Natalie Livingstone ist akademisch an dieses umfassende Thema herangegangen: akribisch recherchiert und verständlich aufbereitet. Sprachlich und stilistisch bleibt Livingstone sachlich und macht klar: dies ist kein Roman. Davon zeugen schon die ca. 140 Seiten Danksagung, Personenregister, Namen und Begriffe sowie umfangreiche Quellenangaben. Dennoch ist es der Autorin gelungen, ein faszinierendes, zugängliches und fesselndes Buch vorzulegen. Livingstone holt die Rothschild-Frauen aus dem Schatten ihrer illustren Männer und wir lernen beeindruckende Frauen kennen. Um nur eine zu nennen: Gutle Rothschild, geborene Schnapper, aus Frankfurt am Main, heiratet Mayer Amschel Rothschild 1770. Sie ist die Ur-Mutter der Familie. Und sie denkt nicht nur über ihren Tellerrand hinweg – sie denkt international und schickt selbst noch ihren erwachsenen Söhnen Care-Pakete in deren neue Heimaten. Weiterlesen
Kategorie: Buchbesprechungen
Rebecca Gablé: DRACHENBANNER, Ein Waringham-Roman
Um es einmal ganz flapsig zu sagen: die Frau Gablé hat‘s einfach drauf. Ihre Bücher die die Fangemeinden nunmehr mit Bd. 7 enthusiastisch begrüßt haben, sind einfach in ihrer Erzählweise stimmig. Sie flicht die romanhafte Erzählung in den tatsächlichen historischen, der tatsächlich sehr verwirrend ist, Kontext so ein, dass es eine runde und spannende Geschichte wird. Dabei lernen wir, dass dieses Mittelalter keine romantische Angelegenheit war, sondern eine blutige von Hunger und Rechtlosigkeit geprägte Zeit. Auf der anderen Seite sehen wir die Fürsten und Könige seinerzeit gefeiert und ihre Marotten ausgelebt haben. Die Engländer hatten mit ihrer Magna Charta eigentlich die erste demokratische Basis für ein Parlament geschaffen das dann aber durch den König zurückgenommen wurde. Die Autorin schafft es uns diese Zeit des Umbruchs mit allen Höhen und Tiefen nachvollziehbar und manchmal sehr drastisch vor Augen zu führen. Weiterlesen
Die Tote im Sturm, Kristina Ohlsson

Der Name Kristina Ohlsson, bedeutet bei Schwedenkrimis garantiere Spannung. So auch der Auftakt für eine neue Serie, die an der Küste zum Kattegat in der Nähe der norwegischen Grenze spielt. Das Besondere an dieser Serie ist wohl, dass August Strindberg ein Aussteiger aus der Stockholmer Finanzwelt als Ermittler eher widerwillig in den Fall gezogen wird. Vor allem weil er kein Polizist, Anwalt oder Privatdetektiv ist. Er kommt nur ausgerechnet in der Nacht in seiner neuen Heimat an, als eine Frau im Sturm vermisst wird. Der Zufall will es, dass er auch noch das Eishaus angemietet hat, in dem anscheinend vor vielen Jahren ein entsetzliches Verbrechen passiert ist.
Wie immer ist der erste Fall sehr spannend. Es ist auch verständlich, dass Kristina Ohlsson ihren neuen Protagonisten und die Umgebung mit ihren zum Teil eigenartigen Bewohnern genau vorstellen möchte. Jedoch hat bei allem Lesevergnügen das Buch meiner Meinung nach mindestens einhundert Seiten zu viel. Es ist immer noch ein super Krimi, keine Frage, aber es hätte wie eine Bombe einschlagen können, mit weniger Längen.
Chang Kuo-Li, Der grillende Killer, Thriller
Wenn ein Verlag so viel Aufwand betreibt, um einen taiwanesischen Autor auf deutsch mit einem Buch, nicht Taschenbuch, zu verlegen, dann muss doch etwas dran sein! Die Aufmachung und der Titel fand ich nicht so berauschend. Doch lockten mich die Schlagworte auf dem Rückenumschlag: „Meisterhafte Intrigen, Action und Witz!“ Publisher Weekly. Bücher mit Witz und Humor mag ich besonders, gerade wenn sie noch eine sehr gute Aussagekraft haben.
Auf Bewährung, Jonas T. Bengtsson
Auf Bewährung ist ein Krimi, den man als dänischen Roman Noir bezeichnen könnte. Eine unglaublich gut durchdachte Geschichte, die das Leben des von Kindesbeinen kriminellen Danny beschreibt. Bei aller Düsternis des Gangsterviertels in Kopenhagen in dem die drei Freunde, Danny, Malik und Christian groß wurden, hat der Autor Jonas Bengtsson die Erzählung in einen so speziellen Schreibtstil verpackt, dass sie fast leicht vor sich her fließt.
Spannend, außergewöhnlich und mitreißend, so muss man diesen Roman klassifizieren. Die Geschichte ist aber auch dunkel, traurig und für behütet aufgewachsenen Menschen schockierend. Exzellenter Krimi, Thriller oder wie immer man „Auf Bewährung“ nennen möchte.
Sophie Irwin: Wie man sich einen Lord angelt
Ja, wie angelt man sich einen Lord? Erstens: man muss zur Ballsaison in der Hauptstadt sein. Zweitens: sollte man nicht das Glück haben in die Londoner Gesellschaft hineingeboren zu sein und dadurch Zugang zu den Bällen und Soireen zu haben, sollte man a) über ein außergewöhnlich gutes Aussehen, Charme, Esprit, Witz, nicht zu vergessen tadelloses Benehmen und b) über Einfallsreichtum und Entschlossenheit verfügen. Des Weiteren ist es äußerst wichtig sich mit den Damen der Gesellschaft bzw. den Müttern geeigneter Kavaliere gut zu stellen. Denn auch wenn man in einer Männerwelt lebt, haben die Frauen das Sagen, wenn es darum geht, welcher Debütantin der eigene Sohn den Hof machen darf. Und man braucht eine einem wohlgesonnene Autorin – in diesem Fall Sophie Irwin, die alle Irrungen und Wirrungen ihres Debütromans im Regency London zu einem guten Ende bringt. Weiterlesen
Männer und Frauen, Yosano Akiko
Yosano Akiko wurde 1878 in Japan geboren. Eine Frau, die ihrer Zeit und ihrer Kultur lange voraus war. Sie war zu vergleichen mit Anita Augspurg 1857 geboren als Tochter eines Anwalts. Beide Frauen arbeiteten in den Geschäften ihrer Väter. Während Augspurg Juristin, Fotografin und eine Hauptfigur in der Frauenbewegung wurde, war Akikos Leben nicht weniger abenteuerlich. Sie bildete sich bereits in jungen Jahren im Eigenstudium in Literatur der großen Dichter Japans, um in späteren Jahren selbst zu einer Meisterin der Tanka-Gedichte, Essays und Manuskripte zu werden. Wobei für sie Frauenrechte, Frauenpolitik und ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen Frau und Mann als das natürlichste der Welt betrachtet wurde.
Eine Stimme die über hundert Jahre alt und dann noch aus Japan so klingt, als ob sie die Welt gestern erst ermahnt hätte, Frauen ihr natürliches gleiches Recht auf alles zu geben, was Männer schon immer für sich eingefordert haben. Ein wunderbares kleines Buch und so passend in einer Zeit, in der Feminismus und Frauenrechte vielerorts wieder mit Füßen getreten werden.
Dina El-Nawab, Markus Stromiedel: Zusammen stirbt man weniger allein
Ich glaube wirklich nicht an Verschwörungstheorien, aber was sonst, als eine Verschwörung könnte hinter diesem Cover stecken? Offen gestanden, im Buchladen wäre ich achtlos an dem Buch vorbeigegangen und das wäre total schade gewesen und hätte mich um einen unterhaltsamen, flott geschriebenen Krimi gebracht, der besonders durch seine verbalen Schlagabtausche der beiden Protagonisten punktet. Als da sind: Anwältin Lizzi, die sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und meist einen flotten Spruch auf den Lippen hat und der von ihrem Vater für sie engagierte Personenschützer Eric. Besonnen, durchtrainiert und dazu auffallend attraktiv. Die Frage, warum er der Meinung war, Lizzi brauche einen Bodyguard, Weiterlesen
„Splendido“ Italienisch Kochen! Mercedes Lauenstein, Juri Gottschall
„Minimales Design, maximales italienisches Lebensgefühl“ Antje Wewer, Salon Magazin. Vorweg: das Buch ist außerordentlich. Ein Buch zum Verlieben. Und doch ein ganz anderer Stil. Mit großer Skepsis und vielleicht schon mit vielen Vorbehalten, aufgrund einiger nicht so guter Erfahrungen bei der Fülle der Kochbuchveröffentlichungen, habe ich dieses Buch in die Hand genommen und erstmal geblättert. Die Bilder sind mehr als einladend und das Vorwort hat alle Zweifel beiseitegeschoben. Das Vorwort hat mir persönlich aus der Seele gesprochen und der Stil und die Art die Rezepte darzustellen noch mehr.
Sturmrot, Tove Alsterdal

Wenn man als Polizistin aus der Großstadt zurück aufs Land geht, ist so etwas meist nicht freiwillig. Eira Sjödin muss wieder bei ihrer Mutter wohnen, die langsam aber sicher dement wird. Leider kümmert sich ihr älterer Bruder Magnus nicht um sie, da er mal mit Drogen und Alkohol zu kämpfen hatte. Das Kleinstadtleben einer Polizistin kann langweilig sein, doch als ein alter Mann erstochen unter der Dusche gefunden wird, kommt eine Lawine ins Rollen, die schon bald alles unter sich zu begraben droht. Denn der Mann, der seinen Vater tot auffindet, ist niemand anderer, als der als vierzehnjähriger Junge verurteilte Vergewaltiger und Mörder Olof Hagström. Er soll damals die sechzehn Jahre alte Linda Stavred missbraucht und erdrosselt haben. Man fand jedoch nie die Leiche, auch wenn Olof nach langen Befragungen die Tat gestand. Als Eira die alten Spuren aufnimmt, sieht die ganze Sache etwas anders aus. Und was sie entdeckt, ist alles andere als erbaulich, vor allem für sie selbst.
Der tolle Beginn einer Serie mit einer menschlich komplizierten Ermittlerin, die mehr in den alten Fall verwickelt ist, als sie es möchte. Auch wenn der Thriller vielleicht fünfzig Seiten weniger vertragen hätte, ist es ein sehr spannender Fall, bei dem man immer wieder falsche Vermutungen anstellt. Weiterlesen