
Die verlorenen Jahre in der Zeit des Erwachsenwerdens sind sowieso schon kaum auszuhalten, doch mit dem falschen Elternhaus, wird selbst Rebellion zu einer zähen Sache. Charles hat sich ihr Leben mit ihren irren Hippie-Eltern in Berlin eingerichtet. Ab und zu muss sie mal ihren Vater hinterher, wenn er als Flitzer durch die Straßen rast und das für Kunst hält, aber bitte, es gibt Schlimmeres. Nämlich, dass ihre völlig verkorkste Mutter plötzlich mit Sack und Pack und leider auch der gesamten Familie in eine Kommune aufs Land zieht. Charles ist am Nullpunkt angekommen, ohne Berlin kann sie sich den Schuss geben. Gwenn lebt in der Schickimickisiedlung mit ihren reichen Eltern und ihrem fast immer zugekifften Bruder. Sie lebt ein Doppelleben. Zu Hause die elitären Freunde der Eltern, wobei männlichen Freunde keinen Versuch unterlassen, dem heranwachsenden Mädchen mal an den Hintern zu packen. Dann die asozialen Ecken von Hildesheim, wo sie dreckigen Sex hat und sich Streetfights liefert. Alles schreit danach, das Gwenn und Charles sich endlich treffen. Und das hat dann auch einen Knalleffekt vor allem für die Eltern, aber endlich Linderung für die Mädchen.
Witzige Sprache am Zahn der Zeit und erschreckende Einsichten in das alltägliche Leben von Teenagern. Pubertät ist nun mal alles andere als einfach! Erstaunlich wie viel man vergessen hat von den verwirrenden Zeiten, hier kann man sich erinnern!
Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, gibt‘s wieder einen neuen Kluftinger. Wieder gelingt es den beiden Autoren mehrere Punkte einer Diskussion würdig sind in einem Kriminalroman unterzubringen. Es geht um alternative Wohnformen, Sekten, archäologische Funde, Social Media und zwischenmenschliche Beziehungen. Erstaunlich das hohe Niveau auf denen diese Diskussionspunkte abgearbeitet werden. Mit Ironie und dem Charme des Ostallgäuers kommt der Kommissar und Familienmensch manchmal aus schier unlösbaren Konflikten heraus. Für die älteren der Leserschaft sind viele Punkte mit denen sich der Kommissar mit der heutigen Kommunikationstechnik auseinandersetzen muss nicht unbekannt und dienen vielleicht zur eigenen Reflexion. Die Autoren wären nicht ihrer Heimat verbunden, wenn sie diese nicht ein wenig mit Werbung unterstützen würden. Wieder einmal gelingt es den Autoren Spannung und beste Unterhaltung in einem Krimi unterzubringen. 

Wer sich einmal auf Bücher von Carsten Henn eingelassen hat, ist begeistert von seinem ehrlichen humorvollen Schreibstil. Auch wenn dabei leichte Kriminalromane sind, bringt er sehr viel Wissenswertes, also Lesenswertes rüber. Wie beim „Gin des Lebens“ oder „Rum und Ehre“. Allein das Lesen der Titel bringt einem zum Schmunzeln. Ebenfalls von ihm, kein Krimi, „111 Weine, die man getrunken haben muss“. Genial! Hierzu empfehle ich meine Rezension im 



Ich habe Nigel Kennedy zweimal auf der Bühne erlebt. Davon ist mir das Konzert in der Alten Oper Frankfurt besonders in Erinnerung und so war ich sehr gespannt auf seine Memoiren. Aber es sind seine Erinnerungen. Ungefiltert, sprachlich kraftvoll bis derb, in seinen Worten erzählt und allgemein verständlich. Kein Lektor, der Kennedys Sprache glattbügelte. Vielen Dank dafür. Denn der Autor hat seine Fans in allen Gesellschafts- und Bildungsschichten. Es war ihm von Beginn an seiner Karriere ein Anliegen, die klassische Musik zu allen Menschen zu bringen, verzichtete bewusst und als Erster auf den Frack. Zwar Rebell in vielen Bereichen, kommen seine Erinnerungen sehr strukturiert daher. Einem übersichtlich gegliederten Inhaltsverzeichnis folgt eine nicht ganz ernst gemeinte Warnung an seine Leser: »…Leser sollten sich meines politisch nicht ganz korrekten Schreibstils und meiner offenen Worte über die BBC, Plattenfirmen, die bayrische Polizei und andere selbsternannte Hüter der Macht bewusst sein«. Sein Stil ist die Basis für wahrlich originelle und unterhaltsame Memoiren, spielerisch, unkonventionell und sorgfältig ausgeführt wie seine Musik. Und welcher Künstler sonst widmet seinen Begegnungen mit der Polizei ein ganzes Kapitel mit dem Thema »Top 10…« oder spielt »Küchen-Golf« mit Gary Lineker? Überhaupt, Fußball und Boxen bezeichnet er als seine wichtigsten Interessen außerhalb der Musik. Über Aston Villa sagt er: »ein wahrer Segen für mich, von normalen, ehrlichen, hart arbeitenden Menschen, die eine „ordentliche Arbeit“ haben, umgeben zu sein«. »Ich habe mein Leben lang Barrieren zwischen Menschen einzureichen versucht und denke, das vorliegende Buch ist dafür Beweis genug« schreibt Kennedy in seiner Warnung. Es ist das Statement über eine Mission, ausgeführt mit Gelassenheit.