ecke, auf einem Weinblatt „Mord in Sachsen“. Das Schöne an den Krimis von Paul Grote ist, er führt uns jedes Mal in eine neue Weingegend, zu neuen Weingütern, Winzern und ihren Weinen. Dieses Mal in den Osten Deutschlands, in das neue Bundesland Sachsen. Deutschlands östlichste Weingegend mit schwierigen klimatischen Verhältnissen. Wie alle seine Bücher immer ein kriminalistischer Weingenuss.
Homer Pym und der Gefangene von Ithaka, Jugendbuch ab 10 Jahre

Nach dem ersten Teil des Kinderbuchs Homer Pym und der Junge aus dem Film, das letztes Jahr erschienen ist, warteten kleine Leser bestimmt schon sehnsüchtig, wie es weitergeht. Jetzt ist der zweite Teil auf dem Markt und das spannende Abenteuer geht weiter. Erst einmal ist Homer Pym und die magische Reise in das Land des Odysseus mit dem zweiten Teil beendet. Aber es wird nicht verraten, was passiert und wie es ausgeht.
Auf jeden Fall haben Homer, seine Freunde Sascha, Lylou, seine tapfere Tante Nina, der schüchterne Telemachos und natürlich die Rennmaus Bibi noch einige brenzlige Situationen zu meistern. Vielleicht kann das Geheimnis um das Verschwinden von Homers Vater gelöst werden. Dabei begegnen sie natürlich wieder den Sagenwesen, Göttinnen und mit etwas Glück endlich auch Odysseus.
Seyda Taygur: Sissys Kitchen Meet & Eat
Wenn der Spiegel Seyda Taygur in ihrer Bestseller-Autorenliste führt, muss doch etwas dran sein. Das zweite Buch von der Foodbloggerin – Influencerin ist nach dem großen Erfolg ihres ersten Buches Sissys Kitchen Lecker kochen für deine Lieblingsmenschen, erschienen. Dieses Mal Sissy Kitchen 70 unwiderstehliche und einfache Rezepte für jeden Tag. Anders als im ersten Buch bewegt sie sich jetzt mehr in Europa und nur ein kleiner Teil aus ihrer Heimat der Türkei.