Die dunkle Stille des Waldes, Nalini Singh

Aufgewachsen im modernen Neuseeland, aber in einer Art reicher Enklave von Indern, Asiaten und Multimillionären, war Aaravs Kindheit nicht einfach. Vor allem aber begleiten die bitteren Streits zwischen seinem eiskalten Vater und seiner zu schönen, aufreizenden Mutter den Jungen während seiner Kindheit. Bis zu dem Abend, als er den Schrei hörte, ihren Jaguar wegfahren sieht und seine Mutter nie wiederkommt. Da eine Viertelmillion in Vaters Safe fehlen unterstellt dieser, dass die Schlampe, wie er seine Frau nennt, sich abgesetzt hat. Zehn Jahre später ist aus dem Jungen ein Mann und dazu erfolgreicher Schriftsteller geworden. Ein böser Autounfall zwingt ihn wieder in sein Elternhaus in die Cul-de-Sac zu ziehen, umgeben von Jugenderinnerungen und den Menschen, die seine Mutter Nina alle kannten. Dann steht die Polizei vor der Tür. Man fand Ninas Jaguar im Busch, keine fünf Kilometer vom Haus entfernt und ihre Leiche auf dem Beifahrersitz.

Aarav glaubt fest an einen Mord und will den Mörder finden. Denn es war keine Gelegenheitstat und es scheint, nicht nur sein Vater hatte genug Motive Nina zu töten. Doch Aaravs Kopfverletzung trübt seine Wahrnehmung immer mehr. Kann es wirklich sein, dass er selbst seine Mutter tötete?

Autorenfoto: ® Sharyn Barratt

Auf Fidschi geboren, wuchs Nalini Singh in Neuseeland auf. Nach eigener Aussage schreibt sie, seit sie denken kann – und war immer auch schon etwas romantisch veranlagt. Trotzdem wurde sie zunächst Rechtsanwältin und verbrachte mehrere Jahre in Japan, von wo aus sie Asien bereiste, insbesondere die Mongolei und China. Auch Tätigkeiten als Bibliothekarin, Bankangestellte und Englischlehrerin lernte sie kennen, bevor sie 2002 ihr erstes Buch erfolgreich verkaufte. Neben dem Schreiben liebt Nalini Singh das Lesen, das Reisen und Schokolade. Mittlerweile lebt Nalini Singh wieder in Neuseeland.

Dass die Ehe seiner Eltern von Anfang an ein Desaster war, daran kann sich der sechsundzwanzigjährige Aarav von Kindesbeinen erinnern. Auch das sie bitterliche stritten in der Nacht als Nina, seine Mutter, für immer verschwand. Sie fuhr wie so oft nach dem Streit davon, doch dieses Mal kam sie nicht wieder. Außerdem klingt Ninas Schrei noch nach zehn Jahren im Kopf des jungen Mannes wieder. Als man endlich die Leiche im Jaguar findet, wo sie unweit des Hauses zehn Jahre lag, ist klar, es war ein Mord, denn Nina saß auf dem Beifahrersitz. Hingerissen von seinen eigenen Gefühlen des Abscheus und der intensiven Liebe zu seiner Mutter, fängt Aarav an zu recherchieren. Da er nach seinem eigenen Autounfall mit einem gebrochenen Bein und Krücken rumlaufen muss, war er in das Haus seines Vaters zurückgekehrt. Shanti die zweite Frau seines Vaters kümmert sich gut um den Sohn und seine kleine Schwester liebt ihn abgöttisch, doch Vater ist weiterhin wie eine Tretmine, vor allem wenn er getrunken hat.

Aaravs Ermittlungsergebnisse werden immer bizarrer, denn als Mörder kommen nicht nur sein Vater, sondern auch Nachbarn, mit denen Nina ein Verhältnis hatte, ehemalige Angestellte, der Fitnesstrainer und Freundinnen infrage. Alles Leute die immer noch in der reichen Ex-Pat Siedlung in der Cul-de-Sac leben. Das verstörendste jedoch ist, dass selbst Aarav bei Ninas Verschwinden eine Rolle spielte. Und da sein angeschlagenes Gehirn und die vielen Schmerztabletten ihm immer wildere Fantasien vorgaukeln, muss er sich ernsthaft fragen: Habe ich meine eigene Mutter ermordet?

Was wie ein Familienroman beginnt, endet wie ein Thriller. Sehr spannend und gut in Szene gesetzt. Hätte Nalini Singh etwas siebzig Seiten weniger geschrieben, dann wäre dieses Buch ein Thrillerfeuerwerk geworden. Aber nichtsdestotrotz ist es eine super Geschichte, die jeden Leser fesselt.

Die dunkle Stille des Waldes, Nalini Singh, Knaur Verlag, Klappenbroschur, Seiten 480, ISBN: 978-3-426-22761-9, Euro 14,99, erschienen August 2021.

 

 

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