Was weiß ich über Korea? Die Hauptstadt ist Seoul. Es gibt Nord- und Südkorea, LG und Samsung. Und dann gibt es noch den K-Pop. Koreanische Pop Musik. Mit ihrer Attraktivität und einer perfekten Performance verzaubern die koreanischen Musiker und stürmen die internationalen Charts. Die Gruppe BTS schaffte es mit ihrem Album »Love yourself: Tear« 2018 an die Spitze der US-amerikanischen Billboard 200 (Albumcharts). Und so fragt man sich zu Recht: ist die Schönheit der Koreaner Gott gegeben oder von Halbgöttern in weißen Kitteln erschaffen? Frances Cha gewährt uns in ihrem Debütroman einen schonungslosen Blick hinter die Kulissen und auf die koreanische Gesellschaft. Ihre Tochter wünscht sich zum 18. Geburtstag eine Brust-OP? Da kommen sie ja noch verhältnismäßig gut bei weg. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Todesrache, Andreas Gruber

Maarten S. Sneijder, der wohl skurrilste Profiler des BKA ist in großen Nöten. Er glaubt, fast alle seines Teams verloren zu haben, vor allem Sabine Nemez, sein Eichkätzchen. Er sah die junge BKA-Beamtin in einem Schiffswrack untergehen. Oder auch nicht? Denn als er gerade aufgeben will, erhält er einen kurzen Telefonanruf und ist sich sicher, das war Nemez. Danach gibt es kein Halten mehr, ein neues Team wir zusammengestellt und die Schnitzeljagd der Suche ihres Aufenthaltsorts beginnt. Gut das Sneijder wenigsten den Interimschef Drohmeier als Verstärkung hat. Zeitgleich werden ein Richter und fälschlicherweise die Freundin der Tochter von einem Campingplatz entführt. Schnell wird klar, das Verbrechen steht im Zusammenhang mit Nemez Verschwinden. Und an der Stelle trifft Sneijder auf den Vater des entführten Mädchens, Kommissar Pulaski aus Leipzig. Damit vereint Andreas Gruber die Protagonisten von zwei seiner Serien zu einem schlagkräftigen Team.
Buch sieben der BKA-Reihe wird mit der Rache-Serie um Kommissar Pulaski gekreuzt, so wie man das schon bei den CSI-Serien im Fernsehen miterleben durfte. Für Fans von Andreas Gruber ein echtes Bonbon. Wer die Pulaski Serie jedoch nicht kennt, erlebt einen siebten Sneijder und wird erleichtert feststellen, dass bestimmt noch ein achter Teil folgen wird. Denn diese Serie ist immer gute Thriller-Unterhaltung.
Carlo Feber, Der Tote Champagner – Präsident, Cédric Bressons erster Fall
Was für eine Geschichte vom erfolgreichen Kommissar in Paris zum Champagnerwinzer. Ich als Weinfreund, der immer damit geliebäugelt hatte, ein eigenes Weingut zu besitzen, bin natürlich tierisch neidisch auf Le Commissaire Cédric Bressons und sein Glück, eine Champagnerwinzerin geheiratet zu haben und jetzt den schwierigen Weg gehen muss, sich vom Schwiegervater zum Winzer umschulen zu lassen – müssen. Ich hätte es auch gewagt. Carlo Feber ist mit dieser Idee, ein Kommissar als Champagnerwinzer, mit der Hauptfigur Cédric Bressons, ein interessanter Auftakt gelungen.
Solothurn blickt in den Abgrund, Christopf Gasser

Bomben in den Briefkästen linker Politikerinnen, ein Brand in einer Frauenrechtsorganisation und die Entführung von Rana Amidi halten Solothurn in Atem. Ausgerechnet die Syrerin Rana ist eine gute Freundin von Pia, der Tochter des Polizeihauptmanns Dornach. Und da Pia sich immer gerne mit ihrem Wagemut in Schwierigkeiten bringt, ist Dornach, die Staatsanwältin Casagrande und sein Team plötzlich mittendrin in den Fällen. Als dann auch noch einer der Kettenhunde der ›Helvetischen Wacht‹, dem Sicherheitsdienst der rechten Fortschrittspartei, ermordet wird, fliegt Dornach ein politisches Donnerwetter um die Ohren. Denn plötzlich geht es um einen skrupellosen arabischen Emir, arabische Diplomaten und deren Killerbrigaden.
Christof Gasser hat aktuell brisante Themen aufgegriffen und zu einem politischen Actionthriller verarbeitet. Denn als Krimi kann ›Solothurn blickt in den Abgrund‹ nicht mehr durchgehen. Neben dem bitteren Sujet der Handlung brilliert Gasser mit liebenswerten Protagonisten, viel Familienwärme und Schweizer Charme. Ein richtig toller Thriller!
Nachmittage, Ferdinand von Schirach

Die kurzen Geschichten in dem neuen Band »Nachmittage« von Ferdinand von Schirach sind leise Erzählungen. Auch wenn sie zum Teil von einer tiefen Melancholie geprägt sind, wirken sie weder mutlos noch machen sie den Leser traurig. Es sind Geschichten aus dem Leben, deren Atmosphäre fast greifbar ist und von denen man nicht genug bekommt. So musste ich das Buch, das ich am Abend begann, lesen bis zum Ende und dabei spielte es keine Rolle, dass es tiefe Nacht geworden war.
Es ist sehr tröstlich, dass es noch Autoren gibt, die mit Worten eine gewisse Magie erschaffen können. Und trotz der unglaublichen Beobachtungen, die einen an unserer jetzigen Welt fast verzweifeln lassen, gibt Ferdinand von Schirach Hoffnung mit.
Gloria Naylor: Die Frauen von Brewster Place
Mit ihrem Debütroman »Die Frauen von Brewster Place« legte Gloria Naylor vor 40 Jahren den Grundstein für ihre äußerst steile Karriere und inspirierte Oprah Winfrey eine erfolgreiche Miniserie basierend auf dem Buch zu produzieren, in dessen Zentrum sieben schwarze Frauen stehen. Jede Geschichte in Die Frauen von Brewster Place für sich genommen ist fesselnd und obwohl jede Geschichte nur tangential mit jeder anderen Geschichte verbunden ist, bietet die Autorin eine Gesamteinheit, die den Roman trägt. Und zwar nicht in herkömmlicher linearer Struktur, sondern unter Verwendung von mehreren Miniplots, die das Leben der einzelnen Protagonistinnen beleuchten und der Autorin ermöglichen, sich auf die Charaktere zu fokussieren. Und es gelingt Naylor ihre Figuren überzeugend zu entwickeln. Jede Frau wird mit ihrer eigenen einzigartigen Persönlichkeit präsentiert, die fein ausgearbeitet ist, so dass sie sowohl einprägsam als auch kraftvoll daherkommt. Weiterlesen
Ralph Knobelsdorf: EIN FREMDER HIER ZU LANDE
Im Band 2 der Reihe „Ein Fall für Wilhelm von der Heyden“ geht es um einen erstmalig in Berlin festgestellten Serienmörder. Diese Feststellung konnte nur getroffen werden da neue Methoden zur Ermittlung von Straftätern eingeführt wurden. Das Werk macht uns außerdem mit der Klassengesellschaft dieser Zeit bekannt. Wahlrecht nach Steueraufkommen, kein Frauenwahlrecht und keine Möglichkeit militärische Straftäter durch bürgerliches Recht zu belangen. Wer heiraten wollte benötigte die Zustimmung der Eltern. Ein Kriminalroman, der eindringlich die gesellschaftlichen Gegebenheiten durchleuchtet. Weiterlesen
Sonia Purnell, Eine gefährliche Frau, Die Geschichte von Virginia Hall, der meistgesuchten Spionin des zweiten Weltkrieges
Eine Rezension zu schreiben ist immer eine Herausforderung! Mit eigenen Worten das Wichtigste zu formulieren und doch nicht zu viel preiszugeben. Jetzt liegt mir das Buch von Sonia Purnell auf dem Schreibtisch, auf der Rückseite nur ein sehr kurzer Text: Virginia Hall: Eine mutige Frau kämpft allen Widerständen zum Trotz gegen Nazideutschland und für die Freiheit. Darunter: „Herausragend – so spannend wie ein Thriller. Man kann dieses Buch kaum aus der Hand legen“.
New York Times. The Book of the The Year: Amazon – New York Public Library – Seattle Times – Washington Independent Review of Books – Minneapolis Star Tribune – BookBrowse – Spectator – Times of London. Muss man da noch eine Rezension schreiben?
Abrechnung in Brodersby, Stephanie Ross

Dieses Mal wird in Brodersby abgerechnet. Und zwar mit einer sehr alten Sache, die den sympathischen Landarzt und ehemaligen Leiter einer Bundeswehrspezialeinheit bis heute verfolgt. Dabei fängt es ganz harmlos an, mitten in der Vorbereitung seiner Hochzeit, treibt sich plötzlich eine rechtsradikale Gruppe in Brodersby rum. Dann bricht jemand in Jörg und Andreas Haus ein. Gleichzeitig meldet sich Jans ehemaliger Chef von der Bundeswehr und möchte ihn für einen Fall gewinnen. Man vermutet kriminelle Subjekte, die mit Diebstahl von Waffen ein Vermögen gemacht haben und definitiv Insider waren. Das wahrscheinlich auch Jans letzter Einsatz, bei dem er seinen Kameraden und besten Freund Michael verlor, mit den miesen Geschäften zu tun hatte, erleichtert Jan die Zusage. Immer noch kämpft er mit posttraumatischen Belastungsstörungen, wegen dieses Einsatzes und wird das Gefühl nicht los, dass sein Team verraten wurde.
Was die Geschichten von Brodersby so toll machen, ist eine Mischung aus knallharter Action und den tiefen Freundschaften von anständigen Menschen. Darum liest man die Abenteuer von Jan Storm so gerne, weil man weiß, das Gute wird siegen. Und ganz nebenbei, der Krimi ist eigentlich immer ein Thriller mit einem James Bond ähnlichen Showdown.
Warsan Shire: Haus Feuer Körper
Für Beyoncé Fans ist Warsan Shire keine Unbekannte, arbeiteten doch beide an den Projekten Lemonade und Black is King zusammen. Alle anderen – so wie ich – haben mit dem vorliegenden, zweisprachigen Gedichtband (englisch und deutsch) Gelegenheit, die Dichterin kennenzulernen. Immerhin gilt Warsan Shire als aufregendste und etablierteste, zeitgenössische Stimme der Poesie. Zugegeben, ich war neugierig und unvorbelastet. Die Poetin thematisiert in ihren Gedichten die Metaphorik der Weiblichkeit, Familie, Vergewaltigung und Auswanderung. Obwohl Shire über schmerzhafte Themen schreibt, ist ihre Sprache geschliffen, ihr poetischer Stil und der Inhalt eher statisch bis zum Ende. Hier verstrich die Chance, eine diverse und dynamische Geschichte zu erzählen, ungenutzt. Shires Botschaft der Belastbarkeit innerhalb der Zuwanderungserfahrung geht in der Monotonie der Dichtung verloren. Dafür verlangt sie ihren Lesern Selbstorientierung ab. Ich wünschte mir einen »roten Faden«, der mich durch diese tief erschütternden Gedichte führen kann. Selbstverständlich ist es nicht die Aufgabe der Dichterin dafür Sorge zu tragen, dass ich mich behaglich fühle. Um allerdings den Gedichten den verdienten Respekt zu zollen, fehlt mir etwas. Vielleicht sind es die Erfahrungen der Dichterin, die ich nicht gemacht habe. Schließlich sind die Gedichte zutiefst persönlich und in einer komplexen Familiengeschichte verwurzelt. Mit einer solchen Fülle an Emotionen, die die Gedichte in mir hervorriefen, habe ich nicht gerechnet. Sie trafen mich »volle Breitseite«. Weiterlesen