Kategorie: Buchbesprechungen

Sven Stricker: Sörensen sieht Land

Wenn man die Kriminalromane von Sven Stricker liest fragt man sich, woraus resultiert sich der besondere Erfolg diese Bücher? Ein großer Teil der Romane machen die unvergleichlichen Protagonisten aus, die sich alle nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens bewegen. Allen voran hat Kriminalhauptkommissar Sörensen mit seinen Angststörungen beim Aufbau von Beziehungen mit Menschen zu kämpfen. Sein Umfeld ist eben bei all seinen Unternehmungen nicht gerade behilflich dies zu ändern. Die immer bereitet die Sprachakrobatik des Autoren große Freude beim Lesen. Ab und an wird der Lesefluss gestoppt wenn Stricker so im vorbei gehen eine tiefe Lebensweise einflicht, über die man einige Zeit nachdenken muss. Lebensweisheiten garniert mit einem spannenden Krimi, das ist die Marke Sörensen. Weiterlesen

Emily Winston: Der Mordclub von Shaftesbury

Vorne weg gesagt: all diejenigen, die skandinavische Krimis zu ihrer Lieblingslektüre zählen, kommen bei diesem Krimi nicht auf ihre Kosten. Kein Blut, das aus den Seiten fließt, keine Nackenhaare, die sich vor Spannung aufstellen. Stattdessen britischer Humor, viel Lokalkolorit, eine stimmige Geschichte und liebenswerte, skurrile, schön ausgearbeitete Charaktere, von denen mir Lilly, die 8-jährige Tochter des Tierarztes Sam besonders gefällt. Sie ist keine vorlaute Göre, gibt nichts von sich, was einer 12-jährigen zur Ehre gereichen würde, sondern führt altersgerechte Dialoge und ist eine echte Bereicherung für die Geschichte. Und den, der die britische, ländliche Lebensart schätzt und es sich zum Lesen gerne gemütlich auf der Couch macht, erwarten 319 Seiten unterhaltsame Lektüre über eine vermeintliche, Weiterlesen

Tony Hillerman: Blinde Augen

Es sind die exotischen Regionen in denen die Ermittler der Autoren des Union Verlags ihre Fälle lösen. Der schon verstorbene Tony Hillerman hat mit seinen Romanen über den Polizeileutnant der Navajo Police Joe Leaphorn viele Preise gewonnen. Der Autor lässt uns an den Gedanken und dem Fühlen des Indianers teilhaben. Wir erleben die Gegend das Monument Valley aus einer Perspektive die nur wenige Menschen zu Gesicht bekommen. Tradition und Schamanismus der Navajos vermittelt uns der Autor mit einer Selbstverständlichkeit und Intensität die absolut preiswürdig ist. Weiterlesen

Talking History , Reden, die die Welt veränderten, Kinderbuch ab 10 Jahre

Wenn gemäß einer CNN-Umfrage vierzig Prozent deutscher Jugendlicher und Erwachsener zwischen 14-34 Jahren angeben, nichts oder nur wenig über den Holocaust zu wissen und dreiunddreißig Prozent der Europäer ihr Wissen als gering einschätzen*, dann gehören Kinderbücher wie Talking History in jedes Kinderzimmer. Trotz unseres historisch besten Zugangs zu Bildung, den wir je hatten und durch Informationen vom allgegenwärtigen Handy, scheint eine Geschichtsverdrossenheit entstanden zu sein. Doch wer die Zukunft verändern will, muss die Vergangenheit kennen. In diesem Kinderbuch ab zehn Jahre, sind wichtige Ereignisse der letzten einhundertfünfzig Jahre in Form von sechszehn mitreißenden Reden erklärt.

Geschichtsbewusstsein sollte schon im Kindesalter geweckt werden. Dieses Buch erklärt, wie schwer der Kampf für Demokratie, gegen Rassismus und für Feminismus unserer Ahnen war. Männer, Frauen aber auch Jugendliche haben gekämpft oder kämpfen noch für ihre Ideale. Jeder sollte die Menschen kennen, die uns unser gutes und freies Leben erst möglich gemacht haben. Meine Meinung über dieses Buch: sehr wertvoll! Weiterlesen

Silke Ziegler, Im Zauber der Stille

Die Frage war: „Was ist gemeint mit dem Zauber der Stille?“ Natürlich muss man das Buch lesen, um den Satz zu verstehen. Es geht um die Flucht vor dem kriminellen Ehemann, der zu allem fähig ist, selbst seine Frau und Kinder zu ermorden. Es bleibt nur ein schwieriger Ausweg – in ein Zeugenschutzprogramm. Ein abgelegenes Haus in den Bergen und das Glück, den Frieden, die kurzfristige überstandene Verfolgung in ungewohnter Stille zu genießen. Eine Geschichte über Angst, Hass und Verzweiflung bis hin zu Freude und Leidenschaft. Eine Reise in die Gegend von Montpellier, Südfrankreich mit einem nervenaufreibenden Spiel um das Schicksal der Protagonistin und ihrer Kinder.

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Liebewesen, Caroline Schmitt, Eichborn

Habe ich jemals ein Buch mit so viel Schmiss über eine so unglaublich traurige und absurde Geschichte gelesen? Hab ich je so oft geschmunzelt über den Wortwitz eines abgrundtiefen Dramas? Wahrscheinlich nicht!

Caroline Schmitt schreibt mit einem Feuer, einer Verve über die Untiefen von Liebesbeziehungen und den schlimmsten Familienexzessen, dass man ihr entgegenrufen möchte: Schreiben Sie weiter, junge Frau. Ihr Stil ist unvergleichlich und Sie sind eine begabte Autorin. Gratuliere zu diesem Debüt!

Liebewesen, irgendwie ein Liebesroman, eine von Opferung geprägte Selbstfindung, die Beschreibung einer Kindheit mit sadistischer Mutter und am Ende eines Durchatmens und Verstehens. Das Ganze ist wie nebenbei erzählt, mit viel Humor und dennoch mit einer emotional fast unspektakulären Beteiligung der Hauptprotagonistin. Ein ziemlich irres, aber geniales Werk!  Weiterlesen

Rudolf Rach, Grosses Glück mit kleiner Flamme

Eine Liebeserklärung an die gute Küche, die Erinnerung an die Gerichte, die mit ihrem außerordentlichen Geschmack für immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Kochen ist Poesie, Kunst, anstrengend, Inspiration, Entspannung und Erfüllung. Rudolf Rach hat das schon richtig erkannt. Wer sich in die Küche begibt, erlebt ein neues Wohlgefühl/Leben. Noch zur Gründerzeit war es verpönt, wenn die Dame des Hauses die Küche betreten hat. Das war etwas für das Personal. Und wer es sich leisten konnte, hatte einen französischen Koch. Mit der Industrialisierung und ganz speziell unter dem Naziregime wurde die Frau an den Herd verbannt. Erst seit den achtziger/neunziger Jahren haben die Männer den heutigen Sehnsuchtsort Küche entdeckt. Und Rudolf Rach hat dazu Geschichten von Erlebten und Genossenem mit Rezepten gemacht.

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Jennie Fields: DIe Unteilbarkeit der Liebe

Dieser historische Spionageroman von Jennie Fields hat alles was man in diesem Genre erwartet: Spannung, Liebe, Verrat und Hochverrat, Helden, Bösewichte, schöne Frauen und schicke Männer. Und er hat Tiefgang, denn es geht um gewaltige moralische Entscheidungen und darum, wie 3 Menschen, die im 2. Weltkrieg geistig und körperlich tief verletzt wurden und um die Ursachen, die dazu geführt haben, dass sie sich gegenseitig heilen. Das Ganze spielt im Chicago der 1950er Jahre vor dem Hintergrund des Kalten Krieges und man weiß: egal hinter welchem Geheimnis der Feind – Russland – her ist, jedes Mittel wird ihm recht sein, das Objekt der Begierde zu bekommen. Die Autorin verwebt gekonnt die unterschiedlichen Weiterlesen

Giuliano da Empoli: Der Magier im Kreml

Das vorliegende Werk ist ein Roman, das wichtig ist, um die gegenwärtige Weltlage richtig einordnen zu können. Es ist ein Versuch mi den Mitteln der Belletristik politische Entwicklungen zu erklären die uns, so meinen einige politische Beobachter, an den Rand des dritten Weltkriegs bringen. Wieder einmal ist ein Herrscher, diesmal der Herrscher im Kreml, der Zar, an der Festigung seiner Macht interessiert und übernimmt althergebrachte Mechanismen um seine Macht zu sichern. Um diese Mechanismen in den geschichtlichen Kontext stellen zu können muss man sich intensiv mit politischen Verhältnissen auseinandergesetzt haben und diese intensiv verfolgen. Das macht der Autor auf unterschiedlichste Weisen. Während der Lektüre dieses Roman wird dem/der Leser*in einiges in diesem Konflikt deutlich und versetzt ihn in die Lage Handlungsweisen zu abstrahieren. In Frankreich der #1 Bestseller und vielfach ausgezeichnet: «Der Magier im Kreml» von Giuliano da Empoli, ist ein auf realen Personen und wahren Begebenheiten basierender Roman. Weiterlesen

Jonny Lambert, Der kleine Wal und das große Meer

Ein berührendes Bilderbuch über Freundschaft und den Spaß am Teilen für Kinder ab 3 Jahren. Ein kleiner Wal, eine große Reise durchs Meer und viele Dinge, die einfach nicht fair sind.

Die Wale wandern immer in Gruppen von gemäßigten Zonen in kältere und umgekehrt. Immer auf der Suche nach den besten Weidegründen. Diesmal begleitet der kleine Wal seine Mutter. Neugierig und unternehmungslustig will der kleine Wal die Gruppe gleich anführen. Er schwimmt eiligst nach vorne, doch da ist seine Freundin Frida schon. Enttäuscht zieht er zurück. So geht es ihm in vielen Situationen. Als der kleine Wal das Seegras entdeckt und von der Schildkröte auf dem Arm genommen wird.  Doch am Ende stellt er fest, dass alles halb so schlimm ist: Vom Seegras ist genügend da und man kann es genauso gut teilen, wie die Mama, die hat schließlich zwei Flossen, so dass Frida dazu gehört. Überhaupt ist Freundschaft und Vertrauen viel wichtiger, als etwas für sich allein zu haben.

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